hallo dolphin,


in meinen augen dient die frage der sahara in der letzten entwicklung um lemrabet lediglich als fetisch. mit dem urteil scheint die marokkanische regierung in erster linie das ziel zu verfolgen, einen unangenehmen "journalisten" von sich und vom land journalistisch fernzuhalten und zwar möglichst lange, zumal wenn der ruf dadurch eh angekratzt wird, ohne ihn gleich festzunehmen oder aus ihm gar erneut einen märtyrer zu machen. dies scheint ihr zu gelingen.

lemrabet hat in der marokkanischen öffentlichkeit stark an kredibilität verloren.

ihm gehe es offenbar nicht nur darum, seine brötchen zu verdienen, sondern das politische system in marokko zu bekämpfen und seinen namen in die reihe der grossen aufklärer zu setzen. beides kann man machen, ohne sich gleich bei einem quasi neo-faschistischen pressorgan zu engagieren, welches eine sehr offen feindliche und extrem aggressive anti-marokkanische haltung pflegt.

hinter seinen aktionen und aussagen spüren viele marokkaner persönliche rachegefühle und eine daraus gesteuerte destruktive haltung, die an fanatismus grenzt.

seine letzten positionen gegen die interessen des lands und die draufgängerische art mit der er sich auf marokko stürzt, haben ihm die sympathie von breiten teilen des volks und seiner zunft gekostet. diejenigen, die zu ihm halten, tun dies nicht für ihn, sondern für die pressefreiheit und eine gnadenlose demokratisierung des lands.

marokko ist noch ein undemokratisches land, welches jedoch sehr interessante und wichtige schritte in richtung demokratie unternimmt, die weder im land noch auf internationaler ebene übersehen werden, mag reporter ohne grenzen sagen, was es will.

in der woche der verkündung des urteils erschienen zwei titelblätter, die die monarchie in bild und text in wenig schmeichelhafter art behandeln, etwas woran sich die marokkaner allmählich auch gewöhnen. telquel veröffentlichte sogar eine interview mit einem selbsternannten sahraouischen "dissidenten", der offen für die "polisario" und die unabhängigkeit der sahara millitiert. dies hat internationale beobachter überrascht und ihnen wie den marokkanern gezeigt, dass die berühmten roten linien nicht mehr so rot sind, wenn man mit verantwortung handelt.

darauf kann man bauen. erregung von aufmerksamkeit durch sabotage der nationalen interessen darf mit engagiertem journalismus nicht verwechselt werden.


gruss
jm