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rudolf augstein #61040
07/11/2002 20:25
07/11/2002 20:25
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Jocim Offline OP
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die pressefreiheit ist auch in deutschland nicht vom himmel gefallen. die allierten vergaben die lizenzen für zeitungen nach dem 2. weltkrieg in deutschland zwar an journalisten, die ihr vorbild in der angelsächsischen presse fanden - aber mit der gründung der bundesrepublik deutschland begann eine spannungsgeladene zeit zwischen der politik der bundesrepublik und ihrer presse, die bis heute anhält (anhalten muss!)

der gipfel von pressezensur und eliminierung kritischer berichterstattung war erreicht, als die redakteure des "spiegel" wegen eines artikels zur bundeswehr in ihren wohnungen und an ihren ferienorten von der bundesanwaltschaft festgenommen und in haft genommen wurden.

die verfahren - so haltlos sie waren - wurden teilweise erst jahre später eingestellt.

heute ist rudolf augstein, herausgeber des spiegel (hamburg) gestorben.

es braucht unbedingt tapfere und mutige menschen und journalisten, um für die bürger in einem staat meinungsfreiheit zu erkämpfen und zu erhalten!

J.

Re: rudolf augstein #61041
08/11/2002 10:31
08/11/2002 10:31
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Errachidia, Marokko
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Thomas Friedrich Offline
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Thomas Friedrich  Offline
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Errachidia, Marokko
Ja Joacim,

in der Tat bekamen nach dem Kriege nur Leute eine Zeitungslizenz, die im Sinne der Allierten schrieben, was auch nachteile hat.
Die die damals ihre Lizenz bekommen hatten, konnten ihre Medienherrschaft immer weiter ausbauen und sind gewissermassen auch heute noch amerikahoerig in ihrer Berichterstattung.
Es ist doch ueberall so: Wo Amerika einen Krieg fuehrt und gewinnt, werden wichtige Positionen nur an jene vergeben, die ihnen gegenueber nicht kritisch auftreten und die Bevoelkerung dadurch steuern.


Beste Grüße
Thomas

In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.


Weitere Informationen über meine Aktivitäten:

http://lmgtfy.com/?q=thomas+friedrich+marokko
Re: rudolf augstein #61042
08/11/2002 11:12
08/11/2002 11:12
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Jocim Offline OP
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da hast du wohl etwas falsch verstanden! die allierten (frankreich, england und amerika) vergaben nach dem krieg zeitungslizensen an "unbelastete" journalisten - und von denen gab es wenige. die bedingung war, eine zeitungslandschaft in deutschland aufzubauen, die sich am angelsächsischen vorbild orientierte - nämlich der pressefreiheit (worüber allerdings trefflich zu streiten wäre!)

natürlich war die vergabe der lizensen auch mit der absicht verbunden, kontrollierend einzugreifen.

aber gerade rudof augstein hat sehr schnell - damals noch in hannover - den einfluss der engländer stark zurückgedrängt, indem er sich jede zensur verbat.

es ist nicht so, dass die frühen lizensierten zeitungen (stern, welt und spiegel) amerika- oder england hörig waren.

gerade für den spiegel wäre es glattweg eine gemeinheit, ihm amerikahörige publizistik nachzusagen. man lese nur einmal die berichterstatung des spiegel während des vietnam-krieges.

aber ganz abgesehen davon: natürlich hat sich die nachkriegspolitik und publizistik stark an amerika orientiert. wie hätte es anders sein können, oder: an welcher art der publizistik hätte man sich sonst orientieren sollen: an der russischen vielleicht?

die journalisten begannen 1945 ihre arbeit ineinem vakuum. übrigens hat rudolf augstein parteigenossen der nsdap beschäftigt - wahrscheinlich mit seinem wissen. denn es gab in deutschland nach dem krieg eben wenige journalisten, die ihr handwerk verstanden.

dennoch hat der spiegel keine einzige zeile veröffentlicht, die ihn in den ruf hätte bringen können, nationalistisch zu sein oder alten träumen hinterher zu hängen.

eine freie presse - überall in der welt - wird sich selbst heute noch an der amerikanischen messen lassen müssen. wer zum beispiel hat den watergate-skandal aufgedeckt, über den ein präsident stürzte? es war die "washington post"!

also wollen wir dann mal gerecht sein und nicht unsere vorurteile und aversionen zu letztgültigen aussagen machen, gell, thomas friedrich?

J.

Re: rudolf augstein #61043
08/11/2002 19:32
08/11/2002 19:32
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Thomas Friedrich Offline
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Thomas Friedrich  Offline
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Errachidia, Marokko
Hallo Jocim,

Du hast doch gerade genau das bestaetigt, was ich auch mitgeteilt habe, tust aber so, als wenn Du anderer Meinung waerest.
Natuerlich sollten nach dem Krieg Zeitungslizenzen nur an unbelastete Personen vergeben werden, die aber auch alliertenfreundlich berichten sollten.


Beste Grüße
Thomas

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Re: rudolf augstein #61044
08/11/2002 20:36
08/11/2002 20:36
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Jocim Offline OP
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Jocim  Offline OP
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Joined: May 2002
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nein, nein, thomas! die deutschen zeitschriften und zeitungen haben sich nach dem 2. weltkrieg und später eben nicht zum willfährigen werkzeug der allierten gemacht. henry nannen war in den späten sechzigern ein glühender verfechter der ostpolitik willy brandts (mitten im kalten krieg!) auch rudolf augstein ging schliesslich in die politik (in die fdp, die damals noch mit der spd zusammen die ostpolitik vorwärts trieb), weil er meinte, dort schneller etwas zu erreichen (das war aber ein irrtum. nun, ja!)

etwas aus dem rahmen fiel der dritte (der grossen!): axel springer. er hatte sich rasch ins rechte spektrum bewegt. allerdings war er einer der glühendsten kämpfer, wenn es um den bestand israels ging.

man muss sich aber auch dies einmal vergegenwärtigen: in deutschland nach dem krieg gab es natürlich weiterhin grosse ressentiments gegen die juden. der spuk war ja nicht 1945 vorbei! es gab weiterhin die "deutsch-nationalen", sehr rechts, sehr indoktriniert durch den ns-staat.

axel springer hat es fertig gebracht, ein deutsches "nationalgefühl" zu vermitteln, das gleichzeitig frieden mit den juden schloss.

das war in der geschichte deutschlands das erste mal!

nein, nein, thomas! in deutschland wird es stiller und stiller! warum? weil die menschen fehlen, für die poltik und publizistik noch ein leidenschaftlicher kampf für eine bessere welt war.

willy brandt war so einer, herbert wehner auch, ja: auch konrad adenauer....das ist die politische seite.

auf der publizistischen seite waren es springer, nannen und augstein. sie haben deutschland aus der entmündigung geholt und ihnen wieder selbstvertrauen gegeben.

man mag manches beklagen: etwa, dass sich axel springer so masslos in seinem hass gegen die studenten der 68ér generation verrannt hatte,

dass henry nannen die höhe der auflage seiner zeitschrift durch (gefälschte) hitler-tagebücher steigern wollte,

dass augstein ein zyniker war, der seinen kollegen mit kälte und unnahbarkeit begegnete.

aber sie sind durch ein feuer gegangen und haben es überlebt.

vielleicht ist das sogar der einzige trost - am ende: überlebt zu haben.

warum sage ich das jetzt? weil rudolf augstein in einem seiner letzten interviews davon gesprochen hat, dass sich seiner meinung nach unsere hoch komplexe gesellschaft (und hier meinte er die "globale" weltweite gesellschaft) an einen endpunkt gebracht hat. rudolf augstein gab der welt, wenn ich es recht entsinne, noch eine "galgenfrist" von 200 jahren.

dann sind die ressourcen verbraucht, afrika ist an aids gestorben, über der welt liegt eine giftige wolke und die menschen bringen sich im nackten überlebenskampf gegenseitig um.

etwas davon spüren wir ja schon, oder?

J.


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