Hallo

Ich bin eine der "unsolidarischen" Europäerinnen. Für mich gehört es zum Islam dazu, dass ich mich verhülle. Mir tut es leid, wenn Menschen nicht die Möglichkeit haben selbst zu entscheiden, wie sie leben möchten. Aber warum muss ich mich mit Frauen solidarisieren, wenn sie in anderen Ländern gezwungen werden Kopftuch zu tragen. Warum fordert niemand Solidarisierung mit den Frauen, die in der Türkei oder Tunesien keine Kopftücher tragen dürfen. Oder warum solidarisiert sich niemand mit den Chinesen, bei denen Religion nur solange geduldet ist, bis sie von alleine ausstirbt? Achja, ein Christ oder Muslim in China darf als angehöriger einer Minderheit z.B. keine politischen Ämter bekleiden. Oder dass sie nur 1 Kind haben dürfen(auch wenn es gerade im Wandel ist).
Die Forderung nach einer Solidarisierung ist für mich keine Lösung des Problems, dass Frauen oder andere Menschen zu irgendwas gezwungen werden. Die Frauen und deren Familien, Umgebung müssen wissen, dass jeder selbst für sich verantwortlich ist und jeder für sich allein vor Allah steht. Zudem gibt es eine Aya im Koran (2,256), die heisst: "Es gibt keinen Zwang im Glauben"
Nur weil es Menschen gibt, die den Islam mißbrauchen um Frauen zu unterdrücken, fordern immer wieder andere Menschen, den Islam oder Teile abzuschaffen, weil diese so Frauenverachtend wären.
Dabei frage ich mich, ob die sich diese Leute schonmal Gedanken gemacht haben, wie gleichberechtigt man hier in Deutschland wirklich ist. Eine Frau in Deutschland verdient immer noch weniger als ein Mann in einer Führungsposition. Kinderlose Frauen um die 30 werden bei einem Vorstellungsgespräch oft erst gefragt, wie es denn mit der Familienplanung aussieht. Wenn sie denn zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Bei Männern hingegen denkt man, ok. der wird langsam 30, der wird bestimmt bald Familie haben, die er versorgen muss, mit dem haben wir keine Probleme.
Oder warum gibt es Gleichstellungsbeauftragte, wenn hier alles so toll läuft?
Oder warum donnern sich die meisten Frauen erstmal ordentlich auf, bevor sie zu einem Vorstellungsgespräch gehen.

Gott sei Dank, weiss ich nicht, wie es ist gezwungen zu werden. Und Gott sei Dank habe ich hier in Deutschland die Wahl. Aber ist die Forderung kein Kopftuch zu tragen, nicht ein umgekehrter Zwang "wir dürfen/sollten nicht, wegen/für anderer Frauen"

Und wie solidarisiert man sich in letzter Zeit mit den Christen, die in christlichen Schulen so einiges erleiden mussten. Meiden wir jetzt alle christlichen Schulen oder müssen sich jetzt alle Christen von ihrer Religion abwenden? Wäre das gerecht? Ich denke nicht, denn nicht jeder Christ missbraucht seine Stellung.

Übrigens finde ich, dass diese Sache hier in Deutschland sehr einseitig betrachtet wird. Mit mir solidarisiert sich übrigens auch niemand, wenn ich bei der Arbeitssuche Schwierigkeiten habe. Aber naja, ich habe, Gott sei Dank, Arbeit auch mit Hijab.
Zu dem Thema Probleme und Schwierigkeiten mit Geschäftskunden. Ich habe vorher für einen türkisches Unternehmen gearbeitet, Ironie hierbei war, dass ich die einizige mit Kopftuch war. Dort hat man mich aber gelassen und mich sogar auf die Messe geschickt, und das nicht nur einmal. Ich hatte auch viel mit Geschäftspartnern zu tun. Da war es nie ein Thema, dass ich ein Kopftuch und lange Gewänder trage, weil es eben nicht zur Diskussion stand.