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von agadir nach marrakesch... #66977
29/05/2002 21:30
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es war gut, dass das flugzeug so früh in agadir gelandet war. ich wollte ja noch weiter...mein ziel war marrakesch. nun hätte ich natürlich mit einem bus nach inezgane und dann....warten...und dann...vielleicht nach marrakesch...fahren können. das war mir dann doch im moment ein wenig heikel. (wir sind ja nicht immer die mutigsten, wenn wir uns in der ferne bewegen, oder?).

also lief ich, mein aluminium-trolly brav hinter mir her, zum taxen-stand. "wohin monsieur?" wurde ich gefragt. "nach marrakesch!" ich wusste es. meine antwort elektrisierte. sofort waren fünf taxifahrer um mich herum, die mir anboten, ("für sehr wenig geld, mein herr!") mich nach marrakesch zu fahren.

ich war beruhigt, fürs erste. jetzt ging es nur noch um den preis. aber da wurde die ganze angelegenheit ein wenig zäh, so dass ich mich auf meinen trolly setzte (sehr praktisch!) und zuhörte - oder auch nicht.

600 dirham - sagte ein taxifahrer und deutete auf sein fahrzeug, dass ein wenig in die jahre gekommen war. nein, nein, mischte sich sein kollege in unser gespräch, 550 dirham bis marrakesch, bis vor ihr hotel, monsieur! ach, was, - ein dritter taxifahrer meldete sich zu wort, riss mir den trolly unter meinem hintern weg und rief: "du kommen jetzt mit, zu mein taxi."

ich hätte es natürlich nicht getan. aber da mein trolly inzwischen im kofferraum der taxe verladen war, musste ich folgen. wieviel? fragte ich. so viel, wie du möchtest! lächelte der taxifahrer. und dann sass ich auch schon auf einem lederbezogenen vordersitz seiner taxe, allerdings hatte sich das leder zurückgezogen und ich musste mit den sprungfedern vorlieb nehmen...egal. als er eine cassette in sein autoradio schob und der innenraum der taxe von arabischer musik erfüllt war, entspannte ich mich zum ersten mal. "du magst dies musik?" fragte er. "wohin du wollen?" aber dann schlief ich erst einmal einige minuten zum singsang der musik und wollte - ersteinmal - von einem ziel nichts mehr wissen.

(fortsetzung folgt!)

Re: von agadir nach marrakesch... #66978
29/05/2002 21:45
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aber: in marokko erholt man sich schnell. und wenn es auch nur so ist, dass wir in einer taxe einschlafen und uns irgendeine zick-zack-bewegung aus dem schlaf reisst. "glück gehabt" zischte mein taxifahrer, nachdem er sein fahrzeug wieder unter kontrolle hatte. ich sah mich um. da lag ein umgekippter eselskarren auf der strasse hinter uns. allerhand leute schrien und gestikulierten und riefen uns nach. was sie riefen, verstand ich nicht. die arabische musik im auto war doch sehr laut.

"wir jetzt fahren frühstücken!" sagte mein taxifahrer. mir stieg kaffeeduft in die nase. gern, dachte ich. aber vorher müssen wir doch noch klären, wieviel die spazierfahrt nach marrakesch denn nun kosten soll. "wieviel?" "so viel du willst!" "nein, ich steige jetzt sofort aus, wenn du nicht sagst, was du für die tour haben willst!"

mein taxifahrer sah mich sehr mitleidig an. "du mir nicht vertrauen? warum nicht? du glaubst, ich will dich betrügen? achmed betrügt nicht. ich sagen dir: 400 dirham bis marrakesch. gut? aber jetzt zu mein familie. wir wollen früstück nehmen. mit teee und kekse, und du musst lernen meine familie! du willst?"

und ohne auf eine antwort zu warten, bog er an der kreuzung, wo ein schild "marrakesch" nach rechts zeigte, nach links. zu seiner familie eben. zum frühstück!

(fortsetzung folgt!)

Re: von agadir nach marrakesch... #66979
29/05/2002 22:29
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ich wusste es ja nicht: agadir zieht sich über hänge und flächen. überall wird gebaut. wenn ich schläfrig mein linkes auge öffnete und fragte: "wo sind wir denn jetzt?" sagte mein taxifahrer: "in agadir". als aber sein auto von der hauptstrasse abbog, wachte ich doch auf. denn der schotterweg schüttelte die taxe und rammte mir, mehr als mir lieb war, die sprungfedern ins gesäss. mein taxifahrer erreichte einen grossen platz, gesäumt von beton-farbenen, ungestrichenen häusern, bremste und sagte: hier ich wohnen. steig mal aus!

ich hatte keine wahl. zumal sich in der tür des einen hauses schon ein kleines mädchen zeigte und winkte. "das ist hamira, mein tochter" winkte mein taxifahrer dem kleinen mädchen zu. dann gingen wir ins haus.

hamira nahm neben mir platz, während ihr vater allerlei weitere sitzkissen auf den betonfussboden legte. er nahm sie von einem grossen stapel. eigentlich erinnerten sie mich an liegestuhlauflagen. bequem waren sie allemal.

so sassen wir auf dieser matratze und mein taxifahrer sagte: "wart mal". er lief hinaus und ich sass mit hamira auf der matratze. aber da schauten schon zwei dunkle augen zu uns. lugten um die ecke. wer war denn das? das war der bruder von hamira. sehr schüchtern schaute er aus sicherer entfernung, wer da mit seiner schwester auf der matratze sass.

im hintergrund hörte ich ein klappern, geschimpft wurde auch. man war sich im hintergrund nicht ganz einig!

haschid hatte jetzt allerdings seine angst vergessen. er trat ins zimmer, setzte sich zu seiner schwester und mir auf die matratze und wartete. nun warteten wir zu dritt! wir starrten (jeder für sich) an die weissgetünchte wand und warteten.

dann erschien ihr vater. vor sich balancierte er ein tablett, auf dem kunsvoll eine pyramide von keksen aufgerichtet war. er stellte sie, sehr vorsichtig zu unseren füssen, verneigte sich kurz, lächelte, und verschwand dann wieder. haschid und seine schwester vermieden es tapfer, diesen berg kekse anzusehen...

(fortsetzung folgt!)

Re: von agadir nach marrakesch... #66980
29/05/2002 23:36
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dann aber wurde es ein wenig unübersichtlich.drei weitere kinder erschienen in der tür zum zimmer, die mädchen kicherten, der junge sah mich mit ernsten augen an.

dann sassen wir zu sechst auf der matratze. nun erschien auch mein taxi-fahrer und balancierte auf einem weiteren tablett eine silbrige teekanne und zwei (zwei!) teegläser. er stellte sie neben die kekspyramide auf, liess sich auf die matratze fallen (es wurde etwas eng) und schnenkte mir dann den tee ein. "und iss auch von den keksen" ermahnte er mich. ich trankl von dem tee. die kekse mochte ich nicht anrühren, denn die fünf kinder schauten immer angestrengt gerade dann weg, wenn ich zu den keksen schaute.

nun aber sprang der älteste sohn aus dem zimmer und kehrte mit einem - reichlich zerfledderten - französisch-buch zurück. er drücke es mir mit einem herzerfrischenden lächeln in die hand und sagte soetwas wie "lies mal". das schicksal half mir. denn ich fand sofort einen reim in diesem buch, den ich den kindern vorlas und sie bat, diesen reim mit mir zu wiederholen. natürlich kicherten alle. und zierten sich, schauten weg und zupften an ihren röcken und hemden. aber dann waren wir doch so weit:

"sur le pont,
d`avignon..."

so sangen wir. an der weissen wand entstanden plötzlich bilder einen freundlichen, hellen zukunft, - für die sechs menschen, auf der amtratze, vor der grossen pyramdide aus keksen...

(fortsetzung folgt!)

Re: von agadir nach marrakesch... #66981
30/05/2002 00:21
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sogar mein taxi-fahrer hatte mitgesungen. er hatte eben so gesungen, wie er es konnte. dann stand er auf, verliess das zimmer und schob dann, nach einer weile, seine frau in den raum. dort, wo wir immer noch auf matratzen hockten und abwechselnd auf kekspyramiden und weisse wände starrten.

sie begrüsste mich artig und ich lobte sie für die kekse (die ich noch nicht probiert hatte), sie lächelte und bedankte sich. dann setzte sie sich zu all ihren kindern auf die matratze. ich sah sie alle an. jetzt aber wusste ich es nicht mehr. wo war sie geblieben? ich wusste es ganz genau: es hatten fünf kinder auf der matratze gesessen, fünf kinder mit blitzenden augen. jetzt sassen sechs kinder dort! sollten wir nun wieder singen oder das alphabet aufsagen?

da sagte aber mein taxi-fahrer: "jetzt los. wir müssen nach marrakesch." ich erhob mich, wollte mich gerade von seinen - sechs - kindern verabschieden, als ich hörte: "aber nun wir müssen zu polizei von agadir! stempel für marrakesch! du weisst?"

wollte ich eigentlich noch nach marrakesch? ich hatte doch alles! ich sass auf einer matratze mit sechs kindern, sah auf eine weissgetünchte wand und da erschienen mir kekspyramiden und kannen süssen tees. warum noch aufbrechen? und wohin?

"komm, mein freund, jetzt wir fahren nach marrakesch!"

sechs kinder winkten mir zu, als die taxe wendete und über den schotterplatz seinen weg zur hauptstrasse nahm...

(fortsetzung folgt!)

Re: von agadir nach marrakesch... #66982
30/05/2002 12:49
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natürlich machten wir uns nicht auf den weg nach marrakesch. mein taxifahrer nahm kurs aufs zentrum von agadir. dort hielt er. "nur fünf minut" rief er und sprang aus dem auto. nun weiss ich inzwischen, was "fünf minuten" in marokko sind! also stieg ich ebenfalls aus und vetrat mir die füsse. ich ging auf und ab. manchmal schaute ich auf die uhr, sehr weit wollte ich mich von der taxe nicht entfernen. fünf minuten verstrichen, 10 minuten auch, nach einer halben stunde dachte ich, warum eigentlich noch nach marrakesch fahren? agadir ist doch eigentlich auch ganz hübech. aber da kam mein taxifahrer schon um die ecke gerannt und winkte mit einem papier. "hier stempel für marrakesch. steig ein mein freund. wir fahren!" erleichtert liess ich mich auf die sprungfedern fallen, während wir in rascher fahrt agadir verliessen.

bald schon ging es in die berge des mittleren atlas. vor uns zuckelte ein lkw die strasse hinauf und plötzlich flog ein gegenstand gegen die fensterscheibe. direkt vor mir in augenhöhe zersprang auf meiner seite das glas. ein aufgewirbelter stein hatte das auto getroffen. zum glück zerschlug er nicht die scheibe, sonst hätte ich meinen marrakesch-besuch wohl endgültig aufgeben müssen. "oh, oh", rief mein taxifahrer, während er mühsam durch die kaputte scheibe weiter seinen weg suchte. "du bezahlen 400 dirham für marrakesch, aber scheibe kostet neu 800 dirham. aber macht nichts. ich kenne freund, der gibt mir eine von alt mercedes. weisst! mein taxe hier ist acht autos."

ich verstand ihn nicht. aber erst einmal bat ich ihn, anzuhalten. ich wollte nicht länger auf dem vordersitz bleiben, wer weiss, was uns noch begegnete auf unserem weg nach marrakesch. als ich im fond der taxe sass, nahm mein fahrer das gespräch wieder auf. "mein taxe hier ist nur noch original in sitze und lenkrad. sonst alles aus anderes mercedes hier eingebaut. alles! motor und getriebe und was du siehst. mein mercedes ist eigentlich acht mercedes-autos. verstehst du? und wenn ich jetzt neue scheibe einbaue aus alt-mercedes, dann hab ich neun mercedes in meiner taxe."

ich nickte. ja, diesen eindruck hatte ich sofort gewonnen, als ich sein fahrzeug in agadir am flughafen stehen sah. jetzt aber fragte ich mich, nachdem sich auch auf den hintersitzen die sprungfedern sehr lästig bemerkbar machten, warum er sich nicht schon viel früher die sitze aus einen zehnten mercedes gegönnt hatte. als mein fahrer sich aber ein kleines kissen unter seinem hintern zurechtrückte, wusste ich es. er war eben noch nie mit seiner eigenen taxe gefahren!

(fortsetzung folg)

Re: von agadir nach marrakesch... #66983
30/05/2002 17:09
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so gut ich konnte, beobachtete ich vom rücksitz her die fahrt durchs gebirge. die zersprungene fensterscheibe machte es nicht einfacher. allerdings übersah ich durch diese eingeschränkte sicht manchen lkw, der uns, kaum hatte mein fahrer zum überholen angesetzt, auf uns zu fuhr und wild hupend über den schotter schleuderte, während wir mit knapper not abbremsten und zusahen, dass wir uns schnell wieder nach rechts einordneten.überhaupt war es so: es vergingen viele minuten, in denen uns überhaupt kein auto entgegenkam. aber immer, wenn mein taxifahrer zum überholen ansetzte, tauchte garantiert ein fahrzeug auf der gegenspur auf. sie schienen geradezu darauf zu warten, mit einem überholenden fahrzeug zusammenzustossen.

ich hatte mich in die vorderlehne festgekrallt und sah aus den augenwinkeln, wie hart mein fahrer arbeitete. schweiss stand ihm auf der stirn, sein hemd war nass, während er sich bemühte, allen entgegenkommenden autos auszuweichen. das war auch deshalb oft nicht einfach, weil die zersplitterte scheibe des autos ihm nur an einer kleinen heil gebliebenen stelle eine freie sicht von schätzungsweise 30 mal 30 zentimetern bot. hätte ich nicht so viel angst um mich gehabt, hätte ich ihn sicher bemitleidet.

als uns wieder einmal ein lkw mit flackernder lichthuppe entgegenraste, platzte ihm der kragen. "ich trag nie brille. mein doktor sagt, ich brauch brille. aber, wie sieht das aus?" dabei nestelte er in seiner westentasche und beförderte eine silberne brille ans tageslicht. "aber nun ist mir zu bunt hier. jetzt will ich doch sehen, was ist." er setzte sich die brille auf und ich sank beruhigt in den rücksitz. die riskanten überholmanöver waren ergebnis seiner dioptrien-schwäche gewesen und würden sich jetzt, mit brille, wohl nicht mehr wiederholen.

und so war es. wir fuhren sehr manierlich durch den mittleren atlas und ich schlief auf dem rücksitz ein und träumte von zusammenstössen von lkws mit kekspyramiden.

"du hunger? wir mittag?", weckte er mich aus dem leichten schlaf. nein, jetzt nicht essen, dachte ich. nur weiter. marrakesch ist noch weit. nur jetzt keine pause! aber bevor ich noch antworten konnte, bremste er das auto ab und bog auf einen parkplatz. "ich weiss, du hunger!".rief er und parkte die taxe. wir stiegen aus. am rand des parkplatzes stand ein restaurant. die plätze unter der markise waren dicht besetzt. mit einiger mühe fanden wir dann aber doch einen freien tisch. "du setzen und ich duschen", sagte mein taxi-fahrer. was sollte das jetzt? wir wollten doch nur eine kleinigkeit zu uns nehmen und dann weiter....? aber bevor ich noch etwas einwenden konnte, verschwand er mit grossen schritten im inneren des restaurants.

jetzt kam ein junger marokkaner auf mich zu. er trug in jeder hand ein bündel sonnenbrillen. vor meinem tisch hielt er. "du allemagne? du brauchst brille?" "nein", antwortete ich. "ich habe bereits eine!" "und wenn die kaputt, du brauchts ein andere, oder?" "das ist richtig, aber meine brille ist doch nicht kaputt." "noch nicht mister, aber bald. hier nimm eine von mir." "nein, das geht nicht, ich trage eine sonnenbrille mit geschliffenen gläsern!" "das macht nichts. du gehen mit brille zum optiker und er machen dir schöne gläser. nimm."....ich war müde und hungrig. ich wollte das gespräch nicht. ich kaufte ihm die sonnenbrille ab. als wir später weiter richtung marrakesch fuhren, vergass ich, sie einzustecken.

kaum war der sonnenbrillen-verkäufer verschwunden, erschien ein uhrenverkäufer auf der bildfläche und machte an meinem tisch halt. "du allemagne? du hast schöne uhr. ich sehe. aber nicht so schön wie meine. hier, guck! rolex! kennst du rolex? ist aus swisse! gut qualität.da mein taxifahrer immer noch unter der dusche stand und ich nicht damit rechnen konnte, dass er so sehr bald wieder erscheinen würde, bat ich den uhrenverkäufer an den tisch und liess mir seine ganze kollektion zeigen. eine üppige breitling-uhr mit billigem china-quarz-werk hatte es mir schliesslich angetan."oh, schön stück. in swisse kostet 10.000 dirham. bei mir aber nur 500!" ich gab ihm schliesslich 150 dirham und steckte meine neuerworbene uhr in die tasche.

endlich erschien mein taxi-fahrer wieder. er schüttelte sich das wasser aus seinen nassen haaren und setzte sich. "das war gut", rief er. "jetzt wir essen." "gern erwiderte ich. "aber bitte nur eine kleinigkeit. wir wollen ja heute noch nach marrakesch, oder?" jetzt sah mich der taxifahrer sehr ernst an. "mein freund, wenn mittag in marokko, dann wir essen. und später wir fahren. eins nach anderen". dann bestellte er eine tanjine mit hammelfleisch. es dauerte eine ganze weile, bis der ober den überdimensionierten tontopf auf unseren tisch stellte und den spitz zulaufenden deckel hob.

auf einem bett aus kartoffeln und karotten lag das hammelfleisch. ach, was sage ich? da lag ein halber hammel, duftend und bereit, sich von uns verzehren zu lassen. war ich jetzt auf dem weg nach marrakesch oder dem festessen einer marokkanischen hochzeit gelandet?

"gut appetit", rief mein taxifahrer und griff sich ein besonders saftiges stück fleisch aus dem topf.

Re: von agadir nach marrakesch... #66984
30/05/2002 19:54
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ich war so satt. achmed, mein taxi-fahrer ermunterte mich zwar immer wieder, doch noch einmal zuzulangen. aber in welche ecke meines magens sollte ich denn die reste des hammels, der karotten und kartoffeln hinstecken? ich hatte keinen platz mehr!

achmed sass in seinem stuhl, die beine weit von sich gestreckt und - verdaute. manchmal fielen ihm die augen zu. ich wusste es! gleich würde er mich aus trüben augen ansehen und dann sagen: "und nun ein kleines schläfchen, das haben wir uns doch verdient!"

es kam anders. mein taxi-fahrer fuhr mit einem ruck aus seinem stuhl, deutete auf die tanjine und die abgenagten hammelknochen, die rings um den topf auf dem tisch lagen und sagte: "wir jetzt fahren nach marrakesch. mein freund! bezahl du tanjine und los!" der ober rechnete alles zusammen, verrechnete sich zweimal, zog dann einen strich unter die rechnung und drückte mir die rechnung in die hand. ich bezahlte und ging zur geparkten taxe.achmed stand schon an seinem auto und winkte zum restaurant hinüber. drei gäste winkten zurück. dann liefen zwei marokkanische männer und eine junge frau zu uns.

achmed stellte sie vor.leider verstand ich ihre namen nicht. dann kletterten sie in die taxe. der eine marokkaner setzte sich vorn hinter die zersplitterte frontscheibe, der andere marokkaner sowie die junge frau nahmen hinten platz. mir blieb auf der rückbank die äusserste rechte ecke, wo allerdings die sprungfedern am deutlichsten zu spüren waren.

"oh, du musst wissen!" der taxi-fahrer drehte sich zu mir um. "dies sein freunde von mir. nein, nein. sie nicht nach marrakesch. nur klein dorf in der nähe. ich hab gesagt, du bist netter mann. wir können fahren ins dorf, dann sind sie bei mamma!"

und so setzte sich die taxe in bewegung, um mich nach marrakesch zu fahren, zuvor aber meine marokkanischen freunde sicher in ihr heimisches dorf zu bringen.

das lag in den bergen.

irgendwann hatte der eine marokkaner eine cassette aus der hosentasche gekramt. achmed schob sie ins radiofach. und schon begann dieser "sing-sang", der mich eigentlich gleichgültig lässt, mich aber in sanft schaukelnden taxen unweigerlich in einen schläfrigen nebel entführt. dann stiess mich der marokkaner neben mir an und bat um eine zigarette. alle griffen zu. blaue wölkchen, der arabische sing-sang, das sanfte schaukeln...sie unterhielten sich. besser gesagt: jeder redete, ohne auf den anderen zu hören. über was sprachen sie? über das wetter in marokko? wohl kaum! über was dann? innerhalb der nächsten halben stunde war meine zigarettenpackung leer. wir mussten anhalten, damit ich aus meinem trolly im kofferraum eine neue packung nehmen konnte.

nun hakte zu allem unglück die cassette im radiofach. achmed zog sie heraus, vielmehr zog er das magnetband mit der schönen musik meter um meter aus dem fach, ohne ein ende zu finden.

"hast du andere casette?" fragte der eine marokkaner neben mir? dabei deutete er auf den bandsalat, der sich vorn in der taxe zu einem unentwirrbaren knäuel verwickelt hatte. "musik da ist tot!"

achmed fuhr eine scharfe kurve - von der strasse weg auf einen schotterweg. dann ging es sofort steil bergan. der mercedes kroch den berg hinauf. immer neue serpentinen, in denen der diesel-motor einmal stotterte und einmal aufheulte. achmed griff ins lenkrad und zog es mit aller kraft einmal nach rechts, dann wieder nach links. meine marokkanischen freunde waren still geworden. je mehr sich unsere taxe in den berg schraubte, desto mehr dachten sie wohl an "mama".

manchmal drehten die reifen durch, der motor schrie und prustete. achmed kämpfte mit seinem fahrzeug, um es in der spur zu halten! manchmal wirbelten ganze steinlawinen hinter uns den berg hinunter. es ging immer bergauf!

dann erreichten wir eine schmale brücke über einer sehr tiefen schlucht. ich mochte nicht hinuntersehen! vorsichtig lenkte achmed das auto auf die erste holzbohle der brücke. dann erfassten die vorderräder die nächste holzbohle. und so ging es weiter. vorsichtig krochen wir - bohle um bohle - über einen schwindelnden abgrund.

noch eine kurve. dann waren wir im dorf. ich konnte einige häuser sehen, die sich in den berg duckten. achmed bremste, die türen der taxe flogen auf. meine drei marokkanischen freunde stiegen aus und küssten nacheinander dem taxi-fahrer die wange. dann sagten sie ihm etwas. achmed drehte sich zu mir: "mein freunde möchten dich einladen zu tee und keks. du möchtest?"

"ach, achmed, das ist furchtbar nett. aber ich bin noch so satt von der tanjine! ich werde, irgendwann einmal, die einladung nachholen, ganz bestimmt!"

und während die drei ihren häusern entgegenliefen, wendete achmed den mercedes und sagte:

"und jetzt fahren wir nach marrakesch."

(fortsetzung folgt)

Re: von agadir nach marrakesch... #66985
31/05/2002 12:13
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nun ging es den berg wieder hinunter. das war fast gefährlicher als hinauf. denn immer, wenn achmed bremsen musste, rutschte das fahrzeug auf dem schotter einfach weiter bergab. achmed versuchte alles. er schaltete einen gang tiefer, drückte mit aller kraft das bremspedal bis zum anschlag hinunter, zog die handbremse. manchmal half es, manchmal schrammte das fahrzeug die notdürftige begrenzung entlang, die strasse und schlucht trennte und kam dann zum stehen. achmed fluchte leise. manchmal stieg er aus, um sich den schaden anzusehen. "das macht nichts" rief er, wenn er gerade einmal wieder eine neue schramme inspiziert hatte. "ich kleb reklame von orangina über schramme, dann nichts mehr zu sehen."

irgendwann hatten wir dann wieder die hauptstrasse erreicht. es war später nachmittag geworden, als wir das gebirge hinter uns liessen und jetzt über flaches land fuhren, das sich rings um marrakesch erstreckt. rechter hand entdeckte ich an der strasse einen souk. ich sah verkaufstände, esel, die sich unter den schattigen bäumen drängten und viele menschen. achmed bemerkte mein interesse. "du willst sehen souk? ist sehr schön. viel sehen!"

"nein, nein", rief ich. lass uns weiterfahren. ich möchte nun endlich nach marrakesch!"

"ach, wir haben zeit, viel zeit. du musst sehen souk!" und damit lenkte er das auto von der strasse und hielt es direkt neben den eseln. die liessen sich dadurch nicht stören.

achmed führte mich über den souk. ich kaufte apfelsinen für seine kinder, liess oliven abwiegen und gewürze für achmeds küche. ich erstand fünf t-shirts für seine kinder. dann zeigte mir achmed seine schwarzen halbschuhe, die wirklich kaum noch an schuhe erinnerten. also kaufte ich ihm ein paar neues. ich hätte gern für ihn die schwarzen genommen, er aber bevorzugte braune. dann sah achmed einen stand, an dem cassetten mit arabischer musik verkauft wurden. "du weisst, mein cassette tot!" also liess ich ein kleines sortiment neuer cassetten einpacken. so schlenderten wir, eine tüte mandeln in der hand, über den souk und achmed rief immer einmal wieder: "hier, schau. ich kann gut gebrauchen." oder er sagte ganz traurig und bot mir von seinen mandeln an: "du weisst, ich armer mann. sehr arm. aber du reich. du mein freund". und damit umarmte er mich und drückte mich an sich. auf dem souk mit gebrauchten kleidern erstand ich für ihn noch eine hose und drei paar socken. dann kehrten wir, mit allerlei tüten im arm, zur taxe zurück. "schöner souk! oder? und alles so billig", sagte achmed, als er die taxe startete.

"wohin wollen wir den jetzt?" fragte ich ihn mit hochgezogenen augenbrauen. "wohin du willst, mein freund, wohin du willst!"

fortsetzung folgt

Re: von agadir nach marrakesch... #66986
31/05/2002 13:50
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Herrlich! Wirklich herrlich! Hab mich köstlich amüsiert und warte gespannt auf die Fortsetzung, obwohl man sich den weiteren Verlauf der Handlung ja eigentlich denken kann.
Marie

Re: von agadir nach marrakesch... #66987
31/05/2002 15:24
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die taxe fuhr und fuhr. irgendwann las ich auf einem schild, "60 km bis marrakesch". bald hatten wir es geschafft. müde lehnte ich mich zurück und war auch bald eingeschlafen. ich träumte von einer eisenbahnfahrt im schwarzwald. warum ich nun gerade in marokko vom schwarzwald träumte, weiss ich nicht. aber als mir gerade ein mädchen in typischer landestracht - also mit einem hut, auf dem rote bällchen befestigt waren -, zuwinkte, ruckelte die lokomotive, machte einen satz nach vorn und blieb stehen.

ich wachte auf. unsere taxe stand mitten auf der strasse. "was ist denn jetzt, achmed?" er zuckte mit den schultern. "irgendwas ist mit auto. aber was, weiss ich nicht." wir stiegen aus und schoben die taxe an den strassenrand. achmed öffnete die kühlerhaube und sah in das gewirr von kabeln und motorteilen. er prüfte die steckverbindungen und den ölstand, schaute hier und da und schlug dann die motorhaube wieder zu. "nein, hier alles in ordnung."

"was ist es denn dann?" fragte ich ungeduldig. achmed hatte jetzt den verschluss des dieseltanks geöffnet und schnupperte hinein. "das ist es", rief er dann, "kein diesel, nichts."

ich war recht fassungslos. wie konnte ein taxifahrer vergessen, sein auto aufzutanken, bevor er eine so weite reise von agadir nach marrakesch unternahm? "ja, hast du denn in agadir nicht getankt?" "doch, doch, ich hab. aber tankanzeige ist kaputt. und ich dachte, reicht bis marrakesch. nun, hat nicht gereicht. dacht gleich, komisch, ich tank für 50 dirham und tankanzeige sagt "voll". aber jetzt weiss, dass tankanzeige immer "voll", auch wenn leer. du musst warten, ich hol diesel."

und mit diesen worten lief er auf der strasse richtung marrakesch davon, bis er ausser sicht war.

ich wartete und liess mir den dieselgestank der vorbeifahrenden lkws in die nase wehen. na, wenigstens die hatten diesel genug, um sonstwohin zu kommen. ich probierte die neuen cassetten aus, die mir aber alle nicht gefielen. um mir aber die zeit tot zu schlagen, begann ich, als ich alle cassetten gehört hatte, wieder mit der ersten. so fühlte ich mich nicht so ganz allein auf der strasse nach marrakesch.

endlich sah ich achmed in der ferne, hinter ihm eine ganze schar kinder, ganz am ende ein älterer marokkaner. ganz atemlos erreichte er sein auto. "jetzt haben wir genug diesel." ich sah es auch. die kinder, etwa 15 an der zahl, trugen jedes eine plastik-wasser-flasche. achmed öffnete den tankverschluss, dann trat jedes der kinder vor und schüttete den inhalt der plastik-flaschen in den tank. der ältere marokkaner beobachtete das ganze sehr aufmerksam und ernst. "wer ist das, achmed?" fragte ich und deutete auf den alten mann. "das ist tankwart, wenn wir nicht kommen zu ihm, er muss eben kommen zu uns, oder?" als auch das letzte kind den inhalt in den tank geleert hatte, schraubte achmed ihn sorgfältig zu und sagte dann:"tankwart bekommen 150 dirham für diesel und 20 dirham für service mit kindern."

ich gab dem alten mann 200 dirham und wartete auf das wechselgeld. er verstaute allerdings den schein in seiner hosentasche, ohne anstalten zu machen, mir herauszugeben. "achmed, ich bekomme noch 30 dirham zurück!" "ich weiss, mein freund, aber mustafa müssen erst zur tankstelle, wechelgeld aus kasse nehmen, wieder kommen und dir geben. aber tankstelle jetzt zu, erst morgen wieder frisch diesel."

inzwischen hatten mich die kinder umringt und schauten mich mit ihren schwarzen augen an. einige zupften an meiner hose und riefen "mister, mister!" "was wollen die kinder, achmed?"

"sie wollen ihren lohn fürs tragen!" "aber ich habe doch eben 20 dirham extra bezahlt?"

"nein, nein, die 20 dirham sind provision für tankwart, dass er hat die kinder gefragt."

ich ging zum kofferraum, öffnete meinen trolly und zählte 15 kugelschreiber ab. kugelschreiber habe ich in marokko immer dabei - und kaugummis. dann verteilte ich die "stilos" an die kinder. der tankwart und achmed schauten mürrisch dabei zu.

die kinder machten sich schon wieder auf den heimweg, nachdem sie die plastikflaschen achtlos neben die strasse geworfen hatte. nur der tankwart stand noch bei uns. "worauf warten wir, achmed? lass uns weiterfahren."

"natürlich, mein freund, wir fahren."

achmed blieb aber stehen und bewegte sich keinen schritt zum auto. auch der alte verharrte an seinem platz."

"worauf bitte wartet ihr?" rief ich, jetzt schon ein klein wenig verärgert.

"auf stilo für tankwart und achmed."

(fortsetzung folgt)

Re: von agadir nach marrakesch... #66988
31/05/2002 17:48
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achmed steckte den kugelschreiber in die brusttasche, dann nahm der tankwart vorn im auto platz und ich im fond. wir fuhren los und lieferten unseren gast im nächsten dorf ab. er verabschiedete sich von uns und versicherte mir, übersetzt von achmed, dass er den kugelschreiber in ehren halten würde.

die dunkelheit kam, als wir marrakesch erreichten. der verkehr wurde immer dichter und chaotischer. ich wunderte mich, wie zielstrebig achmed nach marrakesch hineinfuhr, ohne das ziel von mir erfragt zu haben. er schlängelte sich durch den verkehr, hupte, wenn das auto vor ihm nicht losfuhr, obwohl die ampel auf grün gesprungen war und wartete selbt an einer grünen ampel, bis ein empörtes hupkonzert hinter ihm begann und ihn aufforderte, endlich loszufahren. er bremste, um einer "kalesch" nicht in die räder zu fahren und wich mopedfahrern aus, die ohne grund die spuren im zick-zack wechselten.

"wo fährst du mich hin, achmed?" fragte ich. "na, zum jemaa el fna. schöner platz. und dann zum reservoir für wasser mit park, dann zum haus von sultan und dann noch schnell zum souk, und dann wir müssen zurück nach agadir. ist ja schon dunkel. aber wirst sehen, mit mir, du kennst marrakesch wie dein frau, wenn du alles gesehen hast. lass achmed nur machen."

"aber achmed, ich habe hier in marrakesch ein hotelzimmer gemietet. ich bin doch nicht den weiten weg von agadir gefahren, nur um mir einmal kurz marrakesch anzusehen!"

"wie du willst! wenn du nicht sehen willst marrakesch, auch gut. wie heisst dein hotel?"

"hotel jasmine".

"das gibt es nicht in marrakesch! das kenne ich nicht.
wir müssen anderes hotel für dich suchen!"

"ich will aber, verdammt noch mal, ins hotel jasmine. sie erwarten mich dort." ich wurde nun wirklich wütend.

"nun, nun, mein freund. gut, gut. dann fahren achmed dich eben ins hotel. wie heisst? jasmine? ja, gut."

er hielt am bordstein, kurbelte das fenster herunter und sprach einen passanten an. der schien ihm irgendetwas zu erklären, fuchtelte mit dem arm in der luft herum und zeigte einmal nach rechts und einmal nach links.

achmed nickte zum schluss, schloss das fenster und wir fuhren weiter durch den dichten abendverkehr marrakeschs. irgendwann hatte ich die orientierung völlig verloren. ich hatte das gefühl, achmed fuhr immer im kreis herum. die strassen wurden immer schmaler und enger. dann öffnete sich plötzlich ein weiter platz vor uns. ich sah ein grosses, hell erleuchtetes hotel. achmed schoss mit seiner taxe in die hotelauffahrt, ein portier sprang zum auto und riss die tür auf. "bon soir, monsieur."

"achmed, was soll ich hier?"

"nun, das dein hotel."

"das kann nicht sein. das hotel jasmine ist ein kleines hotel an der stadtmauer von marrakesch!"

"nein, dies dein hotel. lies mal."

"jetzt sah ich die grosse leuchtschrift über dem hoteleingang. "hotel-grand-jasmina".

"siehst du, dein hotel."

"das ist nicht mein hotel. komm, fahr weiter!"

der portier schaute in die taxe und ermunterte mich, auszusteigen. als ich seiner aufforderung nicht folgte, öffnete er den kofferaum der taxe, nahm meinen trolly heraus und zuckelte damit in die hotelhalle.

"achmed! hol den koffer und dann lass uns fahren!"

"aber warum, mein freund? hotel ist schön. gut hotel. wirst sehen. beste von marrakesch. schöne zimmer und gut essen. wirst sehen. warum anderes hotel?"

"weil ich das hotel jasmine von deutschland aus gebucht habe."

"macht nichts. jetzt du buchst anderes hotel hier. du hast visa-karte? dann kein problem. du bezahlst hier zimmer und morgen du gehst in klein hotel und sagst, dass du da nicht willst. und wenn die wollen, dass du bei ihnen bist, dann gibst du dort visa-karte und gehst wieder."

"achmed, warum willst du, dass ich in diesem hotel bleibe, wenn ich ein anderes gebucht habe?"

achmed sah mich ratlos an. dann sagte er:

"weil keiner hotel jasmine kennt!
aber wart. ich hol koffer. wenn du nicht willst in marrakesch bleiben, dann fahren wir jetzt noch zum grossen platz und essen tanjine und dann gleich zurück nach agadir."

(fortsetzung folgt)

Re: von agadir nach marrakesch... #66989
01/06/2002 12:40
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"ich will aber nicht nach agadir zurück! ich will jetzt ins hotel jasmine, achmed."

jetzt fiel mir ein, dass ich in meinem trolly einen kleinen prospekt des hotels hatte. ich ging zum kofferaum und nahm ihn aus meinem trolly. wirklich, das hotel jasmine war dort sehr schön abgebildet, samt der lehm-mauer im hintergrund.

"achmed, sieh es dir an. das ist das hotel, das ich suche!"

achmed blätterte in dem prospekt, sah sich alles genau an und reichte ihn mir dann mit den worten zurück; "ja, schönes hotel. klein aber schön. aber vielleicht gibt es nicht mehr in marrakesch. vielleicht zugemacht oder so! ich kenne hotel in essaouira, sehr schön. komm, ich fahr dich da hin. ist ein hübscher ort."

"nein achmed. ich bleibe hier. wir fahren jetzt einmal rund um die stadtmauer herum. irgendwo wird das hotel schon stehen."

"wie du willst, mein freund." achmed startete seine taxe und dann umrundeten wir marrakesch. vom hotel keine spur! nach einer stunde waren wir wieder am ausgangspunkt unserer rundfahrt angekommen.

"jetzt hast du gesehen alles von marrakesch von draussen! ist schön, oder!"

ich verstand die welt mehr. ich nahm den kleinen prospekt noch einmal zur hand. "aber sieh doch, achmed! hier ist das hotel und da ist die stadtmauer." "ja, ich sehe in deinem prospekt, aber stadtmauer wird immer bleiben, wegen touristen. aber ob hotel immer bleibt, weiss nicht!" ganz verzweifelt drehte und wendete ich den prospekt und dann sah ich es: auf der rückseite war ein plan der stadt abgedruckt. ein kleiner pfeil zeigte dorthin, wo das hotel liegen musste. "sieh doch mal, achmed. hier! der plan! jetzt wird das hotel doch sehr einfach zu finden sein!"

achmed studierte die karte, sah sich dann um und zeigte über die strasse: "da drüben muss hotel stehen, steht aber nicht." nun wurde es mir aber wirklich zu bunt. ich stieg aus der taxe und lief über die strasse. vor mir stand ein grosses hotel. ich umrundete es. und da sah ich es: leicht zurückgesetzt, von einem palmenhain fast verborgen stand das hotel "jasmine". wenn ich den richtigen blickwinkel hatte, konnte ich sogar die stadtmauer erkennen. "achmed", rief ich, "komm, ich habe das hotel gefunden." und während ich zum eingang lief, steuerte achmed die taxe in die ausfahrt des hotels.

die tür war verschlossen. ich klopfte. nichts rührte sich. nun, es war ja auch wirklich spät geworden. ich klopfte noch einmal. jetzt hörte ich im inneren schlurfende schritte. dann drehte sich ein schlüssel im schloss, die tür ging einen spalt auf und ich sah in ein altes, zerfurchtes, sonnengegerbtes gesicht. "guten abend, ich bin angemeldet bei ihnen. ich bin der gast aus deutschland!" der alte sah mich misstrauisch an. "lass mich mal!", rief achmed und drängte sich vor. dann sprach er auf den alten ein. nach einem längeren wortwechsel wandte er sich zu mir und sagte:

"er meint, sie haben kein platz. kein zimmer frei. erst morgen. heut nicht."

"aber ich bin doch angemeldet!"

"ja, ja. das kann sein. aber patron nicht mehr im hotel. erst morgen wieder. nur patron weiss,...morgen!"

die tür des hotels schloss sich und die schlurfenden schritte des alten verloren sich im inneren.

"was nun, achmed?"

"ach, nicht schlimm. du hast drei möglichkeiten: entweder erst tanjine essen auf platz der gehenkten, oder in schönes hotel fahren in essaouira, oder du gehst in hotel grand-jasmina, wo du vorhin nicht wolltest."

"dann fahr mich in gottes namen in das hotel. jetzt ist mir doch schon alles egal!"

"will ich gern. aber marrakesch ist gross, so gross. wo ist hotel grand-jasmina? wo? ich weiss nicht. vorhin ein freund hat erklärt, wo jasmina ist. aber freund nicht mehr da."

"das haben wir gleich!" rief ich mit blanken nerven und sprang aus der taxe. ich wartete einem moment an der strasse, bis ein petit-taxi auftauchte. ich winkte es heran. "bitte ins hotel grand-jasmina". "gern, mein herr, steigen sie ein." "nein, nein, ich fahre mit der taxe dorthinten! fahren sie nur vorneweg, wir folgen ihnen!" der fahrer sah mich verdutzt an. er fragte sich sicher, warum eine person zwei taxen benötigt, um in sein hotel zu fahren. mir war jetzt aber nicht nach einer erklärung zumute. also ging ich zu achmeds taxe zurück, stieg ein und bald fuhren mich zwei taxen zum grand-hotel jasmina in marrakesch.

(fortsetzung folgt)

Re: von agadir nach marrakesch... #66990
01/06/2002 22:46
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prima, ich lach mich weg, das erinnert mich so ein bissl an Taxi Scharia "wo Du wolle" vom Radiosender SWR3.
Ich freu mich schon auf die Fortsetzung!!!!

Re: von agadir nach marrakesch... #66991
02/06/2002 02:58
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Du hast geschrieben , dass ich jetzt ins Bett soll! da hast du recht, aber ich bin noch sehr fit! Also mal schauen wer von uns als erster ins bett geht!

Shakir \:D ;\)

Re: von agadir nach marrakesch... #66992
02/06/2002 03:16
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musst nicht ins bett gehen! kannst aufbleiben! in der vergangenheit hatte freund g. immer spät nachts seine sinnlosen kommentare unter meine beiträge im forum geschrieben. und nun tust du es - aus lauter schlaflosigkeit - . alles in allem, es kommt aufs selbe hinaus! im übrigen:schmiere unter meine beiträge, was du möchtest. ich kenne es bereits. in manchen nuancen mag es hier und da mal ein neues halka geben. aber es tut mir leid: kichern tue ich mit dir nicht! am wenigsten unter beiträgen, die mir am herzen liegen und vielleicht auch andere erfreuen. wir anderen lachen dann vielleicht,. und das ist etwas anderes als dieses nervöse kichern! - aber kicher gern weiter, es stört nicht im geringsten!

Jocim

Re: von agadir nach marrakesch... #66993
02/06/2002 09:12
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hallo, liebe leute - es tut mir leid! die fortsetzung (bzw. das ende meiner kleinen geschichte) wird nun hier nicht mehr zu lesen sein. die unerträgliche atmosphäre des marokko-forums macht es mir unmöglich, hier auch nur noch einen satz hinzuschreiben.

es gibt einige wenige hier, die für sich reklamieren, wie dieses forum auszusehen hat. das können sie auch! sollen diese mitglieder dann auch dem forum die impulse geben, dass es freude und spass macht, hier etwas zu lesen.

mir ist der spass nun endgültig vergangen.

somit ist die reise von agadir nach marrakesch vorzeitig zu einem ende gekommen, wie alles hier in diesem forum, wo fast jedes gespräch in einem fisasko endet und jeder thread inzwischen von moderatoren geschlossen oder verschoben werden muss. da der sündenbock gefunden ist, geht der sündenbock jetzt an die frische luft und geniesst einen wunderschönen, sonnigen juni-sonntag!

bis irgendwann einmal.

Jocim

Re: von agadir nach marrakesch... #66994
02/06/2002 21:23
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diesen abschnitt meiner kleinen geschichte widme ich "marie". du hast dich so nett und freundlich zu meinen erlebnissen in marokko geäussert, dass ich einfach nicht umhin komme, zu sagen "danke". und dies ist die fortsetzung:

das petit taxi bremste vor der auffahrt des hotels "grand-hotel-jasmina". hätte achmed nicht aufgepasst, hätte er diesen kleinen orange-farbenen peugot glatt von hinten gerammmt. der portier - ich kannte ihn ja schon - rannte zum petit-taxi, riss die hintere tür auf und stutzte. dann lief er zu unserer taxe und sah misstrauisch durchs fenster. als er mich entdeckte, verzog er sein gesicht und lief zum eingang des hotels zurück.

ich stieg aus, bezahlte die petit-taxi und ging in die hotel-halle. der portier sah mir sehr misstrauisch nach. ein zweites mal wollte er meinen trolly gewiss nicht ins hotel schieben, um ihn nach kurzer dauer wieder zur taxe zurückzubringen!

drei hotelangestellte warteten hinter der rezeption, als ich durch die hotelhalle auf sie zulief. "ein zimmer? gewiss! für wieviele tage?" fragten sie. der eine lief zu einem computer und liess sich die freien zimmer des hotels aufrufen. "moment" rief er und starrte auf den bildschirm. dann sah er zu mir und sagte "der computer sagt: nichts mehr frei.schade. aber: moment, moment! ich sage dir: alles frei!" dann widmete er sich wieder dem computer, gab ihm allerhand befehle über die tastatur und seufzte dann: "computer mag jetzt nicht. dann wir müssen selber schauen, ob etwas frei!"

achmed stand inzwischen mit meinem trolly in der hotelhalle und wartete. "sie mögen ein glas orangensaft, oder minerallwasser?" der zweite hotelangestellte hinter der rezeption wandte sich an mich und deutete zu den sessel-gruppen im foyer. "setz dich. gleich kommt orangade. und dann kommt auch zimmer zu euch!"

hatte er jetzt einen zweideutigen blick zu achmed geworfen, der immer noch mit meinem trolly auf dem dunkelblauen berber-teppich mitten in der hotelhalle wartete?

ich winkte achmed zu mir und wir nippten an einem glas orangensaft, dass uns aus dem restaurant gebracht worden war. "schön hotel", sagte achmed. er sah sich um. ich wusste aber, er sagte das nur, um überhaupt etwas zu sagen. "ja" sagte ich und hatte plötzlich die breitling-uhr in der hand, die ich beim mittagessen an der strasse von agadir nach marrakesch erstanden hatte. "achmed, möchtest du diese uhr?" achmed sah sich die uhr genau an, drehte und wendete sie in seiner hand und sagte dann: "swisse-uhren gehen nie genau. aber wenn du möchtest, ich nehme für meinen schwager. er ist bei busunternehmen in casablanca. da immer verspätungen. aber wenn er die uhr hat, kann sein, bus kommt pünktlich." mit diesen worten steckte er die uhr ein.

jetzt kam auch der marokkaner aus der rezeption zurück, er lachte über das ganze gesicht: "also, alles klar. unser computer sagt, wir sind für dreissig tage willkommen."

was immer das hiess!

er sprach aber ein so perfektes deutsch, dass ich ihn nur ansah und -sehr töricht- sagte: "das bett aber überlasse ich ihnen."

der marokkaner winkte zu achmed. der schob meinen trolly zum lift. dann fuhren wir in den 7. stock des hotels. achmed musste im foyer warten

wir stiegen aus, ich rollte meinen trolly durch endlose flure. dann hielten wir vor einer tür. der marokkaner nickte und lächelte mich an. dann schloss er auf. eine dumpfe hitze schlug mir entgegen, durchmischt von gerüchen von schweiss und mottenpulver.

"dies ist besonderes zimmer. geht auf stadtmauer aus lehm." mit diesen worten öffnete der angestellte das fenster des zimmers.

ich trat zu ihm. wirklich! es war ein kleines wunder! genau gegenüber, umstellt von palmen und in dunkelheit gehüllt, erkannte ich mein hotel: das hotel "jasmine".

(fortsetzung folgt...vielleicht)

Re: von agadir nach marrakesch... #66995
03/06/2002 14:55
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marie Offline
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Hi Jocim,
ich bin sicher, dass die Story noch nicht zu Ende ist! Ist eigentlich der Ich-Erzähler in deine Geschichte identisch mit dem Autor? Das war bestimmt nicht die preisgünstigste Taxifahrt in deinem Leben, aber bestimmt die amüsanteste, gib es zu. Achmed ist aber auch ein voll liebenswertes Schlitzohr!
Marie

Re: von agadir nach marrakesch... #66996
03/06/2002 15:11
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hallo marie - nein, nein, ich glaube eine folge kommt noch. sonst wäre die kleine geschichte nicht komplett, oder?

ja, im wesentlichen habe ich die taxifahrt von agadir nach marrakesch so erlebt. natürlich ergänzt um einiges (dichterische fantasie eben!). ich habe sozusagen alles (oder vieles) in die geschichte gepackt, was ich zu anderer zeit und an anderem ort in marokko erlebt habe. den taxifahrer habe ich übrigens später, nach einem jahr noch einmal getroffen. ich hatte fotos von ihm und seiner familie gemacht. er war ganz glücklich. er hatte mich dann auch zu sich eingeladen. aber das habe ich abgebogen. allerdings habe ich seine telefonnummmer noch in einem meiner tagebücher. also vielleicht, vielleicht, werde ich ihn noch einmal engagieren, für eine fahrt von

agadir nach marrakesch *lächel*

Jocim

Re: von agadir nach marrakesch... #66997
03/06/2002 15:34
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ladaisy Offline
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Hallo Jocim,

ich gehe jetzt gleich schmunzelnd in den Feierabend - dank Deiner Geschichte - und hoffe auf weitere Reiseabenteuer von Dir!

Jocim, ist das portugiesisch? Oder wäre das Joaquin?

Re: von agadir nach marrakesch... #66998
03/06/2002 15:53
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hallo ladaisy, den namen Jocim habe ich mir selbst gegeben. papa und mamma nannten mich anders. nachdem pappa aber merkte, welchen balg er da gezeugt hatte, schloss er mich erstmal in der besenkammer ein. mamma war dagegen machtlos, obwohl sie pappa inständig bat, wenn schon, auch alle meine geschwister da einzusperren.

was sollte ich machen? ich klopfte in der dunkelheit gegen die tür der besenkammer und rief "lasst mich hier raus." doch mein pappa reagierte nicht. dann fiel mir ein trick ein: ich rief: "hier ist Jocim! lasst mich gefälligst raus". da erschrak pappa ganz doll, denn er hatte plötzlich das gefühl, den falschen eingesperrt zu haben. also riss er mit schlechtem gewissen die tür der besenkammer auf und rief: "oh, das war wohl ein versehen!" mamma lächelte, als sie mich in die arme schloss.

aber seitdem tag heisse ich Jocim. mit portugal, liebe ladaisy, hat das nichts zu tun. ich habe in portugal noch nicht einmal urlaub gemacht.

übrigens sucht pappa immer einmal wieder im besenschrank und macht sich schwere vorwürfe, dass sein sohn sich, sozusagen mit seiner hilfe, in luft aufgelöst hat.

Jocim

Re: von agadir nach marrakesch... #66999
04/06/2002 16:45
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Soja & Tofu


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Ob Sojamilch, -sahne oder -quark, Sojasauce, Miso, Tamari, Tofu oder Tempeh – Soja wird nicht nur bei Naturköstlern und Vegetariern immer beliebter.

Seit mehr als 4000 Jahren gilt die Sojapflanze in Asien nicht nur als „heilig“, sondern ist Grundnahrungsmittel schlechthin. Europa lernte die Sojapflanze im 18. Jahrhundert kennen. Der Durchbruch kam aber erst in den 60ern. Ab da wurde Soja als Ölpflanze und Viehfutter in Deutschland verwertet. In den 80ern erlebte Soja dann einen Aufschwung sowohl in der konventionellen Lebensmittelbranche als auch in der Naturkostszene. Die weltgrößten Produzenten sind die USA, gefolgt von Brasilien, Argentinien und China. Insgesamt werden jährlich etwa 125 Millionen Tonnen Sojabohnen geerntet. Deutschland importiert davon 14 Millionen Tonnen.

Soja ist eine Hülsenfrucht und wächst in nur 100 Tagen an der einjährigen strauchigen Sojapflanze. Auch in ihr fremden, aber warmen Regionen wie Nord- und Südamerika gedeiht sie prächtig. Beeindruckend ist die Vielfalt der Sojaprodukte: getrocknet oder frisch, zerkleinert, gekeimt als Sprossen, geröstet zu Mehl gemahlen, zu Öl gepreßt, zu Saucen oder Tempeh fermentiert, sogar als Kaffeesurrogat und Fleischersatz.

In der konventionellen Produktion setzte sich Soja vor allem als Fleischersatz durch. In einer hochindustrialisierten Herstellung wird Sojamehl auf bis zu 200°C erhitzt und durch Düsen gepreßt, um eine fleischähnliche Faserstruktur zu erhalten. Dieses „Sojafleisch“ oder auch „texturierte Eiweiß“ (TVP) ist ein typisch westliches Produkt. In der Soja-Heimat Asien hat Soja dagegen eine lange Tradition als Würzmittel in Form von Sojasauce, Miso und Tamari und als asiatische „Käse“-Spezialität wie Tofu und Tempeh.

Tofu – der Sojakäse

Tofu ist ein „kulinarisches Chamäleon“: Leicht und bekömmlich, kalorienarm, cholesterinfrei und reich an hochwertigem Eiweiß. Gedämpft, fritiert, gegrillt und gebraten läßt es sich zu Schnitzel, Burgern, Klößen oder als Pastafüllung verarbeiten. Ob deftig oder süß – Tofu schmeckt als Salat, Brotaufstrich und als Dessert.

Der Kochphantasie sind keine Grenzen gesetzt, ganz im Gegenteil. Der neutrale Geschmack fordert KöchInnen zu kreativen Würzexperimenten heraus.

Die Grundlage für Tofu bildet Sojamilch, die aus eingeweichten Sojabohnen gewonnen wird. Die Bohnen werden gemahlen, aufgekocht, die Schalen- und Faserstoffe abgesiebt. Die Sojamilch wird dann entweder mit Salz (Nigari, ein Meersalzextrakt), gereinigtem Gips (Kalziumsulfat) oder Säure (Essig-, Zitronensaft) zum Gerinnen gebracht. Der dabei entstehende lockere Eiweißkuchen wird ausgepreßt, in Blöcke geschnitten und in frischem Wasser gekühlt. Als Tofu kommt er im Glas oder in Folie in die Läden. Im Kühlschrank kann er bis zu vier Wochen aufbewahrt werden.

Tofu enthält neben Eiweiß (15,7g pro 100g), wenig Fett und Kohlenhydrate, sehr viel Eisen, Magnesium, Kalium, Nikotinsäure, Kupfer, Kalzium, Zink und Phosphor sowie etwas Folsäure, Vitamin B1, B2 und B6.

Gesundheit!

Soja kann die Eiweißversorgung des Menschen sicherstellen: Eine halbe Tasse Sojabohnen liefert etwa soviel Eiweiß wie ein 150-Gramm-Steak. Und: Soja enthält die essentiellen Aminosäuren, die der Mensch benötigt, aber nicht selbst herstellen kann. Sojaerzeugnisse sind daher eine gesunde Alternative zu Fleisch. Sie enthalten kaum schwerverdauliche gesättigte Fettsäuren und wirken – im Gegensatz zu Fleisch – im Magen basisch und nicht säurebildend.

Die meisten Sojaprodukte sind reich an krebshemmenden Isoflavonen. Auch gegen Diabetes und Rheuma sollen die sekundären Pflanzenstoffe der Sojabohne helfen.

Soja-Vorteile auf einen Blick:

hochwertiges pflanzliches Eiweiß
hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Linolsäure, Linolensäure)
cholesterinfrei
kalium- und magnesiumreich
reich an Vitamin B1, B2, Folsäure und Vitamin A, E
ballaststoffreich

Das gibt’s im Naturkostladen

Neben den Klassikern Sojamilch, Sojasauce und Gewürzen wie Miso und Tamari findet man in den Regalen auch Tofu in verschiedenen Geschmacksrichtungen sowie Tempeh.

Räuchertofu ist momentan der Naturkost-Renner. Auf dem Vormarsch sind neben dieser würzigen Spezialität auch Tofu-„Convenience“-Produkte, die VerbraucherInnen einen Großteil der Zubereitung abnehmen.

So finden sich im Naturkost-Regal auch fertige Aufschnittrollen, Terrinen, Würstchen, Bratlinge, Aufstriche und Würzpasten aus kontrolliert biologischen Zutaten. Wunderbar leicht zubereitet und lecker im Geschmack.

Rezepte


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Sojasprossen-Salat

Zutaten für 4 Personen

500g Sojasprossen
500g Spinatblätter
1Ž2 Stange Sellerie
4 Champignons, 1 Paprikaschote
80g Cashewkerne, 100g Rosinen
Für die Sauce:
1 Knoblauchzehe
1 EL Ingwerwurzel
80 ml Distelöl, 2 EL Sojasauce
Meersalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung: Sojasprossen und Spinat waschen und abtropfen lassen. Sellerie, Paprika und Pilze putzen und in Scheiben oder Würfel schneiden. Das Gemüse in einer Schüssel mit den Cashewkernen und den Rosinen vermischen.

Für die Salatsauce die Knoblauchzehe abziehen und fein hacken. Die Ingwerwurzel schälen und ebenfalls fein schneiden. Beides zusammen mit dem Öl und der Sojasauce gründlich verrühren und mit etwas Salz und Pfeffer würzen.

Die Sauce über das Gemüse geben, vermischen und den Salat etwa 10 Minuten ziehen lassen.


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Sesam-Tofu

Zutaten für 4 Personen

300g Tofu
3 EL Sojasauce
1 EL Balsamessig
300g Möhren
300g Paprika
2 EL Speisestärke
1 Ei
4–5 EL weißer Sesamsamen
200 ml Öl
1 EL Butter
Salz, Pfeffer, Petersilie
Zubereitung: Tofu abtropfen lassen und in Würfel (ca. 1cm Ø) schneiden. 2 EL Sojasauce und 1 EL Balsamico zusammenrühren und Tofuwürfel darin 1 Stunde marinieren. Möhren und Paprika waschen, putzen und in dünne Scheiben schneiden oder würfeln. Speisestärke über die Tofuwürfel streuen. Ei verquirlen und Tofu darin wenden. Anschließend in den Sesamsamen wälzen. Öl erhitzen und die Tofuwürfel portionsweise goldbraun ausbacken. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Hitze reduzieren, etwas Öl abgießen, Butter hinzufügen und die Möhren und Paprika 1 Minute anbraten. Mit Salz, Pfeffer und Sojasauce würzen, etwa 5 Minuten weiter garen und vom Herd nehmen. Tofuwürfel unterheben und mit Petersilie garniert servieren. Je nach Geschmack kann bei Tisch mit Sojasauce nachgewürzt werden.


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Re: von agadir nach marrakesch... #67000
05/06/2002 13:21
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Jocim Offline OP
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nun nahmen wir den lift, um wieder in die hotelhalle hinunterzufahren. denn dort wartete ja achmed mit meinem trolly. wir standen im lift nebeneinander, aus irgendeinem lautsprecher kam hübsche musik - vivaldis „vier jahreszeiten“ -, wir schwebten von stockwerk zu stockwerk, bis - der lift stehen blieb, die musik verstummte und das licht erlosch. „was ist das jetzt?“ fragte ich erschrocken. „oh, kein problem“, kam es aus der dunkelheit. „wir haben hier im hotel zwei fahrstühle.“ der eine bleibt oft vor dem dritten stockwerk stehen, dieser hier aber macht es meistens ohne probleme. nur manchmal. wie jetzt!“

„und jetzt?“

„kein problem. ich habe schon den notknopf gedrückt. dann klingelt es unten in der rezeption. und mein kollege ruft unseren monteur an.“ „wieso ruft er ihn an? ist er nicht im hotel?“ „nein, warum sollte unser monteur den ganzen tag im hotel sein, wenn alles funktioniert!“

„aber es funktioniert doch nicht!“ „doch, es funktioniert alles bei uns. wir sind ein grosses hotel. und wenn der eine lift ausfällt, nehmen wir eben den anderen. dass beide ausfallen, ist sehr unwahrscheinlich.“ „aber was nützt uns das jetzt, wo wir hier im dunklen festsitzen?“

plötzlich flammte das licht eines feuerzeuges auf. „ich mach dir schon licht. brauchst keine angst zu haben“, beruhigte mich der angestellte.

jetzt hörte ich von weit unten ein klopfen. „ist das der monteur?“

„warte, mal. ich muss erst hören!“ der angestellte beugte sich hinunter und hörte angestrengt auf die klopfzeichen. dann richtete er sich wieder auf. „nein, das ist das klopfen meines kollegen von der rezeption. er klopft immer drei mal.“ „und was heisst das?“ fragte ich. „dreimal klopfen heisst - alles in ordnung -. unser monteur klopft viermal.“ „und was heisst das?“ „ich bin bereit, mit der arbeit zu beginnen.“

plötzlich knackte und rauschte es im lautsprecher des lifts. dann erklang die musik, die ich schon beim betreten als so angenehm empfunden hatte. „oh, das ist nett“, rief der angestellte. mein kollege hat die musik repariert, damit uns nicht langweilig ist. hast du eine zigarette, mein freund?“ nun rauchten wir zu vivaldis „vier jahreszeiten“ in der dunkelheit des lifts eine zigarette und schwiegen.

dann hörte ich vier klopzzeichen. aha, der monteur war eingetroffen. „jetzt geht es ganz schnell“, sagte der angestellte neben mir. und wirklich, schon nach einigen minuten hörte ich über mir ein kratzendes geräusch. dann öffnete sich über meinem kopf eine luke und licht fiel in den lift. dann sah ich oben ein dunkelhäutiges gesicht. „hallo, samir“, rief der hotelangestellte. „alles in ordnung?“ „ja, alles“ rief der monteur von oben hinunter. es war wirklich freundlich von den beiden, dass sie versuchten, sich auf deutsch zu verständigen.

„was willst du tun, samir?“ „oh, ihr entweder kommt hier durch loch oben raus und klettern in viert stockwerk und da aus tür, oder ihr mögt bleiben in aufgezug, dann ich mach alles in ordnung in keller. und dann ihr habt licht.“

„nur licht?“ fragte ich skeptisch. „oder fährt der lift dann auch wieder?“ „nun nun, ein nach anderem,“ erwiderte samir. „erst licht und dann vielleicht dann fahren!“

„also, ich bleibe hier“, sagte ich. „da oben rumzuklettern, ist mir doch zu riskant.“ „nicht schlimm“, erwiderte der hotelangestellte. erst vor einer woche hat das sogar ein ganz alt mann geschafft. und du bist doch noch jung!“

„ich bleibe hier“, sagte ich jetzt mit nachdruck. „ich will mir doch nicht gleich am ersten tag in marokko ein bein brechen!“

„gut“, rief samir von oben. „dann ich geh jetzt in keller und reparier aufgezug.“

wir rauchten noch allerlei zigaretten. dann flammte auch das elektrische licht wieder auf. „jetzt kann es nicht mehr lange dauern“, sagte der hotelangestellte. langsam bekam ich atemnot. die verbrauchte luft und der zigarettenqualm in diesem engen lift nahmen mit den atem.

ich hustete. „du musst ganz langsam atmen. dann wird es gehen. willst du noch eine zigarette?“ der hotelangestellte hielt mir die packung hin. da war nur noch eine letzte übrig geblieben. ich hustete noch eimal und schüttelte den kopf. „na, dann nehme ich sie“, sagte er angestellte, zündete sie an und bemühte sich, mir den qualm nicht ins gesicht zu blasen.

plötzlich gab es einen ruck und der fahrstuhl setzte sich wieder in bewegung. als ob nichts gewesen wäre, glitt er ins parterre, die tür öffnete sich fast lautlos und wir sahen in die freudestrahlenden gesichter des monteurs, des angestellten von der rezeption und achmed, der meinen trolly immer noch fest in der hand hielt.

„alles klar?“ rief der monteur. „alles in ordnung“ rief der hotelangestellte. dann wandte er sich zu seinem kollegen und sagte: „in der nächsten zeit sollten wir aber doch nur den anderen lift benutzen. dieser hier braucht mal ein wenig zeit zum ausruhen.“

fortsetzung folgt

Re: von agadir nach marrakesch... #67001
06/06/2002 15:27
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sk8er3 Offline
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sk8er3  Offline
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unwichtig
hallo jocim,
vielen dank für die sehr kurzweiligen und schönen kurzgeschichten deren letzen teil ich soeben im forum literatur gelesen habe!

Ich hoffe schwer, dass wir im forum in den genuss weiterer kleiner abenteuer kommen, bin mir sicher es gäbe noch viel zu erzählen von reisen nach marokko. Danke andré \:\)


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