Don Ronaldo,

was die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten betrifft, so weiß man schon seit vielen Jahren, insbesondere seit Auftreten von HIV/AIDS, dass sich Infektionen bzw. Ansteckungen nicht durch Kontrolle oder Tests verhindern lassen, sondern nur dadurch, dass jede/r für sich und seine/n Sexualpartner/in Verantwortung übernimmt und konsequent Safer Sex praktiziert. Das bedeutet beispielsweise bei penetrierenden Sexualpraktiken immer Kondome zu verwenden oder riskante Sexualkontakte zu vermeiden. Es treten auch vermehrt Krankheiten wie z.B. Hepatitis B auf, die auch durch Sexualkontakte übertragen wird. Gegen Hep B kann man sich jedoch impfen lassen. Tatsache ist in jeden Fall, dass jedes Individuum durch entsprechend verantwortliches Sexualverhalten die Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten verhindern kann. Das Problem in Marokko ist die Tabuisierung von Sexualität und die aufgrund der Religion auf die Ehe beschränkte "erlaubte" Sexualität, die jedoch mit der tatsächlichen Realität nichts mehr zu tun hat. Auch in Marokko gibt und gab es außereheliche Sexualität, Homosexualität und Prostitution, die entweder totgeschwiegen oder verteufelt werden. Wie man am Schicksal der sogenannten "Petit Bonnes" sieht, gibt man sogar diesen minderjährigen Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt und aus der Gesellschaft ausgestoßen wurden, die Schuld an ihrem Schicksal. Das macht auch die partriarchalen Strukturen deutlich. Frauen haben kein Recht auf eine eigene lustvolle Sexualität. Sie müssen ihren Ehemännern zur Verfügung stehen und Nachkommen zur Welt bringen. Sexualität ist das Vorrecht des Mannes.
Ach ja, und weil wir schon dabei sind, noch ein paar Worte zu Prostituierten. Wie Du schon erwähnt hast gibt es auch in Marokko Prostitution. Egal aus welchen Gründen diese Frauen in Marokko als Prostituierte arbeiten, sie sind Menschen wie Du und ich und sie haben Menschenrechte und vor allem ihre Menschenwürde. Also bitte trage dem auch in Deiner Wortwahl Rechnung. Im übrigen ist es egal ob eine Prostituierte ihre Dienste "billig" oder "teuer" verkauft, die Tätigkeit bleibt dieselbe. Ich bin mir ganz sicher, dass die Männer die Du kennst, die diese Dienste gerne in Anspruch nehmen, zuhause eine brave Ehefrau haben, die als gute Muslimin selbstverständlich ein Kopftuch trägt weil der Ehemann es auch gar nicht anders dulden würde. Soviel zur Doppelmoral der marokkanischen Männer. Sie sind der größte Risikofaktor bei der Verbreitung von STI's. Da hilft auch keine Kontrolle und kein Test wenn sich sonst am Verhalten nichts ändert.
Und was die marokkanischen Labore betrifft: Die können mit unseren locker mithalten. Im übrigen ist die Wahrscheinlichkeit, sich über eine benutzte Rasierklinge mit HIV zu infizieren vernachlässigbar. Und auch hier gilt: Selbst ist der Mann! Entweder ich bringe mir selber eine Klinge mit oder ich überzeuge mich vor Gebrauch davon, dass die Klinge sauber ist.

So das musste mal raus,

schönen Abend,

Zampi


Wer will, findet Wege,
wer nicht will, findet Gründe.