Wäre ja schön, wenn die Menschen eines Landes selbst entscheiden könnten, was sie anziehen und was nicht. Allerdings trifft das auf Länder wie Iran und Saudi-Arabien nicht zu. Nur weil ein Regime bestimmt, was Leute anziehen sollen und was nicht, heisst das noch lange nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung damit einverstanden ist. Es ist inakzeptabel, wenn einem für ein verrutschtes Kopftuch das Auspeitschen droht.

Zumindest für Iran erlaube ich mir als iranische Staatsbürgerin die Anmerkung, dass besonders viele junge, städtische Menschen keine Lust auf "Zwangshejab" haben. Es ist keine Entwicklung im eigentlichen Sinne, dass der Hejab heute hell und der Mantel eng und kurz sein darf, wärend er früher dunkel und der Mantel lang sein mußte. Entwicklung wäre, wenn die Kleidung jedem Menschen selbst überlassen würde. Ich bin davon überzeugt, dass man dann in Iran genauso wie z. B. in Marokko oder Syrien Frauen mit und ohne Hejab sehen würde. Den genannten Ländern hat es nicht geschadet, warum sollte es also Iran schaden?

Auch die Frage, ob die Bevölkerung wirklich einen Hardcore-Islam-Staat will, ist diskussionswürdig. Eine Regierung wird nicht demokratisch legitimierter, wenn ein Großteil der Reformkandidaten (übrigens die meisten religiös orientiert) nicht zugelassen wird, und daraufhin die Hardliner gewinnen, da niemand anders zur Wahl stand.

Wenn man sich das Beispiel Iran anschaut, ergibt sich eher das Gegenteil: Islamismus ist etwas, was von der Mehrzahl der jungen Iraner nicht getragen wird. Es wird nicht die Religiosität des Einzelnen in Frage gestellt, sondern hinterfragt, ob es wirklich nötig ist, dass die Regierung islamische Ge- und Verbote per Gesetz durchdrückt.

PS. Ich favorisiere weder das Shah-Regime, noch das derzeitige, sondern bin der Meinung, dass es Zeit für Demokratie ist.