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Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3311
02/05/2002 13:40
02/05/2002 13:40
Joined: Aug 2001
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vonbis Offline OP
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vonbis  Offline OP
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Joined: Aug 2001
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Sehr schöner Ausflug - Beschreibung – siehe das Buch von E. Därr „ Marokko vom Rif ...“.
Der Weg hin führt durch heiße Steinwüste.
Bei Cascaden haben wir zwei „Heimische“ getroffen.
Im Schatten direkt am Wasser waren die Decken ausgelegt. Ein Mann war traditionell im „Blau“, der andere war europäisch angezogen. Wir wurden von den Männern freundlich aufgefordert auf den Decken Platz zu nehmen, damit wir uns ausruhen können. Es wurde uns der Tee angeboten.
Es war herrlich.
Wir haben uns mit den Männern unterhalten. Sie haben uns erzählt, dass sie vom Dorf, das man vom Parkplatz sieht (ein paar Hundert Meter weiter) kommen.
Man hat gesehen, das die Cascaden mit ihrem Wasser und die gelegentlichen Touristen eine Segnung für die sehr armen Bewohner des Dorfes sind.
Wir haben uns die Frage gestellt, ob sich die Leute aus dem Dorf bei seinem „Dienst“ bei Cascaden wechseln, oder wie mit dem geringen Profit ( gewöhnlich bezahlt man für den Tee, für den Ruheplatz und evtl. für die kleine Führung zum oberen Teil der Cascaden) umgegangen wird .
Bei unserer Ruhepause haben uns die Männer das „Gästebuch“ gezeigt, in dem sich viele Leute aus ganzer Welt verewigt haben. Wir haben gelesen, wie sich alle auf diesem Platz glücklich gefühlt haben und wie sie sich über die „Gastfreundschaft“ der beiden Männer (die Namen aus dem Buch haben mit den Namen der Männern vor uns gestimmt) gefreut haben.
Mehrmals haben uns die Männer aufgefordert mit ihnen nach Dorf zu gehen und zusammen mit ihnen und ihren Familien Couscous zu essen. Es war sehr nett.
Leider hatten wir nicht so viel Zeit und wir mussten die Einladung höfflich ablehnen.
Zum Abschied hat mein Mann den beiden netten Männern mehr als großzügig für den Tee und die kleine Führung bezahlt. Wir haben an die armen Leute aus dem Dorf gedacht. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir die armen Kinder gesehen und mit ihnen auch gesprochen. Das Problem war weniger das Betteln. Ein Junge war sehr, sehr dünn, alle Kinder sehr schlecht angezogen – sehr arme Verhältnisse auf ersten Blick.

Am nächsten Tag sind wir später nach Hause (Hotel Kissan - Agdz) gekommen. Mein Mann hat sofort registriert, das an der Bar einer von den „Cascadenmännern“ sitzt und wird bedient. Der Mann war wieder europäisch angezogen und er trug eine Lederjacke. Der Mann hat uns nicht gesehen.
Wir haben zuerst den Kellner ( sehr sympathischer Junge, mit dem wir uns schon mehrmals unterhalten haben) gefragt, wer der Mann an der Bar ist. Die Antwort war, dass er in Agdz wohnt. Darauf haben wir dem Kellner die ganze „Cascaden-Geschichte“ erzählt. Der hat nur gelacht und gleichzeitig war es ihm peinlich. Er hat uns versichert, dass das Märchen, das uns an Cascaden „vorgespielt“ wurde nicht stimmt.
Darauf hat mein Mann den „Cascadenmann“ zur Rede gestellt. Der Mann war sehr verärgert, dass alles geplatzt hat. Er hat uns erzählt, dass die Stelle an den Cascaden nicht dem Dorf, sondern dem Staat gehört. Und er hat dort eigentlich ein „Restaurant“ unter freiem Himmel eingerichtet.
In dem Moment war uns auch klar, warum die Dorfkinder, die das Wasser aus dem Zuleitungswasserkanal ( unter den Cascaden) holen wollten von den beiden „Cascadenmännern“ verjagt wurden.

FAZIT: an diesen Cascaden sollen die „Cascadenmänner“ NUR für seine Dienste bezahlt werden – von dem Geld sehen die Bewohner des Dorfes nichts.
Vielleicht bekommen die Dorfbewohner bisschen Geld, wenn sie für die Touristen Couscous kochen dürfen – dabei dürfen sie aber die „Cascadenmänner“ nicht verraten.
Wer etwas für die Kinder im Dorf machen möchte, sollte den Kindern Orangen/Kleidung/Brot schenken.

Re: Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3312
04/05/2002 16:29
04/05/2002 16:29
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Erika Därr Offline
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Erika Därr  Offline
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Hallo Vendulka,
ich verstehe nicht so ganz deine Aussage in bezug auf Mafia? Ich schreibe im Buch ganz deutlich Omars Freiluftrestaurant, und das ist es. Omar betreibt seit ca. 18 Jahren diese Teestube im Freien und was soll daran schlecht sein? Sicher hat er seinen Profit davon, aber das hat er halt geschickt genutzt oder haben sie Euch mit falschen Aussagen das Geld aus der Tasche gezogen? Hat er behauptet, dass das Geld dem Dorf zu Gute kommt? Das glaube ich eher nicht. Nur wahrscheinlich von dem ahrten LEben un der Armut und der Trockenheit erzählt oder? Omar ist ein Schlitzohr, der gelegentlich schon etwas mehr verlangt als er sollte, aber als Lügner habe ich ihn bislang nicht erlebt. Und wenn es dort schön war, dann war es doch das Erlebnis wert? Oder war es nur die Enttäuschung, dass man den ach so armen Mann plötzlich an der Bar trifft! Das könnte sich fast an jedem Ort Marokkos gleich abgespielt haben - den geschäftstüchtig sind sie alle und die Masche , wie man bei Touristen Mitleid heischt, haben sie auch alle drauf! Ähnliches könnte sich bei einem Tee und einer "Einladung" im Nomadenzelt zugetragen haben! Es ist immer die frage was man gerne hören möchte und was man hinein interpretiert. Auf jeden Fall ist das Geld Omars vielen Kindern zu gute gekommen, denn von den wenigen Bewirtungen wird die Familie bestimmt nicht reich werden, aber es ist ein gutes Zusatzeinkommen. Mir hat Omar vorgeschlagen, dass ich doch meinen Mann überreden sollte mit ihm zusammen dort eine Auberge zu errichten! Es würde ihm schon noch mehr vorschweben wenn er einen Sponsor hätte!

Re: Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3313
05/05/2002 07:44
05/05/2002 07:44
Joined: Aug 2001
Beiträge: 37
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vonbis Offline OP
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vonbis  Offline OP
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hallo erika,
die männer haben uns erzählt, dass sie beiede im dorf wohnen, dass die leute im dorf sehr arm sind, dass wir mit ihnen zu ihren eigenen familien im dorf zum essen gehen können,... -> dadurch ensteht der eindruck, dass das geld, das man für die bewirtung ( auch nur am cascaden) zahlt, dem dorf zugute kommt.
das ist aber nicht ganz der fall. mindestens einer von den beiden wohnt nicht im dorf ( das ist im agdz an der bar rausgekommen – wo vielleicht auch das von uns großzügig geschenktes geld rausgegeben wurde).
die kinder vom dorf wurden beim wasserholen in der nähe der cascaden weggejagt, obwohl sie überhaupt nicht versucht haben, den kontakt zu den touristen aufzunehmen.
meiner meinung nach haben sich die zwei männer die schöne lage an cascaden für sich geschnappt und das dorf hat sehr wenig davon. nur den touristen wird etwas ganz anderes vorgetäuscht, womit die touristen zu großzügigkeit beim bezahlen und geldverschenken animiert werden.

Re: Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3314
05/05/2002 08:28
05/05/2002 08:28
Joined: Aug 2001
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vonbis Offline OP
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vonbis  Offline OP
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Was ich schon im meinem vorherigen Beitrag sagen wollte – es wäre nicht schlecht, wenn die Besucher der Cascaden die Hintergründe kennen würden – es handelt sich um ein Restaurant unter freiem Himmel, der wenig mit dem Dorf zu tun hat ( der Gegenteil wird aber vorgetäuscht).
Als wir den Mann von den Cascaden an der Bar in Agdz getroffen haben und ihn angesprochen haben: „Sie haben doch gestern gesagt, dass Sie im Dorf wohnen, aber jetzt haben wir erfahren, dass es nicht stimmt“ war er zuerst sehr irritiert, dann wütend, dass es rausgekommen ist. Er hat uns erzählt, dass es sich um sein Restaurant handelt, mit dem die Bewohner des Dorfes nichts zu tun haben.
Das geschenkte Geld an Cascaden landet nicht unbedingt im Dorf.
=> an den Cascaden NUR wie im gewöhnlichen Restaurant bezahlen.
Wenn die Touristen wirklich für die Kinder im Dorf etwas tun wollen – sollten sie direkt hin gehen und dort seine Großzügigkeit zeigen ( sehr schwierige Aufgabe, damit nicht nur das Betteln unterstützt wird).

Re: Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3315
05/05/2002 09:06
05/05/2002 09:06
Joined: Feb 2001
Beiträge: 4,034
Errachidia, Marokko
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Thomas Friedrich Offline
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Thomas Friedrich  Offline
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Beiträge: 4,034
Errachidia, Marokko
Hallo Vonbis,

viele Marokkaner sind schlitzohrige Geschäftsleute, bei denen, wie bei fast allen anderen auch, der Spruch "Eigenwohl geht vor Allgemeinwohl" zählt.
Wer viel herumreist, weißt so etwas und fällt nicht auf irgendwelche Geschichten herein wie "Das Geld ist für das Allgemeinwohl."
Wenn Du, wo auch immer in der fernen Welt, herumreist, merke Dir eines: Jeder will Dein Geld und versucht sich so auf Dich einzustellen, daß er möglichst viel in möglichst kurzer Zeit davon bekommt. Die Methoden hierzu sind sehr unterschiedlich. Wenn Du als Wohltäter irgendwo helfen möchtest, dann solltest Du dies entweder direkt (nicht über dritte) tun oder die dritten so gut und imtensiv kennen, daß Du sie für absolut vertrauenwürdig hälst.

Thomas


Beste Grüße
Thomas

In Marokko ist alles möglich nur nichts schnell.


Weitere Informationen über meine Aktivitäten:

http://lmgtfy.com/?q=thomas+friedrich+marokko
Re: Cascades de Tizgui bei Agdz - mafiaähnliche Verhältnisse? #3316
05/05/2002 12:29
05/05/2002 12:29
Joined: Aug 2001
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vonbis Offline OP
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vonbis  Offline OP
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Joined: Aug 2001
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Hallo Thomas,
der Konflikt zwischen Eigen- und Allgemeinwohl ist wohl jedem bekannt.
Es nicht immer einfach zu unterscheiden, wer „die Dritten“ sind. Im beschriebenen Fall war es auch nicht einfach - weniger Besucher bekommen mit, dass sie im Restaurant sitzen ( es wurde auch alles dafür gemacht, dass ein ganz anderer Eindruck bei den Besuchern entsteht).

Ich wollte hier nur darauf aufmerksam machen, dass es bei den Cascaden sehr geschickt versucht wird, die Touristen zu manipulieren. Und die Besucher sollten es nicht unterstützen – das ist alles. Es ist richtig NUR für die erbrachten Leistungen zu bezahlen und nicht glauben, dass das ca. 300 Meter entferntes Dorf davon viel hat.
So ist es. Ich glaube, dass man darüber nicht viel diskutieren braucht.


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