Hallo Katrin (schwer zu schreibender Name!),

wir als Europäer (zu denen Du Dich doch auch irgendwie zählst) haben derzeit ganz andere Probleme als noch einen weiteren Jugendlichen in einer zu einem Salon ausgebauten Garage mit Mehrfachfunktion (tagsüber werden die Jugendlichen rausgeworfen, nachts kommen sie irgendwann wieder - zu einem möglichst späten Zeitpunkt, um diejenigen nicht beim Schlafen zu stören, die tagsüber Arbeit haben oder Frauen sind) mitzuversorgen. Für ein Brot und Olivenöl reicht es, man rückt zusammen und chattet dann eben nachts so lange wie es irgendwie möglich ist und die Internetcafes offen haben: Irgendwer hat das "sein bestes Teil ins Aquarium hängen" genannt: das Chatten und das Fratzenbuch. Ist ja dann auch oft jemand an der Angel.

Zurück zu Europa, hier Spanien (wo zwei meiner Kinder mit ihren Kindern leben):

Daten aus der Desasterzone Spanien.

Zitat: "Dies alles zusammen ist ein realwirtschaftliches Armageddon, bereits im weit fortgeschrittenen Griechenland-Style. Dem gegenüber steht aber eine Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der spanischen Volkswirtschaft von nahezu 1000 Mrd. Euro".

Quelle: Querschüsse

Ich weiß, daß die meisten hier es nicht so mögen, wenn man etwas differenzierter sich eines Desasters annimmt und lieber Bücher nur halb lesen, um zu wissen, daß das was drinnen steht, auf jeden Fall richtig ist - trotzdem sind die Fakten vernichtend: was unseren eigenen Wirtschaftsraum und die darin enthaltene Zeitbombe Jugend- und Jungmännerarbeitslosigkeit angeht.

Zitat: "Diese Daten sind zerschmetternd und unter den gegebenen Verhältnissen scheint eine Lösung nicht nur unwahrscheinlich, sondern nahezu unmöglich. Aber Spaniens Probleme und die im Raum stehenden Summen sind einfach zu groß, da helfen in einer ehrlichen Abwägung auch keine Rettungsschirme oder gar Eurobonds. Das Projekt Euro ist gescheitert, zuvorderst an den handelnden Protagonisten der Eurozone selbst, es gilt jetzt das zu tun was schon lange hätte geschehen müssen, einen geordneten Rückzug zu organisieren um einen Maximalschaden von Deutschland abzuwenden".

Hier im Forum ist Realitätsverleugnung gepaart mit Rassismus und Weltverschwörungstheorien auch der absolute Normalfall, das Zeigen auf Splitter im Auge des Anderen notorisch, während man gleichzeitig den Balken absägt auf dem sitzt.

Unfassbare Realitätsverleugnung unter Politikern

Zitat: "Es ist sicherlich bemerkenswert, wenn mit Christopher Mahoney ein Ex-Vizepräsident der Ratingagentur Moody´s Investors Service einen Vergleich zwischen der heutigen Politikerkaste mit Adolf Hitler und den im Zweiten Weltkrieg unterlegenen Japanern anstellt. Doch die Realitätsverweigerung in Bezug auf einen bereits verlorenen Krieg sei unter den heute amtierenden Politikern mindestens genauso schwerwiegend wie damals. Bislang hatten so etwas nur Finanzblogger behauptet, doch jetzt scheint sich das Blatt in der öffentlichen Wahrnehmung endlich zu wenden".

Für uns Deutsche bedeutet das "Schießen bis zur letzten Patrone", daß wir zusehen, wie unsere über Jahrzehnte erarbeiteten Renten sich in Nichts auflösen, Lebensversicherungspolicen erst jetzt gelesen werden, die den hübschen Paragrafen enthalten, daß in Zeiten der Krise die Guthaben konfisziert werden dürfen und Immobilienbesitzer (wer eine Immobilie besitzt ist nicht mobil!)Zwangshypotheken auf ihre immobilen Guthaben hinnehmen müssen.

Zitat: "Wer in einer solch ernsthaften Situation den Bevölkerungen immer noch vorspiele, dass alles in bester Ordnung und kontrollierbar sei, leide unter Realitätsverlust, dessen Resultat noch schmerzhafte Konsequenzen für den Kontinent zur Folge haben dürfte".

Quelle: Living Europe's Nightmare und Wirtschaftsfacts.de

Gerne können wir natürlich hier über unpünktliche Marokkaner reden, die nicht in der Lage sind zu planen und wenn sie einen Termin für die nächste Woche ausmachen sollen bereits überfordert sind. Ich hingegen würde empfehlen, sich einmal etwas näher anzusehen, wie Marokkaner es schaffen unter prekären Bedingungen überlebensfähig zu sein und es auch zu bleiben ("bis zur letzten Patrone/Euro": das würde einem Marokkaner niemals einfallen).

Nachts zu chatten, um den Bettenplatz zu Hause in der überfüllten Garage anderen überlassen zu können, ist eine der Strategien. Eine andere ist es wie ein Krokodil im Wasser zu liegen, mit einem schmalen Strich im giftgrünen Auge die Umgebung zu scannen und zuzugreifen, sobald sich eine Gelegenheit (zu einem Geschäft, egal wie unbedeutend, zu einem Visum nach Europa, zu einem Gerücht, das zu einem Geschäfterl werden könnte) bietet. Im Brackwasser zu liegen und sich der Umgebung anzupassen, dabei hellwach zu sein, seine Kaltblütergliedmaßen nur dann zu bewegen, wenn die Beute entsprechenden Ertrag verspricht (Energieverschwendung!), ist unter dem Strich nicht weniger effizient als den ganzen Tag herumzuhetzen, um sinnlose Anordnungen, Pläne, Meetings und Projekte exakt nach Vorgabe umzusetzen - wenn nicht sogar effizienter. Das Brackwasser eines Marokkaners ist sein Männercafe, wo er nach Ansicht europäischer Hausfrauen sinnlos herumsitzt und die Zeit totschlägt.

Das ist der wahre Grund, warum Marokkaner sich nicht verplanen lassen wollen: jeder Termin macht eine schnelle Reaktion (spontan!) unmöglich - mit einem Terminkalender beraubt man ihn seiner Männlichkeit, man schneidet ihm die Eier ab - was als Bild jetzt zwar maßlos übertrieben ist, aber dennoch die wahre Triebkraft hinter all dem ist: sowohl in dem Ansinnen, ein Marokkaner möge doch planbar werden als auch in der Abwehrhaltung des sich verplant fühlenden Marokkaners. Es geht (bei Beiden) ans Eingemachte.

Wenn es in Europa drunter und drüber gehen wird, wird die Zeit der Krokodile gekommen sein: dann werden Milliarden GNUS ungeordnet versuchen zu entkommen und sich - koste es, was es wolle - ins Wasser stürzen, um die andere Seite zu erreichen.



Gute Zeiten für Krokodile.

Josi

Süß: "jeder hat sein Säckchen zu tragen".