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"Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18431
17/04/2001 16:41
17/04/2001 16:41
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chibo72 Offline OP
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chibo72  Offline OP
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düsseldorf
Die Sage vom Prinzen Achmed al Kamel, dem Liebespilger
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Es lebte einmal in Granada auf der Alhambra ein maurischer König, dessen einziger Sohn Achmed hieß.

Die Höflinge gaben ihm den Beinamen Al Kamel, der Vollkommene, wegen der unzweifelhaften Beweise und der
vielen Anzeichen von Klugheit und Charakterstärke, die sie schon in seiner Kindheit an ihm bemerken konnten. Die
Astrologen bestätigten in ihren Auskünften die Meinung der Hofleute und prophezeiten dem Prinzen für die Zukunft all
das, was einen Herrscher vollkommen, glücklich und beliebt machen kann. Eine einzige Gewitterwolke nur schwebe
über ihm, und auch die wäre rosigster Natur, so sagten die sternkundigen Weisen: er würde, meinten sie, sich leicht
und heftig verlieben, und in Folge dieser zärtlichen Leidenschaft zu Liebeshändeln und galanten Abenteuern in große
Gefahren geraten.

Wenn er aber bis in sein mannbares Alter allen Lockungen und Zartheiten der Liebe fest widerstünde, dann, so meinten
die Astrologen weiter, könnten derartige Gefahren und deren Folgen vermieden werden, und das spätere Leben des
Prinzen Thronfolgers werde glücklich verlaufen.

Um alle derartigen Widerwärtigkeiten zu vermeiden, beschloss der König in seiner Weisheit, den Prinzen in einer
Umgebung erziehen zu lassen, wo er nie ein weibliches Wesen zu Gesicht bekäme oder auch nur das Wort Liebe
hören könnte. Zu diesem Zweck baute er auf dem der Alhambra gegenüberliegenden Berg einen herrlichen Palast, ließ
dort die wundervollsten Gärten anlegen und dann herum eine hohe Mauer errichten. Anlagen und Palast stehen heute
noch und sind unter dem Namen »Generalife" .weithin bekannt und berühmt. In diesem Prunkgebäude wurde der
jugendliche Prinz eingeschlossen und der Obhut des Eben Bonabben anvertraut.

Es war dies ein großer Gelehrter aus Arabien, trocken und uncharmant wie seine Papyrusrollen, der den größten Teil
seines Lebens in Ägypten mit dem Studium der Hieroglyphen und dem Erforschen der Pharaonengräber hingebracht
hatte. Ein solcher Hauslehrer entsprach natürlich den strengen Wünschen des Königs, denn der alte Ägyptologe zog
Pyramidengräber und Mumien den verführerischsten Frauenschönheiten vor.

Auf Anordnung der Hofkanzlei sollte der Weise den Prinzen in allen Disziplinen unterrichten und ihm jedes Wissen
vermitteln, mit einer einzigen Ausnahme, denn nie 4 durfte er erfahren, fühlen und kennen, was Liebe sei. Streng sagte
der König zu dem Weisen aus dem Morgenland: »Wende zu diesem Zweck jede Vorsichtsmaßregel an, die du für
geeignet hältst; allein bedenke, o Eben Bonabben, dass du einen Kopf kürzer gemacht werden wirst, wenn mein Sohn
während seiner Studienzeit mit dir etwas von diesen verbotenen Kenntnissen erfahren würde. «

Mit trockenem Lächeln antwortete der weise Bonabben auf die Drohung und sprach dann überlegt und jedes Wort
betonend: »Möge dein königliches Herz so unbesorgt um deinen Sohn sein, wie es das meinige um meinen Kopf ist.
Glaubst du etwa, dass ich etwas von Frauenschönheit, Üppigkeit, Lust und Lüsternheit verstände und über Liebe
dozieren könnte?«

Unter der wachsamen Obhut des Philosophen wuchs der Prinz in der Abgeschiedenheit des Palastes und Einsamkeit
der ummauerten Gärten auf. Zur Bedienung hatte er schwarze Sklaven, hässliche Geschöpfe, die bei ihrer
Scheußlichkeit nichts von Liebe wussten, oder, wenn es er Fall sein sollte, keine Worte hatten, es anderen mitzuteilen,
denn alle waren sie stumm, die einen von Geburt her, die anderen auf Grund eines Eingriffes des königlichen
Scharfrichters.

Auf die Heranbildung der geistigen Anlagen des Prinzen verwandte Eben Bonabben besondere Sorgfalt und suchte ihn
möglichst bald in die geheimen Weisheiten Ägyptens einzuweihen. Doch in diesem Fach machte der Prinz nur wenig
Fortschritte, und bald zeigte es sich, dass er zur Philosophie absolut keine Neigung hatte. Aber er war ein auffallend
gehorsamer junger Mann, ließ sich leicht beeinflussen und gab in der Regel seinen guten Ratgebern recht. Auch war er
sehr höflich, unterdrückte das Gähnen und hörte geduldig den langen und gelehrten Ausführungen Eben Bonabbens zu,
von denen er gerade so viel verstand, dass er sich mit der Zeit ein etwas allgemeines Wissen aneignen konnte, das für
seine zukünftige Herrscherlaufbahn unumgänglich notwendig war.

Achmed erreichte so glücklich das zwanzigste Lebensjahr, ein Wunder prinzlicher Weisheit, allein ein Ignorant in
Sachen Liebe, von deren Existenz er nie gehört hatte.

Um diese Zeit änderte sich jedoch merklich das Benehmen des Prinzen. Er vernachlässigte vollständig seine Studien,
streifte viel in den Gärten umher oder saß stundenlang am Brunnenbecken und schaute grübelnd ins Wasser. Früher
schon hatte er manchmal etwas Musik getrieben; doch jetzt nahm sie einen großen Teil seiner Zeit in Anspruch. Sein
Sinn für Dichtkunst und Gesang war erwähnenswert, und den von ihm verfassten Liedern und Gedichten konnte eine
gewisse Poesie nicht abgesprochen werden. Bei all diesen merkwürdigen Anzeichen wurde der weise Eben
Bonabben unruhig und bemühte sich, dem jungen Mann die eitlen Launen mit einem tiefschürfenden Vortrag über
Algebra auszutreiben. Aber der Prinz unterbrach ihn voll Unlust und sagte: Ach kann die Algebra nicht ausstehen; sie ist
mir verhasst. Ich will etwas hören, das zum Herzen spricht! «

Der Weise schüttelte bei diesen Worten sein welkes Haupt und dachte bei sich: »Jetzt ist's mit der Philosophie aus!
Der Prinz hat entdeckt, dass er ein Herz hat. «

Mit ängstlicher Sorgfalt überwachte er seinen Zögling und sah, wie es in seinem Innern arbeitete, dass ein liebevolles
Herz und Gemüt nach einem Gegenstand suchte, den es beglücken durfte, um wieder beglückt zu werden. Ziellos
wandelte Achmed durch die Gärten des schönen Generalife und suchte dort ein Wesen, das er beglücken könnte. Wie
weltfern träumte er manchmal vor sich hin, dann griff er zur Laute und entlockte ihr die rührendsten Melodien, bis ihn
auch das Saitenspiel ermüdete und das herrliche Instrument seinen Händen entfiel, wobei er tief seufzte und laut
klagend auf den Boden starrte.

Nach und nach nahm aber die Liebe des Prinzen festere und etwas konkrete Formen an. So pflegte er seine
Lieblingsblumen mit ganz besonderer Sorgfalt und lag dann wieder träumend im Schatten einer schlanken Pinie, der
seine spezielle Zuneigung galt; in ihre Rinde schnitt er Namen und astrologische Schriftzeichen, hing Blumengewinde in
ihr Gezweig und besang des Baumes Schönheit in zarten Versen, während er dazu die Laute schlug.

Eben Bonabben beruhigte natürlich dieses exaltierte Benehmen seines Zöglings wenig, den er gleichsam schon vor
der verschlossenen Pforte sah, die zu jenem Wissen führte, das ihm sein Vater vorenthalten wollte. Das unscheinbarste
Ereignis konnte diese Tür weit öffnen, der leiseste Wink ihm das verhängnisvolle Geheimnis kundtun.

Um das Wohl des Prinzen besorgt und um die Sicherheit des eigenen Kopfes zitternd, beschloss er schnell zu handeln,
denn nur so konnte das Schlimmste vermieden werden. Der lammfromme Jüngling musste im Schlossturm seine
Wohnung aufschlagen, und scharfe Wachen unterbanden seine die Nerven aufreizende Spaziergänge durch den
weiten Garten mit seinen verführerischen Rondellen, Laubengängen und Brunnenanlagen. Die neuen Gemächer lagen
im höchsten Stockwerk des Bergfrieds, waren mit ausgezeichnetem Geschmack eingerichtet, und von den Balkonen
genoss man eine herrliche Rundsicht über die Vega, Allerdings bis zu diesen Wohnräumen hinauf drang kein süßer
Duft von Blumen und Blüten, kein Rauschen der springenden Wasser und auch nicht das Summen der Honig
suchenden Bienen, nichts von all dem, was in Achmeds Gemüt Veränderungen herbeigeführt und in ihm bisher
unbekannte Gefühle plötzlich hatte aufkommen lassen.

Doch war es notwendig, ihn mit diesem Zwang auszusöhnen und dafür zu sorgen, dass er anderweitige Ablenkungen
fand. Das schien allerdings anfänglich schwierig, denn der weise Lehrer hatte bereits alle seine Kenntnisse
zerstreuender Art erschöpft, und über Algebra und Physik, Astronomie und Heilkunde durfte man mit dem jungen Mann
ja nicht mehr sprechen.

Aber auch hier fand Eben Bonabben einen Ausweg. Glücklicherweise verstand er die Sprache der Vögel; während
seines Aufenthaltes in Ägypten lehrte sie ihn ein jüdischer Rabbiner, der seine Kenntnisse in gerader Linie bis auf
Salomon den Weisen zurückführte, welcher bekanntlich bei der Königin von Saba darin unterrichtet worden war.

Schon bei der Erwähnung eines solchen Studiums funkelten dem Prinzen vor Erregung die Augen, und er arbeitete mit
solchem Eifer, dass er in kürzester Zeit diese Kunst ebenso beherrschte wie sein Lehrer.

Von nun an war für ihn der Turm des Generalife kein gar so einsames Gefängnis mehr; er hatte einige Gefährten, mit
denen er reden konnte und die ihm allerhand Neuigkeiten brachten und erzählten. So machte er zu allererst die
Bekanntschaft mit einem Habicht, der in einer Mauerspalte auf der hohen Turmzinne sein Nest gebaut hatte, von wo
aus er weit und breit herumstreifte und die Gegend nach Beute absuchte. Der Prinz indessen fand eigentlich wenig
Gefallen an dem gefederten Strauchritter. Er war ein simpler Pirat der Lüfte, ein großsprecherischer Prahlhans, dessen
Geschwätz sich nur um Raub, Totschlag und mörderische Greueltaten drehte.

Darauf lernte er eine Eule kennen; das war ein sehr weise aussehender Vogel, mit einem riesigen Kopf und starr
glotzenden Augen, der tagsüber in einem Mauerloch vor sich hinblinzelte und nur während der Nacht ausflog. Viel
bildete sich der Uhu auf seine tiefschürfende Weisheit ein, hielt Vorträge über Astrologie, sprach von Mond und
Sternen und gab gelegentlich auch Aufklärungen, die ganz geheimes Fachwissen betrafen. Doch er redete auch über
Metaphysik, und der Prinz fand, dass die diesbezüglichen Vorlesungen noch viel langweiliger waren als die
unausstehlichen Belehrungen des weisen Eben Bonabben.

Dann war noch eine Fledermaus da, die den ganzen Tag an ihren Beinen in einer der dunkelsten Ecken des Gewölbes
hing und erst in der Dämmerung aufwachte, um schrill aufpfeifend durch Hallen und Gärten zu flattern. Es war ein
merkwürdiges Tier; es hatte von allen Dingen nur ganz verschwommene Ideen, und mit zwielichtigem Verständnis
spottete es über Sachen und Gedanken, von denen es kaum gehört hatte. Auch war der Flatterer sehr mürrisch und
schien an nichts Gefallen zu finden.

Zu diesen Genossen stellte sich auch noch eine Schwalbe ein, die anfangs dem Prinzen wirklich sehr gut gefiel, denn
sie war eine nette Gesellschafterin und zerstreute den einsamen Jüngling mit ihrem Gezwitscher. Doch war sie ruhelos,
und geschäftig flog sie von einem Ort zum andern; immer unterwegs, blieb sie selten lang genug auf einem Fleck, um
ein ordentliches Gespräch führen zu können. Es erwies sich, dass sie eine ganz gewöhnliche Schwätzerin und
Klatschbase war, die über alles Bescheid zu wissen meinte und doch nichts wusste.

Dies waren die einzigen gefiederten Freunde, die Achmed hatte. Der Turm war viel zu hoch, als dass andere Vögel ihn
hätten erreichen können.

Bald wurde jedoch der arme Prinz seiner gefiederten Bekannten überdrüssig, deren Unterhaltung weder seinen
Verstand und schon gar nicht sein Herz ansprachen. Wieder saß er verlassen und trübsinnig in seinem einsamen
Turmzimmer und starrte traurig vor sich hin.

So verging der kalte Winter, und der Frühling hielt seinen Einzug mit all den Blumen und Blüten, dem saftigen Grün und
den lieblichen Düften, die diese Jahreszeit auszeichnen. Die Natur erwachte aus ihrem Winterschlaf; alles begann zu
sprießen und zu wachsen. Die Zeit war da, wo die Vögel sich paarten und ihre Nester bauten. In den Hainen und Gärten
des Generalife hörte man ein Singen und Raunen, das bis ins einsame Turmzimmer zum gefangenen Prinzen
hinaufklang; von allen Seiten erschollen Lieder, ein Fragen und Werben mit dem gleichen Thema, das immer wieder in
... Liebe-Liebe-Liebe ... ausklang. Schweigend und verwirrt horchte Achmed erstaunt auf und fragte sich verwundert:
»Was mag wohl diese Liebe sein, von der die ganze Welt so voll ist? Was kann dieses Ding nur bedeuten, von dem
ich noch niemals gehört habe?«

Er wandte sich also an seinen Freund, den Habicht, und bat ihn um Aufklärung. Doch der wilde Vogel antwortete
verächtlich: »Da musst du dich schon an die gewöhnlichen Vögel wenden, die in Gärten und Wäldern friedlich ihr
Dasein fristen und dazu da sind, uns, den Fürsten der Lüfte, als Jagdbeute zu dienen. Mein Handwerk ist der Krieg und
Kämpfen meine Freude. Ich bin ein harter Mann und weiß nichts von den Dingen, die man Liebe nennt. «

Mit Abscheu wandte sich der junge Prinz vom wilden Habicht ab und suchte die philosophierende Eule an ihrem
Zufluchtsort auf. Das ist ein Vogel von friedlichen Sitten und Bräuchen, sagte er sich, und wird sicherlich imstande sein,
meine Frage zu beantworten.

So bat er denn die Eule, ihm zu sagen, was es mit der Liebe für ein Bewandtnis habe, von der alle Vögel unten in den
Wäldchen und Gärten sängen.

Als der Uhu diese so vulgäre Frage hörte, schaute er würdevoll auf und sagte mit beleidigter Stimme: »Ich bin Forscher
und verbringe die Nächte mit klugen und klaren Studien, und während des Tages denke ich über das nach, was ich
gelernt habe und was mir gelehrt wurde. Die Singvögel, von denen du sprichst, sind für mich nicht vorhanden; ich höre
sie nicht und verachte ihre dummen Lieder. Allah sei gepriesen! Ich kann nicht singen, aber ich bin ein Philosoph und
Astronom, der von den Dingen da, die man Liebe nennt, nichts weiß.«

Verwirrt begab sich nun Achmed ins Gewölbe, wo seine Freundin, die Fledermaus, wie gewöhnlich an ihren Füßen
kopfabwärts hing und stumm vor sich hin träumte. Er legte auch ihr die für ihn so wichtige Frage vor. Die Fledermaus
runzelte ihre Nase und antwortete recht schnippisch: »Warum störst du mich mit dieser blöden Frage in meinem
Morgenschlaf? Du solltest wissen, ich fliege nur in der zwielichtigen Dämmerung umher, wenn alle Vögel schlafen und
kümmere mich um ihr Treiben nicht. Ich bin weder Vogel noch Säugetier, wofür ich dem Himmel danke. Ich habe sie
alle als Schurken kennengelernt und hasse alles, was da fleucht und kreucht. Mit einem Wort: Ich verachte dieses
Gesindel und ihre Welt und weiß nichts von den Dingen, die man Liebe nennt.«

Nun blieb dem Prinzen nur noch die Schwalbe, an die er sich wenden konnte. Er suchte sie sogleich auf und traf sie
nach längerem Suchen oben auf der Turmspitze, wo er sie sogleich anhielt und ihr sein Herz ausschüttete.

Die Schwalbe war, wie gewöhnlich, in großer Eile und hatte kaum Zeit zu antworten. »Auf mein Wort«, schnatterte sie
gleich los, »ich habe so viele öffentliche Geschäfte zu besorgen und so viel zu tun, dass ich bis heute noch keine Zeit
gefunden habe, über dieses Thema nachzudenken. Ich habe jeden Tag tausend Besuche zu machen, mich um tausend
Sachen von Wichtigkeit zu kümmern, so dass mir kein Augenblick frei bleibt, mich mit derartig unbedeutendem
Firlefanz zu beschäftigen. Ich bin eine freie Weltbürgerin und weiß nichts von dem, was man Liebe nennt. « Mit diesen
Worten schoss die Schwalbe ins Tal hinunter und war im Nu in der Ferne verschwunden.

Der junge Mann war zutiefst enttäuscht, dass keiner seiner Freunde ihm sagen konnte, was Liebe eigentlich sei. Die
Schwierigkeiten, etwas darüber zu erfahren, aber stachelten seine Neugier nur noch mehr an, und er beschloss, der
Sache nun auf den Grund zu gehen, koste es was es wolle. In dieser gefährlichen Gemütsverfassung traf ihn der alte
Lehrer auf der Plattform des Turmes an. Der Prinz ging schnell auf ihn zu und rief aufgeregt: »0 Eben Bonabben,
weisester aller Lehrer, du hast mich viel gelehrt, mir viele irdische Geheimnisse enthüllt! Es gibt aber einen
Gegenstand, von dem ich nichts weiß, dessen Sinn und Form ich nicht kenne. Ich bitte dich, mich darüber aufzuklären,
denn ich will erkennen, worum es sich handelt. «

»Mein Prinz hat nur die Frage zu stellen, und alles, was im beschränkten Bereich meiner Kenntnisse ist, steht ihm
bedingungslos zur Verfügung.«

»So sage mir denn, du größter aller Weisen, was ist die Natur der Dinge, die man Liebe nennt?«

Eben Bonabben war wie vom Blitz getroffen. Ihm wurde ganz übel zumute; er zitterte, das Blut wich aus seinen Wangen,
und es schien ihm, als säße sein Kopf nur mehr ganz lose auf den Schultern.

»Wie kommt mein Prinz auf solche Gedanken und zu einer solchen Frage? Wo mag er wohl so eitle und überflüssige
Worte gehört haben?«

Der Prinz führte ihn ans Turmfenster und auf den Balkon hinaus und sagte ernst mit verschleierter Stimme: »Hör einmal
hin, o Eben Bonabben! «

Und der Weise lauschte mit hellhörigem Ohr. Unten im Gebüsch saß eine Nachtigall und sang ein Liebeslied der Rose
zu; aus jedem Wäldchen, von den Beeten, ja aus jedem Blütenzweig stiegen melodienreiche Hymnen auf, und
tausendfach hörte man immer wieder: »Liebe! Liebe! Liebe!«

»Allah akbar! Gott ist groß!«, rief der weise Bonabben aus, »wer könnte sich anmaßen, dieses Geheimnis dem Herzen
des Menschen vorenthalten zu wollen, wenn es sogar die Vögel der Luft laut in die Natur hinausschmettern.«

Dann wandte er sich Achmed zu und fuhr fort: »Junger Mann, verschließe dein Ohr, auf dass du nicht diese
verführerischen Töne hörst! Und lass ab, nach dem Sinn und Sein von Dingen zu forschen, deren Kenntnisse deinem
Geist und deiner Seele nur Unheil bringen werden. Wisse, diese Liebe ist die Ursache allen Übels, oder wenigstens
fast aller Übel und der Hälfte allen Wehs, das die sterblichen Menschen dieser armen Welt zwischen seinen
Mühlsteinen zu zermahlen droht. Sie ist es, die Hass und Streit zwischen Brüdern und Freunden zeugt, die den
meuchlerischen Mord gebiert und furchtbare Kriege entfacht. Kummer und Sorge, traurige Tage und schlaflose Nächte
sind ihr Gefolge. Sie bringt die Schönheit der Jugend zum Welken und vergiftet ihre frohen Stunden, was Übel und
Elend und ein vorzeitiges Altern zur Folge hat. Allah bewahre dich, mein Prinz, er möge dich schützen! Dringe nie
darauf, das zu wissen, was man Liebe nennt! «

Nach diesen Worten verließ der weise Bonabben eiligst seinen Schüler. Er ließ ihn in größter Verwirrung zurück.

Achmed konnte keine Ruhe finden; vergebens versuchte er, sich alle Gedanken an die Liebe aus dem Kopf zu
schlagen, die ihn ständig quälten und seinen Geist erschöpften. Er kam über eitle Vermutungen nicht hinaus und konnte
der Sache nicht auf den Grund kommen.

»Merkwürdig«, überlegte er, »ich kann aus diesen herrlichen Melodien keinen Kummer heraushören«, als er dem
Gesang der Vögel wieder und immer wieder lauschte, »in allem klingt Zärtlichkeit, aus jedem Ton spricht Freude!
Wenn die Liebe wirklich die Ursache von so viel Elend und Streit wäre, warum trauern dann nicht diese Vögel
schmachtend in der Einsamkeit der Wälder? Warum werden sie nicht zu wilden Faltern und reißen einander in Stücke?
Warum flattern diese wunderbaren Geschöpfe fröhlich und zufrieden in den Gärten und Wäldchen herum und spielen
miteinander unter Blumen und Blüten, wenn Liebe nur Hass, Zwietracht und Unglück zeugt?«

Eines Morgens lag Achmed auf seinem Diwan und dachte angestrengt über diesen noch immer ungeklärten und ihm
unerklärlichen Tatbestand nach. Das Fenster seines Zimmers stand offen, um den sanften Morgenwind hereinzulassen,
der mit, dem feinem Duft aus den Orangengärten im Darrotal heraufkam. Leise hörte man den Sang der Nachtigall,
das Zwitschern der Schwalben und Zirpen der Grillen und aus der Ferne her liebliches Saitenspiel. Während nun der
Prinz melancholisch diesem zauberhaften Konzerte lauschte, weckte ihn lauter Flügelschlag aus seinen Träumen. Eine
von einem Habicht verfolgte Taube schoss durchs Fenster ins Zimmer und fiel erschöpft auf den Fußboden, während
der um seine Beute gebrachte Verfolger wieder zu seinem Horst in den Bergen zurückflog.

Der jugendliche Prinz nahm den schwer keuchenden Vogel auf, strich ihm das Gefieder glatt und drückte ihn liebevoll
an seine Brust. Es war ein Täuberich. Als es ihm endlich gelungen war, den schönen Vogel zu beruhigen, setzte er ihn
in einen goldenen Bauer und gab ihm eigenhändig den feinsten Weizen und das reinste Wasser zur Atzung. Doch das
Tier nahm keine Nahrung zu sich. Traurig und gramvoll saß es auf der Sprosse und seufzte erbarmungswürdig.

»Was fehlt dir?« fragte Achmed besorgt. »Hast du nicht alles, was dein Herz begehrt?«

»0 nein«, erwiderte der Täuberich, »ich bin von der Gefährtin meines Herzens getrennt und noch dazu im schönen
Frühling, der glücklichen Jahreszeit der wahren Liebe!«

»Der Liebe?« wiederholte Achmed. »Ich bitte dich, liebes Tier, kannst du mir sagen, was Liebe ist?«

»Nur zu gut kann ich das, mein Prinz. Sie ist die Qual bei einem, das Glück bei zweien, sie bringt Streit und die
Feindschaft bei dreien. Sie ist der Zauber, der zwei Wesen zueinander hinzieht, sie bei vorhandener
Seelenverwandtschaft vereinigt und ihr Beieinandersein zum Glück, ihr Getrenntsein aber zum Unglück werden lässt.
Gibt es kein Wesen, zu dem du in zärtlicher Neigung dich hingezogen fühlst?«

»Ich liebe meinen alten Lehrer Eben Bonabben mehr als jedes andere Wesen; aber er redet oft langweilig, und hin und
wieder fühle ich mich ohne seine Gesellschaft weit glücklicher.«

»Das ist nicht die Seelenverwandtschaft, die ich meine. Ich rede von der Liebe, dem großen Geheimnis und dem
schöpferischen Prinzip allen Lebens, für die Jugend ist sie Rausch und dem Alter ruhige Freude. Blicke hinaus, mein
Freund, und sieh, wie zu dieser Jahreszeit die ganze Natur von Liebe erfüllt ist. jedes lebendige Wesen hat seinen
Liebesgenossen; der unscheinbarste Vogel singt seiner Liebsten ein Lied, aus dem seine heißen Gefühle sprechen,
selbst der Käfer im Staub und Mist wirbt jetzt um sein Weibchen, und jene Schmetterlinge, die du hoch über dem Turme
flattern und in der Luft spielen siehst, sind glücklich in der Liebe. Ach, mein guter Prinz, wie konnten nur so viele Jahre
deiner Jugend verstreichen, ohne dass du von der Liebe etwas erfahren hast? Gibt es kein zartes Wesen des anderen
Geschlechts eine schöne Prinzessin, ein liebenswürdiges Burgfräulein, die dein Herz gewonnen und bei dir den
Wunsch, von ihnen geliebt zu werden, erweckt hat?«

»Ich fange an zu verstehen«, sagte der junge Prinz seufzend; »oft habe ich durchaus solche Empfindungen und eine
ähnliche Unruhe in mir verspürt, aber ohne deren Ursache zu kennen. Doch wo sollte ich in meiner Einsamkeit und
Abgeschlossenheit jenes Wesen suchen, in das ich

Lange noch unterhielten sich beide, bis die erste Liebeslektion des Prinzen beendet war.

Ernst blickte Achmed, dann murmelte er leise: »Wenn die Liebe wirklich eine solche Wonne ist und man ohne sie nur in
seelischem Elend leben kann, so möge Allah verhüten, dass ich ein verliebtes Paar unglücklich mache!«

Rasch öffnete er den Käfig, nahm den Vogel heraus, küsste ihn zärtlich und trug ihn zum Fenster.

»Fliege, glücklicher Vogel, genieße die Jugend und freue dich zusammen mit deiner Gefährtin darüber, dass es
Frühling ist. Du sollst in diesem traurigen Turm nicht mein Zellengenosse sein, hier, wo die Liebe keinen Zutritt hat. «

Glücklich breitete der Tauber seine Flügel aus, hob sich mit einem Schwung in die Luft und schoss dann im Sturzflug
hinunter zu den blühenden Lauben am Darro.

Der Prinz folgte ihm mit den Augen bis er seinen Blicken entschwand.

Nichts machte dem jungen Mann von nun an mehr Freude; nicht das Singen der Vögel, nicht das Zirpen der Grillen und
auch nicht der berauschende Blumenduft von Rosen, Nelken und Orangenblüten. All das verstärkte nur seine Bitterkeit.
Nach Liebe lechzte sein Herz! Liebe!

Liebe! Ach, nun verstand er die Melodie, das Lied der Geschöpfe, das von Liebe sprach.

Seine Augen sprühten Feuer, als er nach einigen Tagen den weisen Bonabben wieder sah. Voll Zorn rief er ihm zu:
»Warum. hast du mich in solcher Unwissenheit aufwachsen lassen? Warum ließest du mich nicht das große Geheimnis
des Lebens und das Wunder allen Seins kennen, welches selbst den niedrigsten Insekten bekannt ist! Sieh und hör,
die ganze Natur befindet sich in einem Taumel des Entzückens! jedes Wesen freut sich seines Gefährten. Das ist die
Liebe, von der du mir hättest erzählen müssen. Warum versagt man mir allein ihren Genuss? Warum wurde mir all die
Jahre, ja selbst heute noch, diese Freude vorenthalten?« Der weise Bonabben sah ein, dass jede weitere
Geheimnistuerei vollkommen nutzlos wäre, dass der Prinz bereits all das wusste, was ihm nicht gelehrt und gesagt
werden sollte. Also sprach er zu ihm von der Vorhersagung der Astrologen und den Vorsichtsmaßregeln, die man bei
seiner Erziehung getroffen hatte, um das drohende Unheil abzuwenden, das über ihm schwebte.

»Und jetzt, mein Sohn«, fügte er hinzu, »liegt mein Wohl und Wehe in deinen Händen. Wenn dein königlicher Vater
erfährt, dass du trotz meiner Aufsicht und Obhut die Leidenschaft der Liebe kennengelernt hast, so kostet mich das
meinen Kopf, denn unser Sultan pflegt Wort zu halten.«

Der Prinz war Eben Bonabben durchaus zugetan, und da er bis jetzt das Feuer der Liebe nur unbewusst spürte, so
versprach er, sein neues Wissen für sich zu behalten, um den Kopf des Philosophen nicht zu gefährden.

Doch das Schicksal wollte es, dass seine Großmut noch auf harte Proben gestellt werden sollte. Als er einige Tage
später frühmorgens auf der Plattform des Bergfrieds auf und ab ging, seinen Gedanken nachhängend, da kam der
Tauber wieder geflogen und setzte sich furchtlos auf seine Schulter.

Voll Freude liebkoste ihn der Prinz und sagte mit bewegter Stimme: »Glücklicher Vogel, der du wie auf Schwingen der
Morgenröte bis ans Ende der Welt fliegen kannst! Wo warst du seit jenem Tag, an dem ich dir die Freiheit schenkte?«

»In einem fernen Land, mein Prinz, aus dem ich dir zur Belohnung für deine Großmütigkeit eine Nachricht bringe.
Einmal sah ich auf meinem weiten Flug über wilde Berge und fruchtbare Ebenen tief unter mir einen herrlichen Garten
voll der schönsten Blumen und Blüten, mit Bäumen, deren Äste und Zweige sich unter der Last der wundervollsten
Früchte bogen. Er lag in einer grünen Aue, an den Ufern eines Flusses, dessen klare Wasser sich durch die Ebene
dahinschlängelten. In der Mitte dieses Paradieses stand ein prächtiges Schloss. Ich flog auf eine Baumgruppe zu, um
dort auszuruhen, denn anstrengende Tage lagen hinter mir. Es war ein schönes Plätzchen; rundherum Blumen in allen
Farben des Regenbogens, angenehm riechende Früchte, und unten auf der Rasenbank saß eine junge Prinzessin, die
in ihrer Schönheit und Anmut einem Engel glich. junge Dienerinnen, feengleich wie sie, waren ihre Hofdamen, sie
schmückten das Mädchen mit Blumenkränzen. Doch keine der Blumen, selbst die nicht aus den hängenden Gärten der
Semiramis, konnten mit dem Königskind an Schönheit wetteifern.

Allein die Prinzessin blühte dort, einem Veilchen gleich im Verborgenen, denn der Garten war von hohen Mauern
umgeben, und kein Sterblicher durfte eintreten. Als ich dieses schöne Mädchen sah, so jung, so unschuldig, so rein und
ohne Makel, da sagte ich mir sofort: >Das ist das Wesen, das der Himmel geschaffen hat, damit mein freundlicher
Prinz die Liebe kennenlernt.<«

Diese Worte fielen wie zündende Funken in das Herz Achmeds, dessen Liebessehnsucht endlich das erwünschte
Wesen gefunden hatte.

Aufgeregt schrieb er einen leidenschaftlichen Brief an die schöne Prinzessin; in wohlgesetzen Sätzen gestand er ihr
seine Liebe und beklagte traurig sein hartes Los. Nur die Gefangenschaft, so stand in dem Brief, hindere ihn daran sie
aufzusuchen und sich ihr zu Füßen zu werfen. Er fügte Verse hinzu, in denen er mit zärtlicher Beredsamkeit seinen
Gefühlen Ausdruck gab.

Als Aufschrift trug der Brief die Worte:

»An die schöne Unbekannte, von dem gefangenen Prinzen Achmed.« Schließlich schüttete er noch Moschus und
Rosenöl über das Schreiben und übergab es dann dem Tauber.

»Nun, lieber Bote!« sagte er. »Fliege über Berge und Täler, über Flüsse und Ebenen, Wiesen und Wälder! Raste aber
nicht eher im Gebüsch und Laub der Bäume, setze deinen Fuß nicht eher auf die Erde, bis du diese Botschaft der
Geliebten meines Herzens übergeben hast.«

Der Täuberich schwang sich hoch in die Luft, nahm Richtung und schoss dann davon. Der Prinz folgte ihm mit den
Augen, bis nur mehr ein ganz kleiner Punkt am fernen Horizont zu sehen war, der allmählich in der Weite entschwand.

Tag um Tag wartete Achmed auf die Rückkehr des Liebesboten; aber vergebens suchte er stundenlang den Himmel
nach dem Tauber ab. Schon fing er an, ihn der Vergesslichkeit zu schelten, als der treue Vogel eines Abends gegen
Sonnenuntergang in sein Zimmer flatterte, dort auf den Boden fiel und starb. Der Pfeil eines mutwilligen Bogenschützen
hatte ihm die Brust durchbohrt, und dennoch flog er mit den letzten Lebenskräften weiter bis auf den Turm zum Prinzen,
der ihn so dringlich erwartet hatte.

Als dieser sich kummervoll über den Märtyrer der Treue beugte, bemerkte er, dass der tote Tauber eine feine
Perlenschnur um seinen Hals trug, an der, versteckt unterm Flügel, ein kleines Medaillon hing, auf dem ein wundervolles
Emailbildchen zu sehen war. Dieses zeigte eine schöne Prinzessin in der ersten Blüte ihrer Jahre. Ohne Zweifel
handelte es sich um die schöne Unbekannte im Lustgarten, von der der gute Tauber einst gesprochen hatte. Wer war
sie aber, und wo lebte sie? Wie hatte sie seinen Brief aufgenommen, und war das kleine Bildchen wirklich eine Zusage
und eine Antwort, ein Zeichen der Genehmigung seiner Leidenschaft? Die tote Taube aber schwieg und blieb für ewig
stumm, und der feurige Liebhaber sollte auf seine Fragen keine Antwort mehr bekommen.

Er blickte sehnsuchtsvoll auf das Bild, bis seine Augen in Tränen schwammen; dann küsste er es, drückte es an sein
Herz und betrachtete es wieder stundenlang mit zärtlicher Leidenschaft.

»Schönes Bild«, sagte er, »ach, du bist nur ein Bild! Doch deine frischen Augen strahlen mir zärtlich entgegen, deine
rosigen Lippen scheinen mich zu ermutigen! Eitle Einbildung, alles ist Phantasie! Lächelten sie einem glücklichen
Nebenbuhler nicht ebenso lieblich zu? Mein Gott im Himmel, wo kann ich wohl dieses schöne Mädchen finden, das der
Künstler hier malte? Wer weiß, welche Berge und Länder uns trennen. Wer kennt die Gefahren, die uns drohen?
Vielleicht drängen sich jetzt, gerade jetzt, Freier um sie, während ich hier im Turm gefangen sitze und meine Zeit mit
Seufzen und der Anbetung eines gemalten Schattens verliere! «

Rasch entschlossen sagte Achmed weiter: »Ich will aus diesem Palast entfliehen, denn er wurde mir zum verhassten
Gefängnis! Und als Pilger der Liebe werde ich durch die ganze Welt ziehen und suchen, bis ich die unbekannte
Prinzessin finde und an mein Herz drücken kann.«

Weiter überlegend sagte sich der junge Mann, dass tagsüber, wenn die Diener und Wächter alle aus und ein liefen,
eine Flucht wohl schwerlich gelingen dürfte, er also den Einbruch der Nacht abwarten müsse, denn da stünden dann nur
ganz wenige Posten auf den Mauern, und selbst die schliefen oft, denn niemand befürchtete einen Ausbruch des
lammfrommen Prinzen. Aber wie sollte er bei seiner Flucht in dunkler Nacht den rechten Weg finden? Er kannte doch
die Gegend nicht! In dieser unangenehmen Lage fiel ihm die Eule ein, die Rat wissen musste, denn sie war es
gewohnt, bei Nacht herumzustreifen und auf geheimen Pfaden und Wegen auf die Pirsch zu ziehen. Umgehend begab
er sich nun in ihre Klause und fragte sie bezüglich ihrer Landeskenntnisse aus. Die Eule setzte eine gewichtigte Miene
auf und sagte ernst, jedes Wort betonend: »Du musst wissen, mein Prinz, dass wir Eulen eine weitverzweigte und alte
Familie darstellen; es ist richtig, dass wir etwas verarmt und heruntergekommen sind, aber noch immer nennen wir in
allen Teilen Spaniens viele hundert verfallene Schlösser und Türme unser eigen. Es gibt kaum eine Bergwacht auf
schroffem Fels, keine Festung in den Ebenen, keinen Palast in einer kastilischen Stadt und keine Pfalz auf den Hügeln
Andalusiens, in der nicht ein Bruder, ein Oheim oder Vetter wohnte. Oft besuchte ich schon meine lieben Verwandten
und kam dabei durchs ganze Land, das ich in meinem Wissensdrang genauest durchforschte. Ich kenne also jeden
Winkel, jeden Weg und Steg von nah und fern und auch den geheimsten Unterschlupf, den Menschen je betreten hatten.
«

Achmed war hocherfreut, in der Eule einen so kundigen Berater gefunden zu haben und berichtete ihr nun im Vertrauen
von seiner zärtlichen Liebe und seinen Fluchtplänen. Auch bat er sie inständig, ihn auf der Reise zu begleiten, da er
ihren Rat ja so notwendig brauche, denn allein käme er in seiner Unerfahrenheit nicht weiter.

»Wieso ich!« schnauzte ihn die Eule unfreundlich an, »glaubst denn du wirklich, dass ich mich mit Liebeshändeln
befasse? Ich, deren Zeit, Tun und Lassen ausschließlich der sinnenden Betrachtung, dem Studium und dem Mondkult
geweiht ist?«

»Sei nicht böse, höchst ehrwürdige Eule«, war Achmeds Antwort, »opfere mir deine kostbaren Tage, und lass eine
Weile die Meditation und den Mond. Hilf mir bei meiner Flucht, und sei mein Führer durchs unbekannte Land. Ich will
dich reichlich dafür belohnen, denn alles sollst du haben, was dein Herz wünscht.«

»Ich habe alles, was mein Herz begehrt«, schnarrte der unfreundliche Vogel; »ein paar Mäuse als frugales Mahl, dieses
Mauerloch als Wohnung sind reichlich genug für mich, denn ein Philosoph braucht nicht mehr.«

»Bedenke, weiseste aller Eulen und Uhus, hier im Verborgenen gehen deine großen Talente und Kenntnisse für die
Welt verloren; niemandem nützen sie, und niemand kennt sie.

Ich werde eines Tages regierender Fürst sein, und dann kann ich dich auf einen Posten von Rang und Ehren setzen,
von wo du mit deinen weisen Entschlüssen das ganze Land beglückend organisieren und seine Bewohner als guter
Kanzler führen könntest. «

Wenn auch die Eule ein Philosoph war und sich über die gewöhnlichen Bedürfnisse des Lebens erhaben fühlte, so
hatte sie doch noch nicht jeden Ehrgeiz verloren, und Minister konnte man schließlich und endlich nicht alle Tage
werden. Der kluge Vogel ließ sich nach einigen Versprechungen ohne Mühe dazu bringen, dass er zusagte, den jungen
Prinzen auf seiner Liebesfahrt zu begleiten und sein Führer und Ratgeber zu werden.

Verliebte pflegen rasch zu handeln und ihre Pläne umgehend zu verwirklichen. Der Königssohn suchte alle seine
Juwelen, Goldmünzen und Schmuckstücke zusammen und versteckte das Reisegeld in seinen Kleidern. In derselben
Nacht noch ließ er sich an geknüpften Gürteln vom Balkon herunter, lief durch den Garten und sprang ungesehen über
die Außenmauer des Generalife. Einmal draußen, übernahm gleich die Eule die Führung, und beide erreichten noch
vor Tagesanbruch glücklich das Gebirge, wo sie in Sicherheit waren.

Der Prinz und sein Mentor setzten sich nun zusammen und berieten, was weiterhin zu tun sei und welchen Weg', man
nehmen müsste.

Ernst Und gewichtig, wie alle Hofräte, hub die Eule alsogleich zu sprechen an: »Wenn ich dir raten darf, so schlage ich
vor, dass wir uns nach Sevilla begeben. Du musst wissen, dass ich vor Jahren mehrmals dort meinen Oheim besuchte,
einen Vogel von hoher Würde und großem Ansehen. Er wohnte in einem verfallenen Flügel des Sevillaner Alcazars und
empfing nachts seine Besuche, dass ich also gar viele Bekanntschaften machen konnte. Allein oder mit guten
Freunden durchstreifte ich dann die Stadt und konnte dabei viel sehen und lernen. Auf meinen nächtlichen
Spazierflügen hatte ich auch bemerkt, dass in einem Turm in der Nähe des königlichen Alcazars fast immer eine
Ölfunzel brannte, was natürlich meine Neugierde ganz gewaltig erregte. Ich ging der Sache nach, flog zum Turm und
ließ mich vorsichtig auf der Zinne nieder. Von dort aus sah ich einen arabischen Zauberer, der beim Schein der
rauchenden Lampe emsig arbeitete und wissenschaftliche Versuche machte. Vor, neben und hinter ihm lagen
stoßweise Bücher und gelbe Pergamentrollen, und auf seinen Schultern saß ein alter Rabe, der vertrauteste Freund,
den er seinerzeit aus Ägypten mitgebracht hatte. Mit dem Raben bin ich sehr gut bekannt und verdanke ihm einen
großen Teil meiner Kenntnisse. Der Magier selbst ist seitdem gestorben, aber der Rabe lebt noch im gleichen
Turmzimmer, denn du weißt ja, dass diese Vögel ein wunderbar langes Leben haben. Ich möchte dir nun raten, o Prinz,
diesen Raben aufzusuchen; er ist ein großer Wahrsager und Beschwörer, ein Astrologe und Fachmann in der
schwarzen Kunst, wegen der gemeinhin alle Raben, vorzugsweise aber die aus Ägypten, bekannt und berühmt sind.«

Dem Prinzen leuchtete der weise Rat ein, und seinem zukünftigen Minister folgend, zogen sie in Richtung Sevilla
weiter. Achmed reiste seinem Genossen zuliebe nur des Nachts und ruhte bei Tag in irgendeiner dunklen Höhle oder in
einem verfallenen Wachtturm, denn die Eule war mit den Unterkünften und Schlupfwinkeln solcher Art wohlbekannt, und
außerdem hatte sie von je eine wahre Leidenschaft für jede Art von alten Bauten und archäologischen Kunstschätzen.

Alles hat einmal sein Ende, und so erreichten auch die beiden Reisenden eines schönen Tages kurz vor
Sonnenaufgang die Stadt Sevilla. Die Eule blieb draußen vor den Mauern. Sie verabscheute die Helligkeit und den
großen Lärm in den dichtgedrängten Straßen. In einem hohlen Baum bei einer Muhme schlug sie ihr Quartier auf, wo
sie von niemandem belästigt wurde.

Der Prinz schritt rasch durchs Tor und fand bald den beschriebenen Turm, der sich gleich einer Palme hoch über die
Häuser der Stadt erhob. Es war in der Tat derselbe, der heute noch steht und unter dem Namen Giralda als das
berühmteste maurische Bauwerk Sevillas bekannt ist.

Achmed stieg die steile Wendeltreppe bis zur Spitze des Turms hinauf und traf dort tatsächlich den zauberkundigen
Raben. Es war ein alter Vogel, grauköpfig, mit struppigem Gefieder; auf einem Auge schien er blind zu sein, denn eine
weiße Haut deckte es zu, was seinen Anblick gespensterhaft, ja furchterregend machte. Als der Prinz kam, stand er auf
einem Bein und starrte einäugig mit zur Seite geneigtem Kopf vor sich hin auf die kabbalistischen Zeichen, die auf den
Bodenfliesen zu sehen waren.

Leise und ehrerbietig näherte sich ihm der königliche Besucher, mit jener Scheu, die das würdige Aussehen und sein
übernatürliches Wissen jedem unwillkürlich einflößten.

»Verzeih mir, o ältester Meister in der Kabbala«, rief er aus, »wenn ich einen Augenblick diese Studien unterbreche,
die die gesamte Welt in Bewunderung versetzen. Du hast einen Mann vor dir, der sich der Liebe geweiht hat und dich
nun um Rat fragen möchte, wie er ans Ziel, zum Gegenstand seiner Leidenschaft gelangen könne.«

»Mit anderen Worten«, sagte der Rabe, ihn bedeutungsvoll anschielend, »du willst meine Kenntnisse in der
Chiromantie erproben. Komm, zeig mir deine Hand, und lass mich die geheimnisvollen Schicksalslinien entziffern. «

»Entschuldige«, versetzte der Prinz, »ich komme nicht um einen Blick in die Zukunft zu tun, auch will ich nicht das
wissen, was Allah dem Auge der Sterblichen verborgen hält; ich bin ein Pilger der Liebe und suche den Weg, der mich
ans Ziel und zum Gegenstand meiner Irrfahrten führt.«

»Aber mein guter junge, wie ist es möglich, dass du im fröhlichen und leichtlebigen Andalusien nicht ein deiner Liebe
wertes Wesen finden kannst?« krächzte der alte Rabe und blickte ihn von der Seite her an, »hier im üppigen Sevilla
kannst du doch unmöglich in Verlegenheit kommen, hier wo unter Orangenbäumen auf den Straßen und in Gärten
glutäugige Mädchen Zainbra tanzen?«

Der Prinz wurde rot vor Verlegenheit und staunte einigermaßen darüber, einen so alten Vogel, der übrigens bereits mit
einem Fuß im Grabe stand, derartig locker sprechen zu hören.

»Glaube mir«, sagte er daher ernst, »ich bin auf keines jener leichtfertigen Liebesabenteuer aus, wie du vielleicht
vermutest. Die leichtgeschürzten, schwarzäugigen Mädchen Andalusiens, die unter Orangenbäumen an den Ufern des
Guadalquivirs tanzen, sind für mich nicht vorhanden, und ich kümmere mich keineswegs um sie. Ich suche eine
unbekannte, aber makellose Schönheit, das Mädchen, das zu diesem Bild Modell stand. Ich ersuche dich, höchst
mächtiger Rabe, sage mir, wenn du kannst und es dein Wissen erlaubt, wo ich das begehrte, schöne Geschöpf suchen
muss und finden werde. «

Der alte Graukopf war wirklich etwas betroffen, als er den Prinzen mit solchem Ernst sprechen hörte.

Er erwiderte daher abweisend: »Was weiß ich von Jugend und Schönheit! Ich besuche ja nur Alte und von Krankheiten
gezeichnete Wesen; nichts habe ich mit Frische und Schönheit zu tun! Ich bin des Schicksals Bote und krächze von den
Schornsteinen herab meine traurigen Weissagungen, die fast immer eine Todesnachricht enthalten, und schlage dann
und wann mit meinen Flügeln an die Fenster eines Krankenzimmers, wenn der Sensenmann sich nähert. Du musst
schon anderswo nach deiner unbekannten Schönen forschen, denn ich bin wirklich nicht der Richtige dazu, der dir
darüber Nachricht geben könnte. «

»Aber bei wem sonst soll ich suchen, als bei den Söhnen der Weisheit, die im Buche des Schicksals lesen können?
Wisse, ich bin ein Prinz königlichen Geblüts, von den Sternen zu geheimnisvollen Unternehmungen auserwählt, von
denen die Zukunft und das Schicksal ganzer Länder und Nationen abhängen kann.«

Als der Rabe merkte, dass die Angelegenheit von Wichtigkeit war und dass deren Verwirklichung von den Sternen
abhänge, da änderte er gleich seinen Ton und sein Benehmen. Aufmerksam lauschte er der Erzählung des Prinzen,
und als dieser geendet hatte, sagte er in gewichtigem Ton: Ȇber diese Prinzessin kann ich dir leider keine Auskunft
geben, denn in Garten und Lauben, wo Frauen sind, halte ich mich in der Regel nicht auf. Aber ziehe bis Córdoba
weiter und gehe dort zur ehrwürdigen Palme des großen Abderrahman, die im Hof der Mezquita steht, und dort wirst du
einen Weisen finden, der alle Länder und alle königlichen Residenzen besucht hat und ein Liebling vieler Königinnen
und Fürstinnen gewesen ist. Man wird dir dort sicherlich die gewünschte Auskunft geben können. « »Vielen Dank für
diese wertvolle Nachricht«, sagte Achmed, »und lebe wohl, du ehrwürdiger Astrologe«.

»Fahre hin, Pilger der Liebe«, sagte der Rabe wenig freundlich und vertiefte sich neuerlich in seine kabbalistischen
Diagramme.

Der Prinz eilte aus der Stadt hinaus, holte seinen Reisegenossen, die Eule, ab, die noch immer im hohlen Baum bei
ihrer Gevatterin schlummerte, und zog eiligst in Richtung Córdoba weiter.

Sie wanderten das fruchtbare Tal des Guadalquivirs aufwärts, durch duftende Haine, Orangenpflanzungen und
Zitronenwälder, und kamen endlich an den hängenden Gärten Córdobas vorbei, die die Umgebung der Stadt zierten.
Am stark bewachten Tor trennten sich die beiden Fahrtgenossen; die Eule blieb draußen und flog in ein dunkles
Mauerloch unter dem Wachtturm, während der Prinz eilig weiterging, um die Palme zu suchen, die der große
Abderrahman vor uralten Zeiten gepflanzt hatte. Leicht war es ihm, sie zu finden, denn sie stand im Vorhof der
Hauptmoschee und überragte weit die übrigen Bäume. Derwische und Fakire saßen gruppenweise in den
Säulengängen der Patios und erörterten diskutierend und gestikulierend irgendein theologisches Problem. Auch waren
viele fromme Gläubige da; sie verrichteten ihre rituellen Waschungen, ehe sie das Gotteshaus betraten.

Am Fuß der Palme drängte sich eine Menge von Menschen und horchte aufmerksam auf die Worte eines Redners, der
mit gewandter Geläufigkeit zu sprechen schien.

»Dies«, sagte sich der Prinz, »muss der Weise sein, der mir Auskunft über die unbekannte Prinzessin geben soll.«

Achmed mischte sich unter die Leute und bemerkte mit Erstaunen, dass alle einem Papagei zuhörten, der mit seinem
hellgrünen Rock, den verschmitzten Äuglein und einem wehenden Federbusch auf dem Kopf den Eindruck eines eitlen
und von sich selbst eingenommenen Wesens machte.

- Wie kommt es«, sagte der Prinz zu einem der Zuhörer, »dass so viele ernste Personen an dem dummen Geschwätz
eines plappernden Vogels Gefallen finden können?«

»Freund, ihr wisst nicht von wem und was ihr sprecht!« antwortete leise der andere; »dieser Papagei ist ein direkter
Nachkomme des berühmten persischen Papageis, der wegen seines Erzählertalentes auf der ganzen Welt berühmt
war. Dieser kluge Vogel hier hat alle Gelehrsamkeit des Morgenlandes auf seiner scharfen Zungenspitze; er ist
Philosoph und Dichter, und er spricht in gereimten Versen ebenso schnell, wie der klügste Derwisch seine auswendig
gelernten Koranzitate. Weit kam er herum! Er besuchte fremde Königshöfe, Universitäten und hohe Schulen, und
überall bestaunte ihn jung und alt wegen seiner Gelehrsamkeit. Auch war er der allgemein anerkannte Liebling schöner
Damen und verbrachte viel Zeit in Kemenaten und Harems, was bei der Vorliebe des schwachen Geschlechtes für
dichtende und gebildete Papageien leicht verständlich ist.«

Hier unterbrach Achmed den Bürger von Córdoba und rief: »Genug, ich will eine private Unterredung mit diesem
berühmten Weisen haben.«

Die Audienz wurde ihm gewährt, und der Liebespilger setzte dem weisen und vielgereisten Vogel Ziel und Zweck
seiner Wanderschaft auseinander. Doch kaum hatte dieser vom Herzeleid Achmeds gehört, als er auch schon in ein
trockenes und lautes Lachen ausbrach, dass ihm die Tränen aus den Augen flossen.

»Entschuldige meine Heiterkeit«, sagte der Papagei, »schon die bloße Erwähnung des Wortes Liebe bringt mich zum
Lachen.«

Der Prinz war von dieser unhöflichen Heiterkeit keineswegs erbaut und sagte etwas verletzt. »Ist die Liebe nicht das
große Geheimnis der Natur, das heilige Prinzip des Lebens, das gemeinsame Band, das in zarter
Seelenverwandtschaft Mann und Frau sich finden lässt?«

»ja, was du nicht alles weißt!« rief der Papagei, ihn laut unterbrechend, »sag mir doch, woher hast du eigentlich dieses
sentimentale Geschwätz? Glaub mir, Liebe ist aus der Mode! In der guten Gesellschaft, bei Leuten von feiner Bildung
und Witz wird darüber nicht mehr gesprochen. «

Mit Wehmut dachte Achmed an seine arme Freundin, die gute Taube, und wie die ganz anders von der Liebe
gesprochen hatte. Der Prinz fand aber das Verhalten des Papageis verständlich und nahm es ihm nicht übel, denn das
lange Hofleben, so dachte er sich, habe den Vogel affektiert und eingebildet gemacht, was ja auch Männern von Ruf
zustoßen soll. Keinesfalls jedoch wollte er seine innersten Gefühle dem Spott des schwatzenden Papageis nochmals
preisgeben. Er kam daher rasch auf den unmittelbaren Zweck seines Besuches zu sprechen.

»Sage mir, hochgebildeter Freund von Königen, Fürsten und Prinzessinnen, der du Überall, selbst in die geheimsten
Gemächer der adeligen Schönen Zutritt hattest, begegnetest du einmal auf deinen Reisen diesem schönen Mädchen,
das hier abgebildet ist?«

Der Papagei nahm das kleine Rundbildchen in seine Krallen, wackelte mit dem Kopf von einer Seite zur anderen und
prüfte mit neugierigen Äuglein die Gesichtszüge des Mädchens.

»Blitz und Donnerschlag«, rief er, »wirklich ein recht hübsches Gesicht; wirklich schön und zart. Aber ich habe auf
meinen Reisen so viele nette Frauenzimmer gesehen, dass ich mich wirklich nicht erinnern kann. Doch halt, wahrhaftig!
wenn ich recht sehe ... nun bin ich ganz sicher: Es ist die Prinzessin Aldegunda! Wie konnte ich nur diesen Engel
vergessen bei dem ich in so hoher Gunst stand! «

»Die Prinzessin Aldegunda«, wiederholte Achmed. »Und wo kann ich sie finden?«

»Immer langsam«, antwortete der Papagei, »sie ist nämlich viel leichter zu finden als zu gewinnen. Aldegunda ist die
einzige Tochter des christlichen Königs von Toledo. Wegen einer Prophezeiung von Astrologen und Wahrsagern, die
sich ja bekanntlich in alle Sachen mischen, auch wenn diese sie selbst nichts angehen, hält man das schöne Mädchen
bis zu ihrem siebzehnten Geburtstag von aller Welt abgeschlossen. Du wirst sie nicht bewundern können, denn kein
Sterblicher darf sie sehen. Ich wurde seinerzeit eingeführt und zugelassen, um sie zu zerstreuen und zu unterhalten, was
mir bei dem guten Kind auch leicht gelang. Auf mein Ehrenwort kann ich dir versichern, dass ich auf der Welt kein
hübscheres und liebenswerteres Wesen gesehen habe.«

»Ein Wort im Vertrauen, lieber Papagei«, sagte Achmed, »du musst wissen, dass ich der Erbe eines großen
Königreiches bin und eines Tages auf dem Thron von Granada el bist und die sitzen werde Ich sehe, dass du ein kluger
Vogel bist und die Welt kennst. Hilf mir die Prinzessin freien, und du sollst einer meiner höchsten Hofbeamten werden.
«

Ernst antwortete der Papagei: »Von Herzen gern, lieber Freund! Was aber die Stellung bei Hof anbelangt, so möchte
ich dich bitten, mir eine gute Pfründe ohne Amtsgeschäfte zu geben, denn wir Schöngeister haben einen gewissen
Widerwillen gegen Arbeit. «

Bald war alles geordnet, das Anstellungsdekret unterzeichnet, und Prinz und Papagei verließen die Kalifenstadt durch
dasselbe Tor, durch das vor Stunden die königliche Hoheit ratsuchend allein hereingekommen war.

Draußen vor der Stadtmauer pfiff Achmed die Eule aus dem Mauerloch heraus, machte seine beiden Kronräte
miteinander bekannt, und gemeinsam zogen sie dann nach Erledigung einiger Förmlichkeiten gegen Norden und den
Bergen zu.

Die Fahrt ging allerdings nicht so schnell vonstatten, wie es der Prinz wohl wünschte; er musste einige
Unannehmlichkeiten mit in Kauf nehmen: Da war einmal der verwöhnte und an ein bequemes Leben gewohnte
Papagei, der in der Frühe nicht gestört sein wollte. Die Eule ihrerseits wieder hielt eine ausgiebige Siesta und döste
bis in den späten Nachmittag hinein; dazu kam noch ihr Fimmel für alte Bauten und archäologische Kunstschätze, die
sie alle sehen wollte. Bei jeder Ruine machte sie halt, kroch in allen Mauerlöchern herum, besuchte Basen und Vettern,
Uhus und Käuze und erzählte dann gar lange Geschichten von den Burgen und Türmen, von deren einstigen Bewohnern
und den Umständen, die ihre Mauern zum Bersten brachten. Zu all dem kamen noch unangenehme
Familienzwistigkeiten: Eule und Papagei vertrugen sich nämlich ganz und gar nicht. Obschon beide Vögel sehr
gebildet waren, behagte keinem die Gesellschaft des anderen; den ganzen Tag hindurch stritten sie, kaum dass sie
sich irgendwo trafen. Der Papagei war ein Schöngeist, die Eule ein Philosoph. Ersterer rezitierte Verse, kritisierte die
neuesten wissenschaftlichen Arbeiten und Bücher, wobei er mit beißendem Spott, aber ohne Fachwissen, die
verschiedensten Disziplinen der Gelehrsamkeit eingehendst behandelte. Für die Eule waren natürlich derartige
Kenntnisse ganz und gar bedeutungslos und reiner Unsinn, und sie antwortete mit einem Vortrag über Metaphysik.
Dann wieder sang der Papagei mancherlei Lieder, die nicht für jedermanns Ohr waren; er erzählte gute Witze und
unterhielt sich auf Kosten seines Reisegenossen. Solches Gehabe verletzte natürlich die Würde der Eule, die sich
furchtbar ärgerte, vor Wut fast barst und den weiteren Rest des Tages wie ein Grab schwieg.

Der junge Prinz gab sich ganz seinen Träumen hin und betrachtete stundenlang das Bildnis der schönen Tochter des
christlichen Königs von Toledo. Er ließ also die beiden Reisegefährten um des Kaisers Bart streiten, mischte sich nicht
in ihre langen Diskussionen und sorgte nur dafür, dass nicht zuviel Zeit verlorenging. So kamen sie durch die hohen
Bergtäler der Sierra Morena, über die ausgedörrten Ebenen Kastilliens und der Mancha, dann den Tajo entlang, der
sich durch halb Spanien und Portugal hindurchwindet. Endlich erblickten sie in der Ferne eine feste Stadt mit starken
Mauern und Türmen. Sie erhob sich auf einem felsigen Vorgebirge, das weit ins Land hinausschaute und an dessen
Fuß die Wasser des Tajo wild aufspritzten.

»Seht«, rief die Eule aus, »das berühmte Toledo, bekannt seiner historischen Schätze wegen. Beachtet dort die
ehrwürdigen Türme und die hohen Kuppeln; der Staub von Jahrhunderten deckt sie, und reiche Sagen heiligen den Ort,
an dem so viele meiner Vorfahren sich dem Studium und der stillen Meditation hingaben und noch hingeben.«

»Still und halt den Schnabel!« rief unwillig der Papagei und schnitt weitere kunsthistorische Erörterungen kurz ab.

»Was kümmern uns Altertümer, Monumente aus vergangenen Zeiten, Sagen und Geschichten von deinen Vorfahren?
Sieh hinüber, dort zur Wohnstätte der Jugend und Schönheit! Das ist es, was wir wollen, denn, o Prinz, hier lebt deine
lang gesuchte und so heiß ersehnte Prinzessin! «

Achmed blickte in die vom Papagei angedeutete Richtung und sah in einer herrlichen Au am Ufer des Tajos einen
prächtigen Palast, der aus vielen Hunderten von Baumkronen hervorzuwachsen schien. Es war wirklich der Ort, den die
Taube ihm beschrieben hatte. Klopfenden Herzens starrte der verliebte Prinz zum Schloss und murmelte leise vor sich
hin: »Vielleicht lustwandelt jetzt das schöne Kind unter jenen schattigen Baumgruppen oder schwebt mit leicht
beschwingtem Schritt über die kunstvolle Terrasse dort; vielleicht ruht und schlummert sie in einem kühlen Mirador des
Palastes! «

Als der junge Mann allmählich wieder zu sich kam, bemerkte er voll Schreck, dass der Ansitz der Toledaner
Königstochter von unübersteiglich hohen Mauern umgeben war und dass bis an die Zähne bewaffnete Soldaten
ununterbrochen die Runde machten, um zu verhindern, dass jemand sich der Prinzessin nähern könne.

Als der Prinz die Lage erfasst hatte, wandte er sich umgehend an den immer noch schwätzenden Papagei und sagte
zu ihm: "Vollkommenster aller Vögel! Du hast die Gabe der menschlichen Sprache, und durch große Klugheit zeichnest
du dich aus! Fliege eiligst in den Schlossgarten, suche die Abgöttin meiner Seele und sag dem schönen Mädchen,
dass Prinz Achmed als Pilger der Liebe nun an die blumigen Ufer des Tajos gekommen ist, um sie aufzusuchen und
sich ihr zu Füßen zu werfen.«

Stolz auf sein Amt flog der Papagei alsogleich zum Garten, schwang sich über die hohe Mauer, schwebte wie suchend
eine kurze Weile über den Wiesen und Beeten und ließ sich dann rasch auf dem Balkon eines Lusthäuschens nieder,
das am Flussufer stand. Neugierig schaute er durchs Fenster und sah drinnen im Zimmer die Prinzessin auf einem
reichen Diwan sitzen, die Augen auf ein Stück Papier geheftet, das ihre Tränen, die langsam über ihre ,blassen
Wangen herunterflossen, netzten.

Der Papagei putzte einen Augenblick seine Flügel, zog seinen hellgrünen Rock zurecht, richtete seine Kopfschleife in
die Höhe und ließ sich mit höflichem Anstand an ihrer Seite nieder. Im zärtlichsten Ton sagte er dann: »Trockne deine
Tränen, schönste aller Prinzessinnen, ich bringe dir Trost und zaubere wieder Lächeln auf deine zarten Lippen.«

Verständlicherweise erschrak die Prinzessin heftigst, als sie eine Stimme hinter sich hörte. Rasch drehte sie sich um
und den grünröckigen Vogel betrachtend, der sich untertänigst verneigte, sagte sie traurig: »Ach!, welchen Trost willst
du mir schon bringen, du bist ja nur ein Papagei?«

Es verdross den Papagei solche Rede, aber er schluckte seinen Ärger hinunter und sagte in schnippischem Ton:
»Wisse liebes Kind, gar manche schöne Dame tröstete ich schon in meinem Leben, und mit Erfolg! Doch dies nur
nebenbei, denn heute komme ich als Gesandter des königlichen Prinzen Achmed. Der künftige Herrscher von Granada
weilt gegenwärtig an den blumenreichen Ufern des Tajo und will dir seine Aufwartung machen.«

Scharf blitzten die Augen der schönen Prinzessin bei diesen Worten auf und leuchteten heller als die Diamanten ihrer
Krone.

»0 süßester aller Papageien«, rief sie aus, »herrlich klingen in der Tat deine Nachrichten! Schwach und verzagt war
ich, und die Zweifel an Achmeds Treue machten mich krank. Eile zurück und sage ihm, dass die Worte seines Briefes
in meinem Herzen gemeißelt stehen und dass seine liebevollen Verse seit Monaten die geistige Nahrung meiner Seele
sind, dass nur die Gedanken an ihn mich aufrecht hielten. Trage ihm aber auch auf, dass er sich umgehend rüste, denn
mit der Waffe in der Hand wird er im Kampfspiel seine Liebe zu mir unter Beweis stellen müssen. Morgen an meinem
siebzehnten Geburtstag veranstaltet mein Vater ein großes Turnier, an dem die besten Klingen und mutigsten Helden
in die Schranken treten werden, denn meine Hand soll als Preis dem Sieger gehören.«

Der Papagei erhob sich, rauschte durchs Gebüsch und flog zum Prinzen zurück, der schon ungeduldig auf eine Antwort
wartete. Groß war die Freude Achmeds als er hörte, dass im Schlosse wirklich die Prinzessin, deren Bild er im
Medaillon gesehen hatte, wohne und dass sie seiner in sehnsuchtsvoller Liebe gedachte. Laut jubelte er auf, denn sein
Traum war Wirklichkeit geworden. In den Freudenbecher fielen allerdings einige Tropfen bitteren Wermuts; denn das
nun bevorstehende Kampfspiel machte ihm einige Sorgen, was leicht verständlich ist, wenn man bedenkt, dass er nicht
von Kriegern und Rittern erzogen worden war, sondern von einem gelehrten Philosophen.

Schon sah man stahlgepanzerte Ritter den Tajo entlang und in die Stadt hinauf reiten. Hell glänzten ihre Waffen im
Sonnenschein, und laut schallten die Trompeten und Posaunen der Schildknappen. Viele edle Herrschaften drängten
sich durch die engen Gassen der alten Gotenstadt, und alles wollte dem Turnier beiwohnen, wo man erstmals die
schöne Königstochter zu Gesicht bekommen sollte.

Die Vorsehung wollte es, dass das Geschick der beiden jungen Königskinder vom selben Stern gelenkt und beeinflusst
wurde. Daher war auch die Prinzessin bis zu ihrem siebzehnten Geburtstag von aller Welt abgeschlossen gewesen, um
sie so vor den gefährlichen Einflüssen einer vorzeitigen Liebe zu schützen. Dies verhinderte jedoch nicht, dass ihre
Schönheit allgemein bekannt wurde und sich bereits mehrere mächtige Prinzen um sie beworben hatten.

Der König aber, ein Mann von außerordentlicher Klugheit, wollte sich der Tochter wegen mit niemandem verfeinden; er
gab keinem der Freier eine eindeutige Antwort, sondern verwies alle auf das Kampfspiel und sagte, dass der Sieger
die Prinzessin als Ehefrau heimführen könne. Klar, dass sich unter diesen Umständen gar mancher waffengewandte
Haudegen unter den Bewerbern befand, dessen Mut bekannt und gefürchtet war. Eine wirklich unangenehme Lage für
den unglücklichen Achmed, der weder mit Waffen versehen, noch in ritterlichen Übungen erfahren war.

»Oh, ich unglücklichster aller Prinzen«, rief er verzweifelt aus. »Wozu nützen mir nun Algebra und Astronomie und all die
anderen Wissenschaften, die mich ein Philosoph in klösterlicher Abgeschiedenheit lehrte? Ach, Eben Bonabben,
warum hast du es versäumt, mich in der Führung von Waffen zu unterweisen?«

Aufmerksam hatte die Eule zugehört, und fromm zum Himmel aufblickend, sagte sie laut dem Prinzen: »Allah akbar!
Gott ist groß! Alle geheimen Dinge liegen in seiner Hand. Er allein lenkt das Schicksal von Königen und Fürsten, und
kein Vogel fällt ohne seinen Willen vom Baum und aus dem Nest.«

Nach dieser religiösen Einleitung, die seinem Charakter als frommer Moslem entsprach, fuhr der Uhu fort und erklärte:
»Wisse, o Prinz, dass dieses Land voll von Geheimnissen ist, die nur ganz wenige Menschen kennen, weil man dazu in
der Kabbala schon sehr gut bewandert sein muss. Ich bin es, und mir ist alles erschlossen! Merke also gut auf und
höre. In den benachbarten Bergen gibt es eine Höhle. Drinnen befindet sich ein eiserner Tisch, und darauf liegt eine
vollständige Zauberrüstung. Auch steht seit Generationen ein verwunschenes Pferd dort, das der Spruch eines Magiers
gleichzeitig mit dem Panzerkleid und den Waffen in die Grotte gebannt hatte.«

Der Prinz war außer sich vor Staunen aufgesprungen, während die Eule mit ihren großen Augen blinzelte und die
gefiederten Hörner spitzend fortfuhr: »Vor vielen Jahren begleitete ich hier und da meinen Vater auf den Rundreisen
durch seine Besitzungen, und, wir kamen dabei auch in die erwähnte Höhle. Mehrmals übernachteten wir dort bei
ansässigen Vettern und Basen, so dass ich also bald das Geheimnis kannte. Als ich noch eine ganz kleine Eule war,
erzählte mir auch einmal mein Großvater, dass diese Rüstung und das gewappnete Pferd einem maurischen Zauberer
gehörten, der nach der Einnahme von Toledo durch die Christen in dieser Höhle Zuflucht suchte, hier starb und Ross
und Waffen unter einem geheimnisvollen Bann zurückgelassen habe. Allein ein Maure, sagte mir mein Großvater
weiter, könne den Zauber brechen, und das nur von Sonnenaufgang bis zum Mittag; jeder aber, der sich in dieser Zeit
der Rüstung bediene, werde seine Gegner besiegen, wer immer sie auch seien. «

»Genug, gehen wir zur Höhle! « rief Achmed aus.

Von seinem sagenreichen Begleiter geführt, stand der Prinz bald vor der Höhle, wo einst der maurische Magier seine
letzte Zufluchtstätte gefunden hatte. Sie lag in einer der wildesten Bergschluchten hinter Toledo, und den
Höhleneingang konnte nur das scharfe Auge einer Eule oder der Späherblick eines Archäologen entdecken. Eine sich
nie verzehrende Ölfunzel verbreitete im Innern der Grotte ein feierliches Dämmerlicht, und das Auge Achmeds musste
sich erst an die Dunkelheit gewöhnen, ehe er die sich darin befindlichen Gegenstände unterscheiden konnte. Auf
einem eisernen Tisch in der Mitte der Höhle sah er die erwähnte Zauberrüstung, daneben lehnte eine Lanze, und etwas
im Hintergrund stand unbeweglich ein kampfmäßig aufgezäumter Hengst, schön wie ein klassisches Standbild. Die
Rüstung, der Harnisch und das Zaumzeug glänzten hell, als habe sie ein eifriger Knappe erst vor Stunden wieder
einmal aufpoliert. Das Ross schien gera


Augen zu und durch
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18432
22/04/2001 11:04
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Anna Norge Offline
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Botschaft von Ibn Anna

Lieber Mohammed!

Ich habe fast das halbe Märchen gelesen und finde, dass es bisher ganz spannend ist !

Wo kriegst du eigentlich alle die schönen Märchen her, und wie schaffst du es ein so langes Märchen zu schreiben ?

Gruß von

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18433
23/04/2001 00:57
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Blandina Offline
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Hi Chibo,

super, super, super , super gut.

Echt.

Finde ich genial, dass doch noch was zusammen kommt.

Viele Grüsse


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18434
23/04/2001 13:26
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chibo72 Offline OP
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chibo72  Offline OP
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Hallo Liebe Ibn anna!
Es freut mich es dir die Geschichte gut gefällt.
Die Geschichte hol ich mir mit Hilfe von suchmachinen aus dem Internet. soviel Zeit zum tippen habe ich auch nicht..ich füge sie direkt aus dem Internet hierhin.
Viel Spaß beim lesen!
Gruß an anna!


Augen zu und durch
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18435
25/07/2001 21:08
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Blandina Offline
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Hallo zusammen,

ich möchte eigentlich erst mal anfragen, ob Interesse an Märchen der Kabylen besteht.
Ich konnte mir Fotokopien machen von ca. 30 kurzen Märchen, die vor 10 Jahren in Canada veröffentlicht worden sind. Allerdings auf französisch.
Ich spreche zwar ein bisschen französisch, aber für eine Übersetzung langt es nicht.

Chibo, Anna und natürlich andere Märchenliebhaber:
Passen algerische Märchen der Kabylen in das Thema "marokkanische Märchen" und vor allem bringt es was wenn ich sie in französisch hier reinsetze ?

Viele Grüsse


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18436
26/07/2001 14:37
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Nicola Offline
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Hallo Blandina,

ja, ja, ja!!!!!!!
Ich liebe Märchen und habe das Märchen vom Liebespilger gerade auf einen Happs verschlungen, schöööööööööööön! Warum sollten "Deine" Märchen nicht hierhin passen? Ich habe zwar keinerlei Ahnung von der Geschichte der Kabylen :rolleyes: , aber ich glaube nicht, dass ein allzu großer Unterschied zwischen algerischen und marokkanischen Märchen der Kabylen herrscht, oder? Und selbst wenn ...
Wenn die Märchen nicht allzulang sind und es sich nicht gerade um ein allzu altmodisches Französisch handelt und ich noch ein bißchen Zeit neben Arbeit und Bewerbungsstress finde, und und und ..., dann würde ich mich bereit erklären ein Märchen, oder 2, oder so, zu übersetzen, zumindest würde ich es versuchen!
;\)
Liebe Grüße
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18437
27/07/2001 22:49
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Blandina Offline
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Hallo Nicola,

so habe ich fürs erste das meinige getan und habe es eingetippt \:\)
Jetzt bist Du dran , mit übersetzen.
Vielleicht findest Du ja Unterstützung

;\)

Sollte ich etwas falsch abgetippt haben, oder gar Passagen vergessen habe, dann melde Dich bitte
Durch das, dass ich die Sprache nicht so gut spreche fallen mir die Fehler nicht so auf.

Viele Grüsse


Aus dem Buch:
Contes Bèrbères de Kabylie gesammelt von Pierre H. Savignac
und erzählt von Saidi Mohamed

L'Héritage Mystérieux

Je me souviens très bien, lorsque j'étais petit enfant, assis auprès de l'âtre flamboyant, nous écoutions, mes soeurs et moi, les histoires que ma grand-mère nous contait. Voici celle que je préférais et dont je me souviendrai toujours.

Jadis vivaient, dans une famille assez pauvre, trois personnes: le père. la mère et un petit garcon.
Mais comme le père n'avait pas assez d'argent pour nourrir sa famille, il décida de quitter sa chaumière pour allertravailler au loin. Or, après deux jours de marche, il rencontra en cours de route deux serpents qui se battaient. Le voyageur voyant que le combat était atroce, essaya de les calmer. Le grand serpent allait tuer son adversaire quand, tout à coup, la matraque s'abattit sur le méchant serpent et lui fracassa la tête. Le serpent qui avait failli mourir dit alors à son défenseur: "Puisque tu m'as protégé du péril, je te récompenserai. Apprends que je suis le fils du Sultan des Djnoun. Tu vas venir chez moi et tu comparaîtras devant mon père qui te dira de choisir tout ce dont tu peux avooir envie: de l'argent, de l'or, des diamants...
Mais tu répondras seulement: " Je ne veux préndre que les habits de la vieille. - C'est entendu aisi, répondit l'homme, et ils s'en allèrent."
Arrivé à un lieu stué entre deux grands rochers. le serpent siffla et la terra souvrit. Les deux compagnons entrèrent et le serpent rescapé raconta à son père comment, grâce à cet homme, il avait échappé à la mort.
Le Sultan des Djnoun lui dit alors:
"En récompense, choisis ce que tu voudras et je te le donnerai."
Mais le voyageur répondit simplement:
"Je ne prends que les habits de la vieille."
Le sultan après un moment de silence s'ecria:
"Hélas, je ne puis te les offrir"
Le fils dit alors à son père:
"Si tu ne lui accordes pas ce qu'il te demande, je fuirai avec mon protecteur."
Contraint par ces paroles, le sultan fut done obligé de céder et remit un petit sac à l'homme qui prit congé du sultan et de son fils.

Or, en sortant de la grotte mystérieuse, le voyageur ouvrit rapidement le petit sac qui contenait le cadeau précieux. Mais a son étonnement, il trouva seulement une chéchia, une flute, un portefeuille vide et un mouchoir. Aussi, face à ces bétises, grinca-t-il des dents, vexé dÄavoir été joué par ces voleurs, ces diables. C'est pourquoi, rentré à la maison, il jeta dans un coin sale la recette inutile. Et la vie familiale continua à son rythme habituel. mais bientôt, hélas, le père mourut laissant sa femme et son fils Ahmed, déjà homme fait.
Mais un jour, après avoir bien réfléchi, Ahmed dit à sa mère:
"Mon père en mourant ne nous a-t-il rien laissé, aucun héritage ?"
La mère rétorqua:
"Hélas non, mon fils, ton père ne nous a rien laissé, si ce n'est ce petit sac sans importance auquel je n'ai même jamais touché"
Le fils säempressa d'aller chercher le petit sac crasseux. l'ouvrit et trouva le mouchoir, le portefeuille, la flute et la chéchia. En premier lieu il prit le portefeuille, mais n'y découvrant rien, il le feta nerveusement par terre.
Tout à coup, de l'or, de l'or s mettat à faillir de la bourse mystérieuse. Et cÄest ainsi qu'Ahmed et sa mère deninrent de grands riches.
Puis un jour, il sortit avec sa bourse précieuse. Il kl1ana dans les rues d'un village et entra dans un café qui était viede. Il dit alors au cabaretier:
"Pourquoi les clients ne viennent ils pas ici ?"
Je ne sais pas, répondit le vieillard, peut-êtren'est -ce pas assez confortable"
Saisi de pitié pour ce vieil homme, Ahmed lui offrit de l'or en quantité incroyable et lui acheta un nouvel immeuble.
Le vieillard dit alors:
"Ce café est à toi, laisse-moi seulement y vivre jusqu'à mon dernier jour"
Mais Ahmed répondit:
"Je n'ai rien à faire de ce café"
Et il s'en alla.

Cependant, dans le village qu'il habitait, il y avait la fille du roi qui était si belle, si belle qu'il fallait payer cinq cents dirhams pour la voir seulement. Mais le jeune richard se contenta de moins: passant sous le balcon du palais de la princesse, il lui lanca une large pièce d'or. Et ainsi tous les jours, tant et si bien que chaque jour la princesse revoyait l'homme qui lui lancait de l'or, chaque jois qu'il passait près du château.
Intriguée, la princesse profita de l'absence de son père et evoya deux de ses servates avec mission de lui ramener le jeune homme. Ahmed pénétra sans bruit dans la chambre odorante de la princesse.

Celle-ci lui demanda:
"Mais d'où te vient tout cet or ?"

Et Ahmed, sans rien cacher, lui révéla le secret et lui montra même sa manière de faire l'or.

La princesse prit alors le portefeuille entre ses mains, puis soudain appela ses gardes et fit jeter Ahmed dehors comme un misérable, en l'accusant d'avoir osé essayer de porter atteinte à sa pureté.

Et c'est ainsi quÄun jeune homme jut bien joué par une jeune femme.

Alors, n'ayant plus le sou, Ahmed alla chez le cafetier afin de lui emprunter de l'argent, de facon à rentrer chz lui les poches pleines, afin que sa mère ne se doutâ de rien. Ce qui fut fait.

Mais en rentrant chez lui, il prit la chéchia, s'en coiffa devant sa mère, et tout à coup devint invisible. Sa mère toute troublée lui disait:
"Où es-tu ? Tu me parles et je ne te vois pas."
Ahmed rtira alors la coiffure et apparut de nouveau à sa mère.
Mais le garcon pensa soudain qu'il avait parfaitement trouvé ce dont il avait besoin. Il prit donc la direction du château et penetra invisiblement dans la chambre de la princesse. Il se mit alors à parleer `la belle qui ne voyait ien. Puis , subitement , il retira la chéchia et lui apparut.

En minaudant, elle lui demanda:
"O mon cher ami, comment as-tu fait pour te rendre invisible ?"

Et naivement, pour la seconde fois, il lui expliqua tout. Alors, l'ayant amadoué une nouvelle fois, la princesse lui déroba la chéchia mystérieuse. Elle appela encore ses gardes et ceux-ci le jetèrent dehors comme un chien, se demandant toutefois ultime. mais estimant, enfin, que cela ne les regardait pas beaucoup, ils se turent.

Cependant, cette fois-ci. Ahmed jura de se venger d'une facon ou d'une autre. Il retourna donc à la maison et prit la flûte. Puis il alla alors s'installer sur une petite colline face au château et se mit à jouer mélodieusement. Mais soudain, pendant qu'il jouait de la flûte, des milliers et des milliers de soldats surgissaient de terre.

Et lorsque le Muezzin monta au sommet de la mosquée pour psalmodier:
"Allah Oukbar, Allah est grand", il fut saisi de frayeur et prononca instinctivement :
"Allah Ladjab! O Dieu, c'est effrayant!"

Alors, le roi entendant ces paroles se préparait à lui couper la tête. Mais le Cheik l'arrêta, lui demandant par pitié de le suivre. Or, dès que le roi vit tant de soldats. tous tremblaient de peur.

Mais la princesse, après avoir bien regardé au loin celui qui jouait de la flûte, finit par reconnaître Ahmed. Elle courut alors chez son père et le consola en disant:
"Laissez-moi aller. Je peux anéantir tous ces innombrables soldats."
Dans la crainte, le consentit à laisser sa fille entreprendre ce combat mystérieux. La princesse mit donc la chéchia et traversa la multitude des soldats de facon invisible.

Elle s'approcha alors du flûtiste et l'implora en ces termes
"Voilà, à cause de toi, par ta faute, à jamais je suis rejetée par mon père car je t'aime"
Or, en entendant ces paroles, Ahmed flatté et emporté par l'amour que lui inspirait la belle princesse, cessa de jouer et bientôt les soldats s'évanouissaient lentement sous terre, tant et si bien qu'au bout de quelques instants aucun ne restait; le peuple armé avait disparu.

Et Ahmed, dans son amour plus confiant que jamais en sa princesse, lui remit sa flûte mystérieuse pour la satisfaire. Mais la trompeuse prit alors la fuite, s'étant rendue invisible dès qu'elle eut la flûteen main. Ahmed , mort de rage, grincait des dents et lÄinjuriait d'une montagne d'imprécations.

Cependant, non decouragé, il s'en alla vers sa chaumière chercher le seul objet qui lui restait, en prennant soin toutefois de ne pas le mmontrer, car c'etait sa dernière chance.

Il décida ensuite de changer de village car, ici, cette princesse lui portait malheur. Il partit donc à l'aventure..... Mais en cours de route, il rencontra une source et s'y reposa. Prenant son mouchoir, il le trempa dans l'eau pour se rafraichir le visage. Mais comme le linge était trop mouillé, il le pressa dans ses mains et, à sa grande surprise, deux vignes poussèrent, portant de belles grappes de raisin; la première donnait du raisin noir, l'autre du raisin blanc. Il prit alors une seule grume de raisin noir, mais soudain la terre mouvante l'engloutissait progressivement, d'abord jusqu'aux genoux, puis jusqu'au ventre. Enfoui bientôt jusqu'à la gorge, saisi de frayeur, il vit sa mort venir. Il prit alors instinctivement une grume de raisin blanc, l'avala et fut rejeté brusquement de terre, propulsé comme une balle qui rebondit.

Alors, sans plus attendre, le jeune homme se déguisa en berger vêtu de haillons.

Il se dirigea vers le château, puis sous les murs il cria:
"Raisins précoces, qui veut du raisin précoce?"
À cette annonce, la princesse encoya ses servantes en acheter. Ahmed, le vendeur donna du raisin noir et cacha le blanc.
Dès qu'elle l'eut recu, la princesse en mangea. Or, elle fut soudain coincée entre deux murs, mais de telle facon que l'arrière de son corps se trouvait dans la rue. Le farceur courut alors se cacher chez le cafetier. Puis il dit à tous les marmots du village:
"Allez crier dans toutes les rues:
"Oh! oh! qui veut voir la princesse à loisir et gratuitement ?"

Le roi fut dans un si grand embarras qu'il alla demander à tous les cheiks du village de venir geérir sa fille et de la délivrer. Bien sûr, toutes leurs consultations furent vaines.

Ahmed pria alors le vieux cafetier:
"Rends-moi un grand service: va immédiatement chez le roi et di-lui que tu connais un saint homme capable de délivrer sa fille."

Et, trop heureux, le roi fit venir tout de suite le jeune marabout. Mais avant d'entrer au château, Ahmed dit au roi:
"Je puis parfeitement guérir votre fille, mais j'exige premièrement que tout le monde, sans exception, quitte le château. Deuxièment, que l'on me remette un fusil. Quand j'aurai absolue à quiconque de rentrer au château avant ce signal"

Le roi contraint accepta toutes les conditions du jeune homme et tout le monde quitta le château.
Ahmed s'avanca alors et trouva la princesse en train de souffrir atrocement. Il l'aborda ainsi:
"Tu n'as pas honte, abus de confiance, toi qui m'as trompé plusieurs fois!"
Mais la prisonnière ne répondit rien. Alors, cette fois-ci Ahmed n'eut pas pitié d'elle; c'est pourquoi il décrocha une massue pendue au mur, s'approcha de la trompeuse et commenca à la battre rudement.

Lorsqu'elle fut bien "travaillée", il lui demanda:
"Où as-tu caché tout ce que tu m'as volé?"
N'en pouvant plus, la pricesse lui indiqua l'endroit, et Ahmed s'empara, à nouveau, de son bien.

Il fit alors avaler deux grumes de raisins blancs à la princesse et , comme par enchantement, elle fut délivrée.

Ahmed tira alors deux coups de fusil en guise de signal et tout le monde accourut au château.

Le roi organisa alors un immense festin pour lequel il avait fait préparer les mets les plus rares et les plus chers.
Mais le banquet fini, alors que le roi se retirait, la princesse ne put s'empêcher de suivre son père pour l'implorer de lui accorder la permission d'épouser le jeune homme. Après de longues hésitations, le père céda, sendible aux incessantes prières de sa fille.

Et c'est ainsi qu'Ahmed et la princesse se marièrent en grande festivité au château royal. Puis ils partirent pour leur voyage de noces. Mais en cours de route, un grand aigle fonca sur le jeune homme et lui retira des mains le précieux sac contenant les quatre mystérieux objets. Ahmed tout effaré poursuivit longtemps l'aigle et laissa sa pauvre femme épeuisée auprès d'une fontaine, à probimité d'un marché.

Cependant Ahmed eut vite perdu la direction de l'aigle et s'en fut travailler dans un village près duquel elle était, une dispute éclata: leur roi venait de mourir et tous les hommes du domaine voulaient être roi.

Ils se réunirent donc en conseil et décidèrent :
"Celui qui sera trouvé le premier, au petit jour, à la porte du marché, sera roi"

En fait, ce fut la femme d'Ahmed qui fut trouvée la première à la porte du marché. Ils tinrent parole, et c'est ainsi que la princesse devint reine de cet autre pays.

Et cependant Ahmed travaillait toujours.

Mais un jour, l'aigle laissa tomber dans le jardin le sac qu'il lui avait dérobé.

Le seigneur voulut s'emparer du sac disant qu'il était tombé dans son jardin, mais Ahmed déclarait que le sac lui appartenait. Une violente dispute éclata alors entre le patron et l'ouvrier.

Et le seigneur convoqua Ahmed en justice. Ils se mirent en route. Mais arrivés au palais royal, ils se présentèrent à la reine, en qui, à sa grande surprise, Ahmed reconnut son épouse.
La reine fit justice et renvoya le patron sans le sac. Les deux époux se réconcilièrent, et , depuis ce temps-là, Ahmed est roi en cette ville !


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18438
30/07/2001 09:32
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Nicola Offline
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Blandina!
Du sprachest von KURZEN Märchen!!! Das sind satte DIN A4 Seiten! Hast Du das alles wirklich eingetippt? Oder eingescannt? Also, wenn Du das wirklich getippt hast, alle Achtung! Na gut, dann will ich mich auch an die Arbeit machen. Aber bitte, bitte, habe ein bißchen Geduld, momentan habe ich ziemlich viel zu tun mit Arbeit, Projekt und Bewerbungen.
Bis bald und viele Grüße von der jetzt schon stöhnenden und ächzenden
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18439
30/07/2001 22:38
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Hallo, Blandina!

Das finde ich ja ganz toll, dass du hier so ein langes Märchen reinschreibst! Da muss ich ja mal mein französisches Wörterbuch hervorholen \:D !

Hallo, Nicola!

Leider kann ich bei einer Übersetzung nicht mithelfen, dafür kann ich zu wenig Französisch \:\( .

Gruss von Anna \:\)

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18440
04/08/2001 00:24
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Hallo zusammen,

gell da habe ich zugeschlagen (Wo ist der smiley der mir auf die Schulter haut ? ;\) )
Da ich aber sonst keine Bürotätigkeit habe, ist es für mich als mal wieder Trainingsprogramm einen Text abzutippen.
Nicola, ich hatte die aber auch kürzer in Erinnerung, und inzwischen habe ich festgestellt, dass die 30 Märchen glaube ich der Grösse nach sortiert sind :), und dies scheint das längste zu sein.
Aber ich würde sagen, Du kannst Dir zumindest bis zum Herbst zeitlassen mit dem Übersetzen, und wenn es jemand nicht schnell genug geht, habe ich noch andere , dann kann es derjenige erstmal besser machen ;\)
Ich bin ja so froh, dass Du Dich dazu bereit erklärt hast.

Also viele Grüsse


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18441
06/08/2001 08:15
06/08/2001 08:15
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Nicola Offline
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Hallo Blandina und alle anderen,

endlich habe ich es geschafft das Märchen zu übersetzen (*schwitz*). Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich es relativ frei übersetzt habe. So habe ich teilweise Sätze unterteilt, da sich ansonsten unglaubliche Bandwurmsätze, mit hunderten von Relativpronomina, ergeben hätten, dass niemand mehr verstanden hätte, wer denn nun jeweils mit ihm, ihr, der, die, blablabla gemeint gewesen wäre. Zudem ist natürlich die Bedeutung der Zeiten im Französischen etwas anders als im Deutschen, ich habe mich am deutschen Zeitgebrauch orientiert um einen gewissen Märchencharakter auch im Deutschen beizubehalten. Ich befürchte zwar, dass sich dadurch der Charakter der Sprache stark verändert hat, aber ich habe mich zumindest bemüht eine "Märchensprache" beizubehalten. Außerdem wer weiß, wie das Märchen im Original geklungen hat? Ich nicht! Und natürlich übernehme ich keinerlei Garantie, dass ich jeden Satz 100%ig richtig übersetzt habe. (Ihr merkt schon, eigentlich ist es ein ganz anders Märchen :-)))) !)
Aber immerhin wisst ihr jetzt um was es geht.
Irgendwann kommt im Text auch mal "Zuavenmütze" vor. Falls jemand nicht weiß was ein Zuave ist, so wie ich, bevor ich nachgeschlagen habe, Zuave = Angehöriger einer ehemaligen aus Berberstämmen rekrutierten französischen (Kolonial)truppe.
Also, nochmals sorry, dass es solange gedauert hat.
Also Blandina, wenn du möchtest, her mit dem nächsten!!! Im übrigen habe ich mir mit viel Mühe jeglichen Kommentar zu den Protagonisten verkniffen (*knirsch*)!
Und jetzt viel Spaß beim lesen.

Viele liebe Grüße
Nicola

Die geheimnisvolle Erbschaft

Ich erinnere mich noch sehr gut, als ich ein kleines Kind war und am flackernden Feuer gesessen habe, lauschten meine Schwestern und ich den Geschichten meiner Großmutter. Hier nun einige die mir besonders gut gefallen haben und an die ich mich immer wieder erinnere.

Einst lebte eine arme Familie, Vater, Mutter und ein kleiner Junge. Da der Vater nicht genug Geld verdiente um seine Familie ernähren zu können, beschloss er seine kleine strohgedeckte Hütte zu verlassen um in der Ferne Arbeit zu suchen. Nun aber, nach zwei Tagesmärschen, traf er auf der Straße zwei Schlangen die miteinander kämpften. Der Reisende, der sah, dass der Kampf erbittert war, versuchte sie zu beruhigen. Die große Schlange ging gerade daran ihren Gegner zu töten, als plötzlich, ein Knüppel auf die bösartige Schlange niederstürzte und ihr den Schädel zerschmetterte. Die Schlange, die beinahe getötet worden wäre, sprach zu ihrem Verteidiger: "Weil du mich in der Gefahr beschützt hast, werde ich dich belohnen. So wisse denn, dass ich der Sohn des Sultans von Djnoun bin. Du wirst mit mir kommen und vor meinen Vater treten, der dir anbieten wird, dass du aus all diesen Dingen wählen kannst, was du möchtest: Silber, Gold, Diamanten ... Aber du wirst einfach antworten: "Ich möchte nichts, als die Sachen der Alten." "Das habe ich wohl verstanden", antwortete der Mann und sie gingen los.
Sie kamen an einen, zwischen zwei großen Felsen gelegenen Ort, die Schlange zischelte und die Erde tat sich auf. Die zwei Gefährten traten ein und die knapp davongekommene Schlange erzählte ihrem Vater wie sie dank dieses Mannes dem Tode entronnen sei. Der Sultan der Djnoun sagte zu ihm: "Wähle als Belohnung was du möchtest und ich werde es dir geben." Aber der Reisende antwortete schlicht: "Ich nehme nichts, außer den Sachen der Alten." Nach einem Moment des Schweigens aber rief der Sultan aus: "Diese kann ich dir leider nicht geben!" Daraufhin sagte der Sohn zu seinem Vater: "Falls du nicht mit dem einverstanden bist, was er von dir verlangt hat, werde ich mit meinem Beschützer davonziehen." Durch diese Worte bezwungen, musste der Sultan dem Mann das Säckchen überlassen, der sich vom Sultan und seinem Sohn verabschiedete.
Nun aus der geheimnisvollen Höhle heraustretend öffnete der Mann geschwind das Säckchen das diesen kostbaren Schatz enthielt. Aber zu seinem Erstaunen fand er nichts außer einer Zuavenmütze, einer Flöte, einer leeren Brieftasche und einem Taschentuch. Als er diese wertlosen Dingen sah knirschte er mit den Zähnen, gekränkt, dass diese Diebe und Teufel ihn hereingelegt hatten. Deshalb warf er diese unnütze Belohnung in eine dunkle Ecke als er nach Hause zurückkehrte und das Leben der Familie nahm seinen gewöhnlichen Gang. Doch leider starb der Vater bald darauf und ließ seine Frau und seinen, inzwischen zu einem Mann herangewachsenen Sohn Ahmed zurück. Eines Tages, nachdem er gründlich nachgedacht hatte, sagte Ahmed zu seiner Mutter: "Hat mein Vater als er starb uns nichts hinterlassen, keinerlei Erbe?" Die Mutter hielt ihm entgegen: "Mein Sohn, leider hat uns dein Vater nichts hinterlassen außer diesem Säckchen ohne jegliche Bedeutung, den ich noch nicht einmal angefasst habe." Der Sohn beeilte sich das schmutzige Säckchen zu suchen. Er öffnete es und fand das Taschentuch, die Brieftasche, die Flöte und die Mütze. Als erstes nahm er die Brieftasche, doch er fand nichts darin, nervös warf er sie zu Boden. Plötzlich, Gold, Gold fiel aus der geheimnisvollen Börse. Und so kamen Ahmed und seine Mutter zu großem Reichtum. Eines Tages ging er mit seiner kostbaren Börse aus. Er ging durch die Straßen eines Dorfes und betrat ein leeres Café. Er sprach zu dem Wirt: "Warum kommen keine Kunden hierhin?" "Ich weiß nicht", sprach der Alte, "vielleicht ist es nicht komfortabel genug." Von Mitleid für diesen alten Mann ergriffen, gab Ahmed ihm unvorstellbare Mengen von Gold und kaufte ihm ein neues Haus. Der Alte sagte: "Nimm du das Café und lass mich nur bis zum Ende meiner Tage hier leben." Aber Ahmed antwortete: "Ich habe mit diesem Café nichts zu schaffen", und ging fort.

Indessen gab es in dem Dorf in dem er lebte die Tochter des Königs, sie war so schön, so schön, dass man allein um sie anzusehen 500 Dirhams bezahlen musste. Aber der junge Reiche begnügte sich mit weniger: unter dem Balkon des Palastes der Prinzessin hergehend, warf er ihr ein großes Goldstück zu. Und so machte er es alle Tage und brachte es so fertig, dass die Prinzessin jeden Tag diesen jungen Mann wiedersah, der, sobald er am Schloss vorbeiging, ihr ein Goldstück zuwarf. Neugierig geworden, nutzte die Prinzessin die Abwesenheit ihres Vaters und entsandte zwei ihrer Diener mit dem Auftrag den jungen Mann zu ihr zu bringen. Ahmed betrat lautlos das duftende Zimmer der Prinzessin.

Diese fragte ihn: "Aber woher hast all das Gold?"
Und Ahmed, ohne etwas zu verbergen enthüllte ihr das Geheimnis und zeigte ihr sogar wie er das Gold machte.
Die Prinzessin nahm die Brieftasche in ihre Hände, rief sofort die Wachen und ließ Ahmed wie einen Schurken herauswerfen, dabei beschuldigte sie ihn, es gewagt zu haben, zu versuchen ihrer Reinheit Schaden zu zufügen.

Und so kam es, dass einem jungen Mann von einer junger Frau übel mitgespielt wurde.

Als Ahmed also nun keinen Pfennig mehr besaß, ging er zu dem Wirt um sich Geld von ihm zu leihen, damit er mit vollen Taschen heimkehre und seine Mutter nicht ahne, was er getan hatte.

Als er zu Hause eintrat nahm er die Mütze setzte sie vor seiner Mutter auf und ward auf einmal unsichtbar. Seine Mutter auf das höchste verwirrt sagte zu ihm: "Wo bist du? Du sprichst zu mir und ich sehe dich nicht." Ahmed nahm die Haube wieder ab und erschien wieder vor seiner Mutter. Aber der Junge dachte sich sofort, dass er genau das gefunden habe was er brauche. Er nahm also die Richtung zum Schloss und unsichtbar drang er in das Zimmer der Prinzessin ein. Er hob zu sprechen an: "Die Schöne die nichts sah." Dann, plötzlich nahm er die Mütze ab und erschien ihr.
Sich zierend fragte sie ihn: "Oh, mein lieber Freund, was hast du getan um unsichtbar zu werden?"
Und zum zweiten mal erklärt er ihr naiverweise alles. Da die Prinzessin ihn nun auf ein neues für sich gewonnen hatte nahm sie ihm die magische Mütze ab. Sie rief wieder die Wachen und diese jagten ihn wie einen Hund auf die Straße, sich jedoch auf das höchste wundernd und ihn abschätzend, da dieser sie aber nicht weiter beachtete, drehten sie sich um.

Dieses mal jedoch, schwor sich Ahmed, sich auf die eine oder andere Weise zu rächen. Er kehrte nach Hause zurück und nahm die Flöte. Dann ging er, um sich auf einem kleinen Hügel gegenüber dem Schloss niederzulassen und begann wohllautend die Flöte zu spielen. Aber plötzlich, während er spielte, erhoben sich Tausende und aber Tausende von Soldaten aus der Erde.

Jedoch, als der Muezzin auf die Spitze der Moschee stieg um auszurufen: "Allah akhbar, Allah ist groß!", packte ihn die Angst und er verkündete instinktiv: "Allah ladjab! Oh Gott, das ist fürchterlich!" Als der König diese Worte vernahm, wollte er ihm den Kopf abschlagen. Aber der Scheikh hielt ihn auf und bat ihn in Gottes Namen ihm zu folgen. Nun, sobald der König die ganzen Soldaten sah zitterten sie alle vor Angst.

Aber die Prinzessin hatte ihn aus der Ferne gesehen wie er die Flöte spielte und Ahmed erkannt. Sie lief also schnell zu ihrem Vater und tröstete ihn mit den Worten: "Lass mich gehen. Ich kann all diese unzähligen Soldaten vernichten." In seiner Furcht willigte er ein seine Tochter diesen magischen Kampf ausfechten zu lassen. Die Prinzessin nahm die Mütze und durchquerte unsichtbar die Horde der Soldaten.

Sie näherte sich dem Flötisten und flehte ihn mit den Sätzen an: "Sieh, nur wegen dir, durch deine Schuld, bin ich auf immer von meinem Vater verstoßen worden, denn ich liebe dich." Als er diese Worte hörte war Ahmed sehr geschmeichelt und fortgerissen von der Liebe die ihm die Prinzessin einflößte, hörte er auf zu spielen und die Soldaten verschwanden bald langsam im Boden, so ward es vollbracht, dass nach kurzer Zeit keiner mehr übrigblieb; das bewaffnete Volk war verschwunden.
Und Ahmed in seiner Liebe, seiner Prinzessin mehr vertrauend als je zuvor, händigte ihr seine magische Flöte aus um sie zufriedenzustellen. Aber die Betrügerin ergriff, sich unsichtbar machend die Flucht, die Flöte in der Hand. Ahmed schäumend vor Wut, mit knirschenden Zähnen, stieß eine wahre Flut von Verwünschungen gegen sie aus.

Währenddessen aber nicht entmutigt ging er in seine strohgedeckte Hütte und suchte den einzigen Gegenstand der ihm noch geblieben war, sich in Acht nehmend ihn nicht herzuzeigen, denn dies war seine letzte Chance.

Er beschloss das Dorf zu verlassen, denn hier brachte ihm diese Prinzessin Unglück. So zog er denn ins Abenteuer ... Auf der Straße aber, fand er eine Quelle und ruhte sich an ihr aus. Er nahm sein Taschentuch und tauchte es ins Wasser um sein Gesicht zu erfrischen. Als er es nun auswrang, da das Leinen zu nass war, sprossen zu seiner großen Überraschung zwei Weinstöcke, die wunderschöne Trauben trugen, daraus hervor; die erste trug blaue, die zweite helle Weintrauben. Er nahm einen einzigen Kern einer blauen Traube, als plötzlich die Erde sich auftat ihn zu verschlingen, erst bis zum Knie, dann bis zum Bauch. Bald eingegraben bis zum Hals sah er voller Angst sein Ende gekommen. Instinktiv nahm er einen Kern einer hellen Traube, schluckte ihn und wurde jäh aus der Erde geschossen wie ein aufspringender Ball.

Ohne weiter zu warten hüllte sich der junge Mann in Lumpen und verkleidete sich als Schafhirte.
Er lenkte seine Schritte zum Schloss und rief unter den Mauern: "Frühe Weintrauben! Wer will reife Weintrauben?" Auf Grund seiner Werbung schickte die Prinzessin Diener um welche zu kaufen. Ahmed, der Verkäufer, gab ihnen blaue Trauben und versteckte die hellen. Sobald die Prinzessin sie erhielt, aß sie einige. Plötzlich wurde sie zwischen zwei Mauern eingeklemmt, und zwar dergestalt, dass ihre Rückseite sich auf der Straße befand. Der Schelm lief, um sich im Café zu verstecken. Dann sagte er zu jedem Knirps im Dorf: "Lauf und ruf in allen Straßen: Hoh! Hoh! Wer will die Prinzessin zum Zeitvertreib und gratis anschauen?"

Der König war in so arger Bedrängnis, dass er hinging und alle Scheikhs des Dorfes aufrief zu kommen um seine Tochter zu heilen und zu befreien. Natürlich waren all ihre Bemühungen vergebens.

Ahmed aber nun, nahm den alten Wirt beiseite und bat ihn: "Erweise mir einen großen Dienst: gehe sofort zum König und sage ihm, dass du einen heiligen Mann kennst, der seine Tochter befreien kann." Und überglücklich ließ der König den jungen Marabut kommen. Aber bevor Ahmed das Schloss betrat sagte er zum König: "Ich könnte ihre Tochter ganz heilen, aber ich stelle als erstes die Bedingung, dass jeder, ohne Ausnahme, das Schloss verlässt und als zweites, dass man mir ein Gewehr aushändigt. Absolut niemand darf ins Schloss eintreten vor den Schüssen."

Der König akzeptierte gezwungenermaßen alle Bedingungen des jungen Mannes und jedermann verließ den Palast. Ahmed trat also ein und fand die Prinzessin furchtbar leidend. Er sprach sie an: "Du kennst keine Scham, missbrauchst Vertrauen, du hast mich mehrmals betrogen!" Aber die Gefangene antwortete nicht. Dieses mal hatte Ahmed kein Mitleid mit ihr, deshalb nahm er einen Ast der an der Mauer hing, näherte sich der Betrügerin und begann sie brutal zu verprügeln.
Nachdem er die "Arbeit" ordentlich erledigt hatte, fragte er sie: "Wo hast du das, was du mir alles gestohlen hast versteckt?" Die Prinzessin hatte keine Kraft mehr und zeigte ihm den Ort und Ahmed nahm sein Hab und Gut wieder in Besitz.
Dann gab er der Prinzessin zwei Kerne von den hellen Trauben zu schlucken und wie durch Zauberei war sie befreit.
Ahmed feuerte zwei Schüsse aus dem Gewehr als Signal ab und alle kamen zum Schloss herbeigelaufen.

Der König ließ daraufhin ein großes Festmahl feiern, für das er die seltensten und kostbarsten Speisen zubereiten ließ. Als das Bankett beendet war und sich der König erhob konnte die Prinzessin nicht anders als ihrem Vater zu folgen und ihn anzuflehen, ihr seine Erlaubnis zu geben, den jungen Mann zu heiraten. Nach langem Zögern gab der Vater, gerührt von den unablässigen Bitten seiner Tochter, nach.

Und so kam es, dass Ahmed und die Prinzessin heirateten und ein großes Fest im königlichen Schloss feierten. Dann gingen sie auf Hochzeitsreise. Aber auf dem Weg stürzte sich ein großer Adler auf den jungen Mann und riss ihm das kostbare Säckchen mit den vier magischen Gegenständen darin, aus den Händen. Ahmed ganz und gar aus der Fassung gebracht folgte dem Adler lange Zeit und ließ seine arme Gattin bei einem Brunnen in der Nähe eines Marktes zurück.

Unterdessen, hatte Ahmed schnell die Richtung des Adlers verloren und musste in einem Dorf nahe dem in welchem sie war, arbeiten. In den Dörfern entbrannte nun ein Disput: der dortige König lag im Sterben und alle Männer der Umgebung wollten König werden.
Sie beratschlagten sich und entschieden: " Derjenige der sich als erster im Morgengrauen am Tor des Marktes einfindet, wird König sein."
Tatsächlich war es Ahmeds Frau die als erste am Markttor war. Sie hielten Wort und so kam es, dass die Prinzessin Königin wurde.
Und während dieser ganzen Zeit arbeitete Ahmed.
Eines Tages aber nun ließ der Adler den gestohlenen Sack im Garten fallen.
Der Herr wollte sich in den Besitz des Sacks bringen, da der Sack in seinen Garten gefallen sei, aber Ahmed führte an, dass der Sack ihm gehöre. Ein heftiger Streit entbrannte zwischen dem Herrn und dem Arbeiter.

Der Herr ließ Ahmed dem Gericht vorführen. Sie machten sich auf den Weg. Aber im königlichen Palast angekommen, präsentierten sie sich der Königin, die Ahmed, zu seiner großen Überraschung, als seine Gemahlin erkannte. Die Königin war gerecht und schickte den Herrn ohne den Sack zurück. Die beiden Eheleute aber versöhnten sich und seit dieser Zeit ist Ahmed König in dieser Stadt.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18442
06/08/2001 23:14
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Booooaaaaaahhhhhhh.....


Du bist ja echt super Nicola.
Und das ist so gut geworden.
Toll
Echt ein ganz grosses Compliment und vielen, vielen Dank.

Und Du willst gleich das Nächste ? \:\)
Klar doch, setze mich sobald als möglich hin.
Bringst mich ja richtig unter Zugzwang ;\)

Viele Grüsse

P.S: Bin immer noch platt wie schnell und gut Du das geschafft hast.


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18443
07/08/2001 06:51
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Nicola Offline
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Guten Morgen Blandina,

fleuri, fleuri, merci, merci!
Hach, das ist ja mal eine nette Begrüßung am frühen morgen! Der Tag ist gerettet!

Du würdest mich aber nicht soooo doll loben, wenn du gesehen hättest, was für ein selten blödes und ratloses Gesicht ich manchmal gemacht habe! Aber das war mal wieder eine richtig gute Übung, da merkt man doch direkt wie grottig die eigenen Kenntnisse sind. Hat aber super viel Spaß gemacht!!! Also, zügig! Ich bin heiß!

Einen schönen Tag noch und
viele liebe Grüße
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18444
07/08/2001 17:18
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Anna Norge Offline
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Hallo, Nicola!

Möchte mich Blandina anschliessen! Das war ja wirklich eine Riesenarbeit, die du da geleistet hast! Danke!

Das Märchen gibt einem ja etwas zu denken: Dass Ahmed unbedingt eine Prinzessin haben will, die ihn mehrmals reinlegt... \:D ? Was das wohl zu bedeuten hat? Na ja, vielleicht war ja eben das allerwichtigste, dass es eine Prinzessin ist! Spannend war das Märchen jedenfalls!

Mit märchenhaften Grüssen
Anna \:\)

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18445
09/08/2001 08:47
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Nicola Offline
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Hallöchen,

zuerst einmal danke Anna für Dein Kompliment! Jetzt aber mal Schluss mit der Lobhudelei, ist mir ja schon richtig peinlich! :rolleyes:

Falls sich sonst noch jemand mit einer Übersetzung beschäftigt hat, würde es mich sehr interessieren, ob er oder sie einiges (oder auch alles) gravierend anders übersetzt hätte. Einige Passagen fand ich nämlich wirklich schwierig. Für Anregungen und Verbesserungsvorschläge bin ich äußerst dankbar!

Viele liebe Grüße
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18446
18/08/2001 14:32
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Hallo zusammen,

gschwind, gschwind habe ich das zweite Märchen abgetippt.
Ich hoffe es sind nicht zuviele Fehler darin enthalten.
Na Nicola, ist das was fürs Wochenende ? :p \:\) ;\)
Spässchen, lass Dir ruhig Zeit damit, und geniesse lieber noch die schönen Sommertage, die sind nämlich schon gezählt

Viele Grüsse

Aus dem Buch:
Contes Bèrbères de Kabylie gesammelt von Pierre H. Savignac
erzählt von Said Hamizi.


Les Demi - Frères

Un homme avait pris femme. D'elle il eut un enfant. Mais au bout d'un certain temps, le ménage ne marchant plus. L'homme divorca et épousa une seconde femme. D'elle aussi il eut un fils.

Or. ces deux demi-frères se ressemblaient tellement que nul ne pouvait les reconnaître. Et ces enfants passaient leur temps ensemble à garder les moutons.
Or un jour, par préférence pour son fils et afin de lui donner une meilleure nourriture, la seconde épouse voulut différencier les deux garcons, mais elle n'arriva pas à reconnaître sons fils. Elle s'en fut donc chez un vieux Sage pour lui demander comment elle pourrait reconnaître son fils.
Le vieux conseiller lui répondit:
"Va à l'écurie au moment oû rentrent les bêtes. Apporte un bon plat de couscous aux deux bergers, puis pendant q'ils sont bien occupés à manger, crie:
"Oh ! Oh! mon fils au secours !" en leur faisant croire qu'une bête t'a frappée. Ensuite, c'est simple, celui qui accourra pour te secourir n'est pas ton fils.

La femme suivit les conseils du vieux Sage et put ainsi savoir lequel était sons fils, et elle l'identifia en le revêtant d'un habit particulier, de facon non seulement à le reconnaître mais le mieux nourrir.

Et à partir de ce jour, elle donna toujours de pain de blé à son fils et du vulgaire pain de seigle à celui qui n'était pas son fils.

Mais un jour arriva où le petit orphelin demanda à son demi-frère:
"Fais-moi voir ce que tu as apporté à manger."

Mais l'enfant, conseille en cela par sa mère, refusa catégoriquement.

Mais une fois, le fils de la marâtre fut trompé. En effet, un jour, le petit orphelin dit à son demi-frère:
"Allez, jouons à celui qui jette un morceau de pain le plus loin dans le lac"

Tous deux jetèrent chacun un morceau de leur pain, mais tandis que le pain du fils tombait au fond, parce que plus lourd, étant de blé, le morceau de pain de seigle du petit orphelin flottait à la surface parce que plus léger étant fait de son. Et tandis que son bout de pain flottait encore, le petit orphelin murmura:
"Tu vois, je suis comme ce pain, je flotte sur le coeur de ta mère: C'est pourquoi je m'en vais. mais auparavant je te laisse cette tige de grenadier. Souviens-toi, dès qu'elle jaunit, je suis mort."

Et l'orphelin partit: il rencontra bientôt un gardien de moutons qui pleurait. Il lui demenda
"Berger quelle est donc la cause de ce sanglot ?
- Ah malheur ! répondit le berger, haque jour un chacal me dévore une brebis."
Et l'enfant tua le chacal qui faisait pleurer le pauvre berger.

Or, en cours de route, l'enfant allait toufours d'un berger à un autre qui avaient des bêtes dévorées, et pour chacun il tuait un animal sauvage.

Mais un jour, il arriva devant une fontaine où il trouva une jeune fille qui pleurait. Il lui demanda:
-Pourquoi pleures-tu ?
Et la jeune fille répondit:
-Heélas, bientôt je serai morte
-Mais qui donc osera te tuer ? répliqua l'enfant.
-Hélas ! hélas! c'est la Bête-a-sept-têtes qui garde la fontaine et n'accorde l'eau au village que lorsqu'elle a mangé un grand plat de couscous et une jeune fille vierge. Or, c'est aujourd'hui au tour de mon père qui est sultand de fournir la nourriture à la Bête-à-sept-têtes. Comme je suis sa fille unique, il a été obligé de m'envoyer ici, et la bête va me dévorer.

Ému, l'enfant resta avec elle longtemps, puis il s'endormit sur les genoux de la fille du sultan.
Mais soudain l'affreuse bête sortir, et la fille apeurée pleurait. or, elle laissa tomber une larme sur la joue de l'enfant et celui-ci se réveilla.
Aussitôt l'enfant attaqua la bête et d'un seul coup lui enleva une tête.

La bête grogna en ricanant:
"Ce n'est pas ca ma tête."

Et l'enfant répondit:
"Mais ce n'est pas ca mon coup !"

Coup après coup, l'enfant coupa les sept têtes de la bête, et le monstre épuisé soupira:
"C'est ca ma tête"
Et l'enfant triomphant s'ecria:
"C'est ca mon coup !"

Et la fille du sultan, heureuse s'en retourna au palais en emportant toutfois un des souliers du courageux vainqueur du monstre.

À l'arrivée de sa fille, le sultan étonné entra dans une profonde colère:
"O ! honte de ma famille ! Tu oses revenir et laisser le village sans eau ni boisson"

-Mon père, je suis là car la Bête-à-sept-têtes a été tuée par un enfant.

-Que dis-tu, fille insensée, un village entier n'a pu tuer le monstre et un enfant l'aurait tué !"

Cependant, devant la constance des affirmations de sa fille, le sultan se rendit à la fontaine et trouva bel et bien la bête étendue au soleil et la source jetant un flot aussi mystérieux qu'inacoutumé.

Le sultan convoqua alors tous les gens du village et fit essayer à chacun le soulier du vainqueur. Or , chaque habitant passa l'un apres l'aute, mais le soulier n'allait à personne.

Un garde dit alors au sultan:
"Il y a encore une personne: ce jeune mendiant dans le coin."

On le fit avancer. Il essaya le soulier qui manifestement lui allait parfaitement. On le présenta alors à la fille du roi qui dit:
"Oui, c'est là mon sauveur, je le renonnais."

Et c'est ainsi que le malheureux orphelin entra au palais.
Il épousa, en effet, la fille du sultan. Et les festivités du mariage duèrent sept jours et sept nuits. Et il fut décidé qu'a la mort du sultan régnant, il serait successeur au trône.

À peu de temps de là, le sultan confia au vainqueur de la Bête-à-sept-têtes, sept loups, un cheval et un fusil. Puis il dit:
"Mon fils, tu peux chasser dans toutes mes forêts sauf une:
la forêt-qui-tue, car il y a une bête qui te dévorera."

Mais anant de se sauber de chez sa maâtre, il avait laissé, on s'en souvient, une tige de grenadier à son demi-frère, en lui disant:
"Quand la tige jaunit, moi je suis mort."
C'est pourquoi, dès que son demi-frère vit la tige de grenadier jaunir, il partit à la recherche du corps du malheureux.

Or, à chaque fois qu'il arrivait devant un berger, celui-ci le prenant pour son demi-frère lui disait:
"Tiens , vilà ta bête en récompense de ton service passé"
Et chaque fois il se disait aolors:
"Oh, mon Dieu, mon Dieu, mon frère est pssé par là!"

Et c'est ainsi qu'un jour il arriva au palais du sultan. Celui-ci le prenant alors par l'épaule lui dit:
"Mais où étais-tu donc mon fils, il y a si longtemps que je te cherchais ?"

Le second demi-frère, comprenant alors l'erreur, se tut.

Le sultan lui donna sept loups, un cheval et un fusil. Puis il lui dit:
"Tu peux chasser dans toutes les forêts, sauf dans la froêt-qui-tue",
et lui montra cette forêt où il ne devait pas chasser.

Mais bien sûr, il partir aussitôt à la chasse, donnant tout-fois ces conseils:
"Vous, mes loups, éloignez la bête: quant à toi, mon cheval, assomme-la d'un coup de sabot. Puis, vous, loups, ouvrez alors le ventre de la bête grâce à vos dents acérées mais sans toucher aux entrailles."

Et une fois arrivé dans la forêt-qui-tue, l'enfant dit à la bête:
"O monstre, mange d'abored le checal, regarde comme il est gros"
Mais, à peine, la bête s'etait-elle approchée, que le cheval lui décocha une terrible ruade et l'assomma du coup: les loups lui crevèrent les yeux et lui ouvrirent délicatement le ventre.

Avec précaution, l'enfant retira alors son demi-frère du ventre de la bête et l'étendit au soleil.

Mais, soudain, un petit lézard par là. Et l'enfant l'injuria car il venait de tuer un autre animal semblable à lui.

Mais le petit lézard rétorqua:
"Ne t'occupe pas de moi, car si moi je l'ai tué, moi je le relève."
Et ent effet. le lézard prit une plante de la forêt, la pressa sous le nez de son frère qui se réanima aussitôt.

Le demi-frère cueillit alors la même plante et en pressa également le suc sous le nez de son frère. Ce dernier se leva soudain parfaitement sain et sauf. Les deux frères partirent alors tout heureux chez le sultan et, à sa mort, ils héritèrent collectivement du royaume.
Tandis que leurs méchants parents vivaient malheureux, sans pouvoir trouver de travail.

Morale:
J'ai rencontré un chacal, il m'a frappé avec des beignets et je les ai mangés: mais moi, je le frappe avec un battoir et je le tue.


_


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18447
20/08/2001 10:32
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Nicola Offline
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Hallo Blandina,

yippie! Endlich! Danke! \:D \:D \:D

Ganz im ernst, ich freue mich wirklich darauf. ;\)

Mal sehen wie lange ich diesmal brauche.

Vile liebe Grüße
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18448
27/08/2001 10:41
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Hallo Blandina und alle anderen,

ja Blandina, du hattest recht, das war was fürs Wochenende, wenn auch erst für das übernächste. :-))
Kurz zur Technik: Es gelten auch für dieses Märchen die gleichen Bemerkungen, wie für das erste. Was mir allerdings aufgefallen ist: die Sprache ist absolut unterschiedlich zum ersten Märchen. Blandina, steht in dem Buch vielleicht etwas über die Entstehungszeiten, -orte, etc. der Märchen? Oder haben verschiedene Übersetzer die Märchen übersetzt? Das würde mich wirklich interessieren. Danke!


Die Halbbrüder

Ein Mann nahm sich eine Frau. Mit ihr hatte er ein Kind. Aber nach einiger Zeit ging die Ehe nicht mehr gut. Er ließ sich scheiden und heiratete eine zweite Frau. Mit ihr hatte er ebenfalls einen Sohn.

Nun aber ähnelten sich die beiden Halbbrüder so sehr, dass niemand sie auseinander halten konnte. Und diese Kinder verbrachten ihre Zeit gemeinsam beim Schafe hüten. Eines Tages nun, wollte die zweite Ehefrau die beiden Jungen unterscheiden, da sie ihren Sohn bevorzugte und ihn besser ernähren wollte aber, sie konnte ihren Sohn nicht erkennen. Also ging sie zu einem alten Weisen um ihn zu fragen, wie sie ihren Sohn erkennen könne. Der alte Berater antwortete ihr: "Gehe in dem Augenblick zum Stall wenn die Tiere hereinkommen. Bringe den beiden Schäfern einen großen Teller Couscous dann, wenn sie gerade vollauf mit essen beschäftigt sind schreie: "Oh! Oh! Mein Sohn zu Hilfe! Sie glaubend machen, dass ein Tier dich gestoßen hätte. Dann, das ist ganz einfach, derjenige der gerannt kommt, um dir zu Hilfe zu eilen ist nicht dein Sohn."

Die Frau befolgte die Ratschläge des alten Weisen und konnte so erkennen welcher ihr Sohn war und sie kennzeichnete ihn in dem sie ihm besondere Kleidung anzog, so konnte sie ihn nicht nur erkennen, sondern ihm auch besseres Essen geben.

Und ab diesem Tage gab sie ihrem Sohn immer Weizenbrot und gewöhnliches Roggenbrot dem, der nicht ihr Sohn war.

Aber der Tag kam an dem die kleine Waise zu ihrem Halbbruder sagte: "Lass mich sehen, was du zu essen mit hast." Aber das Kind, von seiner Mutter instruiert, lehnte dieses kategorisch ab. Aber einmal wurde der Sohn der Rabenmutter doch getäuscht. Denn eines Tages sagte der kleine Waisenjunge zu seinem Halbbruder: "Komm, lass uns spielen: wer ein Stück von seinem Brot am weitesten in den See werfen kann."

Jeder der beiden warf ein Stück seines Brotes in den See, aber während das Brot des Sohnes auf den Grund sank, da es aus Weizen und somit schwer war, schwamm das leichtere Kleiebrot des kleinen Waisen auf der Oberfläche. Und während der Rest seines Brotes weitertrieb murmelte er: "Siehst du, ich bin wie dieses Brot, ich treibe aus dem Herzen deiner Mutter und darum gehe ich. Aber vorher gebe ich dir diesen Ast eines Granatapfelbaums. Erinnere dich, sobald er welkt, bin ich tot."

Und der Waise ging fort; bald darauf traf er einen Schafhirten der weinte. Er fragte: "Schäfer, was ist denn der Grund dieser Tränen?" "Ach Unglück!", antwortete der Schäfer, jeden Tag verschlingt ein Schakal eines meiner Mutterschafe." Und der Junge tötete den Schakal, der den armen Schäfer zum weinen gebracht hatte.

Auf seinem Wege nun, ging er immer von einem Schäfer zum anderen der von einem Raubtier geplagt wurde und für jeden tötete er ein wildes Tier.

Aber eines Tages kam er an einen Brunnen wo er ein junges Mädchen traf das weinte. Er fragte sie: "Warum weinst du?" Und das junge Mädchen antwortete: "Ach, bald werde ich tot sein." "Aber, werde würde es denn wagen dich zu töten?", entgegnete der Junge. "Oh weh! Oh weh! Es ist die Siebenköpfige Bestie die diesen Brunnen bewacht und dem Dorf nicht eher Wasser zugesteht, als dass sie einen großen Teller Couscous und eine Jungfrau bekommen hat. Nun ist aber heute die Reihe an meinem Vater dem Sultan die Bestie mit Futter zu versorgen. Da ich seine einzige Tochter bin, war es seine Pflicht mich hierher zu schicken und die Bestie wird mich verschlingen."

Ergriffen blieb der Junge lange Zeit bei ihr, dann schlief er auf den Knien der Tochter des Sultans ein. Aber plötzlich kam die fürchterliche Bestie und das Mädchen begann verängstigt zu weinen. Nun ließ es eine Träne auf die Wange des Jungen fallen und dieser erwachte. Gleich griff er die Bestie an und mit einem einzigen Schlag hieb er ihr einen Kopf ab.

Die Bestie knurrte hämisch lachend: "Dieses ist nicht mein Kopf!" Und der Junge antwortete: "Aber dieses ist nicht mein Schlag!"

Schlag auf Schlag schlug er die sieben Köpfe der Bestie ab und das Monster seufzte erschöpft: "Dieses ist mein Kopf" und der Junge schrie triumphierend: "Dieses, das ist mein Schlag!"

Die glückliche Tochter des Sultans jedoch kehrte in den Palast zurück, indessen einen der Schuhe des mutigen Drachenbezwingers mit sich führend.

Bei der Rückkehr seiner Tochter geriet der erstaunte Sultan in rasende Wut: "Oh! Schande meiner Familie! Du wagst es zurückzukehren und das Dorf ohne Wasser und ohne etwas zu trinken zu lassen!"
"Mein Vater, ich bin hier weil, die Siebenköpfige Bestie durch einen Jungen getötet wurde."
"Was sagst du, verrückte Tochter, ein ganzes Dorf konnte die Bestie nicht töten und ein Junge hat sie getötet!"

Währenddessen, aufgrund der ständigen Beteuerungen seiner Tochter wandte sich der Sultan zum Brunnen und fand sogleich die Bestie ausgestreckt in der Sonne und der Quelle entsprang ein Strom, ebenso geheimnisvoll wie ungewöhnlich.

Der Sultan suchte alle Leute des Dorfes auf und ließ sie alle den Schuh des Siegers anprobieren. Nun, jeder Bewohner probierte ihn, einer nach dem anderen aber, der Schuh passte niemandem. Ein Wächter sagte nun zum Sultan: "Es gibt noch eine Person: dieser junge Bettler in der Ecke."
Man ließ ihn vortreten. Er probierte den Schuh, der wie sich herausstellte perfekt passte. Man führte ihn also vor die Tochter des Königs und diese sagte: "Ja, das ist mein Retter, ich erkenne ihn wieder."

Und so kam es, dass der unglückliche Waisenknabe in den Palast kam. Und in der Tat, heiratete er die Tochter des Sultans. Und die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten sieben Tage und sieben Nächte. Und es wurde beschlossen, dass nach dem Tode des regierenden Sultans er der Thronnachfolger sein würde.

Nach kurzer Zeit vertraute der Sultan dem Bezwinger der Siebenköpfigen Bestie sieben Wölfe, ein Pferd und ein Gewehr an. Dann sagte er zu ihm: "Mein Sohn, du darfst in all meinen Wäldern jagen, außer in dem einen: dem-Wald-der-tötet, denn dort gibt es ein Untier, dass dich fressen würde."

Aber bevor er sich vor seiner Rabenmutter rettete, hatte er, wir erinnern uns, den Ast eines Granatapfelbaumes bei seinem Halbbruder mit den Worten: "Wenn der Ast welkt bin ich tot", gelassen. Darum, als sein Halbbruder nun den Ast welken sah, begab er sich auf die Suche nach der Leiche des Unglücklichen."

Nun aber, jedesmal, wenn er zu einem Schäfer kam hielt dieser ihn für seinen Halbbruder und gab ihm mit den Worten: "Hier nimm, den Kopf des Schakals als Belohnung für deine Dienste." Und jedesmal sagte er sich: "Oh, mein Gott, mein Gott, mein Bruder ist hier vorbeigekommen."
Und dann eines Tages kam er zum Palast des Sultans. Dieser nahm ihn bei den Schultern und sagte: "Aber wo warst du denn mein Sohn, ich suche dich seit so langer Zeit." Der zweite Halbbruder den Irrtum wohl verstehend, schwieg.

Der Sultan gab ihm sieben Wölfe, ein Pferd und ein Gewehr. Dann sagte er zu ihm: "Mein Sohn, du darfst in allen Wäldern jagen, außer in dem-Wald-der-tötet", und zeigte ihm diesen Wald in dem er nicht jagen durfte.

Natürlich aber ging er sofort auf die Jagd, vor allem diese Ratschläge gebend: "Ihr meine Wölfe haltet die Bestie auf Distanz, während du mein Pferd sie mit einem Tritt deines Hufes niederstreckst. Sodann, ihr Wölfe öffnet ihr den Bauch des Untiers mit euren scharfen Zähnen aber, ohne die Eigenweide zu berühren.

Und es kam im Wald-der-tötet der Tag, dass das Kind zur Bestie sagte: "Oh Monster, friss zuerst den Schakal, schau wie fett er ist." Aber kaum, dass die Bestie sich ihnen genähert hatte, als das Pferd schrecklich nach ihr ausschlug und sie mit einem Streich erschlug. Die Wölfe durchstießen ihr die Augen und öffneten vorsichtig den Bauch.

Mit größter Vorsicht zog der Junge seinen Halbbruder aus dem Magen des Scheusals und streckte ihn in der Sonne aus. Aber plötzlich kam eine kleine Eidechse. Und der Junge beschimpfte sie denn er hatte gerade ein ihr ähnliches Tier getötet.

Aber die kleine Eidechse entgegnete ihm: "Kümmere dich nicht um mich, denn wenn ich es war, die ihn getötet hat, bin ich diejenige die ihn wiedererweckt." Und in der Tat, die Eidechse nahm eine Pflanze des Waldes, presste sie unter die Nase ihres Bruders, der durch sie sofort wiederbelebt wurde.

Der Halbbruder schnitt also die gleiche Pflanze und presste sie gleichfalls unter die Nase seines Bruders. Der Letztere erhob sich sofort ganz gesund und heile. Die zwei Brüder gingen sehr glücklich zum Sultan und nach seinem Tode erbten sie gemeinsam das Königreich. Während dessen lebten ihre Eltern unglücklich und ohne eine Arbeit finden zu können.

Moral: Ich habe einen Schakal getroffen, er hat mich mit Krapfen geschlagen und ich habe sie gegessen; aber ich, ich habe ihn mit Knüppel geschlagen und habe ihn getötet.


Jetzt hätte ich aber auch noch drei Fragen:
"Couscous mit Jungfrau" Was ist das denn für eine Zusammenstellung??? :-))
Wieso nimmt die Prinzessin "einen Schuh des mutigen Drachenbezwingers" mit??? Einen Schuh? Eine Haarlocke oder etwas ähnlich romantisches würde ich ja noch verstehen .... aber einen Schuh? Schuhfetischistin?
Und wieso hat welcher Schakal wen mit Krapfen beworfen???

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18449
01/09/2001 00:47
01/09/2001 00:47
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Hallo zusammen,

also Nicola, ist mal wieder super was Du da geleistet hast. Freut mich total, dass Du dieses Engagement bringst.
Danke für die Mühe.

Dieses zweite Märchen ist tatsächlich von jemand anderst erzählt worden.
Insgesamt gibt es in dem Buch 13 verschiedene Märchenerzähler.
Erzähler 1 hat allerdings nur das eine, während es von Erzähler 2 noch fünf andere in dem Buch gibt.

Muss echt sagen, manche Details finde ich schon witzig.

"Plötzlich wurde sie zwischen zwei Mauern eingeklemmt, und zwar dergestalt, dass ihre Rückseite sich auf der Straße befand. Der Schelm lief, um sich im Café zu verstecken. Dann sagte er zu jedem Knirps im Dorf: "Lauf und ruf in allen Straßen: Hoh! Hoh! Wer will die Prinzessin zum Zeitvertreib und gratis anschauen?"

\:D also echt, so ein Schelm

und beim zweiten werfen sie mit Krapfen .
\:D könnte grad zur Fastnachtszeit bei uns sein.
Aber was diese Moral in Zusammenhang mit dem Märchen bringt habe ich noch nicht verstanden. Auch noch nicht den letzten Satze des 2. Märchens

Also nochmals merci und
viele Grüsse


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18450
03/09/2001 08:00
03/09/2001 08:00
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Hallo Blandina,

mache ich doch gerne.
Wenn du etwas nicht verstehst, schieb es ruhig auf mich. Vielleicht habe ich ja totalen Humbug übersetzt. Aber mir hilft ja hier niemand! Wahrscheinlich lachen sich alle halbschlapp und lassen uns hier blöde im Dunkeln tappen. Nur so am Rande, ich habe es übrigens auch nicht verstanden.

Also Blandina, Du weißt ja wer jetzt wieder dran ist... \:D

Einen guten Wochenanfang!
Viele liebe Grüße
Nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18451
03/09/2001 10:09
03/09/2001 10:09
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Anna Norge Offline
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Anna Norge  Offline
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Hallo, Nicola und Blandina!

Anscheinend sind wir hier beim Märchenlesen jetzt unter uns \:D ! Ich freue mich schon auf die nächste Märchenstunde mit euch, und dann auch noch gleich zweisprachig! Das tut meinem Französischlernen gut ;\) !

Ich habe jetzt endlich Zeit gefunden das letzte Märchen zu lesen.

Die Moral am Schluss fand ich auch sehr merkwürdig, aber könnte "il m'a frappé avec des beignets et je les ai mangés" vielleicht eine Redewendung sein, die man nicht wörtlich übersetzen kann?

Was das Mitnehmen eines Schuhes betrifft, gibt es ja eine Parallele beim "Aschenputtel" in "Grimms Märchen". Dort nimmt der Prinz auch einen Schuh von Aschenputtel mit und der Schuh beweist dann, wer die richtige Braut ist.

Solche parallelen Elemente in Volksmärchen verschiedener Völker finde ich besonders faszinierend. Meine sudanesische Freundin und ich waren z.B. beide erstaunt, als wir feststellten, dass das Volksmärchen über "Rapunzel", sowohl in Deutschland(Grimms Märchen) wie auch im Sudan erzählt wird.

Und was "mangé un grand plat de couscous et une jeune fille vierge" - einen grossen Teller mit couscous und eine Jungfrau essen -betrifft, so kann ja bei der Vielschichtigkeit von Märchen, dieser Ausdruck vielleicht auch eine besondere Bedeutung haben?

Gruss von Anna \:\)

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18452
03/09/2001 12:31
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chibo72 Offline OP
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Hallo Anna! folgende Märchen ist für dein sohn sowie alle anderen Kinder dieser Forum. viel spaß beim lesen.
Blandi..willst du immer noch die MBS-CD haben? kann dir Ein Kopie Per Post schicken!!.
Sag mal bei den meisten Web-Radio..ist immer das gleiche..vielleicht kannst du mir eine neue Station empfehlen.
kennst Übrigens: www.beurfm.com ? sie haben ein guten auswahl an CD's?
Wie findst du die neue von mami?
so jetzt folgt die Geschichte:
-------------------------------------------

Gosso, der Märchenerzähler
Es war einmal ein Mann namens Gosso. Zwar lebte er allein, aber trotzdem fühlte er sich nicht
einsam. Denn Tag für Tag kamen die Kinder aus dem Dorf zu ihm, setzten sich unter die große
Kokospalme und ließen sich von ihm Märchen erzählen. Das konnt er so gut wie niemand anders
in der ganzen großen Welt.
Eines Tages kam eine Gazelle des Weges, kletterte auf die Palme und warf eine Kokosnuss
herunter. Sie fiel Gosso auf den Kopf und tötete ihn. Als die Gazelle sah, was sie angerichtet
hatte, lief sie schnell davon, damit sie niemand sähe. Die Kinder waren traurig, dass ihr Gosso
tot war. Sie weinten und beschlossen, seinen Tod zu rächen. Aber noch wussten sie nicht, wer
Gosso umgebracht hatte. “Das hat gewiss der Südwind getan. Er hat an den Zweigen gerüttelt
und die Kokosnuss heruntergeworfen”, meinten die Kinder und fingen den Südwind ein. Aber
der Südwind sagte: “Haltet ihr mich für einen so mächtigen Häuptling, dass ich euren Gosso
hätte erschlangen können? Weit mächtiger als ich ist das Haus dort drüben, das sich mir stets
in den Weg stellt.” Da liefen die Kinder zu dem Haus und begannen es zu schlagen. Aber das
Haus sagte: “Haltet ihr mich für einen so mächtigen Häuptling, dass ich euren Gosso hätte
erschlagen können? Weit mächtiger als ich ist die Ratte, die sich in meiner Mauer ein Loch
gegraben hat.”
Da fingen die Kinder die Ratte und wollten sie töten. Aber die Ratte wehrte sich und sagte:
“Haltet ihr mich für einen so mächtigen Häuptling, dass ich euren Gosso hätte erschlagen
können? Weit mächtiger als ich ist der Kater, der mich auffrisst, sobald er Lust hat.”
Nun liefen die Kinder zum Kater und begannen ihn zu schlagen. Aber der Kater miaute: “Haltet
ihr mich für einen so mächtigen Häuptling, dass ich euren Gosso hätte töten können? Weit
mächtiger als ich ist die Schmeißfliege, die mich fortwährend sticht!”
Also fingen die Kinder die Schmeißfliege, aber die summte: “Haltet ihr mich für einen so
mächtigen Häuptling, dass ich euren Gosso hätte erschlagen können? Weit mächtiger als ich ist
die Gazelle, die mich verschlingt als wäre ich eine Himbeere.”
Darauf fingen die Kinder die Gazelle, und die Gazelle sagte nichts.
“Die Gazelle hat unseren Gosso getötet! Die Gazelle hat unseren Gosso getötet!” riefen die
Kinder. Und sie schlugen die Gazelle und hörten nicht auf, bis sie tot liegen blieb.
Gosso war tot. Die Gazelle, die ihn getötet hatte, ebenfalls.
Gossos Märchen aber leben weiter. Man erzählt sie bis zum heutigen Tag.


Augen zu und durch
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18453
29/10/2001 23:26
29/10/2001 23:26
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Süd-Baden
Blandina Offline
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Hallo Anna,

hier ist Geburtstagsgeschenk Teil I.
Mal schauen ob wir auch Nicola noch mal aktivieren können. Sie hat ja die meiste Arbeit dran.
Muss aber diesmal vorwarnen. Dürften ziemlich viele Tippfehler drin sein.

Also:

Aus dem Buch:
Contes Bèrbères de Kabylie gesammelt von Pierre H. Savignac
und erzählt von Bendifallah Bachir

La courageuse jeune fille (Teil I)

Une fois un homme se maria. Mais hélas sa femme ne lui donnait pas de fils. Son épouse provoqua donc Dieu en ces termes:
„Si tu m’envoies une fille, je la tuerai."

Or Dieu lui envoya une fille. Et la fille grandit si belle et si blonde que sa mère en était jalouse.

Un jour, la mère dit à la fille:
„ Pourquoi ne demandes-tu pas à ton père la permission d’aller chez ton oncle ?"
La demande fut faite et le père accepta.

La mère et la fille prirent donc laroute, emportant un mouton roti et des provisions. Or, à mi-chemin, la nuit tomba. Mère et fille s’installèrent donc au pied d’un arbre pour y passer la nuit.

La mère commenca alors à peigner les cheveux de sa fille. Mais celle-ci, fatiguée, s’endormit bientôt. La méchante mère accrocha alors les cheveux de la jeune fille à un épineux tout proche et elle s’en retourna à la maison. Au réveil, hélas, la jeune fille trouva ses cheveux emmêlés dans les buissons. Mais de gentils oiseuaux la débarrassèrent des épines et , en récompense, la jeune fille leur distribua toutes ses provisions.

Hélas, la jeune fille blonde ne savait plus alors ni le chemin de chez son oncle, ni celui de chez elle. Mais ell apercut soudain une mince fumée. Elle se dirigea vers cette fumée et découvrit une maison. Or, cette maison appartenait à sept frères qui étaient partis à la chasse mais y avaient toutefois laissé leur cuisinier. Alors, en arrivant, ne voyant personne, elle se cacha au premier étage et vit soudain un homme à la figure blanche, en train de préparer du couscous. Le repas prêt , le cuisinier sortit rejoindre les chasseurs.

Pendant ce temps, la jeune fille descendit et mangea une cuillerée de couscous, une cuillerée de sauce et un morceau de viande.

Le soir venu, les frères dinèrent: chacun prit sa part, mais il manquait un morceau. Ils s’eétonnèrent en disant:
„Comment cela se fait-il?"
Et chaque jour, pendandt une semaine, le fait se renouvela. Ils se rassemblèrent donc et le plus âgé s’écria:
„Que celui qui est caché se montre. S’il se montre, je le jure, il serea comme l’un de nous. S’il est vieux, nous le considérerons comme notre père: s’il est adulte, comme notre frère, vieille femme, comme notre mère, et si c’est une jeune fille, comme notre soeur."

Entendant ces mots, la jeune fille blonde se montra, et l’ainé lui dit:
„Veux -tu être notre soeur ou épouser l’un de nous ?"
et la jeune fille blonde répondit:
„Je choisis le plus jeune d’entre vous pour époux."

Les jours s’envolèrent alors d’un élan mystérieux et la jeune fille blonde était heureuse.

Mais un jour, elle trouva une fève et la mangea. Or cette fève était celle du chat. Il lui demanda:
„Où as -tu mis ma fève?"
Et la jeune fille lui donna toutes les fèves de la maison; mais le chat ne trouvant pas la sienne, pour se venger, lui éteingnit le feu. Par peur des sept frères, la jeune fille s’enfuit dans la forêt. Soudain, une nouvelle fumée la conduisit vers une maison. C’etait la demeure d’une vieille ogresse qui tenait un enfant dans ses bras. La jeune fille sauta alors sur les mamelles de l’ogresse et elle téta.
„Tu as de la chance, lui dit alors l’ogresse,, car si tu ne m’avais pas tété les mamelles, je t’aurais dévorée. „
La jeune fille resta donc chez l’ogresse et pour ne pas être dévorée, elle aimait bien le petit de celle-ci.

Les jours passèrent. Mais une fois l’ogresse lui dit:
„Il faut que je te dévore"; puis l’ogresse ajouta: „Va au puits, et se je sens que mon fils a pleuré je te dévorerai"
Et la jeune fille partit aupuits. Or, ce jour-là précisément, le frère de la jeune fille gardait ses mulets dans les parages.
n Pourquoi gardes-tu tes mulets ici ? lui demanda la jeune fille.
-Parce que, répondit-il, depuis que ma soeur a quitté le pays, l’herbe ne pousse pas, la pluie ne tombe pas et il n’y a plus d’eau.
-Va-t-en,lui dt-elle, car si logresse te sent, elle te dévorera. Mais, reprit-elle, comment s’appele ton pays ?
n Ivadievoutch, dit-il.
n - Tiens, c’est aussi mon pays, r#epondit-elle, et comment s’appelait ta soeur ?
n - Aicha Ben Khothar !
n - O frère, c’est mon nom. Je suis Aicha Ben Khothar

Et ils s’embrasserèrent.
„Va vite dire à mon père qu’Aicha Ben Khotar est emprisonnée chez une ogresse et que c’est aujourd’hui, hélas, mon dernier jour."
Et le berger courut semer la nouvelle à l’horizon, et déjà des gouttelettes d’eau tombaient.

Et les gens disaient:
„Mais on dirait qu’Aicha va revenir."
Les hommes courageux du village monterent alors à cheval et se dirigèrent vers le puits. La jeune fille les voyant arriver, prit alors le fils de l’ogresse et lui frappa la tête contre une grosse pierre jusqu’a ce que la cervelle en jaillit et que l’ogresse eût senti la moelle de sons fils. L’ogresse courut alors après les cavaliers qui emportaient la jeune fille, mais ne put les rattrapper. Elle se déguisa donc en vieille femme, se rendit au village et résolut de se venger.

On fit une grande fête pour célébrer le retour d’Aicha Ben Khotar. La vieille femme était là, seule dans un coin, et par geste signigiait à Aicha:
„Je te dévorerai... je te dévorerai !"

La jeune fille fit alors comprendre à son père que cette vieille femme était l’ogresse.

On invita alors la vieille femme à venir s’asseoir sur un tapis d’honneur. On lui présenta un plat de couscous avec de la viande de choix et on la considéra comme une vieille mère.

Mais sous le tapis décoré, les gens de douar avaient préparé und grand fosse dans laquelle furent entasses des morceaux de bois et de l’essence. Si bien que, lorsque l’ogresse s’assit sur le tapis, elle tomba soudain dans le vide. Juste à ce moment-là, les hommes jetèrent des allumettes enflammées et la vieille mourut brûlée vive.

Tous se réjouirent alors de s’être débarrassés de l’ogresse: et ce fut encore plus grande fête, car si Aicha avait été dévorée, lapluie n’eût plus tombé et l’herbe, plus poussé.

Un jour, la jeunesse du douar organisa une course de chevaux. Or, le frère d’Aicha Ben Khotar avait une jument qui filait comme l’éclair. Mais la vieille qui n’était pas morte, car hélas les ogresses ne meurent pas, se changea en jument et devint la jument grise du frère d’Aicha. Et juste comme il l’enfourchait, l’ogresse-jument fonca ventre à terre vers un désert. Heureusement, le jeune homme avait emporté une baguette magique.

En arrivant dans ce désert, la jument redevint ogresse. Mais, voyant au loin deux passagers, le jeune homme dit:
„Va d’abord les manger, puis tu reviendras me dévorer"
L’ogresse partit alors à toute allure et le jeune homme, montant sur sa baguette magique, s’écria:
„O baguette de mon père et de ma mère, deviens un arbre très haut pour que l’ogresse ne me mange pas"
Et à ces mots, la baguette devint un haut dattier, si haut qu’il grattait presque le ciel.

Alors, à son retour, l’ogresse l’apercut au sommet de l’arbre et lui cria:
„Si je ne peux faire tomber l’arbre, les pluies le feront tomber, et si les pluies ne le peuvent , les neiges le pourront, et si les neiges ne le font, le vent, lui, le fera tomber."

Et l’ogresse se mit à ronger l’arbre avec ses dents, tandis que le jeune homme se nourrissait de dattes. Et alors qu’il ne restait à l’ogresse que quelques fibres de plus pour faire tomber l’arbre, le jeune homme apercut soudain, au loin, deux nouveaux passagers.
„Vas d’abord les manger, puis reviens ensuite me dévorer", cria-t-il alors à l’ogresse. Celle-ci partit à toute jambe et les dévora.

Le jeune homme prit alors sa baguette magique et dit:
„O baguette de mon père et de ma mère, redevenez un tronc de dattier non rongé"
Et quand l’ogresse revint, l’arbre avait retrouvé sa forme première. Et ce manège dura un an. Mais un jour, le jeune homme vit au loin un ami de son père. Il l’appela et lui dit:
Va dire à mon père que son fils est dans le désert, mais qu’il es sain et sauf grâce à la baguette magique qui est devenue en dattier, mais que l’ogresse le dévorera sous peu. Si tu oublies, le couscous que te donneront mes parents deviendra de la terre, la viande, des cailloux et la sauce, de l’eau."

Quand l’ami du père d’Aicha arriva, les parents lui apportèrent du couscous et il oublia de faire la commission. Le couscous devint alors de la terre et, se souvenant enfin, le voyageur raconta l’histoire du fils. À ces mots, le père, l’oncle, le cousin et les camarades du jeune homme prirent le chemin du désert.

Les voyant arriver, le jeune homme leur dit:
„Cachez-vous, sinon l’ogresse vous mangera"
À ces paroles tous se sauvèrent, sauf le camarade qui resta caché dans un tronc creux.

Le jeune homme s’ecria alors:
„Mon père m’a sacrifié, mon oncle m’a volé, mon cousin m’a aveuglé, mais mon ami m’a consolé!"
Entendant ce langage, l’ogresse tonca alors dévorer les fruyards. À ce moment-là, l’ami surgit comme l’éclair avec son cheval et s’écia:
„Crache, et si le crachat tombe juiste sur la selle, tu peux sauter. Si le crachat ne tombe pas sur la selle, à la prochaine fois..."


So, das wars dann mal fürs erste.

Bis zum zweiten Teil
Viele Grüsse


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18454
30/10/2001 08:06
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Nicola Offline
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hallo blandina und anna,

was? wie? wer hat geburtstag? anna du? auf jeden fall herzlichen glueckwunsch und feier schoen!!! ;\)

in der letzten zeit bin ich aus zeitgruenden leider nur sehr sehr selten dazugekommen, mal einen kurzen blick ins forum zu werfen, deshalb ist es ein besonders gluecklicher zufall, dass ich ausgerechnet heute 'reinschaue und blandinas maerchen vorfinde. schoen, dass du dir wieder so viel arbeit gemacht hast, blandina! ich werde mich ganz bestimmt bemuehen. allerdings koennte es diesmal etwas laenger mit der antwort dauern, da ich diese und naechste woche noch im chaos stecken duerfte.

bis dahin liebe gruesse
nicola

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18455
05/11/2001 13:11
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Süd-Baden
Blandina Offline
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Süd-Baden
Hallo zusammen,

@Nicola: lass Dir nur mal Zeit, der Spass soll dabei ja nicht verloren gehen.

@Anna: Teil II dauert leider noch ein bisschen Anna. Werde morgen nochmals für eine Woche nach Marokko fliegen um meinen Sonnentank endgültig für den Winter zu füllen ;\)
Danach kommt er dann aber.

Also, viele Grüsse
bis denn

-


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18456
26/12/2002 23:52
26/12/2002 23:52
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Süd-Baden
Blandina Offline
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Oh, oh.....
da habe ich doch glatt was vergessen
Anna, der 2.Teil ist mein nachträgliches diesjähriges Geburtstagsgeschenk. :rolleyes:
Kommt aber erst noch. :rolleyes:


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Blandina] #140909
30/11/2012 00:17
30/11/2012 00:17
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Hopp!

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #140911
30/11/2012 00:35
30/11/2012 00:35
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JasminH Offline

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hey shakir!

das ist ja eine ganze menge lesestoff. super da freu ich mich schon darauf, die märchen durchzulesen. daumen1 und da hatte anna recht: gerade jetzt wo es draussen kalt ist kommt das recht smile
und vielleicht kommt ja noch das eine oder andere märchen dazu...

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: JasminH] #140914
30/11/2012 02:08
30/11/2012 02:08
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hallo choppy,

dachte ich es mir doch. habs insbesondere für dich und katrin aus dem off gezaubert.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #140922
30/11/2012 11:58
30/11/2012 11:58
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danke shakir und dass du es dann noch insbesondere für uns hervorzauberst ist besonders nett smile bin sicher, dass sich auch die katrin total darüber freut und sicher noch viele andere user/innen laugh

lg
choppy smile

PS: du hast es echt durchschaut, dass wir märchen lieben haha

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: chibo72] #140925
30/11/2012 12:36
30/11/2012 12:36
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ait ben haddou marokko
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ait ben haddou marokko
super, ich liebe märchen
nur weiter so!
danke

andi
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: chibo72] #140926
30/11/2012 12:50
30/11/2012 12:50
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Danke . Wirklich schön . Auch ich liebe Märchen über alles. So schnell kann man Menschen glücklich machen.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #141791
26/12/2012 00:11
26/12/2012 00:11
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Hi Hai,

danke für die Sage vom Prinzen Achmed al Kamel, dem Liebespilger. Sie ist wundervoll, traumhaft und sooooooooooooo romantisch.

Pack` bitte noch ein paar alte Kisten aus und hol` deine Geschichten raus. KEIN großer staubiger Haufen Altpapier!
LG Katrin


PS.: Leider hörte die Geschichte kurz vor dem Ende auf und so blieb mir nichts weiter übrig, als meiner Fantasie freien Lauf (oder Google das Ende erzählen) zu lassen.
Wie traurig weinen2 , dass trotz der großen Liebe der beiden, Politik und Religion über die Sehnsüchte zweier Liebenden entschieden.
Warum hat er sie mit seinen Superkräften nicht einfach entführt?


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #141792
26/12/2012 00:14
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Hallo Shakir,

und damit auch mal etwas Neues dazu kommt, habe ich jetzt für dich eine Geschichte eingetippt.
Das war der Grund warum ich so lange verschwunden war... tanz2


Die Prinzessin und die Schlange

Es war einmal ein König, der wünschte sich siebzehn Jahre lang vergeblich ein Kind. Nach siebzehn Jahren wurde seine Frau schwanger und gebar ein Mädchen. Dieses Mädchen wurde groß. Ihr Vater, der König, ließ sie alle Arbeiten lernen, ließ sie die Wissenschaft lernen, gab sie in die Schule. Er wollte sie Philosophin werden lassen. Aber dies, die Philosophie, machte sie schwermütig: sie wollte allein sein, nicht unter Menschen. Und als sie allein saß und stickte, hörte sie einst eine Stimme: »Jetzt in der Jugend oder im Alter«, sagte diese Stimme. Vor Schrecken hierüber stieß sie einen Schrei aus. Ihre Mutter kam herauf und fand sie ohnmächtig. Sie er weckte sie mit vieler Anstrengung aus ihrer Ohnmacht und sagte zu ihr: »Ich will nicht, dass du allein bleibst. Was ist dir zugestoßen?« - »Ich hörte eine Stimme: >Jetzt in der Jugend oder im Alter! Eine Stimme wie ein Schrei und schrecklich.« Sie nahm sie mit, und sie blieben zusammen; sie ließen sie nicht mehr allein.

Es verging geraume Zeit. Da ging sie doch wieder hinauf, saß allein und stickte. Während sie stickte, hörte sie wieder dieselbe Stimme. Sogleich rief sie die Mutter. Es kam auch der Vater nach oben, der König. Er fragte sie: »Was hast du, meine Tochter?« - »Ich habe wieder dieselbe Stimme gehört«, sagte sie zu ihrem Vater. »Hole die Philosophen, meine Lehrer her, damit ich ihnen sage, was mir fehlt. Es ist keine Einbildung, es ist Tatsache; ich sehe es mit meinen Augen. Ich will es erzählen, damit wir sehen, was mein Leiden ist, daß wir es herausfinden.« Die Lehrer kamen, und sie erzählte es. Die Lehrer sagten: »Wenn du jene Stimme hörst, so sage - >Jetzt in der Jugend, wo ich noch die Kraft dazu habe «, und gingen weg.

Sie stieg zu der Kammer hinauf und stickte an dem Rahmen. Als sie jene Stimme hörte, sagte sie: »Jetzt, als junge Frau, wo ich noch die Kraft dazu habe!« In dem Augenblick, wo sie dies sagte, kam ein Adler, nahm sie mit seinen Fängen und flog davon. Alle standen und sahen, wie die Königstochter zum Himmel flog; sie war ihnen verloren. Die Mutter schloss den Palast, alles wurde in Schwarz gehüllt; die ganze Stadt trug Trauer. Selbst die Reittiere färbte der König schwarz.

Das Mädchen trug der Adler und warf sie in eine Wüste. Er gab ihr ein Tischtuch, ein Paar Holzschuhe und sagte zu ihr: »Breite das Tischtuch aus und verlange, welche Speise du willst, dass es sie dir gebe zum Essen und Wasser zum Trinken.« Der Adler flog davon und ließ sie allein. Sie sah nur den Himmel und die Erde. Sie weinte und schlug sich Tag und Nacht. Eine Prinzessin, und muss solche Qual in der Wüste erdulden! - Acht Jahre wanderte sie in der Wüste umher.

Nach acht Jahren sah sie eines Nachts ein Licht, sehr weit ab. Sie wanderte Tag und Nacht und näherte sich jenem Licht: es war ein Stall; sie kam zu Leuten, in ein anderes Land, nicht in der Nähe ihres eigenen. Es war ein Hirt, er hatte eines Königs Stall. Er hatte eine Frau und eine Tochter. jene bat den Hirten, dort bleiben zu dürfen. Sagte der Hirt: »Was soll ich mit dir machen? Ich bin arm, ich kann dich nicht ernähren.« Da sagte jene zu ihm: »Ich will nicht, daß du mich ernährst, ich habe zu leben; ich will kein Essen von dir.« Da sagte der Hirt: »Bleib!« Sie blieb mit der Frau des Hirten im Stall. Sie ging immer hinter den Stall, breitete das Tischtuch aus und aß. Der Hirt, seine Frau, seine Tochter wussten nicht, wie sie lebte, wo sie doch nicht mit ihnen aß; denn der Hirt ernährte sie nicht.

Die Tochter des Hirten brachte jeden Tag die Lieferungen für den König. Da erkrankte sie, und der Hirt meinte: »Wer soll die Lieferungen bringen?« jene sagte zu ihm: »Weine nicht, lass mich sie bringen!« Sagt der Hirt: »Weißt du sie hinzubringen?« Sprach Jene: »Ich weiß es nicht, aber weiß es nicht das Eselchen? Wo das Eselchen hingeht, da werde ich es abgeben, die Milch, die Käse und den Quark.« Sie nahm das Eselchen, das ging und blieb an der Tür der ältesten Tochter des Königs stehen. Man kam heraus, um die Waren abzunehmen. Sie fragten: »Hat der Hirt noch eine zweite Tochter?« Sie antwortete: »Er hat noch mich; ich war in der Schule, meine Schwester erkrankte, da habe ich die Sachen gebracht. « Die Prinzessin stand auf, um sie abzunehmen und die Gefäße zu leeren. jene ging an den Stickrahmen und stickte. Die Prinzessin sah sie und sagte zu ihr: »Verdirb es mir nicht!« Sie antwortete: »Sei getrost, ich verderbe es nicht.« Als die Prinzessin ihre Stickerei sah, war sie ganz närrisch vor Erstaunen und sagte zu der vermeintlichen Hirtentochter: »Du verstehst so etwas zu sticken? Deine Schwester wird gesund werden und in einem Monat wiederkommen; dann sollst du für mich sticken, und ich werde dir Geld dafür zahlen. « Sie schenkte ihr vielerlei, auch Geld. jene brachte es dem Hirten. Der Hirt freute sich und war erstaunt, wie sie das zustande gebracht hatte.

Am andern Morgen nahm sie die zweite Lieferung und brachte sie zu der jüngsten Tochter des Königs. Das Eselchen blieb vor der Tür stehen, und sie kamen heraus und nahmen die Sachen hinein. Sie sagten zur ihr: »Hat der Hirt noch eine zweite Tochter?« Sie antwortete ihnen: »Er hat noch mich und hatte mich bisher in der Schule.« Sie gingen, die Gefäße zu leeren. Die Prinzessin, die mit der Maschine nähte, stand auf. Da setzte sich jene hin und nähte an der Maschine der Prinzessin, und sie machte es besser als die Prinzessin. Sagte die Prinzessin: »Verdirb es mir nicht! « In diesem Augenblick vollendete sie das Kleid und sagte: »Ich verderbe es nicht.« Als die Prinzessin es sah, erstaunte sie: so gut hatte jene es gemacht, und sie sagte zu ihr: »Lass deine Schwester gesund werden, dann will ich dich zum Nähen nehmen. Es wäre schade, wenn ein so begabtes Mädchen im Stalle säße.« Sie antwortete: »Sehr gut, ich werde es meinem Vater sagen.«

Am andern Morgen war die Lieferung des Königs an der Reihe. Sie belud das Eselchen, nahm es und ließ es vorangehen; es ging und blieb vor der Tür des Königs stehen. Die Leute vom Schloss waren noch in der Kirche geblieben. Nur ein junges Dienstmädchen war da. Der Sohn des Königs war allein. Das Dienstmädchen sagte zu ihm: »Sag ihr, daß sie die Sachen ins Zimmer bringe.« Die war aber über die Maßen schön: sie leuchtete, wie die Sonne leuchtet. Als sie in das Zimmer gegangen war, verschloss der Sohn des Königs die Tür und hielt sie im Zimmer fest. Jene schaute sich im Zimmer um; sie sah zuerst nichts. Da sah sie Flinten und Degen; sie zog einen Degen, der an der Wand hing, und schlug dem Königssohn den Kopf ab. Sie warf ihn auf die Erde, nahm das Eselein, ging zu dem Hirten zurück und sagte zu ihm: »Da hast du das halbe Tischtuch, lege es nieder, so wird es Speisen geben zum Essen. « Sagte der Hirt: »Warum?« Sie antwortete: »Ich habe dem Sohn des Königs den Kopf abgeschlagen.« Sagte der Hirt: »Warum hast du das getan?« Sie antwortete: »Weil er mir die Ehre nehmen wollte. War sein Kopf besser als meine Ehre? Deshalb nahm ich seinen Kopf.«

Das Dienstmädchen ging und sagte es dem König. Der König kam und sah seinen Sohn getötet. Er nahm das ganze Heer und ging zu dem Hirten, und sie fesselten den Hirten und jene zugleich. Der König sagte zu ihr: »Warum hast du meinen Sohn getötet?« - »Warum ich ihn getötet habe? Weil er mir die Ehre nehmen wollte.« Sagt der Hirt: »Sie ist nicht meine Tochter. Vor anderthalb Jahren kam sie in meinen Stall. Ich gebe ihr weder zu essen noch zu trinken. Wie sie lebt, weiß ich nicht. Meine Tochter erkrankte, deshalb kam jene. Ich weiß nicht wer sie ist.« Sagt der König: »Sollen wir sie töten? So wird sie bald erlöst sein, so wird sie nicht gemartert. Sollen wir sie erwürgen? Wieder dasselbe. Sollen wir sie lebendig in den See werfen? Sollen wir sie in dem Grabe zusammen mit meinem Sohn einmauern?« Sie mauerten sie lebendig mit dem Toten im Grabe ein.

Nach drei Tagen kam eine Schlange, um die Augen des Toten zu fressen. Die Schlange ging wieder weg, nur ihre Jungen blieben zurück. jene zieht ihre Holzschuhe aus und tötet die jungen Schlangen, indem sie sagte: »Habe ich mich vor der Schlange gefürchtet, soll ich mich darum auch vor den jungen fürchten? Ich habe sie getötet.« Die Schlange kam, nahm ein Kraut und rieb die jungen, machte sie lebendig und ging mit ihnen davon. jene sammelte die Kräuter, die die Schlange hatte fallenlassen, brachte sie an den Kopf des Toten nahe dem Hals, rieb ihn mit jenem Kraut und machte ihn lebendig. Dann sagte sie zu ihm: »Wir wollen wie Geschwister leben.« Sie breitete das Tischtuch aus, und sie aßen, tranken und sangen. Sie lebten wie Geschwister

Ein Jahr verging, da veranstaltete der König eine Seelenmesse; und die Leute kamen von den Dörfern und gingen vorbei, um das Grab zu sehen, da hörten sie drinnen singen. Sie gingen zum König und sagten: »Erweist du seiner Seele oder seinem Leben den Liebesdienst?« Sagte der König zu ihnen: »Hört, Bauern, seid ihr gekommen, mich zu verspotten? Nehmt eure Köpfe in acht, die ich herunterwerfen werde!« - »Nein, o König, dein Sohn ist am Leben und hat die Frau drinnen, und sie singen. Wir gingen, sein Grab anzusehen, und hörten sie; er hat die Frau drinnen, und sie singen.« Als er von der Frau hörte, glaubte er es. Der König nahm Leute, und sie gingen und öffneten das Grab. Da sagte jene zum Königssohn: »Mich werden sie im Grabe lassen und wieder einmauern.« Antwortet der Königssohn: »Du wirst zuerst hinausgehen und ich danach. <~ Die Leute kamen und öffneten das Grab; und der Königssohn sagte: ,Werft keinen Stein herab, dass ihr mich nicht trefft! Ich bin am Leben.« Sagt der König: »Die wollen wir nicht herauslassen, sondern wieder im Grabe einmauern.« Sagt der Königssohn: »Die wird zuerst hinausgehen und dann ich: mein Leben und mein Tod ist sie.« Sie kamen heraus; alle Leute aber wunderten sich, ihn, den Getöteten, nach einem Jahr noch am Leben zu sehen.

Er ging mit ihr zum Schloss und verlobte sich mit ihr. Aber sie sagte zu ihm: »Hüte dich, auch nur mit dem Finger in üblem Sinne auf mich hinzuweisen!« Der wagte nicht ein einziges Mal, sie zu fragen, woher sie sei. Als sie ins Schloss gegangen war und dort blieb, sah sie viele Leute, die aus ihrer Heimat kamen. Einst sagte sie zu ihrem Verlobten: »Nimm einen kleinen Wagen, wir wollen ein Stück spazieren fahren, weil ich viel gelitten habe.« Er antwortete: »Nehmen wir einen!« Er nahm den Wagen zur Ausfahrt und fragte seine älteste Schwester: »Was willst du, dass ich dir vom Basar mitbringe?« Sie sagte: »Einige Pferdeäpfel bringe mir mit dem Eselchen, das die Milch trägt.« Er antwortete: »Zu Befehl.« Dasselbe fragte er seine jüngste Schwester: »Was soll ich dir mitbringen? Ich gehe einkaufen.« Sie antwortete: »Einige Pferdeäpfel.« Und er sagte wieder: »Zu Befehl. « Er fragte ihre Schwiegermutter: »Was soll ich dir mitbringen?« Sie antwortete: »Bringe mir das Taschentuch für die Verlobung.« Er sagte: »Zu Befehl.« Dann sagte er zu dem Schwiegervater: »Was soll ich dir mitbringen? Ich will einkaufen. « Der Schwiegervater antwortete: »Bringe mir den Verlobungsring.« Er antwortete: »Zu Befehl.«

Sie schickte den Kutscher weg und stieg mit ihrem Bräutigam in den Wagen und nahm den Weg nach ihrer Heimat. Ihr Bräutigam war sehr in Angst, weil er nicht wusste, wohin sie ihn führe. jenen Tag fuhr auch ihre Mutter aus und ihr Vater, der König, in der gläsernen Kutsche und fuhren spazieren. Sie waren aufs Feld gekommen. jene fuhr gerade auf die Kutsche los. Ihr Bräutigam schrie: »Du wirst mit der königlichen Kutsche zusammenstoßen, und sie werden uns vernichten. « jene sprach gar nichts; mit ihrer eigenen Kutsche zerbrach sie die ihrer Mutter mit den Glasscheiben. Ihr Bräutigam war außer sich, als er sah, dass sie den Wagen zerbrach, er fürchtete sich sehr; er wusste ja nicht, dass sie deren Tochter sei. Da rief die Mutter: »Meine Tochter! Wo warst du?« Die Tochter antwortete: »Ich war in der Wüste.« - »Wenn es regnete, wo hieltest du dich da auf?« »Unterm Felsen.« Da war er noch mehr außer sich, als er sah, dass sie eine so hohe Prinzessin sei, und sagte: »Es gehörte sich, dass du mir den Kopf nahmst, du warst ganz im Recht, da du eine solche Prinzessin warst; es gehörte sich, dass du so mit mir verfuhrst. Ich bitte dich um Verzeihung.«

Dann gingen sie zu dem König, dem Vater des Bräutigams, und brachten die Geschenke: dem König Krone und Ring, der Schwiegermutter ein Taschentuch mit Gold gestickt und ein Diadem mit Brillanten und mit kostbaren Steinen; den Schwägerinnen brachte sie Blumen und Armbänder aus Brillanten. Sie tat auch die Pferdeäpfel zugleich in den Korb. Dann holten sie die Schwäger und Schwägerinnen und feierten die Hochzeit.


PS.: Eine die keine Prinzessin ist, hat weniger Ehre? Wat für ´ne eigenartige Welt…
nixweiss1


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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #142218
06/01/2013 00:53
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> Girl: do you love me although I am blind? And there are many other beautiful girls better than me, or you are just having a mercy toward me?
> Man: no I really love you, and all I wish from you in my life is to be my wife
> Girl: if you make me see again I promise to accept you and I will spend the rest of my life with you, but who can dare to give his eyes to me and will stay in darkness
> _ One day he comes delightfully announcing, I found the donator/contributor who can gives you his eyes, and then you will be able to see again, and you will carry out your promise to marry me, he said.
> _ As soon as she got a new eyes, and while he was standing beside her and holding her hands (maybe in a hospital) she opened her eyes, saw him and screamed, are you blind too?!! She said.
> Then she started to wipe,
> Man: don’t worry my love; you will be my eyes now and my guide, so when we can get married ?
> Girl: do I must marry a blind person? I will not, and as you know I can see now
> Man: he cried and said, ok please forgive me, who I am to marry me!, but before you leave me, I want you to promise me, to take care of my eyes I gave you.

In der Geschichte geht es darum, dass er eine blinde Frau liebt und ihr als Zeichen seiner Liebe seine Augen schenkt. Sie nimmt ihn aber dann nicht mehr zum Mann, weil er nun blind ist.


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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #143932
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is` noch wiiiiiiinter. hier was für´s kaminfeuer und lange abende:



Geschichte des versteinerten Prinzen
»Wisse, o Herr! mein Vater war König dieser Stadt, sein Name war Sultan Mahmud, er regierte ungefähr 70 Jahre lang über die Inseln dieser Berge. Als er starb, regierte ich an seiner Stelle und heiratete meine Muhme, die mich so sehr liebte, dass, wenn ich nur einen Tag von ihr abwesend war, sie weder aß und trank, bis ich wieder bei ihr war; sie lebte auf diese Weise fünf Jahre mit mir. Eines Tags ging sie ins Bad, ordnete ein Nachtessen an, dann kam ich in dieses Schloss und schlief hier, an dem Orte, wo du jetzt dich befindest; ich ließ zwei Sklavinnen zu mir kommen, mich zu beräuchern. Eine saß mir zu Häupten und die andere zu Füßen. Es war mir nicht recht wohl, ich konnte nicht schlafen, obschon meine Augen geschlossen waren, ich atmete schwer. Da hörte ich, wie die eine Sklavin zur anderen sagte: »O Masuda! sieh unseren armen Herrn! Schade für seine Jugend, die er mit unserer verfluchten Herrin zubringen muss.« »Schweige!« sagte die andere, »Gott verdamme die Verräterinnen und Buhlerinnen. Es passt wirklich ein junger Mann, wie unser König, nicht zu dieser Metze, die keine Nacht zu Hause schläft« Aber unser Herr ist sehr dumm«, versetzte die erstere wieder, »er sollte es doch merken, wenn er nachts erwacht und sie nicht neben sich findet.« »Weh dir«, sagte die zweite, »Gott verdamme die Metze, unsere Gebieterin, die gibt ihm einen Schlaftrank, dass er wie ein Toter schläft, dann geht sie aus, bleibt bis Morgens weg, wo sie erst ihren Mann aufweckt mit Räucherwerk, das sie ihm vor seine Nase hält. Schade um ihn!« »Als ich«, sagte der Jüngling, »dies Gespräch der beiden Sklavinnen hörte, ward ich sehr aufgebracht, Wie nun meine Frau aus dem Bade kam, konnte ich die Nacht nicht erwarten, wir ließen den Tisch bereiten, aßen ein wenig, gingen dann zu Bett, sie reichte mir wieder einen Schlaftrank, ich tat, als wenn ich tränke, goss ihn aber aus, dann stellte ich mich, als wenn ich schliefe und streckte mich auf dem Lager aus. Da sprach sie: »Schlafe! o möchtest du nie mehr erwachen! Bei Gott, deine Gestalt ist mir zum Ekel, ich bin deiner satt.« Sie stand dann auf, kleidete sich an, beräucherte sich, umgürtete mein Schwert, öffnete die Türe und ging hinaus; ich stand auf und folgte ihr durch die ganze Stadt nach bis ans Tor, ohne dass sie mich bemerkte, sie sagte am Tor etwas, das ich nicht verstand, die Riegel fielen und das Tor öffnete sich von selbst, sie ging zum Tor hinaus, ich folgte ihr, bis sie zwischen einigen Schutthaufen an eine kleine Hütte aus Ziegelsteinen kam, ich stellte mich auf das Dach der Hütte und belauschte sie, und siehe da, meine Frau stand vor einem alten schwarzen Sklaven, der auf einem Bündel Rohr saß, ganz in Lumpen gekleidet. Sie küsste die Erde vor ihm. Der Sklave hob seinen Kopf zu ihr auf und sagte: »Wehe dir, wo bleibst du so lange? Soeben waren unsere schwarzen Vettern da, und haben sich jeder mit seinem Liebchen vergnügt, und haben getrunken, ich wollte nichts trinken, weil du abwesend warst.« Da sagte meine Frau: »O mein Herz! Geliebter meines Herzens! weißt du nicht, dass ich mit meinem Vetter verheiratet bin? dass ich die Welt hasse, weil ich ihn sehen muss; wenn ich nichts für dich fürchtete, so ließe ich die Sonne nicht aufgehen, ehe ich seine Stadt verwüstet hätte, dass Nachteulen und Raben darin herumschrieen und Füchse und Wölfe darin wohnten; ich würde ihre Steine hinter den Berg Kaf werfen, « »Du lügst«, sagte der Schwarze, »du Verdammte! Ich schwöre dir bei der Ehre der Schwarzen, dass wir von dieser Nacht an nicht mehr mit unseren Vettern zusammenkommen, ich werde gar nicht mehr dein Freund sein und dich nicht mehr berühren. Du Verdammte spielst nur so mit uns; sind wir denn nur für deine Lust da, du Übelriechende!« Als ich hörte, wie er mit ihr umging, ward die Welt ganz schwarz vor mir, ich wusste nicht mehr, wo ich war. Meine Frau fing an zu weinen und sagte zu dem Schwarzen: »O Geliebter meines Herzens! was bleibt mir, wenn du mir zürnst? wer nimmt mich auf, wenn du mich verjagst? O mein Geliebter! mein Herz! mein Augenlicht!« Sie hörte nicht auf, vor ihm zu weinen und zu flehen, bis er wieder gut war; da freute sie sich, legte einige Kleider ab und sagte: »Mein Herr! hast du nichts zu essen für deine Sklavin?« Er antwortete: »Decke dieses Becken auf!« Sie deckte es auf und fand darin ein Stück von einer Maus; dieses aß sie, dann sagte er ihr: »In diesem Topf ist noch Bier, trinke es!« Sie trank, wusch ihre Hand, setzte sich dann zu ihm auf das Bündel Rohr mitten unter den Lumpen. Ich stieg vom Dache herunter, nahm das Schwert, mit dem meine Frau gekommen, und schwang es, um beide zu töten; ich schlug zuerst den Schwarzen auf den Hals und glaubte schon mit ihm fertig zu sein, aber ich durchschlug nur die Haut, das Fleisch und die Kehle, es waren jedoch die Halsadern nicht durchschnitten. Ich glaubte indessen doch, ihn getötet zu haben, er schrie laut auf und meine Frau fiel seitwärts so, dass sie hinter mir war; ich legte dann das Schwert nieder an seine Stelle, kehrte zur Stadt zurück, ging ins Schloss, begab mich in mein Bett und blieb bis zum Morgen liegen. Als meine Frau zurückkam, sah ich, dass sie ihre Haare abgeschnitten und Trauerkleider angezogen hatte; sie sagte mir: »O mein Vetter, wirst du dich wohl dem, was ich tue widersetzen wollen? Wisse, ich habe Nachricht erhalten, dass meine Mutter gestorben ist, dass mein Vater im heiligen Kriege umgekommen, dass einer meiner Brüder durch einen Schlangenbiss und ein anderer durch einen Sturz das Leben verloren; ich muss daher weinen und trauern.« Als ich dies hörte, ließ ich sie gehen und sagte ihr: »Tu was du willst, ich werde dich nicht hindern.« Sie verharrte nun ein volles Jahr in Weinen und Trauern.« Nach einem Jahr sprach sie zu mir: »Ich möchte, dass du mir im Hause eine Grabstätte mit einem Zimmer bauen ließest, damit ich darin allein trauern könnte, ich würde es das Trauergebäude nennen.« Ich sagte ihr wieder: »Tu, was dir gut dünkt!« Jetzt erteilte sie sogleich Befehl, ließ sich das 'Trauerhaus bauen, und in dessen Mitte eine Kuppel errichten. Den Sklaven aber brachte sie in die Grabeshöhle. Diesem war nicht mehr zu helfen. Er lebte zwar, denn seine Zeit war nicht abgelaufen, auch konnte er noch trinken, aber vom Tage an, wo ich ihn verwundet hatte, nicht mehr sprechen. Meine Frau besuchte ihn nun morgens und abends, und weinte und brachte ihm Wein und Fleischsuppen. So verging ein ganzes Jahr, in welchem ich alles dieses mit Geduld ertrug. Nach diesem Jahre ging ich ihr einmal nach, ohne dass sie es merkte: ich hörte, wie sie weinte und sagte: »O mein Geliebter! o mein Herz! Warum muss ich das von deiner Liebe erfahren? warum sieht dich mein Auge nicht immer und warum in einem solchen Zustand? warum sprichst du nicht mit mir, o sage mir doch etwas!« dann fügte sie noch folgende Verse hinzu:

»Ein Tag der Wunscherfüllung ist der, an welchem ich eure Nähe gewonnen, ein Tag des Unheils der, an welchem ihr euch von mir trennt. Wenn ich in der größten Angst und Furcht übernachte, so ist mir eure Nähe doch süßer als die gewisseste Sicherheit.«

»Lebte ich im schönsten Wohlbehagen und besäße ich die ganze Welt, das Reich der Chosroen, so würde ich es doch nicht so hoch als den Flügel einer Mücke anschlagen, wenn mein Auge dich nicht sähe.«

Als sie dies vollendet hatte, sagte ich zu ihr: »Muhme, höre doch einmal auf zu trauern! Du hast genug vergebens geweint.« Sie antwortete mir: »Widersetze dich meinem Willen nicht, sonst bringe ich mich um.« Ich schwieg und überließ sie ihrem Zustand; sie aber fuhr wieder ein Jahr fort zu trauern und zu weinen. Nach dem dritten Jahr, an einem Tage, wo ich gerade eines unangenehmen Ereignisses willen im Zorne war, ging ich ihr wieder nach, denn nun dauerte mir diese Qual doch zu lange; ich fand sie bei der Grabeshöhle unter der Kuppel und hörte, wie sie sagte: »Werde ich denn, o mein Herr, kein einziges Wort mehr von dir vernehmen? nun gibst du mir schon drei Jahre keine Antwort.« Dann vernahm ich folgende Verse von ihr:

»O Grab! o Grab! haben seine Reize aufgehört zu sein? ist seine blühende Gestalt von dir gewichen? O Grab, du bist ja doch kein Himmel und kein Lustgarten, wie kann Sonne und Mond sich in dir vereinigen?«

Mein Zorn nahm überhand, als ich dies hörte, und ich rief: »Wehe! wie lange wird noch dieser Schmerz dauern.« Dann aber sprach ich folgende Verse:

»O Grab! o Grab! haben seine Unvollkommenheiten noch nicht aufgehört? hat sein abscheulicher Blick sich von dir gewandt? O Grab! du bist ja doch kein Teich und kein Topf, wie kann Schmutz und Ruß sich in dir vereinigen?«

Als sie meine Verse hörte, stand sie auf und sagte: »Wehe dir! du Hund! du hast mir dies getan, du hast den Geliebten meines Herzens verwundet und hast mich um seine Jugend durch seinen Tod gebracht. Nun ist er schon drei Jahre weder tot noch lebendig.« Ich antwortete: »O du abscheulichste, du schmutzigste Dirne unter allen, die Schwarze lieben! Freilich habe ich dies getan.« Jetzt entblößte ich mein Schwert und ging auf sie zu, um sie umzubringen; als sie dies sah, rief sie lachend: »Ziehe dich zurück, wie ein Hund! was vorüber ist, kehrt nicht mehr wieder, bis die Toten wieder belebt werden. Gott hat mir Macht gegeben über den, der mir etwas getan, worüber in meinem Herzen ein unauslöschliches Feuer entbrannte.« Sie stellte sich dann aufrecht auf die Füße, sprach etwas, das ich nicht verstand und rief: »Werde durch meine Kraft und meinen Zauber halb Stein und halb Mensch!« Ich ward nun sogleich, wie du mich jetzt siehst, o Herr! Betrübt und niedergeschlagen, kann ich weder stehen, noch sitzen, noch schlafen, ich bin nicht tot bei den Toten und lebe nicht mit den Lebendigen.

»Als ich so war, wie du mich jetzt siehst«, erzählte der verzauberte Mann ferner, »erhob sich meine Frau und verzauberte die Stadt mit allen Gärten und Marktplätzen, und dies ist der Ort, wo jetzt deine Zelte mit den Truppen sind. Die Bewohner der Stadt waren Muselmänner, Christen, Juden und Feueranbeter. Sie verzauberte nun die Muselmänner in weiße Fische, die Feueranbeter in rote, die Christen in blaue und die Juden in gelbe, ebenso verwandelte sie die Inseln in vier Berge, die sie mit einem See umgab. Aber dies genügte ihr noch nicht. Nun kommt sie noch jeden Tag, entkleidet mich, gibt mir hundert Streiche, bis mein Blut fließt und meine Schultern wund sind; dann umkleidet sie meinen Oberleib mit einem härenen Stoffe und hüllt darüber dieses Ehrenkleid.« Der junge Mann weinte hierauf und sprach folgende Verse:

»Ich trage standhaft deinen Beschluss und dein Urteil, o Gott! Ich habe Geduld, wenn du an diesem Zustande Wohlgefallen hast; man hat mir Unrecht und Gewalt angetan, doch wird vielleicht das Paradies mir meinen Verlust ersetzen. Gewiss, mein Herr, entgeht deinem Auge kein Übeltäter, ich bete daher zu dir, schütze mich gegen das Unrecht meiner Quäler.«

Der Sultan sprach zu dem verzauberten Manne: »Du hast zwar meine Wissbegierde gestillt, doch meinen Kummer nur noch vermehrt: wo, junger Mann, ist sie und wo ist der Sklave?«

»Mein Herr«, antwortete hierauf der junge Mann, »der Sklave liegt in der Grabstätte unter der Kuppel, und sie ist in dem Saale, dieser Tür gegenüber; sie besucht den Sklaven täglich bei Sonnenaufgang, und wenn sie dann zurückkommt, gibt sie mir die hundert Prügel; ich schreie und weine, kann mich aber nicht bewegen, um sie zu bändigen, ich habe keine Kraft, mich zu verteidigen, weil die eine Hälfte meines Körpers aus Stein und nur die andere Hälfte aus Fleisch und Blut ist. Nach meiner Züchtigung geht sie dann wieder zum Sklaven, gibt ihm Wein und Fleischbrühe zu trinken, und am Morgen früh kehrt sie erst wieder zurück. Da sprach der König: »Bei Gott! junger Mann, ich werde hier etwas tun, was lange nach mir allenthalben erzählt werden wird.« Er setzte sich hierauf nieder und unterhielt sich mit dem jungen Manne bis zur Nacht. Sie schliefen dann bis an den Morgen, da machte sich der König auf, legte einen Teil seiner Kleider ab, zog sein Schwert aus der Scheide und ging zur Grabstätte. Hier erblickte er viele Wachskerzen und Lampen, Weihrauch, wohlriechende Öle und andere Aromen: er schritt auf den Sklaven zu, tötete ihn und warf ihn in einen Brunnen, der im Schlosse war. Dann zog er des Sklaven Kleider

an, legte sich tief in die Grabeshöhle, behielt aber immer sein bloßes Schwert unter den Kleidern. Nach einer Weile kam die verruchte Zauberin, und das erste, was sie tat, war, ihren Vetter zu entkleiden und ihn tüchtig durchzuprügeln. Ihr Vetter schrie: »O wehe, Muhme, habe Mitleid mit mir, ich habe genug gelitten, der Zustand, in dem ich mich befinde, genüge dir!« Sie aber antwortete: »Hast du wohl mit meinem Geliebten Mitleid gehabt?«

Als die Zauberin ihren Vetter geschlagen, bis sie müde war und das Blut von seinen Seiten herabfloss, kleidete sie ihn in ein härenes Kleid, legte ein linnenes darüber und ging dann zum Sklaven. Sie nahm, wie gewöhnlich, Wein und Fleischbrühe mit, und als sie unter die Kuppel trat, fing sie an zu weinen und zu schreien: »O Geliebter, es war doch sonst deine Gewohnheit nicht, mir deine Nähe zu versagen; o stoße mich nicht länger zurück! besuche mich wieder, denn dein Besuch gibt mir Leben. O nahe dich mir! die Trennung ist doch nicht in deiner Gewohnheit: bleibe nicht fern von mir, denn unsere Feinde frohlocken über uns! O mein Herr, sprich mit mir!« Sie fügte diesen Klagen noch folgende Verse hinzu:

»Wie lange noch diese Zurückhaltung? diese Pein? habe ich noch nicht genug Tränen vergossen?«

»O mein Geliebter! sprich doch mit mir! sage mir doch etwas! o meine Seele, antworte mir doch!« Da sprach der König mit schwerer Zunge und tiefer Stimme, so wie die Schwarzen reden: »Ach! ach! ach! es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei dem erhabenen Gott.« Als sie ihn sprechen hörte, freute sie sich so sehr, dass sie in Ohnmacht fiel; als sie wieder zu sich gekommen, sprach sie: »O mein Herr! hast du wirklich mit mir gesprochen? ist es wahr, dass du mich angeredet?« Da erwiderte der König: »Du Verfluchte! verdienst du wohl, dass jemand dich anrede?« Sie fragte: »Warum, dies?« und er antwortete: »Du quälst deinen Gemahl den ganzen Tag, er schreit immer um Hilfe, so dass ich gar nicht schlafen kann, er weint und klagt von abends bis morgens und flucht dir und mir. Nun ist mir dies schon längst zum Überdruss und höchst lästig; und wäre dies nicht, ich wäre längst wieder genesen; das ist die Ursache, warum ich dir so lange nicht geantwortet und nichts mit dir gesprochen habe.« Sie antwortete hierauf: »Mit deiner Erlaubnis, mein Herr, will ich ihn befreien;« und da er zu ihr sagte: »So befreie ihn denn, dass wir einmal Ruhe vor ihm bekommen«, so ging sie hinaus, nahm eine Schüssel voll Wasser, sprach etwas darüber, bis es zu kochen und aufzuwallen anfing, wie ein Topf am Feuer; sie bespritzte hierauf ihren Gemahl damit und sprach: »Bei der Wahrheit dessen, was ich eben gesehen und gesprochen, hat dich Gott so geschaffen oder aus Zorn dir diese Gestalt gegeben, so verändere dich nicht, bist du aber durch meine Zauberkunst so geworden, so nimm durch die Kraft des Schöpfers der Welt deine frühere Gestalt wieder an!«

Sogleich erhob sich der junge Mann ganz aufrecht, freute sich seiner Befreiung und dass er lebte, und rief: »Gott sei gelobt!« Die Frau aber sagte ihm: »Geh von mir hinweg und komme nie wieder hierher: sobald ich dich wieder sehe, töte ich dich.« Als er weggegangen war, kehrte sie zur Kuppel zurück, trat in die Grabeshöhle hinunter und sagte: »O mein Herr, komme doch heraus, damit ich deine schöne Gestalt wiedersehe.« Der König antwortete wieder in einer Sprache, die der eines Schwarzen glich: »Wohl hast du jetzt mir vor einem Zweige Ruhe verschafft, nun aber schaffe mir auch Ruhe vor dem Stamme!« Sie antwortete: »O mein Herr! was ist denn der Stamm?« »Wehe dir!« versetzte er, »du Verruchte, es sind die Bewohner der Stadt der vier Inseln! denn jede Nacht um Mitternacht strecken die Fische ihre Köpfe in die Höhe, schreien um Hilfe und fluchen mir; darum kann ich nicht gesund werden. Gehe also schnell hin und befreie sie, kehre dann wieder zurück; gib mir die Hand und hilf mir aufstehen, denn schon sehr nahe bin ich wieder der Genesung.« Als sie dies hörte, freute sie sich mit der guten Botschaft und sprach: »Recht gern, mein Herr! im Namen Gottes, mein Herz!« Sie machte sich dann auf, ging zum See und nahm ein wenig Wasser daraus und sprach einiges über das Wasser, da fingen die Fische an zu tanzen, ihr Zauber löste sich und die Stadtbewohner standen wieder da, kauften und verkauften, gaben und nahmen. Sie kehrte jetzt wieder zur Kuppel und sprach: »O mein Herr! gib mir deine edle Hand und steh auf!« Da sagte der König mit tiefer Stimme: »Komm näher!« Sie trat näher zu ihm hin. »Komm noch näher!« rief er wieder. Als sie nun hierauf ganz nahe zu ihm hinging, bis sie ihn berührte, sprang der König auf, spaltete sie mit dem Schwerte in zwei Teile und warf sie so geteilt auf den Boden, dann ging er hinaus und fand den entzauberten Mann, der ihn erwartete und den er zu seiner Rettung beglückwünschte. Der junge Mann küsste die Hand des Sultans, dankte ihm und wünschte ihm viel Gutes. Der König fragte ihn: »Willst du in deiner Stadt bleiben oder willst du mit mir in meine Stadt kommen?« Da erwiderte der junge Mann: »O Herr der Zeit und Meister deines Jahrhunderts, weißt du wohl, wie weit von meiner Stadt zu der deinigen ist?« »Eine halbe Tagesreise«, antwortete der König. Aber der junge Mann sagte ihm: »Erwache doch! man braucht ein volles Jahr von deiner Stadt zur meinigen; nur als du hierher kamst, war die Stadt verzaubert und der Weg dahin so nahe. Jetzt kann ich dich keinen Augenblick verlassen.« Da sagte der König: »Gelobt sei Gott, der dich mir beschert, du sollst nun mein Sohn werden, da ich noch in meinem Leben mit keinem Sohne beschenkt worden bin.« Sie umarmten sich, küssten sich, dankten einander und freuten sich. Als sie miteinander ins Schloss kamen, sagte der entzauberte König den Großen und Ausgezeichneten seines Reichs, dass er nun eine Reise machen wolle; er packte dann ein, was er für die Reise brauchte. Die Fürsten und Kaufleute der Stadt brachten ihm alles, was er bedurfte, und er machte zehn Tage lang seine Vorbereitungen zur Reise. Dann reiste er ab mit dem Sultan, dessen Herz sich nach` seiner Residenz sehnte, von der er so lange abwesend war. Er nahm fünfzig Sklaven mit und hundert Ladungen an Geschenken, Vorräten und Gütern. Die Sklaven mussten sie auf der Reise bedienen, die sie ein ganzes Jahr lang, Tag und Nacht, fortsetzten.

Gott hatte ihnen eine glückliche Reise bestimmt. Sie langten in der Stadt an und ließen sogleich dem Vezier sagen, dass der Sultan glücklich angekommen sei. Der Vezier, alle Truppen und die größte Zahl der Einwohner zogen höchst erfreut dem Sultan entgegen, denn schon hatten sie alle Hoffnung verloren, ihn jemals wiederzufinden. Sie schmückten die Häuser der Stadt und breiteten seidene Teppiche auf den Boden aus. Nachdem die Truppen alle vorübermarschiert waren, blieb der Vezier beim Sultan, es verbeugten sich aber alle vor dem Sultan und brachten ihm ihre Glückwünsche dar. Der König setzte sich auf den Thron und sagte seinem Vezier alles, was dem jungen Manne widerfahren, er erzählte ihm auch, was er selbst dessen Muhme getan, und wie er dadurch jenen und die ganze Stadt befreit habe, weshalb er ein ganzes Jahr abwesend geblieben. Der Vezier wandte sich hierauf zum jungen Manne und wünschte ihm Glück zu seiner Rettung. Der König bestätigte dann die Verweser und Adjutanten, einen jeden in seinem Range, verteilte Ehrenkleider und machte viele Geschenke; er schickte auch nach dem Fischer, der die Ursache der Befreiung des jungen Mannes und der Einwohner gewesen war. Als jener erschien, beschenkte er ihn und fragte ihn, ob er Kinder habe. Nachdem dieser geantwortet, er habe einen Sohn und zwei Töchter, musste er sie gleich holen, der König heiratete die eine und der junge Mann die andere. Hierauf machte der König den Fischer zu seinem Schatzmeister. Dem Vezier verlieh er eine Ehrenkette und schickte ihn als Sultan in die Stadt der schwarzen Inseln, nachdem er ihn hatte schwören lassen, dass er ihn besuchen wolle. Die fünfzig Sklaven, die er mitgebracht hatte, gab er ihm mit und viel Volk, und die übrigen Großen und Statthalter wurden reichlich beschenkt. Der Vezier verabschiedete sich dann, küsste dem König die Hand und reiste ab; der Sultan und der junge Mann blieben in der Stadt, und der Fischer ward einer der reichsten Leute jener Zeit und seine Töchter waren alle mit Königen verheiratet.


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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #149075
31/07/2013 23:28
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Im Kreis gedacht
von whn61

Es war einmal ein Königreich, das baute Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen. Damit führte es früher sehr viele Kriege gegen andere Völker. Irgendwann in grauer Vergangenheit, verlor es den einen entscheidenden Krieg. Die Sieger zerteilten diese Land in verschiedene Teile und bewachten die Menschen, weil sie diese für unbelehrbar und aggressiv hielten. Aber bald erkannten die Bewacher, dass das Völkchen sehr fleißig war und die Spuren der Kriege schnell beseitigte. Sie schlossen mit den zerteilten neuen Völkern einen neuen Pakt und bekämpften sich fortan gegenseitig und produzierten fleißig Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen, die sie dann wiederum für gutes Geld in die verschiedenen Länder brachten und nannten es "Aufbauhilfe".

Ein kleines Teilstück der neuen Völker wollte anders sein. Es baute eine große Mauer um sein Land herum und ließ nur einige wenige Menschen hinein oder hinaus. Die meisten Menschen in diesem Land waren mit ihrem bescheidenen Dasein glücklich und richteten sich ihr Leben danach ein. Die Mauer störte sie schon, aber sie sahen den Sinn darin, beschützt zu sein vor der grausamen Welt um sie herum. Sie wehrten sich nicht und lebten ein zufriedenes, glückliches Leben. Natürlich bauten auch sie Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen, die sie in Länder schickten, die gegen die Länder kämpften, die von den anderen neuen Völkchen ihre Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen bekamen.
Eines Tages begann eine kleine Gruppe, sich zu wehren. Sie wollten die Mauer nicht mehr. Sie gingen auf die Straße und protestierten gegen ihren König und sein Gefolge. Der König war alt und seine Berater wollten nicht schon wieder einen Krieg. Die Berater berieten untereinander, miteinander, gegeneinander. Sie berieten sich mit der Armee und den Betrieben und Parteien. Sie berieten und berieten und dann unterlief einem Berater ein Fehler. Er versprach im offiziellen Fernsehen, so etwas gab es inzwischen in diesem Land, die Mauer zu öffnen und vergaß einen Zeitplan zu erstellen. Er war schon alt, der Fehler war klein und solche Fehler können passieren. In diesem Falle war der Fehler fatal. Einer seiner Ritter, die die Grenze bewachten, verstand das Versprechen falsch und ließ die Menschen durch die Mauer hindurch.
Tausende, Zehntausende, ja Hunderttausende gingen, liefen, fuhren durch die Mauer. Einige schlugen sich zur Erinnerung kleine Stücken aus der Mauer. Alle wollten die andere Seite der Mauer sehen. Sie erwarteten dort das gelobte Land, das allen Wohlstand und Glück versprach. Sie liefen durch die Straßen, besuchten Freunde und Verwandte. Einige begannen sich ein neues Leben auf der anderen Seite der Mauer aufzubauen.
All die Unkenrufe, dass dort der Teufel sein Geschäft mache, das kleine Land innerhalb der Mauer ausbluten würde, die Menschen keine Chancen hätten, verhallten jahrelang nicht.
Heute leben die Menschen vor und hinter der Mauer, die jetzt nur noch in einigen vertrockneten Köpfen existiert, gemeinsam. Sie streiten sich, arbeiten gemeinsam, gründen Familien und…
…bauen wieder viele gefährliche Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen. Diese schicken sie nun wieder gemeinsam mit ihren ehemaligen Bewachern in andere Länder und nennen es wieder "Aufbauhilfe" und das Land außerhalb der eigenen Grenzen verteidigen. Wieder verdient das nun wiedervereinte kleine Land gut mit dem Tod und dem Diebstahl von Bodenschätzen. Dieses Mal hat es das jetzt größere und stärkere Land schlauer angestellt. Es nutzt seine eigenen Kommunikationsanlagen dafür, seinem Volk zu erklären, wer der neue Feind ist, dass dieser bösartig und aggressiv ist.
Die Menschen in dem Land leben gut und sicher. Sie schicken ihre Ritter in weit entfernte ferne Länder und zeigen in ihren Kommunikationsanlagen, wie ihre Ritter „Aufbauhilfe“ leisten, wie wichtig diese „Aufbauleistungen“ sind, in den unterentwickelten Ländern und dass die Menschen dort ohne die Hilfe der Ritter in Unfreiheit leben würden. Die Menschen dort werden nicht gefragt, ob sie unsere Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen wollen.
Und den Menschen dort, die gern das Land sehen wollen, das diese modernen Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen baut und natürlich werden dort auch andere schöne Dinge hergestellt, die das Leben angenehm machen, wird eingeredet, dass sie besser in ihrem eigenen Land bleiben sollten, weil sie dort beschützt sind vor der grausamen Welt um sie herum. Aber auch sie sind glücklich und richten sich ihr Leben ein mit einem bescheidenen Dasein.
Aber dem Traum von der anderen Seite der Grenze, eine Mauer haben sie sich nicht gebaut, das haben die Waffen-, Kommunikations- und Transportmittelbauer für sie gemacht, kann ihnen keiner nehmen.
Sie werden, wie einst das Völkchen, das seine eigene Mauer eingerissen hat, die Grenzen überwinden und sie werden, genau wie das kleine Völkchen, sich mit den anderen Völkern vereinen.
Sie wollen keine Kriege, sie wollen ihre Heimat aufbauen, von anderen Völkern lernen, diesen ihr Wissen und ihre Erfahrungen zeigen und diesen beweisen, dass sie nicht aggressiv und gefährlich sind. Leider werden bis dahin ihre Landsleute in Kriegen kämpfen müssen, die sie nicht wollen und gefährliche Wege gehen müssen, die sie nicht kennen. Einige von ihnen werden es schaffen, andere werden unverrichteter Dinge wieder heimkehren, viele werden auf diesem Weg sterben und wieder andere werden falsche Dinge tun, weil die Völker, die sie in diese Kriege und Abhängigkeit zwingen, ihnen keine Chancen geben, ihre Liebe und ihr Können zu zeigen. Es werden traurige Schicksale glückliche überschatten. Aber diejenigen, die es geschafft haben, werden den Gedanken der Liebe und Freundschaft in die Herzen der Menschen der Völker, die ihre Feinde sein sollen, pflanzen und dafür sorgen, dass immer mehr Menschen verstehen, dass ihre Waffen, Transport- und Kommunikationsmittel niemand braucht. Sie werden verstehen helfen, dass sie, wie alle Menschen auf der Welt, nur ein glückliches, zufriedenes Leben führen wollen und die Ursache ihrer Träume und Sehnsüchte in den Ländern, die die Waffen, Transport- und Kommunikationsmittel bauen, selbst liegen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sterben sie noch heute…
(DtH-Europa)


When the rich wage war
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155076
14/09/2014 19:22
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Rassismus ist ein Thema das so aktuell wie nie ist. Viele Menschen sind davon überzeugt, nicht rassistisch zu denken. Sie meinen aufgrund ihrer Informationen rational und realistisch zu handeln. Betrachtet man eine Sache von zwei Seiten, ist man unverhofft erstaunt, wie sehr man sich manipulieren lässt.

Aber wir sind im Märchen-Thread. Darum erzähle ich euch zwei uralte Geschichten.

Geschichte 1

Der Hase und die Schildkröte

Es war einmal... ein Hase, der rühmte sich, schneller zu laufen als jedes andere Tier. Tagtäglich machte er sich über die langsame Schildkröte lustig. Schließlich hatte diese die Nase voll und fauchte:"Für wen hältst du dich? Zugegeben, du bist schnell, aber auch du wirst deinen Meister finden."
"Ich?" lachte der Hase. "In einem Rennen? Ich bin so schnell, mich schlägt keiner! Da mache ich jede Wette. Willst du es versuchen?"
In ihrer Wut nahm die Schildkröte die Herausforderung an. Sie legten die Strecken fest, und am nächsten Morgen fanden sich beide am Start ein. Der Hase gähnte verschlafen, während die Schildkröte, die sich keinerlei Hoffnungen machte, sofort auf ihren kurzen Beinen davon zuckelte. Da dem Hasen fast die Augen zufielen, beschloss er, erst einmal ein Schläfchen zu machen. Seiner Gegnerin war er ohnehin haushoch überlegen. "Lauf ruhig zu", rief er. "Ich schlafe noch ein wenig, ich überhole dich mit drei, vier Sprüngen wieder." Er schlief schlecht und fuhr nach einer Weile erschrocken hoch. Er spähnte nach der Schildkröte, aber diese hatte noch nicht einmal ein Drittel der Strecke zurückgelegt. Der Hase war beruhigt. Da er in einen nahen Feld wunderschönen Kohlentdeckt hatte, sagte er sich: "Es reicht auch noch zum Frühstücken."
Weil er sich den Bauch zu voll geschlagen hatte und die Sonne jetzt schon kräftig wärmte, fühlte er sich nach seinen Mahl wieder Matt und Müde. Er schielte träge nach der Schildkröte, die inzwischen in der Hälfte der Strecke angelangt war, und beschloss, sich noch einmal aufs Ohr zu legen. Das Ziel würde er immer noch vor ihr erreichen. Er stellte sich das lange Gesicht der Schildkröte vor, wenn er an ihr vorbeiflitzen würde, und schnarchte bald glücklich und zufrieden. Die Sonne stand schon tief, und die Schildkröte, die seit dem Morgen unbeirrt dem Ziel zu gewackelt war, hatte nur noch einen guten Meter zurückzulegen, als der Hase mit einem Satz aufwachte, sah, wie weit weg die Gegnerin schon war, und pfeilschnell ihre Verfolgung aufnahm. Seine langen Beine flogen durch die Luft. Gleich würde er sie eingeholt haben. Mit hängender Zunge setzte zum Endspurt an, aber es reichte nicht mehr. Die Schildkröte wackelte, knapp bevor er wieder den Boden berührte, über den Strich, den sie am Ziel gezogen hatten. Erschöpft und gedemütigt sank der Hase neben ihr ins Gras. Sie betrachtete ihn schweigend und schmunzelte nach einer Weile:"Wer langsam geht, geht weit."




to be continued...


When the rich wage war
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155083
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Geschichte 2


Vom Hasen und dem Igel

An einem Sonntagmorgen, gerade als die Sonne goldig am Himmel aufgegangen war und die Lerchen in der Luft sangen, war auch der Igel vergnügt und munter und stand vor seiner Tür. Mit beiden Armen übereinandergeschlagen guckte er in den Morgenwind hinaus und trällerte ein Liedchen vor sich hin. Plötzlich fiel im ein, er könne doch mal ein bisschen im Feld spazieren gehen und sich umsehen, wie seine Steckrüben wohl stünden. Also machte der Igel die Haustüre hinter sich zu und schlug den Weg zu den Feldern ein.
Noch nicht weit vom Hause entfernt, begegnete ihm auf einmal der Hase, welcher ähnliches Vorhaben hatte. Als der Igel den Hasen sah, bot er ihm einen freundlichen Guten Morgen, doch der Hase vornehm wie er war erwiderte den Gruß nicht sondern sagte nur: "Wie kommt es denn, dass du schon in so früher Morgenstunde im Felde herumläufst?" "Ich gehe spazieren", sagte der Igel. "Spazieren?" lachte der Hase, "Ich habe den Anschein, du könntest deine Beine auch wohl zu besseren Dingen gebrauchen." Diese Antwort verärgerte den Igel über alle Maße. "Du bildest dir wohl ein, dass du mit deinen Beinen mehr ausrichten kannst?" sagte der Igel. "Das denke ich", sagte der Hase. "Nun es käme auf einen Versuch an", meinte der Igel.
"Ich wette, wenn wir wettlaufen, so laufe ich dir davon." "Das ist zum Lachen, du mit deinen schiefen Beinen!" sagte der Hase, "aber meinetwegen, wenn du so übergroße Lust hast. Um was wetten wir?" "Einen goldenen Taler und eine Flasche Schnaps", sagte der Igel. "Angenommen", sprach der Hase, "schlag ein und dann kann es gleich losgehen." "Nein so große Eile hat es nicht", meinte der Igel, "ich bin noch ganz nüchtern, erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen frühstücken. In einer halben Stunde bin ich auf dem Platze." Der Hase willigte ein und daraufhin ging der Igel. Unterwegs dachte sich der Igel: "Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich werde ihn schon kriegen. Er denkt ein vornehmer Herr zu sein, ist aber doch ein dummer Kerl und dafür wird der bezahlen."
Als der Igel zu Hause ankam, sagte er zu seiner Frau: "Zieh dich eilig an, du musst mit mir ins Feld hinaus!" "Was gibt es denn?" fragte seine Frau. "Ich habe mit dem Hasen um einen goldenen Taler und eine Flasche Schnaps gewettet. Ich will mit ihm um die Wette laufen und du sollst mit dabei sein." "Oh mein Gott!" schrie dem Igel seine Frau. "Hast du den Verstand verloren. Wie kannst du mit dem Hasen um die Wette laufen wollen?" "Sei leise, das ist meine Sache und misch dich nicht in Männergeschäfte ein", sagte der Igel. "Marsch, zieh dich an und dann komm mit!"
Daraufhin folgte die Igel-Frau ihrem Mann, ob sie nun mochte oder nicht. Als sie beide nun miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: "Nun pass, auf was ich dir sagen werde! Dort auf dem langen Acker wollen wir unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft nämlich in der eine Furche und ich in der anderen und von oben fangen wir an zu laufen. Du hast nun weiter nichts zu tun, als dich hier unten in die Furche zu setzen und wenn der Hase auf der anderen Seite ankommt, so rufst du ihm entgegen: "Ich bin schon da!" Als sie beim Acker angelangt waren, wies der Igel seiner Frau ihren Platz zu und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. "Kann es losgehen?" fragte der Hase. "Jawohl", erwiderte der Igel.
Dann stellte sich jeder in seine Furche und der Hase zählte: "Eins, zwei, drei!" und los lief der Hase wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief ungefähr nur drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche nieder und blieb ruhig sitzen. Als der Hase endlich im vollen Laufe unten ankam, rief die Igel-Frau nur zu: "Ich bin schon da!" Der Hase stutzte und wunderte nicht wenig, als ihm die Igel-Dame zurief, die für den Hasen vom Igel-Mann nicht zu unterscheiden war. "Das geht nicht mit rechten Dingen zu, es wird noch einmal gelaufen", rief der Hase und fort rannte er wieder wie ein Sturmwind, sodass ihm die Ohren am Kopf flogen. Dem Igel seine Frau aber blieb ruhig auf ihrem Platz sitzen.
Als der Hase wieder oben ankam, rief ihm der Igel entgegen: "Ich bin schon da!" Der Hase aber, ganz außer sich vor Eifer, schrie: "Es wird noch mal gelaufen!" "Mir recht, meinetwegen so oft, wie du Lust hast", antwortete der Igel. So lief der Hase dreiundsiebzigmal und der Igel hielt es immer wieder mit ihm aus. Jedes Mal, wenn der Hase unten oder oben ankam, sagte der Igel oder seine Frau: "Ich bin schon da!" Beim vierundsiebzigsten Male aber schaffte der Hase nicht mehr das Ende. Mitten auf dem Acker stürzte er zu Boden, während im Blut aus dem Hals floss und er tot auf dem Platze liegen blieb. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Taler und die Flasche Branntwein, rief seine Frau aus der Furche und beide gingen vergnügt nach Hause.



Ist schon klar, Hasen sind dumm, überheblich, selbstherrlich, ignorant, eitel, verächtlich, prahlerisch anmaßend, eingebildet, großkotzig, hochnäsig, selbstgefällig, affektiert, aufschneiderisch, herablassend, arrogant. Alles in Allem, er hat seine Strafe verdient...

...to be continued...


Quellen: 1. Geschichte Äsop
2. Geschichte Gebrüder Grimm




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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155098
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Solange der Jäger die Geschichte erzählt, ist der Löwe der Gejagte
afrikanisches Sprichwort

Habt ihr gesehen, wer die Geschichten erzählt hat? Habt ihr einmal nach der Version des Hasen gefragt? Ist euch jemals in den Sinn gekommen, dass Schildkröte und Igel diese Geschichten in die Welt gesetzt haben, um den Hasen so darzustellen, dass alle Welt meint, er hätte die Strafe verdient?
Schaut, wer euch diese Geschichten erzählt hat.
Schaut euch die richtigen Kanäle an. Fragt, diejenigen, die es persönlich betrifft. Hört euch ihre Geschichten an. Vielleicht ist dann der Hase sogar ein unschuldiges Tier, dass für seine Rechte und seinen Stolz eintritt. Jedes mal muss er sich distanzieren und erklären, wenn andere Tiere Dummheiten machen. Irgendwann mag er vielleicht einfach nicht mehr gegen die Lügen der anderen kämpfen.

Vielleicht sind Schildkröte und Igel der Wolf im Schafspelz? laugh

Nu Sajez pogodi

Wenn man heutzutage etwas über Freundschaft oder Liebe zwischen Hase und Igel oder Hase und Schildkröte herausfinden möchte, trifft man immer wieder auf die Vorurteile gegenüber dem Hasen. Es ist nicht einfach, sich daraus zu befreien. Wenn man aber ernsthaft sucht findet man eine neue, schönere, realistischere Wahrheit.




Kein Weg ist länger, als der Weg vom Kopf zum Herzen.


Inspiriert by: MaFo



Last edited by whatshername61; 15/09/2014 22:21. Reason: Verbindung geschaffen

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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155105
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Noch ein paar wunderschöne Fabeln in denen Hasen der Mittelpunkt sind. Viel Spaß beim Lesen.



Die Schnecke und der Hase

Eine Schnecke war auf einer Wiese und sah ein Glückskleeblatt. Da kam ein Hase vorbei, der das Kleeblatt auch sah. Er hoppelte hin und riss es sofort ab. Als die Schnecke das sah, beschwerte sie sich: „Ich habe es zuerst gesehen. Es gehört mir!“ Der Hase lachte nur: „Ich war aber schneller. Also ist es meins!“ Die Schnecke schrie: „Ich bin nur langsamer, weil ich mein eigenes Haus trage! Du hast keines auf dem Rücken.“ Aber der Hase blieb stur: „Da ich es jetzt habe, darf ich es auch behalten.“
Während sie sich stritten, war unbemerkt eine Blattlaus auf das Kleeblatt gekrabbelt und eifrig damit beschäftigt, es vollständig aufzufressen. Da schimpfte die Schnecke los: „WAS SOLL DAS? WIR HABEN ES GEFUNDEN!“ Doch das kümmerte die Blattlaus gar nicht, denn sie war nun satt und krabbelte einfach wieder weg.
Der Hase sah die Schnecke verwundert an und sagte: „Das Blatt stand uns zu. Nun war unser Streit völlig unnötig, alles nur Zeitverschwendung. Denn jetzt hat keiner von uns beiden etwas von dem Blatt.“ Die Schnecke stimmte zu: „Ja, da hast du leider Recht.“ Der Hase nickte, sie verabschiedeten sich und dachten beim nach Hause gehen über ihr Erlebnis nach.
Isabell Arnhardt und Lena Paulick



Der Hase und die Frösche

Ein Hase saß in seinem Lager und grübelte.
»Wer furchtsam ist«, dachte er, »ist eigentlich unglücklich dran! Nichts kann er in Frieden genießen, niemals hat er ein ungestörtes Vergnügen, immer gibt es neue Aufregung für ihn. Ich schlafe vor Angst schon mit offenen Augen. Das muss anders werden, sagt mir der Verstand. Aber wie?«
So überlegte er. Dabei war er aber immerwährend auf der Hut, denn er war nun einmal misstrauisch und ängstlich. Ein Geräusch, ein Schatten, ein Nichts - alles erschreckte ihn schon.
Plötzlich hörte er ein leichtes Säuseln. Sofort sprang er auf und rannte davon. Er hetzte bis an das Ufer eines Teiches. Da sprangen die aufgescheuchten Frösche alle ins Wasser.
»Oh«, sagte der Hase, »sie fürchten sich vor mir! Da gibt es also Tiere, die vor mir, dem Hasen, zittern! Was bin ich für ein Held!«
Da kann einer noch so feige sein, er findet immer einen, der ein noch größerer Feigling ist.
La Fontaine



Löwe und Hase

Auf dem Berge Mandara wohnte ein Löwe, der hieß Grimmig, und dieser Löwe mordete fortwährend die Tiere. Da ließen denn diese nach einer gemeinsamen Beratung dem Löwen sagen: »Warum tötet Ihr alles Wild? Lieber wollen wir Euch zu Eurer Wohnung täglich ein Tier schicken.« Der Löwe sagte: »Ich bin‘s zufrieden!« Also schickten sie ihm alle Tage ein Tier. Da kam nun einst die Reihe an einen alten Hasen. Dieser dachte:
Bescheiden ist man nur aus Scheu
und wenn man fürder hofft zu leben.
Was frommt‘s, ist günstig mir der Leu?
Ich muss ihm doch mein Leben geben.
Drum will ich mir ja Zeit nehmen auf meinem Gange.
Der Löwe aber, den der Hunger peinigte, fuhr ihn zornig an: »Warum kommst du so spät?« Jener erwiderte: »Meine Schuld ist‘s nicht. Ein anderer Löwe hat mich unterwegs aufgehalten. Ich habe ihm einen Eid leisten müssen, zurückzukehren und bin jetzt nur gekommen, dies dem Herrn zu melden.« Da wurde der Löwe zornig und rief: »Gleich kommst du mit und zeigst mir, wo der Schurke ist!« Der Hase führte ihn an einen tiefen Brunnen. »Geruhe der Herr zu kommen und zu sehen« - so sagte er und zeigte ihm sein Spiegelbild im Brunnen. Geschwollen vor Wut und von seinem Stolze getrieben, stürzte er sich auf dieses hinab und mußte sterben.
Projekt Gutenberg



Der Hase und der Fuchs

Ein Hase und ein Fuchs reisten beide miteinander. Es war Winterszeit, es grünte kein Kraut, und auf dem Felde kroch weder Maus noch Laus. „Das ist ein hungriges Wetter“, sprach der Fuchs zum Hasen, „mir schnurren alle Gedärme zusammen.“ - „Jawohl“, antwortete der Hase. „Es ist überall dürr, und ich möchte meine eigenen Löffel fressen, wenn ich damit ins Maul langen könnte.“

So hungrig trabten sie miteinander fort. Da sahen sie von weitem ein Bauernmädchen kommen, das trug einen Handkorb, und aus dem Korb kam dem Fuchs und dem Hasen ein angenehmer Geruch entgegen, der Geruch von frischen Semmeln. „Weißt du was!“ sprach der Fuchs: „Lege dich hin der Länge lang, und stelle dich tot. Das Mädchen wird seinen Korb hinstellen und dich aufheben wollen, um deinen armen Balg zu gewinnen, denn Hasenbälge geben Handschuhe; derweilen erwische ich den Semmelkorb, uns zum Troste.“

Der Hase tat nach des Fuchsen Rat, fiel hin und stellte sich tot, und der Fuchs duckte sich hinter eine Windwehe von Schnee. Das Mädchen kam, sah den frischen Hasen, der alle Viere von sich streckte, stellte richtig den Korb hin und bückte sich nach dem Hasen. jetzt wischte der Fuchs hervor, schnappte den Korb und strich damit querfeldein, gleich war der Hase lebendig und folgte eilend seinem Begleiter. Dieser aber stand gar nicht still und machte keine Miene, die Semmeln zu teilen, sondern ließ merken, dass er sie allein fressen wollte. Das vermerkte der Hase sehr übel. Als sie nun in die Nähe eines kleinen Weihers kamen, sprach der Hase zum Fuchs: „Wie wäre es, wenn wir uns eine Mahlzeit Fische verschafften? Wir haben dann Fische und Weißbrot, wie die großen Herren! Hänge deinen Schwanz ein wenig ins Wasser, so werden die Fische, die jetzt auch nicht viel zu beißen haben, sich daran hängen. Eile aber, ehe der Weiher zufriert.“

Das leuchtete dem Fuchs ein, er ging an den Weiher, der eben zufrieren wollte, und hing seinen Schwanz hinein, und eine kleine Weile, so war der Schwanz des Fuchses fest angefroren. Da nahm der Hase den Semmelkorb, fraß die Semmeln vor des Fuchses Augen ganz gemächlich, eine nach der andern, und sagte zum Fuchs: „Warte nur, bis es auftaut, warte nur bis ins Frühjahr, warte nur, bis es auftaut!“ Und lief davon, und der Fuchs bellte ihm nach, wie ein böser Hund an der Kette.
Ludwig Bechstein



Elefant, Rhinozeros und Hase

Auf einer kleinen Insel lebten ein Elefant, ein Rhinozeros und ein Hase. Der Elefant und das Rhinozeros ließen dem Hasen keine Ruhe. Er musste tun, was die beiden wollten. Das wurde ihm zu viel und der Hase überlegte, wie er die beiden loswerden könnte.
Und eines Tages hatte er eine Idee. Er flocht aus Lianen ein starkes Seil. Damit lief er an das eine Ende der Insel, wo der Elefant wohnte, und sagte u ihm: „Guten Tag, Elefant! Lass und doch mal ausprobieren, wer von uns der Stärkere ist! Wie wär‘s mit Seilziehen?“
„Du machst mir Spaß“, sagte der Elefant. „Aber wir können es ja probieren!“
Der Hase machte das Seil an einem Elefantenbein fest und sagte: „Ich laufe zur Mitte der Insel. Wenn ich dreimal am Seil reiße, fangen wir an zu ziehen!“
„Abgemacht“, sagte der Elefant. Der Hase lief ans andere Inselende, wo das Rhinozeros wohnte, und sagte: „Guten Tag, Rhinozeros! Lass uns doch mal ausprobieren, wer von uns beiden der Stärkere ist! Wie wär‘s mit Seilziehen?“
Erst lachte das Rhinozeros, aber dann band es sich das Seil um das Bein. Der Hase lief am Seil entlang zur Inselmitte. Dort riss er dreimal am Seil.
Und nun begann ein Zeihen auf Biegen und Brechen. Der Elefant zog und stöhnte, das Rhinozeros zog und keuchte. Beide wunderten sich über die Stärke des Hasen.
Der Hase aber nagte und nagte und nagte, bis das Seil mit einem Schlag zerriss und beide, der Elefant und das Rhinozeros, mit einem Platsch ins Meer fielen.
Seither hatte der Hase seine Ruhe.
Hans Baumann




When the rich wage war
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Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155981
12/12/2014 06:45
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Der Regulator
von whn61

In eben jenem Königreich trug es sich zu, dass der König sich um seine Untertanen sorgte. Sie arbeiteten hart, wohnten weit voneinander entfernt, ständig kamen neue Untertanen aus anderen Königreichen in sein Land und die Sozialkontakte wurden immer schwieriger. Der König holte seine besten Berater und sie überlegten sieben Tage und sieben Nächte wie sie es erreichen konnten, die Untertanen einander näher zu bringen. Sie begannen mit einem Brainstorming und sammelten viele Ideen. Von einer sehr bizarren Idee handelt dieses Märchen. Ja, es ist ein Märchen. In der Realität gibt es so etwas natürlich nicht. Reale Menschen würden sich nie so verhalten. Trotzdem möchte ich heute von dem sich um seine Untertanen sorgenden König berichten, als wäre ich ihm persönlich begegnet.

Einer seiner Berater war ein Technikingenieur. Er war sehr klug, wusste von den neuesten Erfindungen und hatte dem König schon überaus oft bei der Verbesserung der Bedingungen in seinem Land geholfen. Dieses Mal berichtete der Ingenieur von einer Erfindung jenseits der Grenzen, die ähnlich wie ein Telefaxgerät funktionierte nur ohne Papier. Der König war sehr interessiert. Ein Telefaxgerät hatte er seit einiger Zeit in seinem Büro zustehen. Es war ein lustiges Ding. Er tippte seine Nachrichten und Befehle ein und fast zeitgleich konnten seine Stadthalter in allen Teilen des Landes lesen, was zu tun sei.
"Dieses Gerät ist weitaus komplexer", erklärte der Ingenieur. "Jeder Eurer Untertanen bekommt ein kleines Gerät nicht größer als ein Band der Lexikothek Eurer Gnaden und kann mit allen anderen Untertanen kommunizieren. Man kann sich unterhalten, Bilder und Filme schicken, Geschichten und Nachrichten in eine künstliche Welt voller Wunder übertragen. Jeder, der so ein Buch besitzt, bekommt eine Adresse, wie die eures Schlosses und einen Nicknamen und kann sich in der Kunstwelt bewegen. Es ist ein Spiel mit realen Menschen." "Was soll mir das bringen?", interessierte sich der König. "Nun, wir können ein Haus einrichten, in dem sich Eure Untertanen treffen und unterhalten, ihre Sorgen, Interessen oder Anliegen vortragen können. Sie können diskutieren, Spaß haben und mit der Zeit werden sie ihre Scheu verlieren und einander näher kommen."

An dieser Stelle muss man sagen, dass der König ein sehr freundlicher Mann war. Er sah die Einsamkeit und die Entfernung, die einige seiner Untertanen zu ihren Familien hatten. Er hatte längst erkannt, dass durch die vielen neuen Untertanen aus anderen Königreichen Probleme entstanden und dachte sich: "Das ist ein hervorragenden Gedanke. Wenn sie sich erst einmal kennen, werden sie sich leichter akzeptieren und das Leben wird attraktiver und vielseitiger. Sie werden den Wunsch hegen, einander in der Realität zu begegnen und das Sozialleben wird abwechslungsreicher.
Die Sache wurde schnell beschlossen. Für die Finanzierung fand man einen reichen, technisch interessierten, stillen Sponsor. (Unter vorgehaltener Hand kann ich euch verraten, dass es ein guter Freund des Königs war.) Eine Gruppe von Ingenieuren, Technikern und Werbestrategen begann mit der Entwicklung des Hauses. Die Arbeit ging schnell voran, weil sie selbst alle neugierig waren und wissen wollten, wie die Idee funktionierte. Eines Tages war es soweit. Das Haus wurde eröffnet. Die Untertanen des Königs begannen es zu nutzen und auch die Fremden kamen in das Haus. Die Gemeinschaft wuchs fast täglich, bis der König, der anfangs oft unter einem anderen Namen anwesend war, bemerkte, dass sich das Leben in seinem künstlichen Haus nicht anders verhielt, als in der realen Welt. Es war sogar viel schlimmer, als er dachte. Einige der Fremden, die sich als Gäste in seinem Haus aufhielten, würden gemein, bösartig und beschmutzten die Ehre seines Landes. Das wollte er so nicht hinnehmen und wieder mussten seine Berater zusammenkommen. Dieses Mal war es nur eine kurze Zusammenkunft. Sein Innenminister riet ihm, Regulatoren einzusetzen, die über die Gesetze des Hauses wachen sollten. Der König dachte sich, dass sein Minister die meisten Erfahrungen in der Entscharfung von Spannungen hat und vertraute auf ihn.

Man begann im Haus nach Untertanen und Fremden zu suchen, die diese Aufgabe übernehmen konnten. Der König und seine Minister überlegten lange und intensiv, wer dazu in der Lage war. Man entschied sich für ein gemischtes Team aus eigenen Untertanen und solchen, die aus anderen Königreichen kamen. Es sollten Mitglieder der Gemeinschaft sein, auf die man sich verlassen konnte. Schließlich war es eine hohe Verantwortung. Sie durften nicht intolerant sein, mussten andere Meinungen akzeptieren können. Der König wollte, dass die Kultur des Landes geachtet wurde. Aber er wollte auch nicht, dass die Gemeinschaft sich überwacht oder in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlte.
Die Arbeit der Regulatoren begann. Scheinbar wurde es ruhiger. Was der König nicht beachtet hatte, war, dass einige Regularoren mit der neuen Macht nicht umgehen konnten. Was der König ferner nicht beachtet hatte, war, dass er eigentlich keine Zeit für dieses Haus hatte. Er musst regieren, Entscheidungen treffen, mit anderen Königreichen verhandeln, die Wirtschaft ankurbeln, richterliche Entscheidungen treffen. Letzteres war das Schwierigste für ihn. Es gab Kriminelle die seine Untertanen schädigten: Bankräuber, Mörder, Pädophile, Diebe, Banditen, Erpresser, Fälscher... die ganze Bandbreite von Gesetzesbrechen, wie in jedem anderen Land auch. Dabei gab es nur ihn und seinen Justizminister, die in der Rechtssprechung unterrichtet waren. Diese Arbeit nahm die meiste Zeit in Anspruch.

Dann geschah das nicht Erwartete. Einer der Regulatoren übertrat seine Kompetenzen. In geheimen Botschaften verleumdete er Mitglieder des künstlichen Hauses und schrieb Briefe in fremden Namen. Die Botschaften waren verschlüsselt, die Adressen falsch und geklaut, so dass niemand ahnte, dass es ein intriganter Regulator war. Man beschuldigte sich gegenseitig. Das Haus drohte auseinanderzubrechen. Niemand ahnte, wer der Täter war, niemand verstand warum solche Dinge passierten. Aber die Wahrheit kam trotzdem ans Licht. Einige zerstrittene Untertanen wandten sich an den König und baten ihn, das Problem für sie zu lösen. Der König zog sich mit dem Justizminister zurück. Sie hatten eigentlich keine Zeit für ein langwieriges Verfahren und beschlossen deshalb, das Verfahren nicht durchzuführen. Sie fanden einen Paragraphen, der für leichte Vergehen eine Beendigung des Streites mit dem Hinweis an den Beklagten, sich zu bessern und die königliche Aufbewahrung der eingereichten Papiere für einen sehr langen Zeitraum erlaubte. Das war kein Freispruch, aber auch kein Schuldspruch. Der König wusste das. Er war aber ein optimistischer Mensch und glaubte an das Gute in seinen Untertanen. So schrieb er dem Regulator einen Brief:

Geehrter Regulator,

wir sind enttäuscht von deiner egoistischen Arbeitsweise. Ab sofort wirst du nie mehr als Regulator eingesetzt. Da wir aber wissen, dass du kein abgrundböser Krimineller bist und wir mit unserer Zeit wirklich schwerwiegende Fälle lösen müssen und weil du bisher noch nicht einschlägig negativ in Erscheinung getreten bist, stellen wir das Verfahren gegen dich ein. Dein Verschulden ist gering. Deshalb besteht kein königliches Interesse an der Strafverfolgung. Wir erwarten, dass du durch das bisherige Verfahren hinreichend gewarnt und beeindruckt bist.

König aller Untertanen dieses wunderbaren Landes


Von diesem Tag an trat der König nicht mehr im Haus in Erscheinung. Er beobachtete nur noch, wählte seine Regulatoren gewissenhaft aus. Leider zogen sich seine Untertanen nach und nach aus dem Haus zurück. Täglich hatten sie mit den Fremden zu tun, die sie beleidigten und überheblich über ihre Kultur sprachen. Manchmal verirrten sich einige Untertanen zufällig in das Haus. Aber auch diese blieben nie lange. Einige wenige Untertanen hielten dem Haus die Stange. Ihre Gründe blieben für immer ungewiss. Vielleicht waren sie wie ihr König unverbesserliche Optimisten. Und manchmal äußerst selten hatten sie Erfolg und fanden jemanden, der sie akzeptierte, wie sie waren. Dann entstanden tiefe, loyale, herzliche Freundschaften, wie es der König bei der Errichtung dieses Hauses erträumt hatte.
So bestand das Haus jahrein und jahraus fort. Und wenn es nicht durch seine Bewohner zerstört wurde, existiert es noch immer irgendwo dort draußen im Reiche eines Königs der großmütig, verständnisvoll, zuversichtlich, gerecht, optimistisch, großherzig und tolerant ist. Der, obwohl er weiß, dass viele der Fremden sein Volk verachten und sich in seinem Land nicht wohl fühlen, diese Fremden toleriert.

Prolog - ein kurzer
Wer bis hierher gelesen hat, dem danke ich herzlich. Ihr habt längst verstanden, dass diese Geschichte reine Fantasie und weit entfernt vom realen Leben ist. Möglicherweise findet ihr die eine oder andere Idee, wie man das Leben besser als die Untertanen, die Fremden und die Regulatoren im Reiche des hoffnungsvollen Königs gemeinsam mit Respekt und Achtung voreinander gestalten kann.

Ähnlichkeiten der handelnden Personen mit Usern aus dem Forum sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #163749
11/08/2017 09:34
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Märchen gehören zu jeder Kultur, die orientalischen Märchen gehören wahrscheinlich in jeder Familie zu Repertoire im Bücherregal:



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