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European Monitoring Center on Racism and Xenophobia #34096
28/12/2003 12:06
28/12/2003 12:06
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Muriel Brunswig-Ibrahim Offline OP
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Zur Diskussion:


DIE ZEIT, 51/2003

Islam
Bloß nicht zu laut sagen

Der islamische Extremismus in Europa nimmt zu. Das schadet auch den Muslimen
Von Richard Herzinger

Obwohl in Europa rund 25 Millionen Muslime leben, wird der Islam vielfach
noch immer als etwas Exotisches wahrgenommen, das nicht wirklich zu uns
gehört. Zu Recht haben antirassistische Gruppen und Institutionen wie das
von der EU finanzierte, in Wien ansässige European Monitoring Center on
Racism and Xenophobia (EUMC) deshalb immer wieder vor antiislamischen
Vorurteilen gewarnt. Antiislamisch muss man eine Haltung nennen, wenn sie
"die Muslime" als ein geschlossenes Kollektiv hinstellt und als solches
ablehnt.

Nun aber hat das EUMC eine von ihm in Auftrag gegebene Studie des Berliner
Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) über antisemitische Tendenzen in
Europa von der Veröffentlichung zurückgehalten. Sie war von der Direktorin
und dem Vorsitzenden des EUMC bereits akzeptiert und mit einem Vorwort
versehen worden, bevor das Management Board des Instituts, das sich aus
Vertretern aller EU-Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments, des
Europäischen Rats und der EU-Kommission zusammensetzt, sie zurückwies. In
der inkriminierten Studie wird festgestellt, dass antijüdische Gewaltakte in
verschiedenen europäischen Ländern nicht nur von "angestammten"
Rechtsextremisten, sondern zunehmend auch von - meist jugendlichen -
radikalen Islamisten begangen werden. Mehr noch, die Studie macht deutlich,
dass dieser islamistische Judenhass keineswegs bloß eine Reaktion auf die
israelische Besatzungspolitik in Palästina ist. Er gründet oft auf einer
fest gefügten antisemitischen Weltanschauung, wie sie in arabischsprachigen
Propagandapublikationen in Zeitungen, auf Hörkassetten und durch das
Internet über ganz Europa verbreitet werden.

Weil ihm die Nichtveröffentlichung den Vorwurf einbrachte, es wolle
judenfeindliche Tendenzen innerhalb muslimischer Gruppen herunterspielen
oder scheue gar politische Verwicklungen mit arabischen Ländern, hat das
EUMC die Studie nun auf seine Internet-Seite estellt. In einem beigefügten Statement begründet
es, warum es die Untersuchung für überarbeitungsbedürftig hält. Den Autoren
Werner Bergmann und Juliane Wetzel wird unter anderem vorgeworfen, sie
stellten Muslime als "homogene Gemeinschaft" dar und brächten diese als
Ganze mit antisemitischen Ideen in Verbindung.

Bei Lektüre der Studie erweist sich dieser Vorwurf jedoch als völlig
haltlos. An keiner Stelle erweckt sie den Eindruck, islamistisch motivierter
Antisemitismus sei typisch für Muslime insgesamt. Doch wenn sich
antijüdische Hassreden auf islamische Traditionen und Glaubensinhalte
berufen - soll man das bemänteln? Gleich zu Beginn weist die Studie auf die
Schwierigkeit hin, zwischen Kritik an der Politik Israels und der
Verbreitung verfestigter antisemitischer Stereotype klar zu unterscheiden.
Gerade darum aber muss sie die oft diffuse Gemengelage aus politischem
Aktivismus, religiöser Inbrunst und sozialer Verzweiflung, in der radikale
islamistische Agitatoren Resonanz finden, sorgfältig beschreiben.

Vor der Aufklärung über diese beunruhigende Wirklichkeit aber glaubt das
Wiener EU-Institut die europäischen Muslime offenbar beschützen zu müssen.
Dass dies unnötig ist, zeigen Stimmen wie die des Zentralrats der Muslime in
Deutschland, der die Antisemitismus-Studie begrüßt und angekündigt hat, sich
mit ihr intensiv auseinander setzen zu wollen. Ihr Vorsitzender Nadeem Elyas
räumt ein, dass antijüdisches Gedankengut in arabisch-islamischen Kreisen
"latent schon immer präsent war". Eine paternalistische Haltung, die
Muslimen solche kritische Selbstreflexion nicht zutraut, verrät unter dem
Vorwand des Antirassismus nichts als Geringschätzung gegenüber den
muslimischen Europäern. Gerade diese Haltung ist es, die das Bild von
Muslimen als einer gesonderten homogenen Gruppe festschreibt.

Abgeschottet statt anerkannt

Als gäbe es nicht zahlreiche Bürger muslimischer Herkunft, die sich vor dem
wachsenden Einfluss fundamentalistischer Fanatiker in islamischen Gemeinden
mindestens ebenso fürchten wie Nichtmuslime! Wer glaubt, bei der Bekämpfung
rassistischer und totalitärer Ideologien müsse man schonender vorgehen, wenn
diese ihre mörderischen Wahnvorstellungen aus dem Islam ableiten,
diskreditiert die islamische Religion und Kultur. So schottet man sie als
eine vermeintlich unantastbare Besonderheit ab, statt ihr zu Anerkennung als
einem festen Bestandteil der pluralistischen Gesellschaft zu verhelfen.

Die demokratische Öffentlichkeit in Europa darf nicht aus falsch
verstandener religiöser oder kultureller Toleranz wegschauen, wenn sich
extremistische Ideologien unter frommer Terminologie tarnen. Nur wenn sie
diese Extremisten ebenso ernst nimmt wie alle anderen auch, beweist sie,
dass sie Muslime als gleichwertige Bürger ernst nimmt. Nur dann hilft sie
auch den Kräften in den islamischen Gemeinden, die sich gegen ihre
schleichende Majorisierung durch radikale Agitatoren zur Wehr setzen wollen.

Doch eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit islamistischer
Ideologie stößt auf Schwierigkeiten. Wer kann schon arabischen Predigten
folgen, die viele Muslime in Europa in Moscheen hören, wer die arabischen
und türkischen Bücher und Zeitungen verstehen, die sie täglich lesen? Wer
kann die religiös verschlüsselte Metaphorik entziffern, der sich
extremistische Gruppen bedienen? Nicht nur der Verfassungsschutz, auch die
politische Klasse und die Medien müssten über viel mehr Sachkundige
verfügen, die mit der Alltagsrealität der Muslime vertraut sind und über sie
berichten. Damit fängt Integration an: dass die demokratische Gesellschaft
von sich aus den Schleier kultureller Absonderung durchdringt und an den
Problemen ihrer muslimischen Bevölkerung aktiven, und das heißt auch
streitbaren Anteil nimmt.

Re: European Monitoring Center on Racism and Xenophobia #34097
28/12/2003 19:11
28/12/2003 19:11
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AvP Offline
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 Antwort auf:
... Damit fängt Integration an: dass die demokratische Gesellschaft von sich aus den Schleier kultureller Absonderung durchdringt und an den Problemen ihrer muslimischen Bevölkerung aktiven, und das heißt auch streitbaren Anteil nimmt.
Nein, aber nein, das kann doch nicht sein! Und es ist auch nicht der Fall!

Wer will sich wo integrieren?

Niemand frägt nach etwas, was er nicht bestellt hat! Ich (man) öffne keinen Schleier, bitte, wozu? Bei aller Demokratie, Gastfreundschaft, Offenheit! Jeder Mensch ist doch (schier) überall willkommen (außer in Diktaturen und diktatorischen Gebilden), wenn er, ja, wenn er respektiert und anerkennt, was im Ankunftsland nun mal Gültigkeit hat. Nicht mehr und nicht weniger! Mit einem (mit nur einem) Satz ist alles gesagt!

Da "kämpft" (bzw. will) jemand etwas, wovon er ja selbst (sein Staatengebilde) meilenweit davon entfernt ist, in seiner eigenen Heimat! AvP.

Re: European Monitoring Center on Racism and Xenophobia #34098
28/12/2003 23:02
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rasjerry Offline
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rasjerry  Offline
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Nu isses aber so, dass die Kontaktschwierigkeiten nur durch kennenlernen überwunden werden können. Meinen Mitmenschen kann ich nur verstehen, wenn ich ihn kenne. Das baut Ängste und Fremdheit ab. Und wenn mein Mitmensch will, dass ich ihn verstehe, so muß er/sie sich mir öffnen und ich mich ihm/ihr natürlich auch. Ansonsten klappt das nicht mit dem gemeinsamen miteinander auskommen.
Diesen Anspruch hab ich. Punkt.


Gruß
Eckhard


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