Liebe Besslama,
es gibt viele Möglichkeiten eine gescheiterte Liebe zu bewältigen - wenn Du auf den Spuren Deiner grossen Liebe Marokko kennen lernen möchtest, dann kann ich Dich darin nur bestärken: es ist eine getrennte Liebe, die man zu einem Partner haben (und verlieren) kann und die man zu dem Land, den Leuten und der Kultur entwickeln (und nie mehr verlieren) kann. Manchmal versteht man nicht nur den Partner, sondern auch sich selbst besser anschliessend und manchmal bleibt man dort und sieht das als den eigentlichen Grund an, warum man dem anderen begegnet ist.
Bei mir war es immer eine Mischform: meine Dankbarkeit hat nie nachgelassen, daß ich durch meinen Mann die Türen in diese Kultur geöffnet bekommen habe. Und ich kann sie geniessen auch ohne ihn und fühle mich aufgehoben wie in einem Korsett, das das innere Gerüst unserer Liebe aufrechterhält und nährt.
Das alles ist in Europa nur in abgeschwächter Form zu haben - die noch dazu mit der nichtvorhandenen Fähigkeit von Marokkanern kollidiert, sich nicht wirklich klar ausdrücken zu können, wenn ihnen etwas nicht behagt, gegen den Strich geht oder womöglich sogar eine Zumutung darstellt, die einer Liebe den Todesstoß geben kann. In den seltensten Fällen ist es dann die glücklich erlangte AE, die nach drei Jahren den Ausschlag für das Verlassen der deutschen Frau gibt, in der Regel läuft das Faß nach drei Jahren einfach nur entgültig über: natürlich nicht ohne die hart erarbeitete AE noch mitzunehmen.
im übrigen war es anscheinend ein Marokaner,dem es NICHT um eine AE ging hehe,denn er hatte schon eine...solls auch geben,.. whistle
Ich habe mir gestern die Bettelbriefe von Schiller aus dem Hanser-Verlag gekauft - der sein Leben lang in Geldnöten war und sich eine junge Adelige als künftige (Zweck)-Ehepartnerin ausgeguckt hatte:
Schiller weiß, daß er alles andere als der ideale Heiratskandidat einer jungen Adeligen mit guten Kontakten zum Hof ist. Eine Professur in Geschichte hat er vorzuweisen, allerdings ohne feste Bezüge, einige erfolgreiche Werke und jede Menge Schulden. Aber vielleicht ist die Mutter der Braut von Schillers liebevoller Beschreibung eines Ehelebens ihrer Tochter, einer unkonventionellen Mischung aus studentischem Lebensstil mit Vollpension, angetan. Vielleicht überzeugt sie auch Schillers charmantes Drängen in seinem Bittbrief: in jedem Fall finde die Hochzeit schon einen guten Monat danach statt, die Brautmutter schenkt dem Paar einen jährlichen Zuschuß von 150 Reichstalern.
So läppert sich eine verlässliche Summe zusammen und Schiller ist über den Berg.
Auch diese "Zweck"-Ehe hat gehalten bis daß der Tod sie schied, es entsprangen viele Kinder dieser Beziehung und es gereichte dem Ehefrieden nicht zum Schaden, daß die Braut ein Auskommen für ihren geplagten Künstlergatten mit in die Ehe bringen konnte. Sie belegt aber einmal mehr, daß man etwas zum "Drauflegen" haben sollte - den Hartz4 Beziehungen stehe ich schon deshalb skeptisch gegenüber, weil sie für einen Marokkaner keinen Aufstieg, sondern einen Abstieg bedeutet.
Das gilt nicht für die Konstellation von Bluebell:
wenn die Familie bei ihr mitspielt und sie nicht unter riesigem Existenzdruck steht, dann entspricht diese Konstellation durchaus der von Schiller und hat gute Chancen zu überleben.
Josi