Hallo Fati,
ich hab das eigentlich immer so verstanden, dass nur die christlichen Religionen und hier insbesondere die Katholische Kirche (der ich auch angehöre) die Ausübung des Geschlechtsverkehrs allein zum Zwecke der Fortpflanzung gutheißen, während im Islam die Sexualität durchaus als reine Quelle der Freude, also vom Zeugungssakt unabhängig, gesehen und befürwortet wird. Ich hab vor einiger Zeit noch in einem Text, auf den Rainer mal im Board hingewiesen hatte, gelesen, das der Orgasmus aus der Sicht des Islam dazu dient, den Menschen einen Vorgeschmack auf die himmlischen oder paradiesischen Freuden zu geben, die sie dereinst nach ihrem Tode erfahren sollen. Ich fand diesen Denkansatz sehr sympathisch, weil ich die Position der Kath. Kirche diesbezüglich eher als restriktiven Unsinn verstehe.
Und nun zur vermeintlichen Gleichwertigkeit: Mädchen /Junge. Es mag ja sein, dass dieses vom Koran her eigentlich so sein müsste, das Jungen und Mädchen bzw. Frauen und Männer gleich zu behandeln sind. Fakt ist jedoch, und ich habe jahrelang im Bereich Bildung/Erziehung mit Jugendlichen aller Nationalitäten aber insbesondere mit türkischen Jugendlichen gearbeitet, dass die jungen Männer sich teilweise wie Großpaschas und Machos erster Ordnung benehmen (und dies wird häufig genug von ihren Vätern auch noch unterstützt!) während die Mädels gar nichts dürfen und entsprechend "pflegeleicht" und lieb sind. Da kann mir jeder erzählen, was er will, da weiß ich ganz genau, wie es bei denen zu Hause mit der Gleichrangigkeit aussieht! Auch war es interessant zu sehen, dass sich die Jungen vielfach gegenüber den männlichen Kollegen einigermaßen ordentlich benahmen, während sie bei weiblichen Lehrpersonen wirklich nur "Schei**" machten. (Natürlich nicht bei, mir- ich hab sie mir schon zurechtgeschnitzt, wie du dir hoffentlich denken kannst!) Ganz klar war in den Köpfen dieser Burschen, dass Man(n) eine Frau sowieso nicht als Autorität akzeptieren mussen, weil der Mann ja eh mehr Wert oder besser ist als die Frau!
Und jetzt noch eine letzte Anmerkung zu dem hier irgendwo erwähntem Aspekt der Zeitlosigkeit des Korans oder des Islam an sich. Hier muss ich Hachim (ich glaube er hat das gesagt) wiedersprechen. Jeder Mensch kann zwar ein Schriftsück, sei es nun irgendein juristisches Dokument oder, wie in unserem Fall, ein religiöses Buch als für ihn von ewiger, dauerhafter und überzeitlicher Gültigkeit akzeptieren, dass steht jedem frei, aber man kann es nicht generell als "zeitlos" sehen. Alles was geschieht, passiert in der Zeit. Es gibt nichts Zeitunabhängiges. So entstand auch der Koran zu einer bestimmten Zeit, in genau diesem und keinem andern historischen Kontext, wo das Leben genauso war, wie es damals war, und das Leben heute ist anders, mit anderem Kontext und mit anderen Rahmenbedingungen. Automatisch sind in den Koran als Schriftstück Aspekte, Sichtweisen, Denkgewohnheiten usw. der entsprechenden historischen Epoche mit eingeflossen und das verbietet es meines Erachtens ihn generell als "überzeitlich" zu bewerten. Auch die Sprache, die sich im Laufe der Zeit permanent wandelt, steht der Zeitlos-Theorie entgegen. Ein Wort, welches heute diese Bedeutung hat, kann morgen schon eine ganz andere Bedeutung haben, weil eben der tatsächliche Gehalt kontextabhängig ist.
Okay, das solls jetzt erst mal sein.
Marie