Manchmal merkt man nichts, wie ein leises Lüftchen hält man(n) sich mit Musik, und Skype und Youtube über Wasser und dann wieder...Tornado..verweinte Stunden, laute traurige Musik mit blumig, schwülstigen Worten deren Inhalt man mir in meiner Sprache nicht erklären kann, alte Bilder, Erinnerungen, schwelgen im Schmerz nach der verlassenen Familie, der Heimat, der heißen Luft als Sinnbild der umarmenden Wärme die einem manchmal nur das Heimatland und die Herkunftsfamilie geben kann.
Manchmal reicht die Gegenwartsfamilie nicht aus um den Schmerz zu lindern. Ähnlich einer Zahnfüllung ist die neue Heimat, Familie zwar schmerzlindernd doch aber immer nicht das Original.
Gestern Abend. Feierabend. Halb elf. Austausch der Nichtigkeiten, Kinderthemen, Arbeitsfrustes...Alltag.
Klärung der Bewerkstelligung des Marokkoaufenthaltes zum Aid. Von mir ein leichtes, unbedachtes "dann bleibst Du halt hier".
Geplänkel.
Und dann Minuten später die Frage: "Was ist die höchste Strafe die es gibt?" Ich schweige weil ich nachdenke ob die Frage grenzübergreifend gilt, eher Lebenslänglich oder Todesstrafe als Antwort angebracht ist.
Da kommt schon: "Todesstrafe, oder?".
Ich nicke.
Es folgt: "Nein, wenn einer seine Heimat verlässt. Keiner weiß was Mama und Papa bedeuten, wer nicht seine Heimat verlassen hat...".
Bumm!!
So bleibe ich dann sitzen, wiedermal, wie schon so oft. Und das wirkt bis jetzt noch nach.
Wieder einmal habe ich unbewusst verletzt, nichts begriffen, mit einer unbedachten Aussage. Was so auch nicht stimmt aber wie soll man diese Nuancen in Worte fassen.
Und ganz oft wenn ich darüber nachdenke "...würde ich all die ganzen Jahre nochmals auf mich nehmen??" sind es diese Momente die mich schwanken lassen im klaren "Ja, ich würde" ins "Nein, um seinetwillen nicht - weil keiner kann diesen Schmerz nach Heimat löschen".
Da kann ich kochen, Tisch decken, Freunde einladen, lieben, da sein, Kinder, Feeling schaffen wie ich will....es reicht nicht.
Ich freue mich für Ihn, bald kann er wieder die Akkus aufladen. Positiv wie Negativ weil vieles in der Erinnerung auch schöner ist als es dann tatsächlich ist.
Auf jeden Fall freue ich mich dann immer auf einen ausgeglichenen Mann der auch in der Heimat merkt, dass er Heimweh hat...nach mir, den Kindern, nach Deutschland, nach Ruhe (ja echt! :-)).
Diese Zerrissenheit, letztendlich keine 100%ige Heimat mehr zu haben, sondern immer nur einen Kompromiss, würde ich ihm gerne ersparen. Das ist aber auch schon alles.
Wie gehen Eure Männer/Frauen mit Heimweh um? Gerade jetzt wenn Ramadan ist oder Aid Kebir? Wie äußert sich das?
Alexandra