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Arbeiten und Leben in Tanger #39894
21/01/2001 02:57
21/01/2001 02:57

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Anonym OP
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Hallo,

meine Firma hat mir angeboten, mich für ein Jahr nach Tanger / Marokko abzuordnen. Inzwischen habe ich bereits ein Buch über die Kultur und Menschen in Marokko gelesen, wichtige Fragen blieben aber leider unbeantwortet.

Wie lebt es sich in Tanger, wie hoch sind die Mieten, worauf muß man achten...

Bin für jeden Link und jede Info dankbar.

Einen netten Gruß,

Bronco

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39895
24/01/2001 09:26
24/01/2001 09:26
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Rainer Guntermann Offline
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Rainer Guntermann  Offline
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Joined: Feb 2001
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Hallo Bronco,
wende Dich doch mal in Frankfurt an den (hoffentlich noch exestierenden) Verein "Frankfurt-Tanger" o.ä.!
Haben ein Buch rausgebracht, dass ich mal beim marokk. Fremdenverkehrsamt in Düsseldorf bekommen habe, das sehr gut das Leben in Tanger (dort lebt die größte deutsche "Kolonie" in Marokko!) beschreibt und mit reichhaltigem Bildmaterial versehen ist.
Die Royal Air Maroc in Frankfurt war auch Sponsor und irgendwie beteiligt!
Auskunft darüber müsste Dir auch die marokkanische Botschaft bei Dir in Berlin erteilen können (frag dort mal am besten Herrn Dr. Gnidel)!
Gruß Rainer

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39896
24/01/2001 23:17
24/01/2001 23:17

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Anonym OP
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Hallo Rainer,

danke für den Tip. Ich werde gleich morgen telefonieren.

Einen netten Gruß,

Bronco

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39897
26/01/2001 03:15
26/01/2001 03:15

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Anonym OP
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Hallo Bronco,
da wünsche ich Dir ein tolles Jahr. Ich war bis jetzt dreimal in Marrokko und finde Tanger einfach am geilsten. Diese Stadt hat einen Flair und Ihre Vergangenheit als Freihandelszone und Schmugglernest ist noch in vielen Ecken zum Greifen nahe. Wenn Du etwas über das Buch das Hr. Guntermann beschrieben hat rausbekommen hast, würde ich mich sehr freuen, wenn Du mich benachrichtigst. Als was arbeitest Du eigentlich, daß Dich Deine Firma nach Tanger entsendet? Ich hoffe die frage ist nicht zu persönlich. Bis dann Michael

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39898
26/01/2001 09:30
26/01/2001 09:30

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Anonym OP
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Um die Geheimnisse diese Stadt zu entdecken empfehle ich dir folgende Schrifsteller: Mohammed choukri, Mohammed Lmrabet und Paul Bowles.
--------------------------------
Paul Bowles - Der Titan von Tanger


Tanger - Wird die Begegnung mit Paul, wie ihn hier alle ganz familiär nennen, so sein, wie alle hier in Tanger sagen - alle, die ihn vergöttern, und
auch die Handvoll, die ihn nicht ausstehen kann? Wird der Titan von Tanger, 88 Jahre alt, in seinem verdunkelten Zimmer auf dem Bett liegen,
nachmittags den ockerfarbenen Morgenmantel tragen, pünktlich den 5-Uhr-Tee mit einem Strohhalm aufsaugen und ohne Unterlaß kiffen?

"Sie müssen Paul unbedingt besuchen", rät Mohamed Choukri, dessen Bekanntschaft alleine schon ein Reise nach Tanger wert ist. Choukri,
krauses Haar und dicker Oberlippenbart, gilt als einer der wichtigsten arabischen Schriftsteller der Gegenwart. Mittags um zwölf sitzt er fast
täglich nahe dem Place de France im Café Pilo, trinkt sein Kreativbier und entgrätet nebenbei mit den Fingern fritierte Sardellen. Früher war
Choukri um diese Zeit schon so betrunken oder zugekifft, daß er kaum mehr ansprechbar war. Aber mit 60 kennt er nun schon Maß und Ziel.

Choukris Bücher stehen zum Teil auf dem Index, hier in Marokko und in fast allen islamischen Ländern. Militante Moslems haben ihn ganz oben
auf ihre schwarze Todesliste gesetzt. Choukri erzählt - wenn man ihn ausfragt, sonst schweigt er einen an -, nicht anders als in seinen Büchern:
Kurze Sätze, klare Worte eines bescheidenen Mannes, der sich als Teenagerganove durchschlug, mit 15 schon fast jede Nutte in Tanger
beschlafen hatte und erst mit 21 lesen und schreiben lernte. "Tanger hat nichts Eigenes. Es lebt nur vom Blut der anderen, von der Inspiration
der Fremden", sagt er ohne Pathos ganz allgemein. Jugenderinnerungen formuliert er beiläufig: "Ich konnte damals aus den Mülleimern der
Ausländer gut essen."

Choukri also, der die Wohnung mit einem Eichhörnchen teilt, schätzt Pauls Arbeit hoch, aber privat mag er ihn nicht mehr leiden. Doch das wird
er erst viel später preisgeben, wenn abermals die Rede auf die Legende der Weltliteratur, den existentialistischen Kultschriftsteller Paul Bowles
kommt, zum Denkmal geworden durch seinen von Bernardo Bertolucci ("Der letzte Kaiser") verfilmeten Bestseller "Himmel über der Wüste".
Die Geschichte handelt, 1940 in Tanger geschrieben, von Port (John Malkovich) und seiner Frau Kit (Debra Winger), ein amerikanisches
Aussteigerpärchen, das der Zivilisation überdrüßig mit Champagner im Koffer durch die Sahara reist. Die Suche nach dem Thrill des Orients
endet furchtbar: Port stirbt im Typhus-Delirium; Kit wird von Beduinen vergewaltigt und verfällt dem Wahnsinn. Das Buch sei auch eine Parabel
auf Tanger, sagen viele, die auch meinen: Paul ist Tanger, Tanger ist Paul.

Paul bleibt vorerst unauffindbar, ein Phantom. Wer weiß, ob er sich nicht schon totgekift hat, und keiner hat's gemerkt. Egal, Tanger, Afrikas
Schwel-le nach Europa, harrt der Entdeckung. 14 Kilometer, gerade zwei Stunden braucht man mit der Fähre über die Straße von Gibraltar bis
zur spanischen Küste. Das moderne Tanger ist unansehnlich. In Bestlagen stehen die als "Kif-Silos" bezeichneten Hochhäuser leer. Auf
karg-grüne Wiesen gebaut, mit Gras finanziert. Flair entfaltet das neue Tanger nur zwischen fünf und neun am Abend, wenn mann in den
Straßencafés entlang des Boulevard Pasteur sitzt, bei Café au lait Müßiggang zelebiert und beiläufig den hübschen Marokkanerinen
hinterhersieht. Das Herz der Stadt aber bildet die Medina, der Petit Socco, ein orientalischer Souk mit verwinkelten steilstufigen Gassen.
Geschäft an Geschäft, Werkstätten, Gold- und Silberläden, kleine Cafés, ab dem Nachmittag ein arges Menschengeschiebe.

Wer nur durch den malerischen Petit Socco hetzt, der sieht zwischen verschleierten Frauen und Männern in langen Kaftanen nichts außer
Teppich-, Lebensmittel- und Postkartengeschäften, fragt sich vielleicht, wer all die feilgebotenen Blechtöpfe und bunten Plastikeimer kaufen soll,
deren Menge den Grundbedarf ganz Afrikas an Haushaltsgeräten decken könnte. Erst mit viel Zeit und Ruhe und neugierigen Augen beginnt
man hinter die Fassade zu sehen.

In Cafés wechseln kleine Päckchen und größere Banknoten im Hand-Umdrehen den Besitzer. Viele Läden sind nicht mehr als Camouflage. Die
zivile Polizei fischt regelmäßig, Knüppel aus dem Sack, soviele Leute ab, wie in einen Mannschaftswagen passen. Irgendein Gauner ist
garantiert immer dabei. Der Rest sitzt mit blutigen Nasen ein paar Stunden später wieder im Sokko. Bis zum nächsten Gauner und Gendarm.

Im Socco nistete sich einst Barbara Hutton ein, die Woolworth-Erbin, das "little poor rich girl". Daß eine der reichsten und unglücklichsten
Frauen der Welt diese Nachbarschaft suchte, um umgeben von Armut in einem mondänen Goldkäfig zu leben - im Socco vergißt man sie nicht,
die Barbara und ihre glamourösen Feste, für die der arme Socco, der schmuddelige Socco die folkloristische Kulisse abgab.

Tanger, der Mythos. Ihren Ruf verdankt die 280 00-Einwohner-Stadt dem internationalen Status, den sie von 1923 bis bis zur Angliederung an
das Königreich Marokko im Jahr 1956 hatte. Tanger war Freihafen. "Es herrschte pure Anarchie", erinnert sich Madame Rachel Muyal. Sie führt
seit 42 Jahren die Buchhandlung "Librairie des Colonnes", in der Truman Capote, Tennessee Williams, Taher Ben Jalloun, Choukri, Bowles und
wie all' die Tanger-Literaten hießen und heißen, lasen.

Drogen, Sex, krumme Geschäfte. Europas und Amerikas freakige Intellektuelle, Schickis, Hippies und Aussteiger (auch die mit Champagner im
Koffer), Abenteurer und Glücksritter strömen noch immer nach Tanger. Auf den Spuren der großen Freiheit, der großen Deals, auf den Spuren
großer Namen.

Tanger, die Stadt der Erinerung. Rick's Bar befand sich einst im El Minzah, heute ein im maurischen Stil auf nostalgisch renoviertes Hotel nahe
dem Petit Socco. Warum der Film mit Humphrey Bogart ausgerechnet nach Casablanca, Marokkos Kapitale der Tristesse, benannt wurde, das
weiß auch der 95jährige hagere Mr. Gordon nicht, der im Minzah regelmäßig am Tresen steht. Er ist der letzte lebende Mitbegründer des CIA.

Der Maler Henri Matisse durchlief in Tanger seine blaue Phase, nicht nur künstlerisch. James Bond erwählte für "The Living Daylight" das
Phanasie-Palais Mandoub, das die Medina krönt, als Kulisse. In dem Palast aus tausend und mehr Nächten, feierte der Mulitmilliardär Malcolm
Forbes seine pompösen arabischen Nächte. Elizabeth Taylor honeymoonte hier mit ihrem seinerzeit frisch angetrauten Handwerker Larry
Fortensky. Stones-Gitarrist Brian Jones ließ sich in Jajouka, ein Dorf außerhalb Tangers - wie lange davor schon Duke Ellington und Dizzy
Gillespie - von den Gnaoua-Klängen der Sufis musikalisch inspirieren. "Pipes of Pan" hieß das Album. Die Marrokaner revanchierten sich bei
dem Rolling Stone mit einem marokkanischen Song: "Brahim Jones, Jajouka very stoned".

"Tanger, die Stadt der Lumpen", fluchte der Schriftsteller Truman Capote, der wie Tennessee Williams und William S. Burrroughs selten unbekift
anzutreffen war. Burroughs, der Prophet der Beat-Generation, hat nie aufgehört zu behaupten, er wisse überhaupt nicht, wie sein Kultbuch "The
naked lunch" in Tanger entstanden sei. Immer wieder beginnen oder enden Geschichten in Tanger mit Kif, das aus den nur 100 Kilometer
entferten Rif-Bergen stammt.

Dort liegen die großen Hanfplantagen, die die Europäische Union (EU) nun mit viel Subventionen in Kartoffelacker umwandeln lassen will. Doch
die Hanfbauern denken gar nicht daran. Zu gut laufen die großen Deals und auch die kleinen. Einkaufem beim Erzeuger. Was deutschen
Winzern recht ist, ist den Kif-Bauern aus dem Rif-Gebirge nur billig. EU-Kartoffeln, igitt!

Tanger, die Laszive. Für so gut wie jeden Marokkaner, der nicht aus Tanger stammt, ist die Stadt der Inbegriff des Sündenfalls, korrupt, verrucht,
verdorben, verhurt - und verdächtig, weil man hier ganz kosmopolitisch außer Französisch, der offiziellen Zweitsprache Marokkos, auch noch
Englisch und Spanisch spricht. Schwule finden in Tanger mühelos ihre Liebhaber, in Straßencafés oder im Miami Beach Club. Lesben müssen
vorsichtiger sein. Homosexualität ist im Islam verboten. Für Frauen ist sie selbst im liberalen Tanger ein bißchen verbotener als für Männer.

Wenn überall sonst in Marokko, in Fez, in Rabat oder in Casablanca, gegen zehn das Leben in Tiefschlaf fällt, dann ist in Tanger erst einmal
Schichtwechsel. Die Gassen im Petit Socco leeren sich. Wer jetzt noch mit Blick aufs Meer, im Café Hafa sitzt und die letzen Kringel des Joints
in die laue Nachtluft bläst, der ist bald mit sich und dem Kellner allein.

Die Nacht gehört den vagabondes und den frangines, ein arabisch-französiches Wort, übersetzt "die "Freiheitlichen". Auch bonnes soeurs
werden die frangines genannt, die guten Schwestern, die weiblichen Opfer der maroden marokkanischen Wirtschaft: Gelegenheitsprostituierte
sind sie, oft geschiedene Frauen mit Kindern.

Im "Les Grottes", im "Koutoubia Palace" und im "Flandria Palace", drei After-Midnight-Diskos mit erträglichen marokkanischer Livebands,
manchmal Bauchtanz, trifft man sie. Die Regeln der guten Schwestern sind eisern. Wenn der Aspirant nicht gefällt, dann blitzt er ab. Wer prima
ankommt, zahlt nur die Getränke plus freiwilige Morgengabe - und vom reichlich vorhandenen mittelmäßigen Männermaterial dazwischen leben
die bonnes soeurs.

12 Uhr mittags. Mohamed Choukri sitzt im Café Pilo, trinkt Bier, Marke Flag. Schreiben Sie gerade an einem Buch? "Ja, es wird 'Paul Bowles
und die Einsamkeit Tangers' heißen." Man sagt, Sie mögen Bowles nicht; er hat Sie doch entdeckt und berühmt gemacht? "Bowles ist ein Dieb.
Er hat sich für meine ersten übersetzten Bücher das Copyright unter den Nagel gerissen. Ich sehe davon keinen Sou. Taher Ben Jalloun hat
dasselbe in Frankreich getan." Warum verklagen Sie Bowles dann nicht? "Er ist ein alter Herr. Grüßen Sie ihn."

Das Haus, ein wenig einladender Betonbau, liegt am Rande der Innenstadt. Der Lift funktioniert nicht. Über ein dunkles Treppenhaus erreicht
man die vierte Etage. Auf dem kleinen Messingschild an der Tür steht nur der Nachname: Bowles. Ein schnauzbärtiger Marokkaner, der
Chauffeur, öffnet. Die Wohnung ist düster. Auf dem Boden, auf dem Sofa, auf den Tischen und in überquellenden Regalen stapeln sich
Zeitungen, Zeitschriften und Bücher in Spanisch, Arabisch, Französisch und Englisch. Es riecht nach Kif, und es ist fünf Uhr. Wie Spitzwegs
armer Poet liegt Paul Bowles, ein hagerer Eremit mit weicher Stimme, in seiner Matratzengruft, schlürft den Tee mit dem Strohhalm, zieht am
Kif-Pfeifchen. Er trommelt kraftvoll und rhythmisch mit den Fingern auf dem Teetablett, streicht sein fahles Haar glatt und hört zu oder tut
jedenfalls so.

David und Valeria aus München - er Brite, sie Argentinierin - heißen die unagemeldeten Besucher dieses Nachmittags. Valeria ist schwanger,
David noch leicht unglücklich über die ungeplante Familienerweiterung; und als letzte Reise, ehe sie für Jahre an ihr Kind gebunden sein
werden, wollten die beiden Paul treffen, der so viel wisse über das Leben. Aber darüber hat er alles schon geschrieben; er zitiert sich nicht
gerne selbst. Beichtvater oder Pro-Familia-Berater sind nicht seine Rollen.

Lieber erzählt er eine kleine Geschichte: wie er in den 30er Jahren auf einem Frachter, der ein Rhinoceros von Rangun nach Oslo brachte,
mitreiste und wegen eines Streikes der Mannschaft das Rhinoceros, das an der Hitze zu sterben drohte, ständig mit Wasser abduschte, bis die
Mannschaft den Streik beendete und sich wieder des Nashorns annahm. "Freuen Sie sich", sagt er mit einer Spur von Grinsen auf dem Gesicht
zu dem Pärchen, "Sie müssen kein Rhinoceros großziehen". David und Valeria verstehen die leise Ironie des alten Mannes nicht. "Dürfen wir
Ihnen schreiben, Paul?", fragen sie, bevor Bowles die Audienz höflich beendet. Aber ja, sagt er, manchmal komme die Post sogar an, die man
ihm schicke.

Bowles greift zu einem kitschig blaugeblümten Blechetui, holt einen der dünnen, gleichmäßig gedrehten Joints heraus. "Die Leute fragen mich
immer, warum ich in Tanger bin. Ich weiß es nicht. Es waren immer die Umstände, die meinen Weg bestimmten. Ich hatte nie Pläne. Tanger ist
reizvoll. Es ist durch und durch korrupt." Er macht eine Pause, zieht am Strohhalm und schiebt sich ein "Peanuts Butter Cookie" in den Mund.
"Eigentlich sollte ich unangemeldete Besucher abweisen, da ich nicht mehr zum Nachdenken komme. Aber sie fahren weit, um mich zu sehen.
Nun, mit Kif läßt sich das Leben ertragen." Bowles raucht Kif meistens pur. Tabak hat ihm sein Arzt vor über 15 Jahren eigentlich verboten.

Bowles greift zu einem Katalog "Ford Mustang 1966". Für sein silbergraues Cabrio mit weißen Ledersitzen, über 100 000 Meilen auf dem
Tacho, müsse er Ersatzteile beschaffen. Zwar saufe der Mustang zu viel Benzin. "Aber dieses herrliche blubb-blubb des Motors hat eben seinen
Preis." Mit Autos hat er kein Glück. Bowles' Jaguar, Baujahr 1949, sei ihm gestohlen worden, und in gutem Glauben habe ihn Marokkos größter
Sammler, König Hassan gekauft - ziemlich schwierig, den Jaguar zurückzuverlangen.

Was für ein Gefühl mag es sein, Fremde zu empfangen, die einen noch sehen wollen, ehe man stirbt? "Paul", sagt ein Freund, "macht sich
einen Jux daraus". Interviewer, die ihm große Antworten des Existentialismus abringen wollen, die ihn nach seinen homoerotischen Neigungen,
nach seiner 1973 verstorbenen bisexuellen Frau Jane fragen, die verhöhnt er elegant mit knappen oder schrägen Antworten.

Philosophierende Frager und fanatische Leser nimmt er, der Freund von Sartre und Genet, selten ernst. Nur vor kurzem, da habe er auf eine
blöde Frage die absolut ehrliche Antwort gegeben. Ob Tanger sterbe, wenn er, Paul, dereinst nicht mehr sei, wollte ein französischer Reporter
wissen. Bowles überlegte nicht lange. "Es wird eine große Beerdigung geben, und später werden die Leute an mein Grab in Tanger pilgern so
wie sie jetzt zu mir in die Wohnung kommen".

Der ale Mann lächelt schelmisch, freut sich über die angemessen aufrichtige Replik, zieht an seinem Joint und verabschiedet mit mühsam
geöffneten Augen den Besucher: "Meinen Sie, ich finde in Deutschland Ersatzteile für meinen Mustang?"


erschienen in Welt am Sonntag

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39899
27/01/2001 20:00
27/01/2001 20:00

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Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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Hallo Michael,

die Frage ist nicht zu persönlich. Ich arbeite derzeit als Projektleiter im
EDV-Bereich, und würde als EDV-Abteilungsleiter nach Tanger gehen.

Leider bekommt es meine Firma derzeit nicht auf die Reihe, mir die genauen
Konditionen für diese Abordnungen zu nennen (sicher ist nur, daß ich 100%ig nach Tanger soll), so daß der Ausgang derzeit noch
ungewiß ist.

Wegen des Buches halte ich Dich dann auf dem laufenden.

Einen netten Gruß,

Bronco

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39900
27/01/2001 20:04
27/01/2001 20:04

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Anonym OP
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Hallo chibo72,

Danke für die Lesetipps und den Bericht aus der Zeitung. Das macht Appetit auf mehr, also werde ich mal der Bücherei einen Besuch abstatten.

Einen netten Gruß,

Bronco

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39901
29/01/2001 23:27
29/01/2001 23:27

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Anonym OP
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Anonym OP
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Hallo an Alle,
nach diesem Bericht will man doch sofort durch den petit socco und die medina streifen, um sich dann nachts noch in einer Bar bei Live-Musik ein paar Flag zu genehmigen. Danke für diesen Artikel, ich habe Ihn mir sofort ausgedruckt, er ist wirklich fantastisch und beschreibt Tanger wie es ist. Man liebt es oder haßt es.
Zu dem Buch Frankfurt-Tanger habe ich auch bei der RAM angerufen, aber die wußten nur noch, daß es wohl von einem Schriftsteller verfaßt wurde. Mache mich diese Tage mal auf den Weg in eine Buchhandlung.
Falls jemand was genaueres weiß, bitte melden.
Bis Bald Michael

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39902
30/01/2001 11:01
30/01/2001 11:01
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Rainer Guntermann Offline
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Rainer Guntermann  Offline
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Hallo Michael,
wie bereits gesagt, hatte ich das Buch (gebunden und mit viel Bildmaterial) vom Marokk. Fremdenverkehrsamt in Düsseldorf erhalten. Dort wird Dir die Frau Ludwig (Tel. 0211/ 37 01 51/52 und Fax 0211/ 374048)sicherlich weiterhelfen können!
Gruß Rainer

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39903
30/01/2001 19:49
30/01/2001 19:49
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Rainer Guntermann Offline
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Rainer Guntermann  Offline
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Das Buch hat leider keine ISBN-Nr., aber folgendes kann sicher weiterhelfen:

Titel: Tanger Frankfurt zum Beispiel

Herausgeber: Hans Joachim Tischleder (aus Frankfurt)

Ausgabe: März 1995 (anlääsig der 10 marokk. Kulturtage in Frankfurt/a.M.)

Satz und Layout: Johanna Stoll, Frankfurt

Bildreproduktionen: Repro 45, Frankfurt

Bilderdruck: C. Adelmann, Frankfurt

Textdruck: Imprimerie Litograf, Tanger

Buchbinder: Abdeslam Draoui, Tanger

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39904
03/02/2001 02:58
03/02/2001 02:58

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Anonym OP
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Hallo an Alle,
nach vielen durchsurften Stunden habe ich Herrn Tischleder gefunden. Das Buch gibt es anscheinend nur noch bei Ihm persönlich. Im Moment ist er bis Ende Februar in Tanger. Dann ist er wieder zurück. Wenn noch jemand das Buch möchte, kann ich es gerne weiterleiten. Gruß an Alle Michael

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39905
03/02/2001 16:01
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jana Offline
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jana  Offline
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hallo michael,
ich interessiere mich auch für dieses Buch, würde also gern mal mit Herrn Tischleder Kontakt aufnehmen.
Danke für die Vermittlung.
jana

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39906
15/02/2001 15:18
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Erika Därr Offline
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Hallo,
ich hatte schon lange vor Kontakt zu Herrn Tischleder aufzunehmen, habe es aber immer wieder nicht auf die Reihe gekriegt und dann irgendwan die Adresse verschmissen. Bitte auch ein Buch für mich mitbestellen oder mir die Adresse weitergeben.
Ansonsten kann ich Tanger zum Arbeiten nur empfehlen. Die Lage ist super, das Klima angenehm, die Atmosphäre toll. Allerdings ein krasser Gegensatz zwischen den Vierteln der Reichen und den Vierteln der Armen. Da ein Wohnen in den besseren Vierteln sicher teuer ist und die Altstadt wie in anderen Städten sich noch nicht für Immobilien geöffnet hat, dürften die Mieten für ein Haus recht hoch sein (ca. 2000-3000 DM) und Wohnungen wird es nicht viel geben.
Es gibt ein Buch von der Schauspielerin Christine Kaufmann - Mein Leben in Tanger. Es ist leztes Jahr im Scherz-Verlag (glaube ich) erschienen. Hier steht auch was zu mieten und wohnen und einiges über die besseren Kreise. Es ist aber mehr ein Frauenbuch.Ich fand es nicht so toll, aber wenn man in Tanger leben will ganz interessant.Im Internetbuchhandel ist es zu haben. Dort habe ich auch gesehen dass es eine CD dazu gibt.
Grüsse Erika Därr

Re: Arbeiten und Leben in Tanger #39907
02/05/2002 16:50
02/05/2002 16:50
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Anna Norge Offline
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Anna Norge  Offline
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Hallo, alle miteinander!

Mir fiel ein, dass Einiges aus diesem Thema vielleicht auch von Interesse für diejenigen ist, die im Touristik-Forum unter "Tetuan" geschrieben haben.

Gruss von Anna \:\)


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