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für ein neues Forum #37811
19/07/2000 08:14
19/07/2000 08:14

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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A



Ich bin sehr freudestrahlend, dass es ein so interessantes Forum in Deutschland gibt. Ich habe es glücklicherweise per Zufall entdeckt.
Ich habe ganze Beiträge mit Enthusiasmus gelesen, sie waren phänomenal und sie haben mir gut gefallen. Ich kann euch aufrichtig und herzlich danken für euren intellektuellen Anspruch.
Ich möchte aber gern in diesem Beitrag meine Anregungen und Kritiken zitieren und dadurch hoffe ich Verbesserungen.
Unsere deutschen Freunde beschreiben Marokko in einer kulturellen geographischen Vision und gemäß auch ihrer Erfahrungen. Meine Landsleute bestätigen die 1001 Märschen, indem sie Jamaa Al Fana wie ein kulturelles Ereignis darstellen und nicht als Symptom der Arbeitslosigkeit und soziale Ungerechtigkeit. Es ist trotzdem schön so was zu lesen und dadurch die gute Seite Marokkos zu bewundern.
Nun diese Bewunderung wäre noch größer, wenn ihr uns helft durch ihre Kritiken und Meinungen, dass dieses Land einen „marokkanische movida“ realisieren werde.
Ich werde euch noch bewundern, wenn ihr uns kritisiert und gleichzeitig Vorschläge gebt.
Ich wäre noch zufriedener, wenn ihr den marokkanischen Stand im Hannover kritisiert. Und vielleicht das Organisatorische Syndrom erwähnet. (Zu diesem Punkt war, Gott sei Dank Kritik)
Ich finde es eine Schande für alle Marokkaner, wenn sogenannte qualifizierte Organisatoren im Expo 2000 den marokkanische Stand als ein Souk darstellen. Sie müssen begreifen, dass sie ein Land repräsentieren und dass „Addi wa Selek“ sollte im Marokko bleiben.
Wenn wir Schwierigkeiten haben einen kleinen Stand zu organisieren, wie werde es sein mit einer WM. Ich bin dankbar, dass die Entscheidung von FIFA-Kommission objektiv und nicht sentimental war.
Wir leben in einer globalen Welt. Wir müssen unsere Konsequenzen ziehen und versuchen mit allen Mitteln Marokko zu modernisieren. Der Ausfahrt sehe ich in den Kommunikation- und IT-Bereichen . Wir besetzen ein einzigartiges Potential: Diplommathematikern, Diplomphysikern...... Wir könnten sie mit einem sehr geringerem Budget weiterbilden.
Wir könnten

Zum Schluss möchte ich gern eine Diskussion eröffnen.
Ignacio Ramonet meinte
„Diejenigen, die an einen Wandel nach spanischem Vorbild denken, an eine baldige movida, hoffen daher vergebens. Marokko wird es gewiss langsamer angehen lassen, wie es der Tradition des machsen entspricht. Die geht davon aus, dass man die Bremsen nur nach und nach lösen darf, wenn man gut und sicher vorankommen will.“

Ich werde mich freuen eure Meinung zu lesen.
A continuer

Re: für ein neues Forum #37812
21/07/2000 11:01
21/07/2000 11:01

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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Hallo bakkali,

Erstmal habe ich bisher in keinem Beitrag den Eindruck bekommen, dass deine Landsleute ihr Land in einer märchenhaften Art darstellen.
Zweitens du schießt schneller als die Preussen. Deine Bemerkung, Jamaa al-Fana stelle kein kulturelles Ereignis dar, sondern sei ein Symptom der Arbeitslosigkeit und der sozialen Ungerechtigkeit, ist ein übereiltes Urteil. Dass Arbeitslosse sich dort scharren, ist ein Faktum. Aber nicht nur diese Kategorie ist dort zu treffen: Man bekommt zu sehen viele Kaufleute, Landleute unterwegs, finanziell begrenzte Beamten in den Cafés mit der "Itihad Ischtiraki" in der Hand am rätseln, zwischendurch trifft man auf die Tourismusmafia, von dem Bazari bis hin zum deutschen Reiseleiter im Auftrag von Studiosusreisen, dann aber auch Studenten im Treppencafé beim Suppenlöffeln. Links von der Bank du Maroc sitzen die Bankangestellten und die Kripoangehörigen. Ein paar Meter weiter kommt die Zuhälterszene.
Dieses Amalgam von sozialen Kategorien lässt es nicht zu, mit der Brille des alleswissenden Soziologen nur eine Kategorie herauszugreifen und ununterfüttert die Behauptung zu stellen, Jamaa al-Fnaa sei ein Sammelbecken von Arbeitslosen.
Im Gegensatz zu dir möchte ich jetzt die These wagen, dieser in seiner Art seltene Platz ist doch ein kulturelles Ereignis. Dies lässt sich zunächst historisch belegen. Der Platz war, ich hoffe , du weißt es, ein Treffpunkt der Handelskarawanen aus dem tiefen Süden gen Norden und umgekehrt. Folgerichtig auch ein Vernetzungsort von unterschiedlichen regional geprägten Kulturen.
In der Almoravidenzeit erfreute sich der Platz Berühmtheit, später setzten die Almohiden das Markenzeichen von Jamaa al-Fanaa, nämlich der Turm der Koutubiamoschée, übrigens der Name der Moschée kommt daher, dass dort über Jahre eine wertvolle Bücherrei vorhanden war.
In den 40er Jahren haben die Franzosen ihre Residenz, heuete Konsulat, genauer links von der Moschee eingerichtet.
In den 60er jahren strömten die rebellischen Studenten von Dar al Baroud über den Platz und knüpften direkten Kontakt mit den Passaneten. Ähnliches passierte anfang der 80er Jahre, als die teilweise links orientierten Studenten der Uni Kadi Ayad auf der Suche nach Sympathie ihre Forderungen der Masse auf dem Platz bekannt machten.
Ab der 90er Jahre hat man bewußt Jamaa al-
Fanaa zu einem seelenlosen Platz verwandelt. Manche beobachter vermuten hinter diesem autoritären Akt eine gewisse Angst vor einer möglichen Verbreitung islamistischen Gedankengutes auf dem Platz.
Was ich hier mit diesem kurzen historischen Exkurs zu belegen versuche, ist die Tatsache, dass der Platz seit ehe und je ein zentrale Rolle in den Ereignissen der roten Stadt eingenommen hat und immer noch einnimmt.
Soziokulturel lässt sich meine These auch ohne Schwierigkeit belegen.
Die Angebote auf dem Platz von Unterhaltung bis hin zur Scharlatenrie sind alle kulturelle Erscheinungen. Ihre Abnahme in den letzten Jahren ist schlicht und einfach auf den Tourismus zurückzuführen. Die Darbieter treten heutzutage nicht mehr auf dem Platz auf, sondern in den Hotels. Nicht die Einheimischen sind Nutznießer ihrer Kultur, sondern die währungskräftigen Germanitanis, Kaugummikaner,Krankzosen und die neuen Reichen Europas, die Spanier. Der Platz hat längst an seiner Bedeutung zu verlieren begonnen. Wenn staatlicherseits etwas zugunsten des Platz unternommen wird, dann wird der Herr Sadikki mit seiner mittelalterlichen Makamat zum Star aus Rabat gemacht, leider mit dem Risiko, von den gewöhnlichen einheimischen Besuchern nicht verstanden. Sie wollen einen " Bakchich", " Saruch", "Doktor al-Hacharat"8 alle sind inszwischen gestorben. Ein in Marakkesch lebender spanischer Schriftsteller hat vor etwa einem Jahr einen super guten Aufsatz in le Monde diplomatique zu jamaa al-Fanaa als Denkschrift)
" Mechi" der naturtalentierte Alleinunterhalter fasziniert die Kleinen wie die Großen mit seinen Gags, Satiren, Publikumsbeschimpfungen,fast á la Peter Handtke.
Die Geschichteerzählungen, ohne die die Phantasie eines Herren Tahar Ben Jalloun nicht freigesetzt würde. Vor Ben Jalloun war der Paltz der Dreh- und Knotempunkt der literarischen Skizzen von Elias Kanniti.
Heute bieten die Menschenbewegungen in alle Ricgtungen auf dem Platz dem seit nun mehr als 30 Jahren in der Medina lebenden deutschen aus dem kalten Norden ( Kiel) Wolfgang Geerdt das Motiv seiner Malerei

Bakkali, langsam sollte es dir kalrer werden, dass es sich um etwas Besonderes geht, wenn die Rede von Jamaa al-Fanaa ist. Der Platz ist das Herz der Stadt rätselhaften Stadt Marakkesch.
Bei nächster Gelegenheit kommen noch mehr Ausführungen und Einiges zu der " marokkanischen Movida "

" Marrakech est un enigme,autant que sa place"
Aziz

Re: für ein neues Forum #37813
21/07/2000 20:02
21/07/2000 20:02

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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Hallo Herr El Berr,
die erste Bitte:
seien Sie so nett, und geben mir die deutsche Web-Adresse des von Ihnen erwähnten und in der 'Monde diplomatique' publizierten Aufsatzes des in Marrakesch lebenden spanischen Schriftstellers über den 'Djemmaa el Fnaa'. Ich kann mich dunkel erinnern, dass ich so einen Artikel wohl wahrgenommen habe, diesen aber aus Gründen von Arbeitsüberlastung nicht gelesen habe.
Die zweite Bitte: können Sie etwas mehr über Tahar Ben Jalloun erzählen? Das wäre wirklich super! Ist er so etwas wie die 'Nachfolge' von Elias Canetti?
Und das dritte Anliegen wäre: was hat es mit 'Rabat'-Saddiki und dessen mittelalterlicher Makamat für Marrakesch auf sich?

Wie ich schon zum Marokko-Beitrag zur EXPO 2000 geschrieben habe, sehe auch ich im Djemmaa el Fnaa ein ganz besonderes, einmaliges (Sie schreiben leider nur 'seltenes') und originäres Kommunikationsmodell, das für die Zukunft durchaus grundlegende Bedeutung für den direkten Dialog zwischen Mensch und Mensch und einen gemeinsamen Lernprozess wiedererlangen kann. So etwas hat das technologisch hochentwickelte Nordamerika z. B. nicht; man denke z. B. nur an 'downtown' New York (mit dem Times Square), das zur Zeit und soziokulturell gesehen eben auch nur 'street-people' und 'lift-people' hervorbringt, wobei erstere Kategorie in der Form zahlungskräftiger Personen - im Regelfall egozentrisch kauforientiert und auf formale Über-Repräsentation bedacht - im 'öffentlichen Raum' entweder regelmässig der Droge des Konsums verfällt - wenn es denn nicht bloss gaffende 2-Wochen-Touristen auf Schnäppchenjagd sind - oder in Form der nicht zahlungsfähigen Kategorie am oder im Rinnstein vegetiert, und wo die zweite Kategorie sich nach dem stupiden täglichen Pendelvorgang 'Wohnung-Arbeitsstätte und zurück' in den Lift und das 'Heim' oder das Büro rettet: um dann über Internet der 'Sekundärkommunikation' zu frönen.
Es wäre entsetzlich, wenn der Djemmaa el Fnaa - auch nur im Ansatz - einen solchen Weg gehen sollte. Und - so scheint mir nach Ihren Worten - diese Gefahr ist vorhanden!

Mit freundlichen Grüssen:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37814
21/07/2000 22:03
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hallo freunde
das ist ja ein wahrer genuß! es ist wirklich schön, so unterschiedliche meinungen von euch zu vernehmen. das besondere daran ist die gute argumentation und das feuer das hier förmlich zu spüren ist. ihr drei in einem cafe und der besitzer müßte wohl durchgehend geöffnet halten.
inhaltlich würde ich el berr zustimmen, kenne marrakesch zwar nicht so gut, aber die argumentation überzeugt.
ausserdem ist es interessant wenn amn von euch was liest, da man sofort merkt, daß ihr wißt wovon ihr spricht.
schade, daß ich jetzt in den urlaub fahre, aber ich freue mich schon auf eure diskussionen, wenn ich wieder da bin. also füllt das board schön mit qualitativen beiträgen.
gruß an euch alle und bis bald


Bens of Beni-Boughafer
Re: für ein neues Forum #37815
22/07/2000 16:46
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Hassan Offline
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Tag Ihr drei!!!!

Ich kann Saids worten nur zustimmen.
eure diskusion hat mich in ein bann gezogen,
die argumentationen und vorallem euere wortgewantheit sind echt ein schmaus!!!

ich möchte Said zitieren der schrieb "..da man sofort merkt, daß ihr wißt wovon ihr spricht"
Ihr wißt es!! ich verstehe leider zum Teil nur Bahnhof!! :-) Elias Canetti, wer ist oder war das ?? Ben Jalloun ??????

El Berr & Co. macht weiter so, wir können nur von euch lernen!! Ich meine ich werde nachschlagen wer die beiden sind!!

Grüsse an euch alle aus Gütersloh
Hassan

(werde eure wortgefechte mit spannung verfolgen!!)

Re: für ein neues Forum #37816
23/07/2000 12:51
23/07/2000 12:51
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Erika Daerr Offline
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Hallo alle zusammen,
mich fasziniert der Djemaa el Fna auch immer wieder und ich stimme Abdel Aziz El Berr voll zu.
Auch wenn der Platz sicher sehr touristisch und kommerziell geworden ist, so würde ich in eigentlich nicht als Sammelbecken der Arbeitslosen sondern eher als Sammelbecken der kleinen Händler, Köche bzw. Esstandbesitzer und Gaukler bezeichnen. Ende Februar waren am Platz jede Menge Einheimische anzutreffen, auch abends beim Essen und ich hatte nicht den Eindruck, dass das zum großen Teil Arbeitslose waren. Mich faszinierte die Geschäftstüchtigkeit der einzelnen Standbesitzer und die Anziehungskraft die die Geschichtenerzähler, Akrobaten etc. auf die Mrakkschis ausüben. Die Athmosphäre ist unvergleichlich und da scheinbar einige Elias Canetti nicht kennen: Sein Buch "Die Stimmen von Marrakech" gehört zur Weltliteratur und ist glaube ich im Suhrkamp-Verlag im Taschenbuch erschienen.
Sehr erstaunt es mich dass ihr Euren Landsmann Tahar Ben Jelloun nicht kennt. Ich glaube dass er der Zeit bekannteste Schriftsteller Marokkos ist, auch wenn er in Frankreich lebt. Sein Buch bzw. seine Auseinandersetzung mit seiner Tochter "Papa was ist ein Fremder" ist seit Monaten auf der Spiegelbestsellerliste und ich denke es ist sowohl für Europäer als auch für in Deutschland oder Frankreich lebende Marokkaner und ander "Fremde in Europa" ein unglaublich wichtiges Buch wenn es um den Dialog mit dem Andersein, dem Fremden, den Ausländer geht.
Nun zum Thema Ignacio Ramonet:
„Diejenigen, die an einen Wandel nach spanischem Vorbild denken, an eine baldige movida, hoffen daher vergebens. Marokko wird es gewiss langsamer angehen lassen, wie es der Tradition des machsen entspricht. Die geht davon aus, dass man die Bremsen nur nach und nach lösen darf, wenn man gut und sicher vorankommen will.“
Ich halte den Satz für richtig, auch wenn sich alle modernen Marokkaner einen schnellen Wandel wünschen. Man kann nicht´s übers Knie brechen wie man in Deutschland sagt. Wenn eine Modernisierung innerhalb kurzer Zeit stattfinden soll, dann erfordert das jede Menge Geldmittel, die auch dem armen Volk zu gute kommen. Dieses Geld hat Marokko nicht bzw. der König und seine Regierung kann gar nicht so schnell umverteilen wie er vielleicht möchte. Wenn die Reichen von ihren Privilegien etwas hergeben sollen, dann ist er gefährdet weil es sein eigenes Unterstützungsklientel verliert. Wenn die Armen nicht schnell genug was bekommen, dann schart sich das Volk hinter den Islamisten, v.a. in der Stadtbevölkerung und in den Slums. Deshalb müsste zuerst hier etwas getan werden.Die Bergbevölkerung steht trotz Armut, meiner Meinung nach schon aus Traditionsgründen fest hinter dem König.Auch wenn hier Unterstützung dringend nötig wäre, so finden diese Bevölkerungsteile aufgrund ihrer traditionellen Strukturen Halt in ihrer Gesellschaft. Hier wäre ein zu schneller Wandel eher abträglich. Stattdessen müsste versucht werden mit dem Erhalt der Traditionen Einkommensquellen aus den natürlichen Resourcen zu finden. Landwirtschaft, Ökotourismus etc. Wer drängt ist die verarmte Stadtbevölkerung und hier muss dringend ein Ansatz gefunden werden, wie die Arbeitslosigkeit gesenkt und ein Wirtschaftsaufschwung erzielt werden kann. Wenn seit Jahren die Analphabetenquote nicht heruntergeht, die Schulbildung schlecht ist aber auch die Akademikerarbeitslosigkeit hoch ist, dann muss was geschehen bevor die Unzufriedenen in der Religion ihr Heil suchen. Nichts gegen Religion und Islam, aber wenn dieser fanatisch wird wie im Iran oder Afghanistan oder mörderisch wie in Algerien, dann wird es gefährlich und bringt das Land eher an den Rand des Ruins als nach vorne.
Einen geglückten, schnellen Wechsel vom Mittelalter in das 21. Jahrhundert habe ich nur am Beispiel des Omans, der aber glücklicherweise über Öl verfügt, gesehen. Marokko hat leider kein Öl, aber viele andere natürliche Resourcen und ich wünsche Mohammed VI., dass es ihm gelingt den schwierigen Balanceakt zu schaffen, das Volk vorwärts zu bringen ohne seine Position zu gefährden.

Re: für ein neues Forum #37817
23/07/2000 16:30
23/07/2000 16:30

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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Salam an allen

Die ganze Aufregung ist ziemlich unverständlich, das historisch aber reiseführermässig Apercu über Jamae Al Fenae könnte eine informationsreiche Lektüre für Touristen.
Zurück zu unserer Debatte, wem nützt wohl zu wissen, dass Jamae Al Fanae doch ein kulturelles Ereignis sei? Wer profitiert vom diesem sogenannten Ereignis? Werden wir dadurch die Fundamentalisten bekämpfen!
Ich nehme zur Kenntnis, dass ich, genauso wie ihr, auf Marrackech und die ganze marokkanische und arabische Geschichte, stolz bin. Ich liebe diese Stadt, weil sie eine typische Marokko-Miniatur darstellt. Sie verkörpert eine glorreiche Epoque in unserer Geschichte und die Einheit Marokkos.
Ramonet hat seinen Artikel mit dem unten zitierten Gedanke beendet:
„Diejenigen, die an einen Wandel nach spanischem Vorbild denken, an eine baldige movida, hoffen daher vergebens. Marokko wird es gewiss langsamer angehen lassen, wie es der Tradition des machsen entspricht. Die geht davon aus, dass man die Bremsen nur nach und nach lösen darf, wenn man gut und sicher vorankommen will.“

Ich bin der Meinung, dass diese Änderungen so schnell wie möglich realisiert werden. Wir sind uns einig, dass der Islamismus in Marokko rasch und geschickt verbreitet. Durch karitative Projekte haben die Fundamentalisten in allen Städten eine enorme und organisierte Bewegung geschafft.
Diese Verbreitung könnte nur gestoppt werden, wenn wir uns auf eine schnelle und gezielte movida entscheiden, Dies ist zweifellos eine sehr schwierige Aufgabe aber eine notwendige.
Unsere Lage sieht zum Teil optimistisch. Wir haben einen jungen dynamischen König, der eine marokkanische movida befürwortet. Wir sollten diesmal nicht geduldig auf Änderungen warten, sondern wir haben die Möglichkeit dazu beitragen zu können.
Wir müssen die Fundamentalisten mit ihren Mitteln bekämpfen und vielleicht z.B. zusammen karitative Projekte zu organisieren.
( Falls es Freiwillige gibt, könnten wir bei der nächsten Angelegenheit es besprechen.)
Marokko erlebt seine letzte Chance um kulturelle, soziale und wirtschaftliche Änderungen selber zu inszenieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir sie mit Bravour schaffen und die Fundamentalisten marginalisieren werden.
Wie ihr wahrscheinlich in Deutschland lebt, solltet ihr die marokkanische movida realisierbar halten. Die positiv enorme Änderungen, die Deutschland in den fünf letzten Dekanen erlebt hat, könnten nur dank Fleißes, sozialer Gerechtigkeit und Mut stattfinden. Deutschland zählt jetzt zu den reichsten Ländern der Welt. Einen Vergleich zwischen Deutschland im Jahr 1950 und Deutschland im Jahr 2000 werde ich in meinem Beitrag ersparen. Die „deutsche movida“, die ich sehr bewundere, wurde durch eine solide Verfassung und innovative Planungen durchführbar ohne jede Diskussion ob z.B. Brandenburger Tor ein kulturelles Ereignis oder ein Symbol der Spaltung. Heute kann Deutschland solche Diskussionen erörtern.

Mein Appell richtet sich Marokko so schnell wie möglich zu modernisieren, dadurch bewahren wir unsere Stabilität und unsere Patrimoine.
„Der Status von Jamae AL Fanae wird ein kulturelles Ereignis sein, wenn wir die Änderungen erfolgreich durchführen werden. Oder eine Hochburg der Fundamentalisten, wenn wir der Meinung sind dass, wir diese movida langsam angehen lassen sollen“.

Salam
bakkali
A continuer....

Re: für ein neues Forum #37818
24/07/2000 10:30
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ich kann nur sagen
WOW und SUPER, ich bin hingerissen, weiter so!gruss silla

Re: für ein neues Forum #37819
24/07/2000 11:49
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Hallo Hassan
wenn ich dir auf deine fragen antworten darf, um auch etwas weniges an dieser diskussion beitragen zu können.
Also, Elias Canetti ist ein wunderbarer schriftsteller, den ich sehr bewundere und auch alle seine werke gelesen habe. wenn du nicht sehr belesen bist, ist er ein bisschen schwer zum lesen, aber nur mut, du schaffst es. unter anderem das buch: Elis Caneti: die Stimmen von Marakesch ISBN Nr. 3-596-22102-X (zu unserem thema!!)TB Fischer Vlg. er wurde oft ausgezeichnet und wohl einer der shcönsten auszeichnungen war 1981 der nobelpreis für literatur. auch Tahar Ben Jelloun ist ein super erzähler, es lohnt sich seine bücher zu lesen. auch er hat eine auszeichnung erhalten und zwar für das buch: Tahar Ben Jelloun: die Nacht der Unschuld, eine sehr schöne geschichte. ("Prix Goncourt 1987) also los, aber vergiss uns hier nicht ganz, denn die bücher werden dich sehr beanspruchen.
liebe grüsse an alle
silla
(gruss an said, der jetzt in frankreich weilt, vergiss uns nicht)

Re: für ein neues Forum #37820
24/07/2000 11:53
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sorry für die Fehler, natürlich "Elias Canetti" und "Marrakesch".

Re: für ein neues Forum #37821
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Hallo Silla!!

Ich bedanke mich bei dir für die Ratschläge.
Ich lese gerne, nur habe ich bisher nur belanglose Romane gelesen z. B. Sofies welt ... Über Marokko habe ich auch nur Reiseführer gelesen.
Werde mir aufjeden Fall die Bücher besorgen!!
Nochmals danke grüsse
Hassan

Ich werde euch schon nicht vergessen, bin ja mittlerweile süchtig nach diesen Forum!!

Re: für ein neues Forum #37822
24/07/2000 18:47
24/07/2000 18:47

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Hallo Hassan,
ich erlaube mir einen ersten Hinweis zur mail-Post:
Wenn Du "Sofies Welt" gelesen hast, bist Du m.M.n. ja schon ein ganz selbstbewusster und toller Leser!!! - hast Du Dich doch mit der Entwicklungsgeschichte der Philosophie in kurzgefasster Form vertraut machen können! - wenn auch in der etwas verworrenen und verknappten Art des Jostein Gaarder.
Gratulation dazu!

Ein zweiter Hinweis: Wenn Du die Buchhandlungen Deines Wohnortes nach den "Stimmen von Marrakesch" von ELIAS CANETTI durchstöberst, dann vergiss' nicht, Canettis 'Hauptwerk' zu bestellen:
"MASSE UND MACHT",
(Fischer Verlag, TB, DM 18,-)
für das Canetti zuallererst den NOBELPREIS erhalten hat und in dem er sich von Jugend an und sein ganzes Leben lang mit einem Thema beschäftigt hat, dessen Brisanz auch in Zukunft absolut gültig sein wird - ein zentrales Thems unseres Daseins, das uns alle bewegt, herausfordert und quält.
Natürlich kannst Du die Bücher auch über 'amazon.de' bestellen; besonders kannst Du Geld sparen, wenn Du die "Stimmen von Marrakesch" als 'TB-Lehrmaterialien' bestellst, so hat es mir zumindest eine meiner Töchter empfohlen, die ebenfalls ein Canetti-Fan ist und als Studentin eben auch ein bisschen auf's Geld achten muss.

Eine dritte Empfehlung: Wenn Du Anzeichen von 'Forumssüchtigkeit' verspürst, dann trink' einen guten, starken Minze, am besten den echten aus Marokko!

Ich hoffe, dass Du meine wohlgemeinten Literaturtipps nicht als 'klugsch...' Bevormundung auffassen wirst, und ich wünsche Dir einen guten Einkauf!
Wahrscheinlich wirst Du mit dem Lesen schon in der Buchhandlung beginnen! Aber aufpassen: nicht überfahren lassen!

Mit vielen Grüssen:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37823
24/07/2000 18:48
24/07/2000 18:48

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Hallo Si Bakkali,

Zunächst zu meiner Antwort auf deinen ersten Beitrag: Vielleicht kommt sie dir wie eine informationsreiche Lektüre für Touristen vor, aber glaub mir, solche Infos kriegen die Touristen nicht zu hören. Von wem denn? Ich habe in keiner Weise das Thema Jamaa al- Fanaa im Verhältnis zum Tourismus, sondern in einem kulturanthropologischen Sinne angeschnitten. Vielleicht ist dir schon mal Literatur zur Stadt in der Moderne im Allgemeienen und speziell zu betsimmten Orten in einer Stadt begegnet. Wenn nicht, dann könnte ich dir dabei gerne behelflich sein.

Jetzt zu deinem Zitat:„Diejenigen, die an einen Wandel nach spanischem Vorbild denken, an eine baldige movida, hoffen daher vergebens. Marokko wird es gewiss langsamer angehen lassen, wie es der Tradition des machsen entspricht. Die geht davon aus, dass man die Bremsen nur nach und nach lösen darf, wenn man gut und sicher vorankommen will.“

Herr Bakkali. Dein Ramonet meint mit denjenigen, die an einen Wandel nach spanischem Vorbild denken, aller Wahrscheinlichkeit nach, den marokkanischen Islamismusexperten Mohammed Tozy von der Uni Casa, der schon vor und auch nach dem Tod Hassan II um eine Monarchie nach spanischem Vorbild wettete ( Siehe das Interview mit J.P Tourquoi in le Monde von August oder Spebtember letzten Jahres mit Mohammed Tozy mit dem Titel: Ich wette um eine Monarchie nach spanischem Vorbild.)
In der Argumentation Tozys, übrigens ein sehr guter Kenner des politischen Systems in Marokko( Vgl seine Arbeit: Monarchie et champ politique, Edition. Science PO, Paris 1999) sprechen viele Indizien dafür, dass der neue König Marokkos Sidi Mohammed einen starken Willen zur Gerechtigkeit bei einer überraschenden Abneigung vom traditionellen mittelalterlichen Arsinal an symbolichen und adminsitrativen Praktiken nachweist, welches auf Machtkonzeptionen der Unterwürfigkeit basiert. Dieses politische System bezeichnen die Politoplogen Makhzen ( apropos im Zitat ist das Wort falsch geschrieben).

Der zweite Teil des Zitats liest sich wie ein Rezept an die Adresse des Palastes mit der Bitte um Vorsicht bei Reformen, die zu schnell kommen. Man kann beim Lesen fast dazu neigen, zu glauben, dass dieser Teil des Zitats offensichtlich einen gewissen Anspruch auf Bevormundung kaschiert oder zu vermuten, dass die gegenwärtige Machterhaltstrategie der Monarchie in Marokko die jedem vertraute genauer dosierte Öffnungspolitik.
Dass Ramonet nun mal ein Humanist und mutiger Intellektuelle unter der Familie Le Monde ist, ist mir durchaus bekannt. Ich lese ihn schon seit einiger Zeit. Ich erinnere mich sehr gut an seine Positionen hinsichtlich der Westsahara und an seine kritischen Äusserungen zu Hassan II. Er ist von daher jemand, der die Machtpraktiken im "Cherifischen" Königreich sehr gut kennt. Und folgerichtig kann er sich anmassen, die Richtung vorzuschlagen, nämlich der schrittwiese vor sich gehende Prozeß der Befreiung der Politik in Marokko von dem mittelalterlichen Makhzen. Aber ramonet sagt uns nicht wie?.
Vor Lösungsvorschlägen sollte man meines Erachtens die richtigen Fragen zum Rezept von Ramonet: Sollen wir wirklich die Bremse langsam lösen, um besser voranzukommen? Haben wir noch Zeit für einen Schritttempo, wo Marokko zu 44% städtischer und dementsprechend politisierter geworden ist? Wie sollen wir die ab 2010 beginnende Freihandleszone mir der EU begegnen? Wie wollen wir dem Club der demokratischen Länder beitreten, wenn wir noch die Kultur der Furcht und Angst züchten? Kann Herr Ramonet dazu beitragen, die marokkanische movida durch Sensibilisierung der Weltöffentlichkeit für zivilgesellschaftliche Strukturen in Marokko?
In diesem Sinne verabschiede ich mich heute und hoffe von Si Bakkali bald zu lesen.
A Dieu
Aziz

Re: für ein neues Forum #37824
25/07/2000 08:20
25/07/2000 08:20
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salam zusammen
ich möchte auch etwas dazu beitragen, obwohl ich mich bei weitem nicht so intellektuell ausdrücken kann, euer wissen über marokko ist
sensationell, was mich übringes total fasziniert !! ok,nun zurück zu unserem thema.
natürlich wäre es auch mein traum, ich spreche bewusst von einem traum, wenn die modernisierung so schnell wie möglich realisiert würde, aber genau davor habe ich auch angst. bakkali, nicht alle menschen haben das glück, so gebildet zu sein wie du!! (mit deiner weitsicht etc. etc.) Fortschritt hat ja auch mit bildung zu tun, oder? ich denke, ginge es zu schnell, wären viele menschen in marokko überfordert und die angst vor allem "westlichen" (sprich das moderne) ist doch recht gross, was ich machmal auch verstehen kann, denn wir sind ja nicht gerade "in allen dingen" ein parade beispiel!!! auch können sie keinen bauer vom pferd direkt in den ferrari setzen und erwarten, dass er davon braust.(BITTE, versteht mich nicht falsch, damit will ich weder die bauern diskriminieren, noch die marokkaner als bauern schimpfen!!), aber wie wir alle wissen, gibt es leider noch viele, die keine chance auf bildung haben, bis jetzt!! -- inschallah -- die lage der ungelösten problemen ist zu kompliziert und man kann und darf deutschland ("deutsche oder spanische movida"), die ich genau so bewundere, nicht in marokko erwarten. eine trennung von politik und religion gibt es, meines wissens, im islam nicht! leider wird seit einiger zeit die religion von gewissen leuten missbraucht (meine meinung) und das verursacht mir genau so kopfzerbrechen, obwohl es auch von dieser seite positive aspekte gibt, die man nicht ausser acht lassen darf. ich frage mich, welche strategie soll man anwenden bei einem neubeginn des politischen (nicht nur pol.) umschwungs, der zu solch tief greifenden veränderungen führt?? welche rolle muss/darf die religion einnehmen?
ich bin ganz deiner meinung bakkali, wenn du sagst, es sei die letzte chance für marokko. versuchen wir doch alle unser wissen/können so gut wie möglich einzusetzen und Mohammed VI mit alles kraft zu unterstützen. man muss mehr tempo geben und die chance packen, aber eben,"nummä nid gschprängt" ist berndeutsch und heisst: aber bitte nicht ZU schnell!!
p.s. bakkali, wie stellst du dir das vor, karitative projekte zu organisieren? würde mich interessieren.
liebe grüsse an alle
silla

Re: für ein neues Forum #37825
25/07/2000 09:15
25/07/2000 09:15

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Bakkali. Bist der selbe wie beim Maroc-conférences? C´est interessant de le savoire. J´ai lu beaucoups de tes intérventions provoquantes. Si je me souviens bien tu t´appelles Anas.

Re: für ein neues Forum #37826
25/07/2000 20:35
25/07/2000 20:35

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Anonym OP
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T e i l '1' zur Debattenlage:

DJEMAA EL FNAA -
Kommunikations- und Gesellschaftsmodell für die Zukunft oder Touristenteppich?

Salam Bakkali,
wollen wir doch noch ein wenig beim Djemaa el Fnaa verweilen - würde ich vorschlagen!
So können wir vielleicht etwas besser kreative und grundlegende Aspekte und Tendenzen für eine Weiterentwicklung in Marokko analysieren.
Allerdings muss ich einräumen, dass ich dazu die Perspektive des Stadt- und Regionalplaners verwende.
Die o.g. Untergliederung der Debatte halte ich für mich deshalb für nützlich, da ich mich auch schon der Materialsuche widme, um mich in El Berrs Konzept für einen 'Sammelband Marokko' einbringen zu können. Allerdings muss ich hier kritisch anmerken, dass El Berr mir leider noch keine inhaltliche Gliederung bzw. die Zielrichtung der von ihm beabsichtigten Publikation mitgeteilt hat. Aber das ist sicher auch unserer beruflichen Überarbeitung allgemein und den schleppenden Anmeldungen potentieller Autoren für sein Buch geschuldet.

Wie steht's um Dein Engagement für dieses phantastische Vorhaben?

Nun zu o.g. Teil 1 der Debattenlage.
El Berr hat uns ein wenig zur Geschichte des Platzes erzählt, und - da bin ich mit Dir einer Meinung - mit der Brille des wohlfeilen und historisch 'gesättigten Touristen' gesehen, d. h; er ist aus der Rolle des 'eigentlich Einheimischen' in die Rolle des in Marrakesch eher nur noch temporär beheimateten 'Flaneurs' geschlüpft - wie ich meine.
El Berrs Kritik an den Veränderungen, die der Platz erfahren hat, ist ebenfalls eher mager: Er sieht die kulturellen Erscheinungen des Platzes - vom öffentlichen Raum des Platzes weg - mechanisch in die umgebende bauliche Situation verlagert; alles geschuldet dem stärker werdenden touristischen Druck!!!

Aber auch Du übergehst m.M.n. die Thematik, dass Djemaa el Fnaa ein kulturelles Ereignis ist, viel zu schnell mit den eher beiläufig gestellten Fragen: Wem nützt es? Wer profitiert davon? Werden wir damit Fundamentalisten bekämpfen? ...
tragen doch alle diese Deine Fragen bereits einen eher aggressiv-konzeptuellen Charakter in sich, ohne allerdings eine tiefschürfende Analyse des Bestandes an den vorhandenen und historisch gewachsenen Qualitäten zu Grunde zu legen. (Beiseite gesprochen: Der Vorschlag für ein karitatives Projekt allein 'bringt's sicher auch noch nicht', aber er ist eine erste nützliche Idee - ein 'Bemutterungsprojekt', oder eine 'Erste-Hilfe-Idee' - im besten Sinne, eher eine Kur am Symptom denn an der Wurzel).

Nach meiner Meinung - und das ist meine erste These - ist DJEMAA EL FNAA immer noch ein beispielloses strukturiertes 'Energiefeld' (und kein Konglomerat!!!) ausgeprägt KOMMUNIKATIVER und vor allem DIREKTER - ÖFFENTLICH SICH VOLLZIEHENDER - BEZIEHUNGEN ZWISCHEN MENSCHEN.
Und damit ist er für mich länder- und nationenübergreifend ein zivilgesellschaftliches und höchst politisch-kulturelles KOMMUNIKATIONSMODELL FÜR DIE ZUKUNFT.

Das für mich Sensationelle am Platz war immer die Direktheit und nur durch die Öffentlichkeit kontrollierte jeweils eingegangene Beziehung: sei es der Kauf eines nicht preisgebundenen Schuhs direkt vom 'Produzenten'; sei es das stundenlange 'lernende' Feilschen um das dargebotene feinziselierte Silberarmband; sei es der Dialog mit dem phantastischen kindlichen oder 'verrückt'-paranoiden Märchenerzähler; sei es das unsägliche Wimmern des lepra-zerstörten bettelnden Voll-Amputierten beim Empfang der gespendeten Münzen; sei es der Schreck, wenn Dir urplötzlich die Schlange von ihrem Bändiger um den Hals gelegt wurde; sei es das ungläubige Erstaunen bei den wispernd vorgetragenen Angeboten einer Hure; sei es die offene Feuerstelle mitten auf dem Platz; sei es der 'Kaugummikaner'(ich zitiere El Berr), der dickwanstig und voller Ekel vor dem 'einfachen Volk' mit seiner Videokamera flüchtete; sei es der Zahnarzt mit seiner Zange - 'Zahnklempner' im schlimmsten Sinne: der Beispiele sind unendlich viele ...

Man stelle sich vor, die DIREKTHEIT der Beziehungen würde als erstes vom Platz verschwinden! Die Spontaneität und die Offenheit des Lebens und des Handels (als kultureller Akt! und nicht blosse pekuniäre Beziehung) wäre verloren:
der von Dir in Deinem ersten Beitrag spontan apostrophierte Ausweg: IT- Technologien, Diplommathematiker, Diplomphysiker, die 'globale Welt' muss her!!! das ist für mich wohl sehr notwendig, aber sekundär!

Man schaue sich die sogenannten europäischen und amerikanischen 'modernen Einkaufszentren und -strassen' an. Alle Funktionen sind von Strasse und Platz (also vom ursächlich öffentlichen Raum) in die Gebäude verlagert. Die Funktionen sind nur noch additiv-nacheinander und nicht strukturell-kommunikativ erlebbar: auf 'Leiser's' Schuhgeschäft folgt 'Stillers'Schuhgeschäft, dann 'Deutsche Bank', 'Sparkasse', Apotheke, dann 'Dresdner Bank', Obst + Gemüse; der Beispiele sind viele!!! Am Times Square z. B. (vgl. meinen Beitrag an anderer Stelle) werden die Menschen in "street people" und "lift people" unterteilt, beide Kategorien ausgeliefert dem Kommunikations- und Verkaufsgebahren einer profitsüchtigen Internet- und Online-Subkultur!

Ein gutes Beispiel für den Verlust dieser direkten und 'öffentlichen' Kommunikation - sozusagen das Anti-Beispiel zum Djemaa el Fnaa par excellence - ist der Luxemburg-Pavillon auf der Expo: Amphitheatralisch angeordnet sitzen dort etwa 100 voneinander isolierte Leute vor ihren Bildschirmen und 'hauen fortschrittsgläubig in die Tasten' - kucken weder rechts noch links.

So, das für heute.
Mit vielen Grüssen an Euch:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37827
26/07/2000 12:03
26/07/2000 12:03

A
Anonym OP
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Anonym OP
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A



Hallo Herr Peter Gerlach,
Dein Beitrag liest sich wie ein Seufzen der neuen Europamüden auf der Suche nach dem Urtypischen. Deine kritik an mir und dein Plädoyer für den Erhalt des strukturell-kommunikativen Charakters von Jamaa al-Fanaa lesen sich wie eine stadtplanerische Predigt eines Städtebauspezialisten, der der modernen Stadt das Modell der noch mit menschlicher kommunikativer Zwischenbeziehung überfüllten Stadt entgegenhält, eine Stadt, die an die Vergangenheit der Menschenheit erinnert, in der der Mensch nicht von den Finanzverwaltenden Institutionen, Geldbeutelleerenden Supermärkten und Verkehrsreglenden digalisierten Ampeln zur funktionierenden Maschine wird, deren Aufgabe darin besteht, am Rande der Satdt durch Veräußerung der Arbeitskarft an das im Stadtzentrum auszugebende Geld kommt. Vielleicht ein idealer Ort wie Jesus.

Im Rahmen dieses Forums, glaube ich, ist kein Raum für eine detaillierte historische
Analyse der Entwicklung von Jamaa al-Fanaa.Ich habe mich deshalb in meinen ersten Beitrag den Lesern zu Liebe auf bestimmte bewußt von mir ausgewählte markante historische Anhaltspunkte beschränckt. Andererseits wurden diese geschichtlichen Eckpfeile Zur Klärung der Tatsache herangeführt, dass Jamaa al- Fanaa kein Sammelbecken von Arbeitslosen ist. In dieser Hinsicht versteht sich von selbst, Herr Stadplaner, dass es dann zu langweilig wäre, wenn mann bestimmte Zeitabschnitte allzu sehr ausführt. Von daher der knappe historische Überblick.
Herr Europamüde. Als ich von den Bestrebungen der Studenten von Dar al Baroud oder später von der Uni Kadi Ayyad erzählte, tat ich es mit dem Hinweis, dass diese rebellische Masse in Marakkesch von der kommunikativen Bedeutung von Jamaa al-Fanaa wusste und dementsprechend deren Protestzug dorhin steuerten; wahrlich ein Moment einer Symbiose zwischen dem dynamischen intellektuellen Teil einer Stadt( Gramschi lässt grüssen) und den übrigen Stadtangehörigen.
Ohne ,wie du, irgendeinen " Kulturvoyorismus " betreiben zu wollen, habe ich in keiner Weise trotz Verlagerung der kulturellen Angebote vom Platz in die neuen Umsiedlungen behauptet, Jamaa al- Fanaa hätte deswegen ihre " Seele " verloren, die etwa bei einem Herren Hubert Fichte( inzwischen gestorben) in seiner Erzählung (der Platz der Geköpften)mit ethnologischem Anstrich oder bei seinem Freund Wolfgang Geerdt in seinem Roman( Es Lebe Marakkesch.. )festgehalten wird und aus Verlustangst in seiner Malerei verewigt wird. Ich erwähne hier nur die jenigen aus dem deutschsprachigen Raum, die in kulturvoyoristischer Weise Marakkesch zum Mythos erhöht haben und am Platz das Urtypische bewahrt sehen, so ungefähr wie du das tust mit deiner These von Jamaa al-Fanaa als kommunikativem Energiefeld. Gerade mit dieser oberflächlichen These flanierst du á la Hubert Fichte, entzückt wie ein Spätromantiker von den Kommunikationssituationen auf dem Platz, deren Teilnehmer Sensationelle Statisten mit in deiner Phantasie vibrierenden
(Ich zitiere dich) phantastischen kindlichen oder 'verrückt'- paranoiden Märchenerzähler; ... lepra- zerstörten bettelnden Voll-Amputierten.., Schlange... um den Hals i den wispernd vorgetragenen Angeboten einer Hure" und ober darauf der 'Kaugummikaner,."
Und das siehst du, Herr wahrer " Kulturvoyorist" als das ( ich zitiere dich noch einmal)" Sensationelle an dem Platz"
In deinem Bild Von Jamaa al Fanaa haben wir den Märchenerzähler, dem Voll-Amputierten, die Schlange um den Hals, die Hure und die Creme der Globalisierung den Kaugummikaner. Alles vermischt sich (vielleicht unter der Wirkung von Kanabis) zum behutsam zu bewahrenden Phantastischen. In deiner Fremdwahrnehmung ist die totale Negierung des Fremden zugunsten der Selbstbefriedigung. Fremde Kulturen als Therapie?. Freud hat nicht viel dazu erträumt.
Jetzt frage ich mich, Herr Stadtplaner, wer ist hier Flaneur?
Mehr Zerstücklung würdest du mit Sicherheit nicht ertragen. Wenn du willst, kann ich dir
gerne einiges von Jamaa al Fanaa als Volksuniversität, wo früher der Suffi als herumirrender Dichter mit seinen Pfeifen das Elend in dem Lande anprangerte. Auch ein sehr guter Aspekt von Jamaa al Fanaa, leider dem Kulturvoyoristen nicht so einfach zugänglich.

Ich schlüpfe aus meiner Haut und nicht in sie

Aziz.

Re: für ein neues Forum #37828
27/07/2000 18:27
27/07/2000 18:27

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
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A



T e i l '1' zur Debattenlage:

DJEMAA EL FNAA -
Kommunikations- und Gesellschaftsmodell für die Zukunft oder Touristenteppich?
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Hallo El Berr,
nun sind Sie endlich aufgewacht!
Ich freue mich über die Kreativität, die wir so langsam entwickeln!
Und ich wünsche Ihnen natürlich ein 'dickeres Fell', damit Sie nicht bei jeder Kritik in die Nähe eines Herzinfarktes kommen!

Ihre Antwort-Mail an mich hat mich ausserordentlich inspiriert.
Am liebsten würde ich den darin (noch)versteckten Dialog zuspitzen, wenn nicht sogar als modernes Theaterstück auf dem Djemaa el Fnaa inszenieren wollen:
SIE (als Bühnenfigur natürlich!) - als der transkontinental-kundige, universelle, keiner Kritik zugängliche, fest in marokkanischen Traditionslinien verwurzelte einheimische Geschichtenerzähler, der als Alleinunterhalter das (eigentlich schon für ihn unnütze!) 'normale' Publikum in Selbstgesprächen und Monologen beschimpft und polemisierend 'bespeit'.
ICH (als Bühnenfigur natürlich) - eine von Ihrer subjektiv verzerrten, immer noch lokal-verankerten Wahrnehmung geschaffene, flanierende Fremd-Figur-Puppe: noch nicht so ganz zum 'Feinbild' stilisiert, jedoch schon klischeehaft das Bild des 'neuen europamüden', lediglich kulturvoyeristisch veranlagten, hochspezialisierten Spätromantikers, der - wenn er schon nicht das 'Urtypische' findet und auch vermeintlicher Cannabisgenuss in diesem Suchprozess nicht helfen kann - sich wenigstens mit Hilfe der fremden Kultur von seiner Europamüdigkeit therapieren lassen will.

Vielleicht wäre auch zu überlegen (und auch das meine ich ernst), ob man dieses gesamte Bild nicht auch als Ausgangspunkt für einen Aufsatz nimmt mit dem Arbeitstitel:

'FIKTIVER DIALOG ZWISCHEN EINEM GESCHICHTENERZÄHLER AUS MARRAKESCH UND EINEM EUROPAMÜDEN KULTURVOYEUR'.

Aber ich warte ja Ihrerseits auch immer noch auf Gliederung, Inhalt und Grobkonzept für den von Ihnen angekündigten Sammelband.

Hallo Bakkali, was ist mit Dir? bist Du schon im 'Winterschlaf? M.E. wäre das zu früh, vielleicht bist Du ja auch gerade in Marrakesch?
Oder berauschst Du Dich an den Aussichten, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien für Marokko bieten?
Darüber würde ich gerne im 2. Teil der Debattenlage diskutieren (Schnelle/ langsame oder 'nachholende' Modernisierung in Marokko? - dargestellt vielleicht am Platz 'Djemaa el Fnaa'/ Altstadt Marrakesch).
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Du keine differenziertere Meinung zum Djemaa el Fnaa hast, als die so lax angebotene - unter der o.g. Debattenlage natürlich und im Hinblick auf meine Anfragen gemeint.
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Für heute würde ich sehr gerne erst einmal kulturhistorische Aspekte von Djemaa el Fnaa zur KONSTRUKTIVEN Diskussion stellen.

Halten wir zu dem o.g. Teil '1' der Debattenlage erst einmal kurz folgende Punkte - im wesentlichen von El Berr angedacht - und auch ANFRAGEN MEINERSEITS AN ALLE MITGLIEDER des 'VMK' (Virtuellen-Marokko-Kreises) fest:

1) Djemaa el Fnaa war - ursprungshistorisch gesehen - Treffpunkt von Handelskarawanen aus dem afrikanischen Norden in den Süden und umgekehrt. Es fand ein regelmäsiger Austausch von Gütern und Informationen zwischen unterschiedlich geprägten regionalen Kulturen des afrikanischen Kontinents statt.
Der Platz war elementarer 'Kommunikationsknoten' mit direkten und öffentlich vollzogenen und 'öffentlich kontrollierten' Beziehungen.
- Welche Ziel-und Endpunkte hatten die Handelskarawanen?
- Welche Hauptgüter transportierten sie?
- Welcherart/ Wie war der Informationsaustausch? und
- Wie schlug er sich in Marrakesch nieder?

2) In der Almoravidenzeit erlangte der Platz Berühmtheit.
(Wodurch insbesondere Berühmtheit? Hier sind ganz besonders Sie, El Berr, als Experte gefragt. Wie prägten die Almoraviden das kulturell-politische und religiöse Gefüge von Platz und Stadt? Wenn es geht, antworten Sie bitte so komprimiert und knapp wie möglich).

3) In der nachfolgenden Zeit der Almoniden (Wie prägten diese das kulturelle Gefüge des Platzes, El Berr??? auch hier würde ich mich über eine knappe Antwort freuen) erhielten Platz und Altstadt mit dem Turm der Koutubiamoschee ein weithin in Gesamtstadt und Landschaft wirksames architektonisches Merkzeichen I. Ordnung.
- Markenzeichen wofür??? historisch/ heute

4) Wie hat der 'Platz' die Franzosen überstanden?
- Wer kann hier noch antworten???

5) In den 60-er und in den 80-er Jahren war der Djemaa el Fnaa zweimal Schauplatz 'aussergewöhnlicher' Ereignisse.
Studentische 'Umkehrungsmassen' (vgl. Canetti in "Masse und Macht") - man könnte auch sagen 'Energiefelder' - artikulierten und deklarierten ihre Forderungen.
In der Umsetzung ihrer Ideen blieben sie allerdings erfolglos.
Keine Frage für mich ist, ob sie Sympathisanten auf dem Platz und aus der Bevölkerung suchten.
Interessant erscheint mir eher der Sachverhalt, dass hier m.E. bewusst-unbewusst auf die DIREKTHEIT und die unmittelbare ÖFFENTLICHKEIT (res publica!) einer Beziehung zwischen Mensch und Mensch/ Masse und Masse zurückgegriffen wurde, um möglicherweise einen kulturellen und politischen 'Urknall' zu initiieren.
- Welchen grundlegenden Inhalt hatten die Forderungen?
- War jemand dabei?
- Gibt es Erzählungen von Zeitzeugen, die jemand wiedergeben kann?
- Wie hat sich die Annäherung der beiden 'Massen' vollzogen? (künftige Elite/ 'Stadtvolk')
- Warum kam es zu keiner 'Kernfusion'?

6) Djemaa el Fnaa als Volksuniversität:
hier, El Berr, freue ich mich schon richtig auf die mir von Ihnen VERSPROCHENE Erzählung!!!
(Übrigens am Rande, Herr El Berr, habe ich vergeblich die Internet-Archive 'durchforstet' nach dem von Ihnen als 'super-gut' empfohlenen Artikel des spanischen Schriftstellers über Djemaa el Fnaa: übermitteln Sie mir doch bitte die web-Adresse).

Wenn wir diese in 6 Gedankensplittern fixierten Entwicklungsaspekte zum Djemaa el Fnaa als Hintergrundfolie hätten, würde ich gerne meine nächsten Gedanken zum jetzigen und zum künftigen künftigen Djemaa el Fnaa aufzeichnen.

Mit vielen Grüssen:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37829
27/07/2000 21:06
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wo ist der beitrag vom 27.07.2000 18.27uhr
hin????
spinnt mein pc?? kann den beitrag nicht finden!

hassan

Re: für ein neues Forum #37830
27/07/2000 21:30
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Hab ihn !!
Danke Peter

bin gespannt wie es weiter geht!!!

GRÜSSE AN ALLE
Hassan

Re: für ein neues Forum #37831
28/07/2000 09:09
28/07/2000 09:09

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Anonym OP
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Hi Peter,
Wieso soll ich aufwachen. Ich bin ja ´nicht geschlafen.
Du hast ja Zeit gebraucht, um dich aufzurüsten. Mach dir keine Sorgen wegen meines Fells. Ich bin ein Unkraut.
Deine Idee mit dem Theaterstück fasziniert mich. Meine Ausführungen zu Jamaa al-Fanaa sind aber keine Märchen, sodass es bestimmt schwer wird, sie dramaturgisch zu verwerten. Am liebsten würde ich in deinem Stück die Rolle des Vieles in Frage Stellenden. Leider ist deine Idee schon längst realisier worden und zwar von dem in meinem ersten Beitrag erwähnten Theaterregisseur Sadikki. Soviel ich mich erinnern kann, hat Sadikki zusammen mit Franzosen und Amerikanern spontan auf dem Platz in etwa das, was man hier gerne an die Glocke hängt, nämlich den Kulturdialog live
dargestellt.
Die mir zugeteilte Rolle des transkulturellen Geschichtenerzählers würde ich aus Respekt zur Erzählkunst nicht annehmen, weil ich eben die narrative Kunst zu deiner Überraschung nicht perfektioniere. Also da musst du eine andere "Figur", wie du sagst, dir suchen.
Hast du schon mal von der Ästhetik des Widerstandes gehört?
Zu deinem fiktiven Dialog:
Hast schon mal Edward saids Orientalismuskritik gelesen? Diese Kritik kann dir höchstwahrscheinlich nützlich sein, wenn du überhaupt vorhast, dich mit Fremdkulturen auch in fiktiver Weise auseinander zu setzen.
Ich glaube, wir haben Bakkali durch unsere Fixierung auf dem Platz Unrecht getan. Deshalb schlage ich vor, den zweiten Teil der Debattenlage fortzusetzen: Kann irgendwann eine marokkanische Movida eintrettenn und unter welchen Bedingungen?

Re: für ein neues Forum #37832
28/07/2000 13:17
28/07/2000 13:17

A
Anonym OP
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Jetzt folgt ein Beitrag zum Thema
" marokkanische movida". Den habe ich im Diskussionforum Maroc-conference in Maroc.net gefunden.
Ich finde den Beitrag äusserts interesant.
Vielleicht könnt ihr ihn auch lesen. Bakkali kennt ihn mit Sicherheit, denn das von ihm vorgeschlagene Thema war schon Gegenstand einer spannenden Debatte in Maroc-conference.

Der Autor des Beitrages ist Yotefa,

J'ai lu la semaine l'article d'I Ramonet qui fait une synthese sur la situation Marocaine actuelle, visiblement c'est très à la mode dans les revues
francophones puisque J. Afrique tente le même exercice dans sa derniere livraison. I Ramonet connait assez bien le Maroc puisque il y a été
correspondant du Monde si je ne m'abuse. La situation qu'il dépeint est celle que l'on connait tous cad celle d'un peuple dans l'attente de
changements perceptibles dans sa vie quotidienne, changements qui malheureusement ne surviennent pas. Ce peuple prend néanmoins son mal en
patience grace au dynamisme et au souci indeniable de faire avancer les choses d'un jeune roi que l'on pourrait qualifier de gauche. Toutefois mes
amis notre pays à un tres gros problème, il essaye en quelque sorte de nager avec une sorte de boulet de canon attaché à sa cheville, ce boulet
vous l'aurez bien compris correspond à notre cher gouvernement dit de l'alternance (sic.). Association unique de par le monde d'incompetence et
de lourdeurs insurmontables toutes marocaines. Ne parlons pas de notre cher parlement, desert des tartares sans les tartares dont la
determination du QI moyen procurerait quelques surprises.
En fait notre pays a fonctionné depuis des decennies sur la base du Makhzen dont le critere principal de selection de ses representants etait par
la force des choses la servilite bien avant la competence. La culture de la competence 'the right man at the right place' nous fait cruellement
defaut. Il est donc très probable que la vie de ce gouvernement de malheur qui a d'abord fait naitre l'espoir puis ensuite le desespoir est arrivée à
terme et roi n'aura probablement d'autres choix que de restreindre et de rajeunir cette equipe plethorique.
Enfin tout n'est pas noir, cette année notre pays à gagné deux petites places en passant de 126 à 124 au classement mondial PNUD (sic..). Un
rapport de la banque mondiale montre que les Marocains sont plus pauvres qu'il y a 10 ans, un accroissement du chomage au delà de 20% est
previsible et qu'il faudrait une croissance au delà de 6 point pour renverser la tendance. C'est clair que c'est raté pour cette année ou la
secheresse aidant la croissance sera de 0, la gestion gouvernementale n'aide pas les choses rien qu'a voir la gestion desastreuse par ex du
dossier des textiles.
Toutes les pateras disponibles dans le Nord vont bientôt être saturées, le mot d'ordre general étant Sauve qui peut, l'episode burlesque des
joueurs de Settat au Canada est revelateur, aux yeus du monde Occidental, le passeport Marocain porte la mention candidat à l'immigration et de
preference clandestine.
Ce qui est bien au Maroc c'est que le sous-devellopement atteint tous les milieux et toutes les activités, au moins comme ca il n'y a pas de
jaloux. Prenons l'exemple du sport, notre glorieuse equipe de football entrainée par un coach recevant un salaire mirobolant à pris recemment un
humiliant 5 à 1 en la presence de notre roi. On a même entendu Cet abruti de T Roland dire qu'il fallait arreter le match (la boucherie). Maroc 2006
c'est enfin notre tour !!! nous a t'on dit , normal c'etait la troisieme fois que l'on se presente et puis c'est le tour de l'Afrique . Allez vous faire
foutre !!! a répondu la FIFA et pour la troisieme fois. Cela etant dit, moi je comprends la FIFA, c'est la troisieme fois qu'on lui presente les mêmes
maquettes et les mêmes projets de construction d'hypothetiques stades. Il ne reste plus qu'a ranger ces maquettes pourles ressortir en 2010.
Un des rares points positifs concerne les telecoms ou le millionieme abonné à Maroc Telecoms a été atteint sans compter les 200000 abonnés à
Meditel. Je trouve que M Telecoms se debrouille tres bien grace en partie au dynamisme de son PDG et c'est probablement ce genre de dirigeants
dont notre pays à cruellement besoin. Il est dommage qu'Internet ne se developpe pas plus vite.
Et les islamistes dans tout cela, eh bien les islamistes ils sont à la plage, fanstasmes torrides de l'été, des jeunes filles toutes voilées, vetements
humides collés sur la peau, c'est le nouveau spectacle de l'été. Que represente les islamistes au Maroc? c'est la question à 50000 DH, certains
pensent que c'est un mouvement en pleine expansion dangereux à moyen terme; d'autres pensent que c'est un epouvantail commode. En fait, le
discours islamiste est une soupe prete à l'emploi confiée à des analphabetes ou assimilés qui la vehicule vers d'autres analphabetes. C'est ce qui
fait sa force. C'est un discours tout à fait adapté au niveau intellectuel de son auditoire qui englobe de large pans de la population marocaine,
population qui a été maintenue sciemment dans l'ignorance à travers les mauvais calculs et les negligences du passé. Phenomene boule de neige,
chaque nouvel islamiste se sentant oblige de precher la bonne parole tout azimuts à coup de hadiths recemments appris de veracité douteuse et
de versets coraniques extirpés de leurs contexte et dont la comprehension du sens le depasse largement. Tout recalcitrant est menacé de koufr
et de chatiments terribles. Les bonnes brebis sont promises à un paradis qui les fait patienter dans leur enfer terrestre.
L'islam n'est certainement pas incompatible avec la modernite et le progres par contre l'islamisme l'est sans aucun doute, discours figé,
anesthesiant puissant de la conscience, manicheen dans son approche ayant systematiquement tendance à classer les gens en bons et en
mauvais. Ce type d'ideologie mene invariablement aux exces telle la boucherie que subissent nos voisins pris en sandwich entre generaux et
islamistes tout aussi sanguinaires les uns que les autres .
Mes amis, l'islamisme est un fleau qui detourne notre religion l'islam à son profit et l'utilise pleinement et patiemment dans une strategie de prise
de pouvoir. Il est vrai que les islamistes accompagne leur endoctrinement par des actions sociales importantes. Ne l'oublions jamais, le combat
contre les islamistes ne se fera pas avec des arguments theologiques,il se fera par un combat journalier contre la misere,l'analphabetisme total ou
relatif et l'injustice sans oublier the last but not the least la corruption generalisee qui fait presque partie mintenant de notre patrimoine culturel.
Notre pays a connu cette année une avancée nette en terme de libertes. Sur le plan economique et social par contre nous ne progressons pas. la
liberte attenue t'elle les affres de la misere et de l'ignorance ?, bon sujet de dissertation. Est ce qu'un chien libre mais affame vaut mieux qu'un
chien relativement mieux nourri mais tenu en laisse, à l'image de nos voisins tunisiens ?.
Ce qui est à mon sens est clair c'est que la liberte et la misere + l'analphabetisme font rarement bon menage et constituent un melange explosif.
Tous les efforts dans le futur devront porter dans l'economique et le social et le roi semble l'avoir bien compris. Autrement deux eventualites
potentielles sont à prevoir, soit le retour à l'etat autoritaire Makhzen avec repression systematique de tout mouvement de contestation, soit la
montee en puissance d'un mouvement de contestation qui pourrait être le mouvement islamiste qui à partir du moment ou ll aura acquis un statut
de parti politique (ce qui se fera tot ou tard) pourra jouer avec les regles du systeme democratique et le vide politique laisse par les partis
traditionnels. Il va de soi que ce mouvement sitôt arrivé se chargera d'abolir et pour longtemps la democratie des soi-dsants ''laiques''

Bnol_Forat from Albarid

Re: für ein neues Forum #37833
28/07/2000 16:16
28/07/2000 16:16

A
Anonym OP
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Hallo El Berr,
heute will ich versuchen, ein mögliches (machbares???) Anliegen zu formulieren und Missverständisse auszuräumen, die durch Deine letzte Antwort deutlicher geworden sind.Dazu folgendes:

1. Wäre es nicht wünschenswert, im Ergebnis unserer Bemühungen hier in diesem Forum einen 'binationalen' Aufsatz zustandezubringen?

2. Ein Vorschlag für den A r b e i t s t i t e l (!!!) wäre
"MOVIDA:DIALOG ZWISCHEN EINEM FIKTIVEN ERZÄHLER IN MARRAKESCH UND EINEM ZIVILISATIONSMÜDEN EUROPÄISCHEN TOURISTEN".

Natürlich kein 'Bühnendialog',sondern in Form eines Essays!

3. Methodisch: Um den Aufsatz zu erarbeiten, würde ich in allen seinen Stadien unser Forum hier im Internet nutzen mögen. Allerdings müsste der 'VMK' auch sehr aktiv mitarbeiten, denn er ist der wichtigste Gradmesser für die 'Richtigkeit' von Aussagen und kann wesentlich die Authentizität und Lebendigkeit der Inhalte modellieren helfen!!!

4. Um wissenschaftliche Kreativität und Neuigkeitswerte anzubieten (und nicht nur das Wissen von 10 'gestandenen' Autoren 'umzuschaufeln', mit eigenen Kommentaren zu verwässern und schliesslich einem nicht mehr interessierten Publikum ein 'neues Werk' anzubieten), würde ich den Dialog zwischen den beiden o.g. Personen vorschlagen und ihn trotzdem in Marrakesch lokalisieren - auf dem Djemaa el Fnaa eben!

5. Fiktiv deshalb, weil wir mehr wissenschaftliche und schriftstellerische Freiheit gewinnen, den 'Rollenwechsel' zwischen beiden fiktiven Figuren problemloser gestalten und auch perspektivische Vermutungen äussen können.

6. Djemaa el Fnaa/ Marrakesch - warum?
Es existiert der in Marokko gängige und auch bei uns endlich in das Bewusstsein gedrungene Satz, er sei "so etwas wie die Seele Marokkos" - und das würde ich sehr ernst nehmen!
Wichtig und neu m.E. wäre, dieses 'Herz' von Grund auf zu analysieren und zu beschreiben, undzwarin seiner kulturhistorischen und städtebaulichen Entwicklung (die 'Hintergrundfolie'), in seiner Rolle als Artikulationsraum für 'rebellische??? (wie Du sagst) Massen', in seinem Jetztzustand und in seinen 'Prostitutionstendenzen' hin zu Schaubühne und spektakulär-sensationellem Touristenteppich.
Wo aber sind die Invarianten dieser marrokanischen 'Seele'?
Das ist die Kernfrage unserer ersten Debattenlage, die - wenn man Antworten finden sollte - hinführt zu Dimensionen und Kriterien, mit denen man
aktuelle politische Tendenzen 'messen', d.h. besser im Hinblick auf die ineren Erwartungshaltungen beurteilen kann.

7. Dann erst würde ich - wenn solche Dimensionen gefunden wären - auf die Debattenlage 2 umschwenken. Diese müsste dann nach folgenden Diskursen angegangen werden:
- internationale soziale Standards und technische/ technologische Entwicklungstendenzen (die wichtigsten)
- Ableitung vonDimensionen zur Analyse: Wo steht Marokko heute?
- Entwicklungstendenzen

(Hallo, Bkkali, wäre das nichts für Dich?)

8. Aus dem Vergleich von Ergebnissen beider Debattenlagen könnten sodann Empfehlungen für eine schrittweise Umstrukturierung gegeben werden.
Ein grossartiger Monolog für den 'Erzähler'- wenn er denn nicht 'geköpft' wird! (kleiner Witz am Rande!)

9. Die - noch zu erarbeitende-Gliederung im Detail würde dann die Themen enthalten, die in weiteren Aufsätzen des Sammelbandes bearbeitet werden könnten.
Vorteil: Man hätte zu einer theoretisch fundierten Skizze die nötigen Untermauerungen.
Nachteil: Gezielte Autorensuche, die ggf. lange dauern kann.
Aber wieder Vorteil: Perspektiven mehrerer Wissenschaftsdisziplinen (Politikwissenschaft, Städtebau, Ethnologie, Soziologie, ...).
Das für heute. Beiseite gesprochen:
Ich hoffe nun nur noch, dass Du nicht wieder mit hermeneutischer Spitzfindigkeit Attacken meinerseits gegen Dich in diesen Text hineinkonstruierst. Woher kommt eigentlich diese 'martialische' Sprache wie z.B. "zerstückeln", "aufrüsten"?
Versuch doch mal konstruktiv zu sein, und die Gliederung weiterzuentwickeln, oder eine neue zu machen, aber bedenke, bitte, es handelt sich bei einer möglichen Fusion um einen Politologen und um einen Planer, die notwendigerweise andere Standpunkte haben müssen.
Ansonsten tu mir doch den Gefallen, und gib' mir die web-Adresse von dem Djemaa el Fnaa - Artikel, oder den Titel, die 'taz' sitzt bei mir 'um die Ecke'! - aber ich hätte wenigstens gerne den Namen des Spaniers oder das Erscheinungsjahr; wie schon gesagt, die Recherche hat es nicht gebracht!

Mit vielen Grüssen:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37834
28/07/2000 16:23
28/07/2000 16:23

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
Nicht registriert
A



Ich habe eben den von Dir, El Berr, gesendeten Artikel entdeckt - schade,schade: ich bin des Französischen leider nicht mächtig!
Frage: Gibt es - weil Du von einem Forum sprichst, das auch bakkali besucht hat - eine Englisch-Version?

Mit vielen Grüssen:
Peter.

Re: für ein neues Forum #37835
28/07/2000 17:43
28/07/2000 17:43

A
Anonym OP
Nicht registriert
Anonym OP
Nicht registriert
A



Hi Peter,
Hier ist der Aufsatz zu Jemaa-el-fna

UN ESPACE MAGIQUE DE SOCIABILITÉ

Jemaa-el-Fna, patrimoine oral de l'humanité Par JUAN GOYTISOLO

COMME le montre Mikhaïl Bakhtine dans son admirable
analyse de l'oeuvre de Rabelais, il fut un temps où le réel et
l'imaginaire se confondaient, où les noms supplantaient les
choses qu'ils désignent, où les mots inventés avaient leur
existence propre : ils grandissaient, se développaient,
s'accouplaient et se reproduisaient comme des êtres en chair
et en os. Le marché, la grand-place, l'espace public étaient le
lieu idéal de leur épanouissement : les discours
s'entremêlaient, les légendes revivaient, le sacré était sujet à
moqueries sans cesser d'être sacré, les parodies les plus
acerbes étaient conciliables avec la liturgie, le conte bien
tourné maintenait l'auditoire en haleine, le rire se mêlait aux
actions de grâce, et le jongleur, ou le forain, en profitait pour
passer la sébile. Cet univers de fripiers et de porteurs d'eau,
d'artisans et de gueux, de maquignons et de voyous, de filous
aux mains soyeuses, de simples d'esprit, de femmes de petite
vertu, de forts en gueule, de garnements, de débrouillards, de
charlatans, de cartomanciens, de tartufes, de docteurs à la
science infuse, tout ce monde haut en couleur, ouvert et
insouciant, qui donna sa force vitale aux sociétés chrétienne et
islamique - beaucoup moins différenciées qu'on pourrait le
croire -, à l'époque de l'archiprêtre de Hita, a été supprimé
peu à peu, ou de façon radicale, par la bourgeoisie naissante
et l'Etat quadrilleur de villes et de vies ; il n'est plus qu'un
vague souvenir pour les pays techniquement avancés et
moralement vides. L'emprise de la cybernétique et de
l'audiovisuel nivelle les populations et les esprits,
« disneyise » l'enfance et atrophie ses capacités imaginatives.
Seule une ville conserve le privilège d'abriter le défunt
patrimoine oral de l'humanité, qualifié par beaucoup avec
mépris de tiers-mondiste. Je veux parler de Marrakech, et de
la place Jemaa-el-Fna, aux abords de laquelle, depuis plus de
vingt ans et à intervalles réguliers, j'écris, je déambule et
j'habite.

A Jemaa-el-Fna, les jongleurs, les saltimbanques, les clowns,
les conteurs sont presque aussi nombreux, et d'une qualité
tout aussi grande que lorsque je suis arrivé à Marrakech, ou
quand Elias Canetti y fit une visite qui laisserait une trace si
féconde, ou encore à l'époque où les frères Jérôme et Jean
Tharaud écrivirent leur récit de voyage, c'est-à-dire soixante
ans plus tôt. Si l'on compare son aspect actuel avec les photos
prises au début du protectorat, on y découvre bien peu de
différences : quelques immeubles plus compacts, quoique
discrets ; une augmentation du trafic ; la prolifération
vertigineuse des bicyclettes. Mais ce sont les mêmes remous,
les mêmes fiacres ; les groupes de maquignons se mêlent
toujours aux cercles qui se forment autour des conteurs, dans
la fumée vagabonde et accueillante des cuisines ; le minaret
de la Koutoubia protège, immuable, le royaume des morts et
l'existence affairée des vivants.

En l'espace de quelques décennies ont apparu, puis disparu,
les baraques en bois avec leurs vendeurs de boissons, leurs
bazars, leurs librairies d'occasion : un incendie a eu raison
d'elles, et on les a reconstruites dans le très florissant
Nouveau Marché (seuls les librairies ont subi un exil cruel à
Bab Doukala). Les compagnies d'autocars regroupées en haut
de Riad Zitoun - tintamarre, va-et-vient incessant, voyageurs,
portefaix, marchandises ambulantes, crieurs, cigarettes,
sandwichs -, elles aussi ont pris le large pour s'installer à la
gare routière toute flambante où règne l'ordre. Conséquence
des splendeurs et des fastes de la réunion du GATT en 1995,
la place Jemaa-el-Fna a été goudronnée, nettoyée,
pomponnée : les vendeurs à la tire qui s'y installaient à
heures fixes et déguerpissaient en un clin d'oeil dès qu'un
agent de police était en vue ont émigré vers des climats plus
propices. La place y a perdu un peu de son animation
grouillante, mais elle a préservé son authenticité.

ENTRE-TEMPS, la mort a causé ses ravages habituels parmi
les personnalités les plus célèbres. Ce fut d'abord Bakchich le
clown, avec son bonnet à queues de vache, dont le numéro
attirait quotidiennement vers l'univers insulaire de sa halca
(1) un cercle compact de badauds, adultes et enfants. Puis
vint le tour de Mamadh, l'artiste de la bicyclette, capable de
sauter du guidon sur la selle sans cesser de virevolter et
tourbillonner dans son cercle magique d'équilibriste. Il y a
deux ans, elle a frappé à la porte de Sarouh (la Fusée) :
prédicateur solennel et conteur effronté, qui inventait des
histoires piquantes sur le candide et rusé Jeha, il maniait sans
contrainte une langue d'une extrême richesse, et ses
métaphores allusives et élusives vibraient comme des flèches
autour de l'innommable cible sexuelle. Son imposante
silhouette - crâne rasé, bedaine pontifiante - s'inscrivait dans
une tradition ancienne de la place, incarnée il y a bien
longtemps par Berghut (la Puce), et dont les origines
remontent à des temps plus durs et cruels, lorsque les
opposants à l'auguste autorité du sultan apparaissaient
pendus à des crocs de boucher pour servir d'exemples ou se
balançaient, sous les yeux d'une population effrayée et
silencieuse, à la sinistre « balançoire des braves ».

J'ai appris avec retard, il n'y a pas très longtemps, la mort
accidentelle de Tabib Al Hacharat (Docteur des insectes), à qui
Mohamed Al Yamani a consacré quelques très belles pages
dans la revue Horizons maghrébins. Les habitués de
Jemaa-el- Fna connaissaient bien ce petit homme aux
cheveux clairsemés et hirsutes qui, entre chacune de ses
apparitions, de plus en plus rares, se promenait en titubant
autour de la place et ronflait comme une locomotive
asthmatique sous les tentes des gargotes, près des fourneaux
accueillants. Son histoire, mélange de vérité et de légende,
pourrait se comparer à celle de Saroun. Comme lui il avait
choisi la voie de la pauvreté et de l'errance, passé des nuits
dans les cimetières et les commissariats, fait quelques brefs
séjours en prison - qu'il appelait « la Hollande » - pour ébriété
sur la voie publique. Quand il en avait assez du Maroc, comme
il disait, il faisait son baluchon et partait « en Amérique »,
c'est-à-dire jusqu'aux terrains vagues entourant l'Holiday Inn.
Son génie verbal, sa capacité d'invention, ses jeux de mots,
ses palindromes renouaient sans le savoir avec les Makamat
d'Al Hariri - ignorés par notre arabisme officiel si indigent -, et
s'inscrivaient dans un paysage littéraire qui, comme l'a fort
bien vu Shirley Guthrie, tient à la fois des audaces d'Al Hariri
et de l'« esthétique du risque » de Raymond Roussel, des
surréalistes et de l'Oulipo (2). Ses parodies du journal
télévisé, sa recette du meilleur tajine du monde sont un
modèle d'imagination et d'humour. Je ne résiste pas au plaisir
de transcrire quelques paragraphes sur les vertus
thérapeutiques des produits qu'il conseillait à son auditoire : ni
filtre d'amour ni potion magique, comme les charlatans de
métier, mais du verre moulu, et de l'ambre extraite du trou
du cul du diable... « Et le charbon ? - Il sert pour les
yeux, pour le robinet de l'agate de l'iris de l'oeil, du coup de
phare de l'oeil. Tu poses le charbon sur l'oeil malade, tu
laisses lever jusqu'à l'éclatement de l'oeil, tu prends un clou
700, et tu l'enfonces bien dans l'oeil, et tu touilles bien jusqu'à
ce que tu arrives à sortir ton oeil, et quand tu l'auras dans la
main, tu pourras voir sur une distance de trente-sept
années-lumière ! Si tu as des puces à l'estomac, des souris
dans le foie, une tortue dans le cerveau, des cafards dans les
genoux, une sandale, un morceau de zinc, un concasseur, j'ai
trouvé une chaussette chez une femme de Dawdiyat.
Demandez-moi : où tu l'as trouvée ? - Où tu l'as trouvée ?
- Je l'ai trouvée dans le cerveau d'un professeur (3) ! »

Mais la perte la plus grave a été la fermeture inattendue et
définitive du Café Matich : bien qu'il ait coulé depuis beaucoup
d'eau sous les ponts - averses, rafales, inondations -,
Jemaa-el-Fna ne s'en est pas encore remise.

Comment définir ce qui, par son caractère protéiforme et sa
cordialité insinuante, échappe à tout schéma réducteur ? Sa
position stratégique, dans le coin le plus fréquenté, en faisait
le bastion, le coeur de la place. Quiconque y était assis
pouvait l'embrasser du regard tout entière, y surprendre ses
secrets : querelles, rencontres, salutations, ruses,
attouchements de mains furtives ou d'une tumescence
cherchant une concavité propice, insultes, agitation,
psalmodie itinérante des mendiants, gestes de charité. La
foule qui se bouscule, le corps-à-corps involontaire, l'espace
en perpétuel mouvement composaient la trame d'un film sans
fin, renouvelé. Des histoires ou des anecdotes à n'en plus
finir, des fables à la morale pour le moins suspecte, telle était
la nourriture quotidienne de ses habitués. A la terrasse du
café se mêlaient musiciens gnaouas (4), maîtres d'école,
professeurs de lycée, marchands de bazar, bateleurs,
trafiquants à la petite semaine, voyous au grand coeur,
vendeurs de cigarettes à l'unité, journalistes, photographes,
étrangers atypiques, clients aux poches vides. La simplicité
des rapports les mettait sur un pied d'égalité. Au Matich, on
parlait de tout et on ne se scandalisait de rien. Le préposé au
service de ces royaumes épars possédait une solide culture
littéraire, et n'accordait à la clientèle qu'une attention
intermittente - dont ne s'impatientaient que les nouveaux
venus -, plongé qu'il était dans une lecture d'une traduction
arabe de Rimbaud.

J'AI vécu là-bas la terrible tension et la douloureuse
amertume de la guerre du Golfe : quarante jours tragiques et
inoubliables. Les touristes avaient déserté la place et les
résidents étrangers, mis à part une poignée d'excentriques,
ne s'y aventuraient guère. Un vieux maître gnaoui écoutait les
informations, l'oreille collée au transistor. Les terrasses
panoramiques du Glacier et du Café de France restaient
désespérément vides. Au crépuscule, le soleil rouge saignait
sur la place, comme s'il prédisait l'horrible massacre.

J'y ai passé aussi la Saint-Sylvestre la plus délicieuse et
poétique de ma vie. J'étais assis là avec quelques amis et
j'attendais, bien emmitouflé, la venue de l'année nouvelle.
Soudain, comme dans un rêve, un fiacre vide apparut. Le
cocher, sur son siège, avait du mal à se tenir droit. Son
regard embrumé s'arrêta sur une jeune fille blonde installée à
l'une des tables. Ebloui, il lâcha les rênes ; le fiacre réduisit
son allure, et finit par s'immobiliser. Comme dans une scène
de cinéma muet filmée au ralenti, le modeste cocher saluait la
belle et l'invitait à monter dans sa voiture. Comme la belle ne
semblait pas faire cas de lui, il descendit de son siège,
s'approcha d'un pas incertain et avec un « madam,
madam... » laborieux, il refit son geste seigneurial, l'invitant
cérémonieusement à monter dans sa Rolls ou son carrosse
royal, son landau somptueux. L'attitude amicale des clients
donnait une réalité à son amour, à ses vieux vêtements
transfigurés en habits de fête, à l'élégante voiture de sa
splendeur éphémère. L'un d'eux, cependant, intervint pour
briser cette idylle, et l'escorta courtoisement jusqu'à son
fiacre. Le jeune homme ne parvenait pas à rompre le
charme : l'autre regardait en arrière, lançait des baisers et,
pour se consoler de son échec, flatta avec une ineffable
tendresse la croupe de sa jument (il y eut des
applaudissements et des rires). Puis il essaya de remonter sur
son siège, y parvint après maints efforts, mais bascula
aussitôt et tomba en arrière, roulé en boule, au fond de la
voiture (nouvelle salve d'applaudissements). Quelques
volontaires le remirent d'aplomb et, les rênes à la main, il
dessina des lèvres un baiser d'adieu à la déesse scandinave,
avant de se perdre au petit trot sur le goudron indifférent et
poussiéreux, dans le halo mélancolique de son éden aboli.
Depuis l'époque bénie des films de Chaplin, je n'avais jamais
assisté à une scène pareille : aussi délicate, onirique, pleine
d'humour, délicieusement romantique.

Depuis la fermeture du café, ses habitués se sont dispersés
comme une diaspora d'insectes privés de leur fourmilière. Les
gnaouas se regroupent la nuit sur l'asphalte inhospitalier, ou
bien s'entassent dans un vieux fondouk (5) de Derb Dabachi.
Les autres, dont je suis, se consolent comme ils peuvent de la
disparition de ce centre international des cultures, en se
remémorant épisodes et anecdotes de son passé mythique et
glorieux, comme le feraient des émigrés nostalgiques,
provisoirement réfugiés dans l'exil.

Mais Jemaa-el- Fna résiste aux assauts conjugués du temps et
d'une modernité dégradante et bornée. Les halcas continuent
de prospérer, de nouveaux talents se révèlent, et un public
toujours aussi friand d'histoires fait cercle autour des jongleurs
et des artistes. Grâce à son incroyable vitalité et à ses
capacités digestives, elle agglutine les éléments les plus
divers, elle abolit momentanément les différences de classes
et les hiérarchies. Les autobus chargés de touristes qui
viennent échouer là comme des cétacés sont immédiatement
pris dans sa fine toile d'araignée, et neutralisés par ses sucs
gastriques. Cette année, pendant les nuits du ramadan, la
place a attiré des dizaines de milliers de personnes autour de
ses cuisines ambulantes, parmi les cris des vendeurs de
chaussures, de vêtements, de friandises et de jouets. A la
lueur des lampes à pétrole, j'ai cru remarquer la présence de
Rabelais, de l'archiprêtre de Hita, de Chaucer, d'Ibn Zaïd, d'Al
Hariri, et de nombreux derviches. Dans cet espace encore
préservé, on ne voit pas de ces idiots bécotant leur téléphone
portatif. L'éclat et l'incandescence du verbe prolongent
miraculeusement son règne. Mais je tremble parfois en
pensant combien elle est vulnérable, et je sens monter à mes
lèvres cette question qui résume toutes mes craintes : jusqu'à
quand ?

JUAN GOYTISOLO.
----------------------------------------------------------------------

(1) Cercle des spectateurs. (2) NDLR. Sigle de l'Ouvroir de
littérature potentielle, groupe littéraire français caractérisé
par son goût pour les recherches formelles et dont le
représentant le plus célèbre est Georges Perec (1936-1982).
(3) Ce passage a été traduit de l'arabe par Mohamed Yamani.
(4) Musiciens noirs, descendants des confréries d'esclaves
venus de Guinée. (5) Hôtel.

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