hallo najib, hallo argazarrumi , hallo an alle anderen.

Ob die blogger nun alle ins gefängnis kommen kann ich nicht beurteilen. Das wird a) davon abhängen, ob sie im direkten zugriff marokkanischer behörden stehen (wer aus kanada, den usa oder europa bloggt ist da eher auf der sicheren seite als ein im lande lebender marokkaner. B) hängt es sicher davon ab, was konkret der blogger denn zu dem fall geschrieben hat in seinem blog. Ich habe die erwähnten einzelnen bloggs nicht gelesen, wer sich da aber kritisch geäußert hat und dem zugriff der behörden unterliegt, dem kann durchaus übeles drohen. Die anderen wären u.u. bei ihrer nächsten einreise in gefahr.

Meinungsfreiheit ist in marokko insgesamt ja nur teilweise vorhanden (auch wenn unter M6 sicher weit mehr als noch unter hassan II), wenn es um das königshaus geht aber nach wie vor gar nicht. Da stimmen wir überein.

Ob sie gefoltert würden? Es ist ja kein geheimnis dass die DST (Direction de la Securité du Territoire) in temara verdächtige bzw. beschuldigte nicht gerade mit samthandschuhen anfasst und sogar befreundete ausländische dienste sehr gerne "fürs grobe" ihre gefangenen gelegentlich extra nach marokko einfliegen gerade weil dort mit effizenteren methoden "intensiver befragt" wird. Gelegentlich verbessert man ja sogar vorhandene infrastruktur -auch mit freundlicher unterstützung "befreundeter dienste" wie der CIA, zuletzt z.b. beim neuen verhör- und haftzentrum "ain aouda" /rabat.

Schon die ganz normale "Sûreté Nationale" hat ja nicht unbedingt den ruf immer sonderlich korrekt mit ihren inhaftierten umzugehen, auch wenn das eher in richtung "einfache misshandlungen" geht und nicht in richtung gezielte folter. Da erzähle ich dir aber sicher wenig neues, lebst du ja vor ort.


Ich stimme dir ausdrücklich zu, dass -aus rein innenpolitischer perspektive- man die amnestierung fouads medial ausschlachten könnte. Gleichzeitig stimmst du mir hoffentlich zu wenn ich sage: bei adäquaterem handeln der behörden wäre der vorfall niemals auch nur in den lokalen medien gelandet. Medial auschlachtbare fälle für eine amnestie gäbe es auch ohne fouad sicher noch zahreiche.

Gut auch, dass wir inzwischen übereinstimmen, dass der in rede stehende vorgang weltweit im allgemeinen wesentlich klüger behandelt wird, als das bei marokkos behörden der fall war, die einen in der geschichte des internet einmaligen vorgang daraus machte. Insoweit scheinen wir ja auch was die internationale außenwirkung anbetrifft übereinzustimmen. Du hälst die jedoch für weniger relevant und unterstellst dem königshaus rein auf die innenpolitische wirkung abzuzielen.

Das genau möchte ich in ZWeifel ziehen. Hätten wir es nicht mit marokko sondern mit einem außenpolitisch völlig isolierten staat zu tun wie z.b. nordkorea oder z.B. myanmar/birma oder cuba würde ich dir hundertprozentig zustimmen. Den herrschern dieser länder ist die außenwirkung selbst bei noch wesentlich schlimmeren dingen einfach herzlich egal.

Matrokko ist recht eng an den westen angebunden -weil der könig M6 das so will. Man unterstützt selbst so fragwürdige regime wie das von G.W. Bush, möchte sich politisch und wirtschaftlich gerne nah an europa orientieren etc. etc.

Einer nicht kleinen zahl marokkaner z.b. aus dem PJD-lager geht das alles viel zu weit, sie haben aber aktuell nicht die macht, sich in der richtung gegen den könig durchzusetzen.

Marokko hat -ich nenne es mal hochfliegende pläne- was die entwicklung im tourismussektor angeht. Stichwort "plan d'azur", wo ja um die 50 milliarden investiert werden sollen und die übernachtungskapazitäten um satte 110.000 weitere betten steigen sollen. Ich erinnere mich da an einen artikel in "la vie éco".

Soweit es kuwaitische investoren wie die "aref investment group" angeht, die werden mit all dem gar kein problem haben. Zu hause in kuwait ist alles ja wesentlich restriktiver. Gleiches gilt für investoren aus baharain. Aber gilt das auch für die französischen oder spanischen konsortien? Da bin ich skeptisch.
Mal angenommen die investoren sähen großzügig darüber hinweg. Was ist mit den touristen die irgendwann einmal diese gigantischen bettenburgen nutzen sollen? Klar, man spekuliert auf steigende touristenzahlen von der arabischen halbinsel, das vergleichsweise liberale marokko ist für die sehr interessant für ihre teils lasziven parties, weshalb ja die stimmung unter den marokkanern durchaus ambivalent ist diesen gästen gegenüber die immer mal wieder in den medien erwähnung finden ob der partties in angemieteten villen. Für den massenmarkt sind aber eher die touristen aus europa relevant.

Von den machenschaften eines DST bekommt man hierzulande wenig mit da darüber so gut wie nicht berichtet wird. "Jubelartikel" wie
dieser hier auf M6 im stern aus dem vergangenen jahr prägen in D eher das bild marokkos als dem westen gegenüber eher aufgeschlossenes land. Wie lange noch ist die entscheidende frage angesichts der negativschlagzeilen die marokko aktuell weltweit macht.

Die stimmung in punkto muslime ist hier in D alles andere als gut. Interessierte kräfte bemühen sich gezielt stimmung gegen muslime und den islam zu machen. In einem ausmaß, dass mich persönlich schon sehr erschreckt und an dunkle zeiten der deutschen geschichte erinnert. Dabei wird natürlich nicht differenziert und berechtigte kritik geübt sondern aufs übelste polemisiert und gehetzt. Dafür kann M6 und das eher liberale marokko natürlich nichts, es ist aber einfach mal fakt. Fälle wie der von fouad, wo behördlicherseits vollkommen unklug und überzogen reagiert wurde, sind wasser auf die mühlen jener interessierten kreise, die einen "islam-tsunami" über europa oder gar die welt hereinbrechen sehen und diesen herbeireden und schreiben wollen. Die leben nicht nur von der pauschalisierten verurteilung von ca. 1,3 milliarden muslimen, unterscheiden nicht zwischen sunnitischen schiitischen oder gar wahabitischen und sonstigen strömungen, sie nutzen geschickt situationen wie die von fouad (und noch weit trivialere) für ihre übelste demagogie und volksverhetzung aus.
In zunehmendem maße.

Ja, stimmt, du hast nicht vorgeschlagen ein mäntelchen des schweigens auszubreiten über die sache. Aber was konkret schlägst du also vor? Es klang sehr nach "abwarten und tee trinken" dann regelt sich das zu fouads gunsten von selbst. Stimmst du mir zu, dass der vorstehend beschriebene internationale schaden für MA eintreten könnte oder sogar eingetreten ist?

Zur frage ob petitionen etwas bringen oder nicht. Argazarrumi scheint da deiner ansicht zu folgen. Ich hingegen denke schon dass sie etwas bringen. AI (amnesty international) und viele andere NGOs setzen die seit jahren immer wieder erfolgreich in konkreten einzelfällen ein. Es wurden strafen gewandelt oder abgemildert, es zeigt regierungen dass ihr treiben international nicht gänzlich unbemerkt bleibt und dass es menschen interessiert wie sie mit ihren bürgern umgehen.
Für mich ist jeder einzelfall in dem etwas erreicht wurde viel wert. Gleichzeitig denke ich hilft er denkprozesse auszulösen bei den regierungen dieser länder. Womit nicht gesagt ist, dass die deshalb ihr kritikwürdiges verhalten ändern.

Was die formulierungen im petitionstext angeht: Dioe sind immer so "schleimig" das man darauf ausrutschen könnte. Wenn man "elendes a*schloch schreiben würde reduziert man die chance dass sie gelesen wird schon sofort gegen null. Darum verwendet ai und andere immer korrekte und formale ansprache und der text ist im allgemeinen drohungsfrei und recht "unterwürfig formuliert. Ich vermute, das hat die erfahrung gelehrt.



Noch zu dem kleinen stückchen hasch was du zum zweiten mal erwähnst: Ich bin -so wie argazarrumi- sicher, dass, sofern es wirklich klein ist, dir dazu rechtzeitig eine kluge lösung einfiele und du dich entsprechend arrangierst... Mehr muss ich dazu sicher nicht sagen?! ^^ Das thema petition hätte sich damit so oder so erledigt...



@ argazarrumi

nein, nicht hier theorie dort praxis. Nach meiner erfahrung liegt die wahheit fast immer irgendwo in der mitte dazwischen. Die welt ist nicht einfach nur schwarz oder nur weiß, sie hat viele schattierungen.

Ich stelle dir mal die offene frage "was hilft fouad?" Hieltest du es z.b. für hilfreich statt der petition z.b. die von mir beschriebene aktion blogs und profile mit dem namen des prinzen hundert- oder gar tausendfach zu erstellen (weltweit) um so vorzuführen wie absurd die reaktion war?

Würde die häufung von "fällen" nicht recht schnell zur erkenntnis führen auf dem bisher eingeschlagenen peinlichen weg nichts ausrichten zu können, so wie von mir vermutet?

Denkst du MA würde sich ernsthaft erneut dem weltweiten spott aussetzen den ein neuer versuch (diesmal internationaler klagen) zu dem thema mit sich brächte? Gerade dann, wenn es zusätzlich vollkommen machtlos nach innen darstünde? Denn verhindern lässt sich ja die anlage solcher webseiten gerade nicht!

Deine einschätzung zur rolle von blogs teile ich nicht. Weshalb bitte werden blogger in restriktiven staaten denn bis aufs blut bekämpft, werden versuche gestartet sie zu zensieren wenn sie nicht als bedrohlich empfunden werden? Sicher nicht um ein paar gelangweilten IT spezialisten selbige langeweile zu vertreiben! Zensur im internet findet auch in marokko statt, verglichen mit tunesien ist marokko aber z.b. liberal. Also scheinen sie durchaus etwas zu bewirken. Abgesehen davon dass es im fall fouad ja lange nicht nur um "exotische bloggs" mit zweifelhafter reichweite geht. Der mann stand in der new yorck times, in le monde, in der deutschen zeitungspresse, bei el pais und sicher noch in einer menge medien mehr. Das nur deshalb, weil der justizskandal so groß ist in der restlichen welt.

Oder bleibt für dich nur die in meinen augen fatalistische position gar nichts tun zu wollen/können? Wenn ja, wie soll sich so jemals etwas bewegen?
Wenn nein: was also konkret tun?

Jetzt erst, nachdem die wissenshorizonte des jeweils anderen geklärt sind, sind wir bei den wirklich spannenden fragen gelandet. Wie konkret helfen, wie zukünftig verhindern? Wie die negativ-imagebildung für MA verhindern?

gruß

sk8erBLN