Antwort auf:
gott ist, aufgepasst liebe josi, tatsächlich ein ingenieur


Ich bin hinter einem 4 Meter langen Zeichenbrett aufgewachsen, wo wir vier Kinder unsere Matrazen hatten, mein Vater vorne am Zeichenbrett beidhändig - ingenieurmässig, aber extrem unstudiert - gezeichnet und konstruiert hat, meine Mutter auf dem davorstehenden Doppelbett lag, meinem Vater die Zigaretten gedreht hat und mein Vater mich mit: "huch nein, Agathe, die Puppe kotzt!" gerufen hat, was ich sehr unpassend fand. Frühmorgens, wenn wir in den Kindergarten gehen sollten, hat mein Vater mich vorne auf seine NSU-Max auf ein mit einem Ledergürtel festgeschnalltes geblümtes Kissen gesetzt und hinten meinen "großen" Bruder, der auch grade mal erst 5 Jahre alt war.

Dann hat mein Vater vor den versammelten Heilbronner Schwaben die Max beim Anfahren steigen lassen - alle haben gekrischen - und wir sind mit der Ermahnung meiner Mutter "aber mit den Kindern nicht über 150!" davongebraust und sicher vor dem - verhassten - Kindergarten gelandet. Mein "großer" Bruder (der er bis heute ist) hat dann zum vollen 5. Geburtstag ein windschnittiges Elektromotorrad bekommen, das mein Vater im besagten Wohn-, Schlaf-, Zeichenzimmer entworfen und jedes Teil selbst zusammengebaut hat. Es war silbern, verkleidet und wir waren die Wunderkinder unserer Straße damit: vor allem fanden es alle "unverantwortlich".

Sein Typ ist jetzt wieder groß in Mode, in Paris läuft praktisch kein cooler Mann ohne Bart mehr herum und neulich stand in der Vogue ein Mann mit blonden Haaren und blondem Bart, exakt gestylt wie mein Vater mit Rennfahreroverall und im Hintergrund seine Renn-Maschine, bei deren Geburt ich mit "kotzender Puppe" dabei war: ich habe also gut aufgepaßt, was Du hier geschrieben hast und meinem Vater hätte es gefallen - exakt so wie Du hier schreibst, so denke ich an ihn.

Josi