dolphin/lobzen,
meine sätze bezgl. der vergleiche werde ich nicht noch einmal wiederholen.
den kern des themas haben wir in der tat verlassen und befinden uns sicherlich in einem polemischen exkurs, mir ist es allerdings wichtig bei dieser frage nicht nur auf die fakt-lage in dem konflikt um die sahara mich zu beziehen, sondern auf die deutsche attitüde und ihre gefahren in solchen angelgenheiten hinzuweisen.
im folgenden eine kleine passage, welches ich auf irgendeiner webseite, die nicht einmal marokko in diesem zusammenhang freundlich gegenüber steht, zufällig las:
"Schließlich ist es nicht ganz ungefährlich, wenn - wie geschehen - Soli-Aktivisten ausgerechnet dem deutschen Außenminister einen Brief schreiben, in dem sie den zur Zeit aktivsten völkischen Zündler (»Die albanische Frage ist nach wie vor offen«) darum bitten, in diesem Konflikt »in geeigneter Weise politisch und humanitär zu intervenieren«. So wie im Kosovo? An diesem Punkt ist man nur froh, dass Joseph Fischer dieser Aufforderung nicht folgen wird, weil dem die ökonomischen Interessen Deutschlands in Marokko entgegenstehen."
(http://www.nadir.org)
offenbar bin ich nicht der einzige, der die deutsche außenpolitik als potentiell gefährlich wahrnimmt.
oben habe ich die zerrissene und dezentralisierte geschichte deutschlands sowie die protestantische prägung seiner gesellschaft als zwei zentrale apsekte erwähnt, die aus meiner sicht die politik deutschlands mitdefinieren. diese haben nach meiner meinung zum effekt, dass in deutschland solche entitäten wie staaten, souverenität von staaten, staatsraison etc. eher mit weltdiktaturen, -katastrophen und -kriegen in verbindung gebracht werden, während sie anderen völkern, für die königreiche und imperien seit längerem und in regelmäßigen längeren zeitabständen für frieden, stabilität sowie gesellschaftliche und ökonomische prosperität gesorgt haben, oft eher positives bedeuten, auch wenn dies in der heutigen zeit nicht unkritisch gesehen wird.
die daraus resultierende identifizierung mit und vorliebe für die kleinen völker und kleinen ethnien, die dolphin irrtümmlich auf die intellektuellen bezieht, hat in deutschland zwei verborgene jedoch extrem gefährliche - zwischen staat und volk geteilte - grundansichten zum effekt:
1) man kann staaten und ihre grenzen auf ethnische merkmale bauen
2) ethnische minderheiten, zumal wenn sie unterdrückt sind, sind unschuldig und gut. man braucht ihnen lediglich ihre rechte zuzusprechen und die politische macht zu geben und schon ist alles in ordnung.
die folgen des ersteren erleben wir in dem gebiet ex-yugoslawiens, sowie in den benachbarten gebieten (mazedonien). nicht die völker mit ihren komplexen und verflochtenen herkünften, gesellschaftlichen kompositionen, vielfältigen sozialen und menschengruppen etc., sondern einfache ethnien wie albaner, bosnier, kroatier und serben sind für deutschland, staat und volk sind sich hier einig, die annerkannten politishen akteure.
der universelle humanistische geist, der die ethische herkunft, die religiöse zugehörigkeit, hautfarbe usw. transzendiert und die internationalen chartas für menschenrechte verfasst, wird hiermit blutig niedergemetzelt.
es ist vor allem von deutscher seite vehement auf die ethnische und die damit einhergehende religiöse separierung von ethnien, die dann in unabhängigen staaten leben sollten, bestanden worden. da das land im umbruch sich befand, wurde am scheideweg unter massivem einfluß der deutschen die gefährlichere provinzielle ethnizistische route eingenommen, statt die universelle, die das föderale und verbindliche zum moto hat, zu verfolgen. auch hier erleben wir, das souvernität und staatsraison yugoslawiens für die deutschen nur insofern eine role gespielt hatte, als sie zur identifizierung und instrumentalisierung als solchen des repressiven in einer vermeintlichen diktatur des mareschal titus genutzt wurde.
deutschland hatte jedoch durchaus genügend mittel und vor allem expertise, um druck auf die politischen akteure ex-yugoslawiens in richtung der bildung eines föderalen gerechten und representativen staats erfolgreich zu üben.
ähnlich gehen die deutsche außenpolitik und die deutsche öffentlichkeit generell mit anderen fragen von ethnischen minderheiten um. bei der kurdischen frage ist es beispielsweise in besorgniserregender weise auffallend, wie wenig sie im öffentlichen diskurs auf ihre gefahren und auf die tatsache hinweisen, dass darin mehrere länder und ihr gesamtes schicksal unmittelbar betroffen sind, die wie der iran, der irak oder syrien alles andere als stabilität inspireren und dass mit dieser frage auch eine ganze große region, die, wie wir sehen, zu den explosivsten der welt gehört, in mitleidenschaft gezogen wird.
es scheint ihnen und den pilgern von "menschenrechten" offenbar auch "wurscht" zu sein, ob dies irgend mit der souverenität eines staates wie der türkei unmittelbar zu tun hat. man brauche, so dann die botschaft, die am ende an das volk gelangt, nur einen grenzstrich zu ziehen, den kurden einen eigenen staat zu schenken und schon ist alles gut.
wer die gefahren dieser ansichten nicht erkennt, darf sich arge politische verblendung vorwerfen.
dies führt uns zu punkt 2, wonach minderheiten grundsätzlich gut seien. wer gestern arte geschaut hat, konnte in der "reportage" eine sendung mitverfolgen, die u.a. zeigt, wie die kurden zu ungünsten anderer minderheiten wie den turkmenen und assyren die nördlichen gebiete des irak kurdisch bevölkern und versuchen, sie samt benachbarte gebiete zu kurdisieren. die stille annahme, die kurden gehören selbst zu den unterdrückten minderheiten und würden solche entsprechend ihrer erfahrung positiv behandeln, ist als eine gefährliche naivität einzustufen.
der umstand, dass bei den kurden von politischer vielfalt überhaupt keine rede sein kann und dass zwei verfeindete bewaffnete parteien die politische landschaft beherrschen, die sich bekriegen und laut berichten von kennern mehr opfer unter den kurden als das irakische regime wohl hinterlassen, wird kaum berichtet. kämpfer mit totalitären und höchst fragwürden fanatischen ideen und extremistischen ideologien werden in deutschland als harmlose freiheitskämpfer gehandelt oder zumindest nur dann kritisch gesehen, wenn ihre anhänger anfangen, autobahnen hierzulande in brand zu setzen und sich selbst in höchst fanatischer art mit benzin und feuer zu begießen.
ex-yugoslawien, kossovo und die kurdische frage sind jedoch angelgenheiten, in denen die deutschen etwas prominent agieren und agierten, in der ersten angelegenheit führte die position deutschlands sogar zu einer isolierten entscheidung, die die eu vor vollendete tatsachen stellte. im übrigen stellen sie sich hinter die eu und formulieren von dort aus, in ihre barschen drohungen von massivem "druck" auf staaten, die ihrem denkmuster nicht passen.
der idee, dass joschka fischer möglicherweise superaussenminster der eu würde oder deutschland gar einen ständigen sitz im uno-sicherheitsrat kriegte, sehe ich persönlich nicht mit freude entgegen.
über die anderen themen, ethnozentrimus und konformität der öffentlichen meinung in deutschland komme ich gerne zurück.
jm