Marokkoforum Archiv Herzlich willkommen beim Marokkoforum, NUR ARCHIV
powered by Marokko.Net�
Liebe Forennutzer, dieses Forensystem ist nur als ARCHIV nutzbar. Unser aktuelles Forensystem ist unter (www.forum.marokko.com) erreichbar.
...
Aktuelle Beiträge
Bildergalerie
Marokkoreise KaterKarlo ab 17.03.2016
Flechte als Gewürz
https://goo.gl/maps/xxwhc
Popular Topics(Views)
475,068 Strassenverkehr
Forum Statistics
Foren17
Themen18,515
Beiträge164,845
Members9,959
Most Online12,010
Dec 24th, 2014
Who's Online Now
0 registered members (), 1,208 guests, and 6 spiders.
Status: Admin, Global Mod, Mod
Impressum
Impressum
Datenschutzerklärung
Previous Thread
Next Thread
Print Thread
Seite 2 von 2 1 2
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- #18456
26/12/2002 23:52
26/12/2002 23:52
Joined: Feb 2001
Beiträge: 1,282
Süd-Baden
Blandina Offline
Mitglied
Blandina  Offline
Mitglied

Joined: Feb 2001
Beiträge: 1,282
Süd-Baden
Oh, oh.....
da habe ich doch glatt was vergessen
Anna, der 2.Teil ist mein nachträgliches diesjähriges Geburtstagsgeschenk. :rolleyes:
Kommt aber erst noch. :rolleyes:


give peace a chance.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Blandina] #140909
30/11/2012 00:17
30/11/2012 00:17
Joined: May 2006
Beiträge: 1,171
S
Shakir. Offline
Mitglied
Shakir.  Offline
Mitglied
S

Joined: May 2006
Beiträge: 1,171
Hopp!

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #140911
30/11/2012 00:35
30/11/2012 00:35
Joined: Feb 2010
Beiträge: 1,832
Austria
JasminH Offline

SuperUser
JasminH  Offline

SuperUser

Joined: Feb 2010
Beiträge: 1,832
Austria
hey shakir!

das ist ja eine ganze menge lesestoff. super da freu ich mich schon darauf, die märchen durchzulesen. daumen1 und da hatte anna recht: gerade jetzt wo es draussen kalt ist kommt das recht smile
und vielleicht kommt ja noch das eine oder andere märchen dazu...

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: JasminH] #140914
30/11/2012 02:08
30/11/2012 02:08
Joined: May 2006
Beiträge: 1,171
S
Shakir. Offline
Mitglied
Shakir.  Offline
Mitglied
S

Joined: May 2006
Beiträge: 1,171
hallo choppy,

dachte ich es mir doch. habs insbesondere für dich und katrin aus dem off gezaubert.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #140922
30/11/2012 11:58
30/11/2012 11:58
Joined: Feb 2010
Beiträge: 1,832
Austria
JasminH Offline

SuperUser
JasminH  Offline

SuperUser

Joined: Feb 2010
Beiträge: 1,832
Austria
danke shakir und dass du es dann noch insbesondere für uns hervorzauberst ist besonders nett smile bin sicher, dass sich auch die katrin total darüber freut und sicher noch viele andere user/innen laugh

lg
choppy smile

PS: du hast es echt durchschaut, dass wir märchen lieben haha

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: chibo72] #140925
30/11/2012 12:36
30/11/2012 12:36
Joined: Oct 2012
Beiträge: 66
ait ben haddou marokko
T
Tiguami_khadija Offline
Mitglied
Tiguami_khadija  Offline
Mitglied
T

Joined: Oct 2012
Beiträge: 66
ait ben haddou marokko
super, ich liebe märchen
nur weiter so!
danke

andi
www.aubergekhadija.com

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: chibo72] #140926
30/11/2012 12:50
30/11/2012 12:50
Joined: Apr 2012
Beiträge: 42
Germany, Berlin
K
Katya Offline
Mitglied
Katya  Offline
Mitglied
K

Joined: Apr 2012
Beiträge: 42
Germany, Berlin
Danke . Wirklich schön . Auch ich liebe Märchen über alles. So schnell kann man Menschen glücklich machen.

Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: Shakir.] #141791
26/12/2012 00:11
26/12/2012 00:11
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607

Hi Hai,

danke für die Sage vom Prinzen Achmed al Kamel, dem Liebespilger. Sie ist wundervoll, traumhaft und sooooooooooooo romantisch.

Pack` bitte noch ein paar alte Kisten aus und hol` deine Geschichten raus. KEIN großer staubiger Haufen Altpapier!
LG Katrin


PS.: Leider hörte die Geschichte kurz vor dem Ende auf und so blieb mir nichts weiter übrig, als meiner Fantasie freien Lauf (oder Google das Ende erzählen) zu lassen.
Wie traurig weinen2 , dass trotz der großen Liebe der beiden, Politik und Religion über die Sehnsüchte zweier Liebenden entschieden.
Warum hat er sie mit seinen Superkräften nicht einfach entführt?


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #141792
26/12/2012 00:14
26/12/2012 00:14
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607

Hallo Shakir,

und damit auch mal etwas Neues dazu kommt, habe ich jetzt für dich eine Geschichte eingetippt.
Das war der Grund warum ich so lange verschwunden war... tanz2


Die Prinzessin und die Schlange

Es war einmal ein König, der wünschte sich siebzehn Jahre lang vergeblich ein Kind. Nach siebzehn Jahren wurde seine Frau schwanger und gebar ein Mädchen. Dieses Mädchen wurde groß. Ihr Vater, der König, ließ sie alle Arbeiten lernen, ließ sie die Wissenschaft lernen, gab sie in die Schule. Er wollte sie Philosophin werden lassen. Aber dies, die Philosophie, machte sie schwermütig: sie wollte allein sein, nicht unter Menschen. Und als sie allein saß und stickte, hörte sie einst eine Stimme: »Jetzt in der Jugend oder im Alter«, sagte diese Stimme. Vor Schrecken hierüber stieß sie einen Schrei aus. Ihre Mutter kam herauf und fand sie ohnmächtig. Sie er weckte sie mit vieler Anstrengung aus ihrer Ohnmacht und sagte zu ihr: »Ich will nicht, dass du allein bleibst. Was ist dir zugestoßen?« - »Ich hörte eine Stimme: >Jetzt in der Jugend oder im Alter! Eine Stimme wie ein Schrei und schrecklich.« Sie nahm sie mit, und sie blieben zusammen; sie ließen sie nicht mehr allein.

Es verging geraume Zeit. Da ging sie doch wieder hinauf, saß allein und stickte. Während sie stickte, hörte sie wieder dieselbe Stimme. Sogleich rief sie die Mutter. Es kam auch der Vater nach oben, der König. Er fragte sie: »Was hast du, meine Tochter?« - »Ich habe wieder dieselbe Stimme gehört«, sagte sie zu ihrem Vater. »Hole die Philosophen, meine Lehrer her, damit ich ihnen sage, was mir fehlt. Es ist keine Einbildung, es ist Tatsache; ich sehe es mit meinen Augen. Ich will es erzählen, damit wir sehen, was mein Leiden ist, daß wir es herausfinden.« Die Lehrer kamen, und sie erzählte es. Die Lehrer sagten: »Wenn du jene Stimme hörst, so sage - >Jetzt in der Jugend, wo ich noch die Kraft dazu habe «, und gingen weg.

Sie stieg zu der Kammer hinauf und stickte an dem Rahmen. Als sie jene Stimme hörte, sagte sie: »Jetzt, als junge Frau, wo ich noch die Kraft dazu habe!« In dem Augenblick, wo sie dies sagte, kam ein Adler, nahm sie mit seinen Fängen und flog davon. Alle standen und sahen, wie die Königstochter zum Himmel flog; sie war ihnen verloren. Die Mutter schloss den Palast, alles wurde in Schwarz gehüllt; die ganze Stadt trug Trauer. Selbst die Reittiere färbte der König schwarz.

Das Mädchen trug der Adler und warf sie in eine Wüste. Er gab ihr ein Tischtuch, ein Paar Holzschuhe und sagte zu ihr: »Breite das Tischtuch aus und verlange, welche Speise du willst, dass es sie dir gebe zum Essen und Wasser zum Trinken.« Der Adler flog davon und ließ sie allein. Sie sah nur den Himmel und die Erde. Sie weinte und schlug sich Tag und Nacht. Eine Prinzessin, und muss solche Qual in der Wüste erdulden! - Acht Jahre wanderte sie in der Wüste umher.

Nach acht Jahren sah sie eines Nachts ein Licht, sehr weit ab. Sie wanderte Tag und Nacht und näherte sich jenem Licht: es war ein Stall; sie kam zu Leuten, in ein anderes Land, nicht in der Nähe ihres eigenen. Es war ein Hirt, er hatte eines Königs Stall. Er hatte eine Frau und eine Tochter. jene bat den Hirten, dort bleiben zu dürfen. Sagte der Hirt: »Was soll ich mit dir machen? Ich bin arm, ich kann dich nicht ernähren.« Da sagte jene zu ihm: »Ich will nicht, daß du mich ernährst, ich habe zu leben; ich will kein Essen von dir.« Da sagte der Hirt: »Bleib!« Sie blieb mit der Frau des Hirten im Stall. Sie ging immer hinter den Stall, breitete das Tischtuch aus und aß. Der Hirt, seine Frau, seine Tochter wussten nicht, wie sie lebte, wo sie doch nicht mit ihnen aß; denn der Hirt ernährte sie nicht.

Die Tochter des Hirten brachte jeden Tag die Lieferungen für den König. Da erkrankte sie, und der Hirt meinte: »Wer soll die Lieferungen bringen?« jene sagte zu ihm: »Weine nicht, lass mich sie bringen!« Sagt der Hirt: »Weißt du sie hinzubringen?« Sprach Jene: »Ich weiß es nicht, aber weiß es nicht das Eselchen? Wo das Eselchen hingeht, da werde ich es abgeben, die Milch, die Käse und den Quark.« Sie nahm das Eselchen, das ging und blieb an der Tür der ältesten Tochter des Königs stehen. Man kam heraus, um die Waren abzunehmen. Sie fragten: »Hat der Hirt noch eine zweite Tochter?« Sie antwortete: »Er hat noch mich; ich war in der Schule, meine Schwester erkrankte, da habe ich die Sachen gebracht. « Die Prinzessin stand auf, um sie abzunehmen und die Gefäße zu leeren. jene ging an den Stickrahmen und stickte. Die Prinzessin sah sie und sagte zu ihr: »Verdirb es mir nicht!« Sie antwortete: »Sei getrost, ich verderbe es nicht.« Als die Prinzessin ihre Stickerei sah, war sie ganz närrisch vor Erstaunen und sagte zu der vermeintlichen Hirtentochter: »Du verstehst so etwas zu sticken? Deine Schwester wird gesund werden und in einem Monat wiederkommen; dann sollst du für mich sticken, und ich werde dir Geld dafür zahlen. « Sie schenkte ihr vielerlei, auch Geld. jene brachte es dem Hirten. Der Hirt freute sich und war erstaunt, wie sie das zustande gebracht hatte.

Am andern Morgen nahm sie die zweite Lieferung und brachte sie zu der jüngsten Tochter des Königs. Das Eselchen blieb vor der Tür stehen, und sie kamen heraus und nahmen die Sachen hinein. Sie sagten zur ihr: »Hat der Hirt noch eine zweite Tochter?« Sie antwortete ihnen: »Er hat noch mich und hatte mich bisher in der Schule.« Sie gingen, die Gefäße zu leeren. Die Prinzessin, die mit der Maschine nähte, stand auf. Da setzte sich jene hin und nähte an der Maschine der Prinzessin, und sie machte es besser als die Prinzessin. Sagte die Prinzessin: »Verdirb es mir nicht! « In diesem Augenblick vollendete sie das Kleid und sagte: »Ich verderbe es nicht.« Als die Prinzessin es sah, erstaunte sie: so gut hatte jene es gemacht, und sie sagte zu ihr: »Lass deine Schwester gesund werden, dann will ich dich zum Nähen nehmen. Es wäre schade, wenn ein so begabtes Mädchen im Stalle säße.« Sie antwortete: »Sehr gut, ich werde es meinem Vater sagen.«

Am andern Morgen war die Lieferung des Königs an der Reihe. Sie belud das Eselchen, nahm es und ließ es vorangehen; es ging und blieb vor der Tür des Königs stehen. Die Leute vom Schloss waren noch in der Kirche geblieben. Nur ein junges Dienstmädchen war da. Der Sohn des Königs war allein. Das Dienstmädchen sagte zu ihm: »Sag ihr, daß sie die Sachen ins Zimmer bringe.« Die war aber über die Maßen schön: sie leuchtete, wie die Sonne leuchtet. Als sie in das Zimmer gegangen war, verschloss der Sohn des Königs die Tür und hielt sie im Zimmer fest. Jene schaute sich im Zimmer um; sie sah zuerst nichts. Da sah sie Flinten und Degen; sie zog einen Degen, der an der Wand hing, und schlug dem Königssohn den Kopf ab. Sie warf ihn auf die Erde, nahm das Eselein, ging zu dem Hirten zurück und sagte zu ihm: »Da hast du das halbe Tischtuch, lege es nieder, so wird es Speisen geben zum Essen. « Sagte der Hirt: »Warum?« Sie antwortete: »Ich habe dem Sohn des Königs den Kopf abgeschlagen.« Sagte der Hirt: »Warum hast du das getan?« Sie antwortete: »Weil er mir die Ehre nehmen wollte. War sein Kopf besser als meine Ehre? Deshalb nahm ich seinen Kopf.«

Das Dienstmädchen ging und sagte es dem König. Der König kam und sah seinen Sohn getötet. Er nahm das ganze Heer und ging zu dem Hirten, und sie fesselten den Hirten und jene zugleich. Der König sagte zu ihr: »Warum hast du meinen Sohn getötet?« - »Warum ich ihn getötet habe? Weil er mir die Ehre nehmen wollte.« Sagt der Hirt: »Sie ist nicht meine Tochter. Vor anderthalb Jahren kam sie in meinen Stall. Ich gebe ihr weder zu essen noch zu trinken. Wie sie lebt, weiß ich nicht. Meine Tochter erkrankte, deshalb kam jene. Ich weiß nicht wer sie ist.« Sagt der König: »Sollen wir sie töten? So wird sie bald erlöst sein, so wird sie nicht gemartert. Sollen wir sie erwürgen? Wieder dasselbe. Sollen wir sie lebendig in den See werfen? Sollen wir sie in dem Grabe zusammen mit meinem Sohn einmauern?« Sie mauerten sie lebendig mit dem Toten im Grabe ein.

Nach drei Tagen kam eine Schlange, um die Augen des Toten zu fressen. Die Schlange ging wieder weg, nur ihre Jungen blieben zurück. jene zieht ihre Holzschuhe aus und tötet die jungen Schlangen, indem sie sagte: »Habe ich mich vor der Schlange gefürchtet, soll ich mich darum auch vor den jungen fürchten? Ich habe sie getötet.« Die Schlange kam, nahm ein Kraut und rieb die jungen, machte sie lebendig und ging mit ihnen davon. jene sammelte die Kräuter, die die Schlange hatte fallenlassen, brachte sie an den Kopf des Toten nahe dem Hals, rieb ihn mit jenem Kraut und machte ihn lebendig. Dann sagte sie zu ihm: »Wir wollen wie Geschwister leben.« Sie breitete das Tischtuch aus, und sie aßen, tranken und sangen. Sie lebten wie Geschwister

Ein Jahr verging, da veranstaltete der König eine Seelenmesse; und die Leute kamen von den Dörfern und gingen vorbei, um das Grab zu sehen, da hörten sie drinnen singen. Sie gingen zum König und sagten: »Erweist du seiner Seele oder seinem Leben den Liebesdienst?« Sagte der König zu ihnen: »Hört, Bauern, seid ihr gekommen, mich zu verspotten? Nehmt eure Köpfe in acht, die ich herunterwerfen werde!« - »Nein, o König, dein Sohn ist am Leben und hat die Frau drinnen, und sie singen. Wir gingen, sein Grab anzusehen, und hörten sie; er hat die Frau drinnen, und sie singen.« Als er von der Frau hörte, glaubte er es. Der König nahm Leute, und sie gingen und öffneten das Grab. Da sagte jene zum Königssohn: »Mich werden sie im Grabe lassen und wieder einmauern.« Antwortet der Königssohn: »Du wirst zuerst hinausgehen und ich danach. <~ Die Leute kamen und öffneten das Grab; und der Königssohn sagte: ,Werft keinen Stein herab, dass ihr mich nicht trefft! Ich bin am Leben.« Sagt der König: »Die wollen wir nicht herauslassen, sondern wieder im Grabe einmauern.« Sagt der Königssohn: »Die wird zuerst hinausgehen und dann ich: mein Leben und mein Tod ist sie.« Sie kamen heraus; alle Leute aber wunderten sich, ihn, den Getöteten, nach einem Jahr noch am Leben zu sehen.

Er ging mit ihr zum Schloss und verlobte sich mit ihr. Aber sie sagte zu ihm: »Hüte dich, auch nur mit dem Finger in üblem Sinne auf mich hinzuweisen!« Der wagte nicht ein einziges Mal, sie zu fragen, woher sie sei. Als sie ins Schloss gegangen war und dort blieb, sah sie viele Leute, die aus ihrer Heimat kamen. Einst sagte sie zu ihrem Verlobten: »Nimm einen kleinen Wagen, wir wollen ein Stück spazieren fahren, weil ich viel gelitten habe.« Er antwortete: »Nehmen wir einen!« Er nahm den Wagen zur Ausfahrt und fragte seine älteste Schwester: »Was willst du, dass ich dir vom Basar mitbringe?« Sie sagte: »Einige Pferdeäpfel bringe mir mit dem Eselchen, das die Milch trägt.« Er antwortete: »Zu Befehl.« Dasselbe fragte er seine jüngste Schwester: »Was soll ich dir mitbringen? Ich gehe einkaufen.« Sie antwortete: »Einige Pferdeäpfel.« Und er sagte wieder: »Zu Befehl. « Er fragte ihre Schwiegermutter: »Was soll ich dir mitbringen?« Sie antwortete: »Bringe mir das Taschentuch für die Verlobung.« Er sagte: »Zu Befehl.« Dann sagte er zu dem Schwiegervater: »Was soll ich dir mitbringen? Ich will einkaufen. « Der Schwiegervater antwortete: »Bringe mir den Verlobungsring.« Er antwortete: »Zu Befehl.«

Sie schickte den Kutscher weg und stieg mit ihrem Bräutigam in den Wagen und nahm den Weg nach ihrer Heimat. Ihr Bräutigam war sehr in Angst, weil er nicht wusste, wohin sie ihn führe. jenen Tag fuhr auch ihre Mutter aus und ihr Vater, der König, in der gläsernen Kutsche und fuhren spazieren. Sie waren aufs Feld gekommen. jene fuhr gerade auf die Kutsche los. Ihr Bräutigam schrie: »Du wirst mit der königlichen Kutsche zusammenstoßen, und sie werden uns vernichten. « jene sprach gar nichts; mit ihrer eigenen Kutsche zerbrach sie die ihrer Mutter mit den Glasscheiben. Ihr Bräutigam war außer sich, als er sah, dass sie den Wagen zerbrach, er fürchtete sich sehr; er wusste ja nicht, dass sie deren Tochter sei. Da rief die Mutter: »Meine Tochter! Wo warst du?« Die Tochter antwortete: »Ich war in der Wüste.« - »Wenn es regnete, wo hieltest du dich da auf?« »Unterm Felsen.« Da war er noch mehr außer sich, als er sah, dass sie eine so hohe Prinzessin sei, und sagte: »Es gehörte sich, dass du mir den Kopf nahmst, du warst ganz im Recht, da du eine solche Prinzessin warst; es gehörte sich, dass du so mit mir verfuhrst. Ich bitte dich um Verzeihung.«

Dann gingen sie zu dem König, dem Vater des Bräutigams, und brachten die Geschenke: dem König Krone und Ring, der Schwiegermutter ein Taschentuch mit Gold gestickt und ein Diadem mit Brillanten und mit kostbaren Steinen; den Schwägerinnen brachte sie Blumen und Armbänder aus Brillanten. Sie tat auch die Pferdeäpfel zugleich in den Korb. Dann holten sie die Schwäger und Schwägerinnen und feierten die Hochzeit.


PS.: Eine die keine Prinzessin ist, hat weniger Ehre? Wat für ´ne eigenartige Welt…
nixweiss1


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #142218
06/01/2013 00:53
06/01/2013 00:53
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607


> Girl: do you love me although I am blind? And there are many other beautiful girls better than me, or you are just having a mercy toward me?
> Man: no I really love you, and all I wish from you in my life is to be my wife
> Girl: if you make me see again I promise to accept you and I will spend the rest of my life with you, but who can dare to give his eyes to me and will stay in darkness
> _ One day he comes delightfully announcing, I found the donator/contributor who can gives you his eyes, and then you will be able to see again, and you will carry out your promise to marry me, he said.
> _ As soon as she got a new eyes, and while he was standing beside her and holding her hands (maybe in a hospital) she opened her eyes, saw him and screamed, are you blind too?!! She said.
> Then she started to wipe,
> Man: don’t worry my love; you will be my eyes now and my guide, so when we can get married ?
> Girl: do I must marry a blind person? I will not, and as you know I can see now
> Man: he cried and said, ok please forgive me, who I am to marry me!, but before you leave me, I want you to promise me, to take care of my eyes I gave you.

In der Geschichte geht es darum, dass er eine blinde Frau liebt und ihr als Zeichen seiner Liebe seine Augen schenkt. Sie nimmt ihn aber dann nicht mehr zum Mann, weil er nun blind ist.


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #143932
01/02/2013 16:03
01/02/2013 16:03
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607

is` noch wiiiiiiinter. hier was für´s kaminfeuer und lange abende:



Geschichte des versteinerten Prinzen
»Wisse, o Herr! mein Vater war König dieser Stadt, sein Name war Sultan Mahmud, er regierte ungefähr 70 Jahre lang über die Inseln dieser Berge. Als er starb, regierte ich an seiner Stelle und heiratete meine Muhme, die mich so sehr liebte, dass, wenn ich nur einen Tag von ihr abwesend war, sie weder aß und trank, bis ich wieder bei ihr war; sie lebte auf diese Weise fünf Jahre mit mir. Eines Tags ging sie ins Bad, ordnete ein Nachtessen an, dann kam ich in dieses Schloss und schlief hier, an dem Orte, wo du jetzt dich befindest; ich ließ zwei Sklavinnen zu mir kommen, mich zu beräuchern. Eine saß mir zu Häupten und die andere zu Füßen. Es war mir nicht recht wohl, ich konnte nicht schlafen, obschon meine Augen geschlossen waren, ich atmete schwer. Da hörte ich, wie die eine Sklavin zur anderen sagte: »O Masuda! sieh unseren armen Herrn! Schade für seine Jugend, die er mit unserer verfluchten Herrin zubringen muss.« »Schweige!« sagte die andere, »Gott verdamme die Verräterinnen und Buhlerinnen. Es passt wirklich ein junger Mann, wie unser König, nicht zu dieser Metze, die keine Nacht zu Hause schläft« Aber unser Herr ist sehr dumm«, versetzte die erstere wieder, »er sollte es doch merken, wenn er nachts erwacht und sie nicht neben sich findet.« »Weh dir«, sagte die zweite, »Gott verdamme die Metze, unsere Gebieterin, die gibt ihm einen Schlaftrank, dass er wie ein Toter schläft, dann geht sie aus, bleibt bis Morgens weg, wo sie erst ihren Mann aufweckt mit Räucherwerk, das sie ihm vor seine Nase hält. Schade um ihn!« »Als ich«, sagte der Jüngling, »dies Gespräch der beiden Sklavinnen hörte, ward ich sehr aufgebracht, Wie nun meine Frau aus dem Bade kam, konnte ich die Nacht nicht erwarten, wir ließen den Tisch bereiten, aßen ein wenig, gingen dann zu Bett, sie reichte mir wieder einen Schlaftrank, ich tat, als wenn ich tränke, goss ihn aber aus, dann stellte ich mich, als wenn ich schliefe und streckte mich auf dem Lager aus. Da sprach sie: »Schlafe! o möchtest du nie mehr erwachen! Bei Gott, deine Gestalt ist mir zum Ekel, ich bin deiner satt.« Sie stand dann auf, kleidete sich an, beräucherte sich, umgürtete mein Schwert, öffnete die Türe und ging hinaus; ich stand auf und folgte ihr durch die ganze Stadt nach bis ans Tor, ohne dass sie mich bemerkte, sie sagte am Tor etwas, das ich nicht verstand, die Riegel fielen und das Tor öffnete sich von selbst, sie ging zum Tor hinaus, ich folgte ihr, bis sie zwischen einigen Schutthaufen an eine kleine Hütte aus Ziegelsteinen kam, ich stellte mich auf das Dach der Hütte und belauschte sie, und siehe da, meine Frau stand vor einem alten schwarzen Sklaven, der auf einem Bündel Rohr saß, ganz in Lumpen gekleidet. Sie küsste die Erde vor ihm. Der Sklave hob seinen Kopf zu ihr auf und sagte: »Wehe dir, wo bleibst du so lange? Soeben waren unsere schwarzen Vettern da, und haben sich jeder mit seinem Liebchen vergnügt, und haben getrunken, ich wollte nichts trinken, weil du abwesend warst.« Da sagte meine Frau: »O mein Herz! Geliebter meines Herzens! weißt du nicht, dass ich mit meinem Vetter verheiratet bin? dass ich die Welt hasse, weil ich ihn sehen muss; wenn ich nichts für dich fürchtete, so ließe ich die Sonne nicht aufgehen, ehe ich seine Stadt verwüstet hätte, dass Nachteulen und Raben darin herumschrieen und Füchse und Wölfe darin wohnten; ich würde ihre Steine hinter den Berg Kaf werfen, « »Du lügst«, sagte der Schwarze, »du Verdammte! Ich schwöre dir bei der Ehre der Schwarzen, dass wir von dieser Nacht an nicht mehr mit unseren Vettern zusammenkommen, ich werde gar nicht mehr dein Freund sein und dich nicht mehr berühren. Du Verdammte spielst nur so mit uns; sind wir denn nur für deine Lust da, du Übelriechende!« Als ich hörte, wie er mit ihr umging, ward die Welt ganz schwarz vor mir, ich wusste nicht mehr, wo ich war. Meine Frau fing an zu weinen und sagte zu dem Schwarzen: »O Geliebter meines Herzens! was bleibt mir, wenn du mir zürnst? wer nimmt mich auf, wenn du mich verjagst? O mein Geliebter! mein Herz! mein Augenlicht!« Sie hörte nicht auf, vor ihm zu weinen und zu flehen, bis er wieder gut war; da freute sie sich, legte einige Kleider ab und sagte: »Mein Herr! hast du nichts zu essen für deine Sklavin?« Er antwortete: »Decke dieses Becken auf!« Sie deckte es auf und fand darin ein Stück von einer Maus; dieses aß sie, dann sagte er ihr: »In diesem Topf ist noch Bier, trinke es!« Sie trank, wusch ihre Hand, setzte sich dann zu ihm auf das Bündel Rohr mitten unter den Lumpen. Ich stieg vom Dache herunter, nahm das Schwert, mit dem meine Frau gekommen, und schwang es, um beide zu töten; ich schlug zuerst den Schwarzen auf den Hals und glaubte schon mit ihm fertig zu sein, aber ich durchschlug nur die Haut, das Fleisch und die Kehle, es waren jedoch die Halsadern nicht durchschnitten. Ich glaubte indessen doch, ihn getötet zu haben, er schrie laut auf und meine Frau fiel seitwärts so, dass sie hinter mir war; ich legte dann das Schwert nieder an seine Stelle, kehrte zur Stadt zurück, ging ins Schloss, begab mich in mein Bett und blieb bis zum Morgen liegen. Als meine Frau zurückkam, sah ich, dass sie ihre Haare abgeschnitten und Trauerkleider angezogen hatte; sie sagte mir: »O mein Vetter, wirst du dich wohl dem, was ich tue widersetzen wollen? Wisse, ich habe Nachricht erhalten, dass meine Mutter gestorben ist, dass mein Vater im heiligen Kriege umgekommen, dass einer meiner Brüder durch einen Schlangenbiss und ein anderer durch einen Sturz das Leben verloren; ich muss daher weinen und trauern.« Als ich dies hörte, ließ ich sie gehen und sagte ihr: »Tu was du willst, ich werde dich nicht hindern.« Sie verharrte nun ein volles Jahr in Weinen und Trauern.« Nach einem Jahr sprach sie zu mir: »Ich möchte, dass du mir im Hause eine Grabstätte mit einem Zimmer bauen ließest, damit ich darin allein trauern könnte, ich würde es das Trauergebäude nennen.« Ich sagte ihr wieder: »Tu, was dir gut dünkt!« Jetzt erteilte sie sogleich Befehl, ließ sich das 'Trauerhaus bauen, und in dessen Mitte eine Kuppel errichten. Den Sklaven aber brachte sie in die Grabeshöhle. Diesem war nicht mehr zu helfen. Er lebte zwar, denn seine Zeit war nicht abgelaufen, auch konnte er noch trinken, aber vom Tage an, wo ich ihn verwundet hatte, nicht mehr sprechen. Meine Frau besuchte ihn nun morgens und abends, und weinte und brachte ihm Wein und Fleischsuppen. So verging ein ganzes Jahr, in welchem ich alles dieses mit Geduld ertrug. Nach diesem Jahre ging ich ihr einmal nach, ohne dass sie es merkte: ich hörte, wie sie weinte und sagte: »O mein Geliebter! o mein Herz! Warum muss ich das von deiner Liebe erfahren? warum sieht dich mein Auge nicht immer und warum in einem solchen Zustand? warum sprichst du nicht mit mir, o sage mir doch etwas!« dann fügte sie noch folgende Verse hinzu:

»Ein Tag der Wunscherfüllung ist der, an welchem ich eure Nähe gewonnen, ein Tag des Unheils der, an welchem ihr euch von mir trennt. Wenn ich in der größten Angst und Furcht übernachte, so ist mir eure Nähe doch süßer als die gewisseste Sicherheit.«

»Lebte ich im schönsten Wohlbehagen und besäße ich die ganze Welt, das Reich der Chosroen, so würde ich es doch nicht so hoch als den Flügel einer Mücke anschlagen, wenn mein Auge dich nicht sähe.«

Als sie dies vollendet hatte, sagte ich zu ihr: »Muhme, höre doch einmal auf zu trauern! Du hast genug vergebens geweint.« Sie antwortete mir: »Widersetze dich meinem Willen nicht, sonst bringe ich mich um.« Ich schwieg und überließ sie ihrem Zustand; sie aber fuhr wieder ein Jahr fort zu trauern und zu weinen. Nach dem dritten Jahr, an einem Tage, wo ich gerade eines unangenehmen Ereignisses willen im Zorne war, ging ich ihr wieder nach, denn nun dauerte mir diese Qual doch zu lange; ich fand sie bei der Grabeshöhle unter der Kuppel und hörte, wie sie sagte: »Werde ich denn, o mein Herr, kein einziges Wort mehr von dir vernehmen? nun gibst du mir schon drei Jahre keine Antwort.« Dann vernahm ich folgende Verse von ihr:

»O Grab! o Grab! haben seine Reize aufgehört zu sein? ist seine blühende Gestalt von dir gewichen? O Grab, du bist ja doch kein Himmel und kein Lustgarten, wie kann Sonne und Mond sich in dir vereinigen?«

Mein Zorn nahm überhand, als ich dies hörte, und ich rief: »Wehe! wie lange wird noch dieser Schmerz dauern.« Dann aber sprach ich folgende Verse:

»O Grab! o Grab! haben seine Unvollkommenheiten noch nicht aufgehört? hat sein abscheulicher Blick sich von dir gewandt? O Grab! du bist ja doch kein Teich und kein Topf, wie kann Schmutz und Ruß sich in dir vereinigen?«

Als sie meine Verse hörte, stand sie auf und sagte: »Wehe dir! du Hund! du hast mir dies getan, du hast den Geliebten meines Herzens verwundet und hast mich um seine Jugend durch seinen Tod gebracht. Nun ist er schon drei Jahre weder tot noch lebendig.« Ich antwortete: »O du abscheulichste, du schmutzigste Dirne unter allen, die Schwarze lieben! Freilich habe ich dies getan.« Jetzt entblößte ich mein Schwert und ging auf sie zu, um sie umzubringen; als sie dies sah, rief sie lachend: »Ziehe dich zurück, wie ein Hund! was vorüber ist, kehrt nicht mehr wieder, bis die Toten wieder belebt werden. Gott hat mir Macht gegeben über den, der mir etwas getan, worüber in meinem Herzen ein unauslöschliches Feuer entbrannte.« Sie stellte sich dann aufrecht auf die Füße, sprach etwas, das ich nicht verstand und rief: »Werde durch meine Kraft und meinen Zauber halb Stein und halb Mensch!« Ich ward nun sogleich, wie du mich jetzt siehst, o Herr! Betrübt und niedergeschlagen, kann ich weder stehen, noch sitzen, noch schlafen, ich bin nicht tot bei den Toten und lebe nicht mit den Lebendigen.

»Als ich so war, wie du mich jetzt siehst«, erzählte der verzauberte Mann ferner, »erhob sich meine Frau und verzauberte die Stadt mit allen Gärten und Marktplätzen, und dies ist der Ort, wo jetzt deine Zelte mit den Truppen sind. Die Bewohner der Stadt waren Muselmänner, Christen, Juden und Feueranbeter. Sie verzauberte nun die Muselmänner in weiße Fische, die Feueranbeter in rote, die Christen in blaue und die Juden in gelbe, ebenso verwandelte sie die Inseln in vier Berge, die sie mit einem See umgab. Aber dies genügte ihr noch nicht. Nun kommt sie noch jeden Tag, entkleidet mich, gibt mir hundert Streiche, bis mein Blut fließt und meine Schultern wund sind; dann umkleidet sie meinen Oberleib mit einem härenen Stoffe und hüllt darüber dieses Ehrenkleid.« Der junge Mann weinte hierauf und sprach folgende Verse:

»Ich trage standhaft deinen Beschluss und dein Urteil, o Gott! Ich habe Geduld, wenn du an diesem Zustande Wohlgefallen hast; man hat mir Unrecht und Gewalt angetan, doch wird vielleicht das Paradies mir meinen Verlust ersetzen. Gewiss, mein Herr, entgeht deinem Auge kein Übeltäter, ich bete daher zu dir, schütze mich gegen das Unrecht meiner Quäler.«

Der Sultan sprach zu dem verzauberten Manne: »Du hast zwar meine Wissbegierde gestillt, doch meinen Kummer nur noch vermehrt: wo, junger Mann, ist sie und wo ist der Sklave?«

»Mein Herr«, antwortete hierauf der junge Mann, »der Sklave liegt in der Grabstätte unter der Kuppel, und sie ist in dem Saale, dieser Tür gegenüber; sie besucht den Sklaven täglich bei Sonnenaufgang, und wenn sie dann zurückkommt, gibt sie mir die hundert Prügel; ich schreie und weine, kann mich aber nicht bewegen, um sie zu bändigen, ich habe keine Kraft, mich zu verteidigen, weil die eine Hälfte meines Körpers aus Stein und nur die andere Hälfte aus Fleisch und Blut ist. Nach meiner Züchtigung geht sie dann wieder zum Sklaven, gibt ihm Wein und Fleischbrühe zu trinken, und am Morgen früh kehrt sie erst wieder zurück. Da sprach der König: »Bei Gott! junger Mann, ich werde hier etwas tun, was lange nach mir allenthalben erzählt werden wird.« Er setzte sich hierauf nieder und unterhielt sich mit dem jungen Manne bis zur Nacht. Sie schliefen dann bis an den Morgen, da machte sich der König auf, legte einen Teil seiner Kleider ab, zog sein Schwert aus der Scheide und ging zur Grabstätte. Hier erblickte er viele Wachskerzen und Lampen, Weihrauch, wohlriechende Öle und andere Aromen: er schritt auf den Sklaven zu, tötete ihn und warf ihn in einen Brunnen, der im Schlosse war. Dann zog er des Sklaven Kleider

an, legte sich tief in die Grabeshöhle, behielt aber immer sein bloßes Schwert unter den Kleidern. Nach einer Weile kam die verruchte Zauberin, und das erste, was sie tat, war, ihren Vetter zu entkleiden und ihn tüchtig durchzuprügeln. Ihr Vetter schrie: »O wehe, Muhme, habe Mitleid mit mir, ich habe genug gelitten, der Zustand, in dem ich mich befinde, genüge dir!« Sie aber antwortete: »Hast du wohl mit meinem Geliebten Mitleid gehabt?«

Als die Zauberin ihren Vetter geschlagen, bis sie müde war und das Blut von seinen Seiten herabfloss, kleidete sie ihn in ein härenes Kleid, legte ein linnenes darüber und ging dann zum Sklaven. Sie nahm, wie gewöhnlich, Wein und Fleischbrühe mit, und als sie unter die Kuppel trat, fing sie an zu weinen und zu schreien: »O Geliebter, es war doch sonst deine Gewohnheit nicht, mir deine Nähe zu versagen; o stoße mich nicht länger zurück! besuche mich wieder, denn dein Besuch gibt mir Leben. O nahe dich mir! die Trennung ist doch nicht in deiner Gewohnheit: bleibe nicht fern von mir, denn unsere Feinde frohlocken über uns! O mein Herr, sprich mit mir!« Sie fügte diesen Klagen noch folgende Verse hinzu:

»Wie lange noch diese Zurückhaltung? diese Pein? habe ich noch nicht genug Tränen vergossen?«

»O mein Geliebter! sprich doch mit mir! sage mir doch etwas! o meine Seele, antworte mir doch!« Da sprach der König mit schwerer Zunge und tiefer Stimme, so wie die Schwarzen reden: »Ach! ach! ach! es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei dem erhabenen Gott.« Als sie ihn sprechen hörte, freute sie sich so sehr, dass sie in Ohnmacht fiel; als sie wieder zu sich gekommen, sprach sie: »O mein Herr! hast du wirklich mit mir gesprochen? ist es wahr, dass du mich angeredet?« Da erwiderte der König: »Du Verfluchte! verdienst du wohl, dass jemand dich anrede?« Sie fragte: »Warum, dies?« und er antwortete: »Du quälst deinen Gemahl den ganzen Tag, er schreit immer um Hilfe, so dass ich gar nicht schlafen kann, er weint und klagt von abends bis morgens und flucht dir und mir. Nun ist mir dies schon längst zum Überdruss und höchst lästig; und wäre dies nicht, ich wäre längst wieder genesen; das ist die Ursache, warum ich dir so lange nicht geantwortet und nichts mit dir gesprochen habe.« Sie antwortete hierauf: »Mit deiner Erlaubnis, mein Herr, will ich ihn befreien;« und da er zu ihr sagte: »So befreie ihn denn, dass wir einmal Ruhe vor ihm bekommen«, so ging sie hinaus, nahm eine Schüssel voll Wasser, sprach etwas darüber, bis es zu kochen und aufzuwallen anfing, wie ein Topf am Feuer; sie bespritzte hierauf ihren Gemahl damit und sprach: »Bei der Wahrheit dessen, was ich eben gesehen und gesprochen, hat dich Gott so geschaffen oder aus Zorn dir diese Gestalt gegeben, so verändere dich nicht, bist du aber durch meine Zauberkunst so geworden, so nimm durch die Kraft des Schöpfers der Welt deine frühere Gestalt wieder an!«

Sogleich erhob sich der junge Mann ganz aufrecht, freute sich seiner Befreiung und dass er lebte, und rief: »Gott sei gelobt!« Die Frau aber sagte ihm: »Geh von mir hinweg und komme nie wieder hierher: sobald ich dich wieder sehe, töte ich dich.« Als er weggegangen war, kehrte sie zur Kuppel zurück, trat in die Grabeshöhle hinunter und sagte: »O mein Herr, komme doch heraus, damit ich deine schöne Gestalt wiedersehe.« Der König antwortete wieder in einer Sprache, die der eines Schwarzen glich: »Wohl hast du jetzt mir vor einem Zweige Ruhe verschafft, nun aber schaffe mir auch Ruhe vor dem Stamme!« Sie antwortete: »O mein Herr! was ist denn der Stamm?« »Wehe dir!« versetzte er, »du Verruchte, es sind die Bewohner der Stadt der vier Inseln! denn jede Nacht um Mitternacht strecken die Fische ihre Köpfe in die Höhe, schreien um Hilfe und fluchen mir; darum kann ich nicht gesund werden. Gehe also schnell hin und befreie sie, kehre dann wieder zurück; gib mir die Hand und hilf mir aufstehen, denn schon sehr nahe bin ich wieder der Genesung.« Als sie dies hörte, freute sie sich mit der guten Botschaft und sprach: »Recht gern, mein Herr! im Namen Gottes, mein Herz!« Sie machte sich dann auf, ging zum See und nahm ein wenig Wasser daraus und sprach einiges über das Wasser, da fingen die Fische an zu tanzen, ihr Zauber löste sich und die Stadtbewohner standen wieder da, kauften und verkauften, gaben und nahmen. Sie kehrte jetzt wieder zur Kuppel und sprach: »O mein Herr! gib mir deine edle Hand und steh auf!« Da sagte der König mit tiefer Stimme: »Komm näher!« Sie trat näher zu ihm hin. »Komm noch näher!« rief er wieder. Als sie nun hierauf ganz nahe zu ihm hinging, bis sie ihn berührte, sprang der König auf, spaltete sie mit dem Schwerte in zwei Teile und warf sie so geteilt auf den Boden, dann ging er hinaus und fand den entzauberten Mann, der ihn erwartete und den er zu seiner Rettung beglückwünschte. Der junge Mann küsste die Hand des Sultans, dankte ihm und wünschte ihm viel Gutes. Der König fragte ihn: »Willst du in deiner Stadt bleiben oder willst du mit mir in meine Stadt kommen?« Da erwiderte der junge Mann: »O Herr der Zeit und Meister deines Jahrhunderts, weißt du wohl, wie weit von meiner Stadt zu der deinigen ist?« »Eine halbe Tagesreise«, antwortete der König. Aber der junge Mann sagte ihm: »Erwache doch! man braucht ein volles Jahr von deiner Stadt zur meinigen; nur als du hierher kamst, war die Stadt verzaubert und der Weg dahin so nahe. Jetzt kann ich dich keinen Augenblick verlassen.« Da sagte der König: »Gelobt sei Gott, der dich mir beschert, du sollst nun mein Sohn werden, da ich noch in meinem Leben mit keinem Sohne beschenkt worden bin.« Sie umarmten sich, küssten sich, dankten einander und freuten sich. Als sie miteinander ins Schloss kamen, sagte der entzauberte König den Großen und Ausgezeichneten seines Reichs, dass er nun eine Reise machen wolle; er packte dann ein, was er für die Reise brauchte. Die Fürsten und Kaufleute der Stadt brachten ihm alles, was er bedurfte, und er machte zehn Tage lang seine Vorbereitungen zur Reise. Dann reiste er ab mit dem Sultan, dessen Herz sich nach` seiner Residenz sehnte, von der er so lange abwesend war. Er nahm fünfzig Sklaven mit und hundert Ladungen an Geschenken, Vorräten und Gütern. Die Sklaven mussten sie auf der Reise bedienen, die sie ein ganzes Jahr lang, Tag und Nacht, fortsetzten.

Gott hatte ihnen eine glückliche Reise bestimmt. Sie langten in der Stadt an und ließen sogleich dem Vezier sagen, dass der Sultan glücklich angekommen sei. Der Vezier, alle Truppen und die größte Zahl der Einwohner zogen höchst erfreut dem Sultan entgegen, denn schon hatten sie alle Hoffnung verloren, ihn jemals wiederzufinden. Sie schmückten die Häuser der Stadt und breiteten seidene Teppiche auf den Boden aus. Nachdem die Truppen alle vorübermarschiert waren, blieb der Vezier beim Sultan, es verbeugten sich aber alle vor dem Sultan und brachten ihm ihre Glückwünsche dar. Der König setzte sich auf den Thron und sagte seinem Vezier alles, was dem jungen Manne widerfahren, er erzählte ihm auch, was er selbst dessen Muhme getan, und wie er dadurch jenen und die ganze Stadt befreit habe, weshalb er ein ganzes Jahr abwesend geblieben. Der Vezier wandte sich hierauf zum jungen Manne und wünschte ihm Glück zu seiner Rettung. Der König bestätigte dann die Verweser und Adjutanten, einen jeden in seinem Range, verteilte Ehrenkleider und machte viele Geschenke; er schickte auch nach dem Fischer, der die Ursache der Befreiung des jungen Mannes und der Einwohner gewesen war. Als jener erschien, beschenkte er ihn und fragte ihn, ob er Kinder habe. Nachdem dieser geantwortet, er habe einen Sohn und zwei Töchter, musste er sie gleich holen, der König heiratete die eine und der junge Mann die andere. Hierauf machte der König den Fischer zu seinem Schatzmeister. Dem Vezier verlieh er eine Ehrenkette und schickte ihn als Sultan in die Stadt der schwarzen Inseln, nachdem er ihn hatte schwören lassen, dass er ihn besuchen wolle. Die fünfzig Sklaven, die er mitgebracht hatte, gab er ihm mit und viel Volk, und die übrigen Großen und Statthalter wurden reichlich beschenkt. Der Vezier verabschiedete sich dann, küsste dem König die Hand und reiste ab; der Sultan und der junge Mann blieben in der Stadt, und der Fischer ward einer der reichsten Leute jener Zeit und seine Töchter waren alle mit Königen verheiratet.


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #149075
31/07/2013 23:28
31/07/2013 23:28
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607

Im Kreis gedacht
von whn61

Es war einmal ein Königreich, das baute Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen. Damit führte es früher sehr viele Kriege gegen andere Völker. Irgendwann in grauer Vergangenheit, verlor es den einen entscheidenden Krieg. Die Sieger zerteilten diese Land in verschiedene Teile und bewachten die Menschen, weil sie diese für unbelehrbar und aggressiv hielten. Aber bald erkannten die Bewacher, dass das Völkchen sehr fleißig war und die Spuren der Kriege schnell beseitigte. Sie schlossen mit den zerteilten neuen Völkern einen neuen Pakt und bekämpften sich fortan gegenseitig und produzierten fleißig Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen, die sie dann wiederum für gutes Geld in die verschiedenen Länder brachten und nannten es "Aufbauhilfe".

Ein kleines Teilstück der neuen Völker wollte anders sein. Es baute eine große Mauer um sein Land herum und ließ nur einige wenige Menschen hinein oder hinaus. Die meisten Menschen in diesem Land waren mit ihrem bescheidenen Dasein glücklich und richteten sich ihr Leben danach ein. Die Mauer störte sie schon, aber sie sahen den Sinn darin, beschützt zu sein vor der grausamen Welt um sie herum. Sie wehrten sich nicht und lebten ein zufriedenes, glückliches Leben. Natürlich bauten auch sie Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen, die sie in Länder schickten, die gegen die Länder kämpften, die von den anderen neuen Völkchen ihre Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen bekamen.
Eines Tages begann eine kleine Gruppe, sich zu wehren. Sie wollten die Mauer nicht mehr. Sie gingen auf die Straße und protestierten gegen ihren König und sein Gefolge. Der König war alt und seine Berater wollten nicht schon wieder einen Krieg. Die Berater berieten untereinander, miteinander, gegeneinander. Sie berieten sich mit der Armee und den Betrieben und Parteien. Sie berieten und berieten und dann unterlief einem Berater ein Fehler. Er versprach im offiziellen Fernsehen, so etwas gab es inzwischen in diesem Land, die Mauer zu öffnen und vergaß einen Zeitplan zu erstellen. Er war schon alt, der Fehler war klein und solche Fehler können passieren. In diesem Falle war der Fehler fatal. Einer seiner Ritter, die die Grenze bewachten, verstand das Versprechen falsch und ließ die Menschen durch die Mauer hindurch.
Tausende, Zehntausende, ja Hunderttausende gingen, liefen, fuhren durch die Mauer. Einige schlugen sich zur Erinnerung kleine Stücken aus der Mauer. Alle wollten die andere Seite der Mauer sehen. Sie erwarteten dort das gelobte Land, das allen Wohlstand und Glück versprach. Sie liefen durch die Straßen, besuchten Freunde und Verwandte. Einige begannen sich ein neues Leben auf der anderen Seite der Mauer aufzubauen.
All die Unkenrufe, dass dort der Teufel sein Geschäft mache, das kleine Land innerhalb der Mauer ausbluten würde, die Menschen keine Chancen hätten, verhallten jahrelang nicht.
Heute leben die Menschen vor und hinter der Mauer, die jetzt nur noch in einigen vertrockneten Köpfen existiert, gemeinsam. Sie streiten sich, arbeiten gemeinsam, gründen Familien und…
…bauen wieder viele gefährliche Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen. Diese schicken sie nun wieder gemeinsam mit ihren ehemaligen Bewachern in andere Länder und nennen es wieder "Aufbauhilfe" und das Land außerhalb der eigenen Grenzen verteidigen. Wieder verdient das nun wiedervereinte kleine Land gut mit dem Tod und dem Diebstahl von Bodenschätzen. Dieses Mal hat es das jetzt größere und stärkere Land schlauer angestellt. Es nutzt seine eigenen Kommunikationsanlagen dafür, seinem Volk zu erklären, wer der neue Feind ist, dass dieser bösartig und aggressiv ist.
Die Menschen in dem Land leben gut und sicher. Sie schicken ihre Ritter in weit entfernte ferne Länder und zeigen in ihren Kommunikationsanlagen, wie ihre Ritter „Aufbauhilfe“ leisten, wie wichtig diese „Aufbauleistungen“ sind, in den unterentwickelten Ländern und dass die Menschen dort ohne die Hilfe der Ritter in Unfreiheit leben würden. Die Menschen dort werden nicht gefragt, ob sie unsere Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen wollen.
Und den Menschen dort, die gern das Land sehen wollen, das diese modernen Waffen, Transportmittel und Kommunikationsanlagen baut und natürlich werden dort auch andere schöne Dinge hergestellt, die das Leben angenehm machen, wird eingeredet, dass sie besser in ihrem eigenen Land bleiben sollten, weil sie dort beschützt sind vor der grausamen Welt um sie herum. Aber auch sie sind glücklich und richten sich ihr Leben ein mit einem bescheidenen Dasein.
Aber dem Traum von der anderen Seite der Grenze, eine Mauer haben sie sich nicht gebaut, das haben die Waffen-, Kommunikations- und Transportmittelbauer für sie gemacht, kann ihnen keiner nehmen.
Sie werden, wie einst das Völkchen, das seine eigene Mauer eingerissen hat, die Grenzen überwinden und sie werden, genau wie das kleine Völkchen, sich mit den anderen Völkern vereinen.
Sie wollen keine Kriege, sie wollen ihre Heimat aufbauen, von anderen Völkern lernen, diesen ihr Wissen und ihre Erfahrungen zeigen und diesen beweisen, dass sie nicht aggressiv und gefährlich sind. Leider werden bis dahin ihre Landsleute in Kriegen kämpfen müssen, die sie nicht wollen und gefährliche Wege gehen müssen, die sie nicht kennen. Einige von ihnen werden es schaffen, andere werden unverrichteter Dinge wieder heimkehren, viele werden auf diesem Weg sterben und wieder andere werden falsche Dinge tun, weil die Völker, die sie in diese Kriege und Abhängigkeit zwingen, ihnen keine Chancen geben, ihre Liebe und ihr Können zu zeigen. Es werden traurige Schicksale glückliche überschatten. Aber diejenigen, die es geschafft haben, werden den Gedanken der Liebe und Freundschaft in die Herzen der Menschen der Völker, die ihre Feinde sein sollen, pflanzen und dafür sorgen, dass immer mehr Menschen verstehen, dass ihre Waffen, Transport- und Kommunikationsmittel niemand braucht. Sie werden verstehen helfen, dass sie, wie alle Menschen auf der Welt, nur ein glückliches, zufriedenes Leben führen wollen und die Ursache ihrer Träume und Sehnsüchte in den Ländern, die die Waffen, Transport- und Kommunikationsmittel bauen, selbst liegen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sterben sie noch heute…
(DtH-Europa)


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155076
14/09/2014 19:22
14/09/2014 19:22
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607

Rassismus ist ein Thema das so aktuell wie nie ist. Viele Menschen sind davon überzeugt, nicht rassistisch zu denken. Sie meinen aufgrund ihrer Informationen rational und realistisch zu handeln. Betrachtet man eine Sache von zwei Seiten, ist man unverhofft erstaunt, wie sehr man sich manipulieren lässt.

Aber wir sind im Märchen-Thread. Darum erzähle ich euch zwei uralte Geschichten.

Geschichte 1

Der Hase und die Schildkröte

Es war einmal... ein Hase, der rühmte sich, schneller zu laufen als jedes andere Tier. Tagtäglich machte er sich über die langsame Schildkröte lustig. Schließlich hatte diese die Nase voll und fauchte:"Für wen hältst du dich? Zugegeben, du bist schnell, aber auch du wirst deinen Meister finden."
"Ich?" lachte der Hase. "In einem Rennen? Ich bin so schnell, mich schlägt keiner! Da mache ich jede Wette. Willst du es versuchen?"
In ihrer Wut nahm die Schildkröte die Herausforderung an. Sie legten die Strecken fest, und am nächsten Morgen fanden sich beide am Start ein. Der Hase gähnte verschlafen, während die Schildkröte, die sich keinerlei Hoffnungen machte, sofort auf ihren kurzen Beinen davon zuckelte. Da dem Hasen fast die Augen zufielen, beschloss er, erst einmal ein Schläfchen zu machen. Seiner Gegnerin war er ohnehin haushoch überlegen. "Lauf ruhig zu", rief er. "Ich schlafe noch ein wenig, ich überhole dich mit drei, vier Sprüngen wieder." Er schlief schlecht und fuhr nach einer Weile erschrocken hoch. Er spähnte nach der Schildkröte, aber diese hatte noch nicht einmal ein Drittel der Strecke zurückgelegt. Der Hase war beruhigt. Da er in einen nahen Feld wunderschönen Kohlentdeckt hatte, sagte er sich: "Es reicht auch noch zum Frühstücken."
Weil er sich den Bauch zu voll geschlagen hatte und die Sonne jetzt schon kräftig wärmte, fühlte er sich nach seinen Mahl wieder Matt und Müde. Er schielte träge nach der Schildkröte, die inzwischen in der Hälfte der Strecke angelangt war, und beschloss, sich noch einmal aufs Ohr zu legen. Das Ziel würde er immer noch vor ihr erreichen. Er stellte sich das lange Gesicht der Schildkröte vor, wenn er an ihr vorbeiflitzen würde, und schnarchte bald glücklich und zufrieden. Die Sonne stand schon tief, und die Schildkröte, die seit dem Morgen unbeirrt dem Ziel zu gewackelt war, hatte nur noch einen guten Meter zurückzulegen, als der Hase mit einem Satz aufwachte, sah, wie weit weg die Gegnerin schon war, und pfeilschnell ihre Verfolgung aufnahm. Seine langen Beine flogen durch die Luft. Gleich würde er sie eingeholt haben. Mit hängender Zunge setzte zum Endspurt an, aber es reichte nicht mehr. Die Schildkröte wackelte, knapp bevor er wieder den Boden berührte, über den Strich, den sie am Ziel gezogen hatten. Erschöpft und gedemütigt sank der Hase neben ihr ins Gras. Sie betrachtete ihn schweigend und schmunzelte nach einer Weile:"Wer langsam geht, geht weit."




to be continued...


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155083
15/09/2014 16:33
15/09/2014 16:33
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607



Geschichte 2


Vom Hasen und dem Igel

An einem Sonntagmorgen, gerade als die Sonne goldig am Himmel aufgegangen war und die Lerchen in der Luft sangen, war auch der Igel vergnügt und munter und stand vor seiner Tür. Mit beiden Armen übereinandergeschlagen guckte er in den Morgenwind hinaus und trällerte ein Liedchen vor sich hin. Plötzlich fiel im ein, er könne doch mal ein bisschen im Feld spazieren gehen und sich umsehen, wie seine Steckrüben wohl stünden. Also machte der Igel die Haustüre hinter sich zu und schlug den Weg zu den Feldern ein.
Noch nicht weit vom Hause entfernt, begegnete ihm auf einmal der Hase, welcher ähnliches Vorhaben hatte. Als der Igel den Hasen sah, bot er ihm einen freundlichen Guten Morgen, doch der Hase vornehm wie er war erwiderte den Gruß nicht sondern sagte nur: "Wie kommt es denn, dass du schon in so früher Morgenstunde im Felde herumläufst?" "Ich gehe spazieren", sagte der Igel. "Spazieren?" lachte der Hase, "Ich habe den Anschein, du könntest deine Beine auch wohl zu besseren Dingen gebrauchen." Diese Antwort verärgerte den Igel über alle Maße. "Du bildest dir wohl ein, dass du mit deinen Beinen mehr ausrichten kannst?" sagte der Igel. "Das denke ich", sagte der Hase. "Nun es käme auf einen Versuch an", meinte der Igel.
"Ich wette, wenn wir wettlaufen, so laufe ich dir davon." "Das ist zum Lachen, du mit deinen schiefen Beinen!" sagte der Hase, "aber meinetwegen, wenn du so übergroße Lust hast. Um was wetten wir?" "Einen goldenen Taler und eine Flasche Schnaps", sagte der Igel. "Angenommen", sprach der Hase, "schlag ein und dann kann es gleich losgehen." "Nein so große Eile hat es nicht", meinte der Igel, "ich bin noch ganz nüchtern, erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen frühstücken. In einer halben Stunde bin ich auf dem Platze." Der Hase willigte ein und daraufhin ging der Igel. Unterwegs dachte sich der Igel: "Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich werde ihn schon kriegen. Er denkt ein vornehmer Herr zu sein, ist aber doch ein dummer Kerl und dafür wird der bezahlen."
Als der Igel zu Hause ankam, sagte er zu seiner Frau: "Zieh dich eilig an, du musst mit mir ins Feld hinaus!" "Was gibt es denn?" fragte seine Frau. "Ich habe mit dem Hasen um einen goldenen Taler und eine Flasche Schnaps gewettet. Ich will mit ihm um die Wette laufen und du sollst mit dabei sein." "Oh mein Gott!" schrie dem Igel seine Frau. "Hast du den Verstand verloren. Wie kannst du mit dem Hasen um die Wette laufen wollen?" "Sei leise, das ist meine Sache und misch dich nicht in Männergeschäfte ein", sagte der Igel. "Marsch, zieh dich an und dann komm mit!"
Daraufhin folgte die Igel-Frau ihrem Mann, ob sie nun mochte oder nicht. Als sie beide nun miteinander unterwegs waren, sprach der Igel zu seiner Frau: "Nun pass, auf was ich dir sagen werde! Dort auf dem langen Acker wollen wir unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft nämlich in der eine Furche und ich in der anderen und von oben fangen wir an zu laufen. Du hast nun weiter nichts zu tun, als dich hier unten in die Furche zu setzen und wenn der Hase auf der anderen Seite ankommt, so rufst du ihm entgegen: "Ich bin schon da!" Als sie beim Acker angelangt waren, wies der Igel seiner Frau ihren Platz zu und ging den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. "Kann es losgehen?" fragte der Hase. "Jawohl", erwiderte der Igel.
Dann stellte sich jeder in seine Furche und der Hase zählte: "Eins, zwei, drei!" und los lief der Hase wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Igel aber lief ungefähr nur drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche nieder und blieb ruhig sitzen. Als der Hase endlich im vollen Laufe unten ankam, rief die Igel-Frau nur zu: "Ich bin schon da!" Der Hase stutzte und wunderte nicht wenig, als ihm die Igel-Dame zurief, die für den Hasen vom Igel-Mann nicht zu unterscheiden war. "Das geht nicht mit rechten Dingen zu, es wird noch einmal gelaufen", rief der Hase und fort rannte er wieder wie ein Sturmwind, sodass ihm die Ohren am Kopf flogen. Dem Igel seine Frau aber blieb ruhig auf ihrem Platz sitzen.
Als der Hase wieder oben ankam, rief ihm der Igel entgegen: "Ich bin schon da!" Der Hase aber, ganz außer sich vor Eifer, schrie: "Es wird noch mal gelaufen!" "Mir recht, meinetwegen so oft, wie du Lust hast", antwortete der Igel. So lief der Hase dreiundsiebzigmal und der Igel hielt es immer wieder mit ihm aus. Jedes Mal, wenn der Hase unten oder oben ankam, sagte der Igel oder seine Frau: "Ich bin schon da!" Beim vierundsiebzigsten Male aber schaffte der Hase nicht mehr das Ende. Mitten auf dem Acker stürzte er zu Boden, während im Blut aus dem Hals floss und er tot auf dem Platze liegen blieb. Der Igel aber nahm seinen gewonnenen Taler und die Flasche Branntwein, rief seine Frau aus der Furche und beide gingen vergnügt nach Hause.



Ist schon klar, Hasen sind dumm, überheblich, selbstherrlich, ignorant, eitel, verächtlich, prahlerisch anmaßend, eingebildet, großkotzig, hochnäsig, selbstgefällig, affektiert, aufschneiderisch, herablassend, arrogant. Alles in Allem, er hat seine Strafe verdient...

...to be continued...


Quellen: 1. Geschichte Äsop
2. Geschichte Gebrüder Grimm




When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155098
15/09/2014 22:15
15/09/2014 22:15
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607


Solange der Jäger die Geschichte erzählt, ist der Löwe der Gejagte
afrikanisches Sprichwort

Habt ihr gesehen, wer die Geschichten erzählt hat? Habt ihr einmal nach der Version des Hasen gefragt? Ist euch jemals in den Sinn gekommen, dass Schildkröte und Igel diese Geschichten in die Welt gesetzt haben, um den Hasen so darzustellen, dass alle Welt meint, er hätte die Strafe verdient?
Schaut, wer euch diese Geschichten erzählt hat.
Schaut euch die richtigen Kanäle an. Fragt, diejenigen, die es persönlich betrifft. Hört euch ihre Geschichten an. Vielleicht ist dann der Hase sogar ein unschuldiges Tier, dass für seine Rechte und seinen Stolz eintritt. Jedes mal muss er sich distanzieren und erklären, wenn andere Tiere Dummheiten machen. Irgendwann mag er vielleicht einfach nicht mehr gegen die Lügen der anderen kämpfen.

Vielleicht sind Schildkröte und Igel der Wolf im Schafspelz? laugh

Nu Sajez pogodi

Wenn man heutzutage etwas über Freundschaft oder Liebe zwischen Hase und Igel oder Hase und Schildkröte herausfinden möchte, trifft man immer wieder auf die Vorurteile gegenüber dem Hasen. Es ist nicht einfach, sich daraus zu befreien. Wenn man aber ernsthaft sucht findet man eine neue, schönere, realistischere Wahrheit.




Kein Weg ist länger, als der Weg vom Kopf zum Herzen.


Inspiriert by: MaFo



Last edited by whatshername61; 15/09/2014 22:21. Reason: Verbindung geschaffen

When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155105
16/09/2014 06:35
16/09/2014 06:35
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607


Noch ein paar wunderschöne Fabeln in denen Hasen der Mittelpunkt sind. Viel Spaß beim Lesen.



Die Schnecke und der Hase

Eine Schnecke war auf einer Wiese und sah ein Glückskleeblatt. Da kam ein Hase vorbei, der das Kleeblatt auch sah. Er hoppelte hin und riss es sofort ab. Als die Schnecke das sah, beschwerte sie sich: „Ich habe es zuerst gesehen. Es gehört mir!“ Der Hase lachte nur: „Ich war aber schneller. Also ist es meins!“ Die Schnecke schrie: „Ich bin nur langsamer, weil ich mein eigenes Haus trage! Du hast keines auf dem Rücken.“ Aber der Hase blieb stur: „Da ich es jetzt habe, darf ich es auch behalten.“
Während sie sich stritten, war unbemerkt eine Blattlaus auf das Kleeblatt gekrabbelt und eifrig damit beschäftigt, es vollständig aufzufressen. Da schimpfte die Schnecke los: „WAS SOLL DAS? WIR HABEN ES GEFUNDEN!“ Doch das kümmerte die Blattlaus gar nicht, denn sie war nun satt und krabbelte einfach wieder weg.
Der Hase sah die Schnecke verwundert an und sagte: „Das Blatt stand uns zu. Nun war unser Streit völlig unnötig, alles nur Zeitverschwendung. Denn jetzt hat keiner von uns beiden etwas von dem Blatt.“ Die Schnecke stimmte zu: „Ja, da hast du leider Recht.“ Der Hase nickte, sie verabschiedeten sich und dachten beim nach Hause gehen über ihr Erlebnis nach.
Isabell Arnhardt und Lena Paulick



Der Hase und die Frösche

Ein Hase saß in seinem Lager und grübelte.
»Wer furchtsam ist«, dachte er, »ist eigentlich unglücklich dran! Nichts kann er in Frieden genießen, niemals hat er ein ungestörtes Vergnügen, immer gibt es neue Aufregung für ihn. Ich schlafe vor Angst schon mit offenen Augen. Das muss anders werden, sagt mir der Verstand. Aber wie?«
So überlegte er. Dabei war er aber immerwährend auf der Hut, denn er war nun einmal misstrauisch und ängstlich. Ein Geräusch, ein Schatten, ein Nichts - alles erschreckte ihn schon.
Plötzlich hörte er ein leichtes Säuseln. Sofort sprang er auf und rannte davon. Er hetzte bis an das Ufer eines Teiches. Da sprangen die aufgescheuchten Frösche alle ins Wasser.
»Oh«, sagte der Hase, »sie fürchten sich vor mir! Da gibt es also Tiere, die vor mir, dem Hasen, zittern! Was bin ich für ein Held!«
Da kann einer noch so feige sein, er findet immer einen, der ein noch größerer Feigling ist.
La Fontaine



Löwe und Hase

Auf dem Berge Mandara wohnte ein Löwe, der hieß Grimmig, und dieser Löwe mordete fortwährend die Tiere. Da ließen denn diese nach einer gemeinsamen Beratung dem Löwen sagen: »Warum tötet Ihr alles Wild? Lieber wollen wir Euch zu Eurer Wohnung täglich ein Tier schicken.« Der Löwe sagte: »Ich bin‘s zufrieden!« Also schickten sie ihm alle Tage ein Tier. Da kam nun einst die Reihe an einen alten Hasen. Dieser dachte:
Bescheiden ist man nur aus Scheu
und wenn man fürder hofft zu leben.
Was frommt‘s, ist günstig mir der Leu?
Ich muss ihm doch mein Leben geben.
Drum will ich mir ja Zeit nehmen auf meinem Gange.
Der Löwe aber, den der Hunger peinigte, fuhr ihn zornig an: »Warum kommst du so spät?« Jener erwiderte: »Meine Schuld ist‘s nicht. Ein anderer Löwe hat mich unterwegs aufgehalten. Ich habe ihm einen Eid leisten müssen, zurückzukehren und bin jetzt nur gekommen, dies dem Herrn zu melden.« Da wurde der Löwe zornig und rief: »Gleich kommst du mit und zeigst mir, wo der Schurke ist!« Der Hase führte ihn an einen tiefen Brunnen. »Geruhe der Herr zu kommen und zu sehen« - so sagte er und zeigte ihm sein Spiegelbild im Brunnen. Geschwollen vor Wut und von seinem Stolze getrieben, stürzte er sich auf dieses hinab und mußte sterben.
Projekt Gutenberg



Der Hase und der Fuchs

Ein Hase und ein Fuchs reisten beide miteinander. Es war Winterszeit, es grünte kein Kraut, und auf dem Felde kroch weder Maus noch Laus. „Das ist ein hungriges Wetter“, sprach der Fuchs zum Hasen, „mir schnurren alle Gedärme zusammen.“ - „Jawohl“, antwortete der Hase. „Es ist überall dürr, und ich möchte meine eigenen Löffel fressen, wenn ich damit ins Maul langen könnte.“

So hungrig trabten sie miteinander fort. Da sahen sie von weitem ein Bauernmädchen kommen, das trug einen Handkorb, und aus dem Korb kam dem Fuchs und dem Hasen ein angenehmer Geruch entgegen, der Geruch von frischen Semmeln. „Weißt du was!“ sprach der Fuchs: „Lege dich hin der Länge lang, und stelle dich tot. Das Mädchen wird seinen Korb hinstellen und dich aufheben wollen, um deinen armen Balg zu gewinnen, denn Hasenbälge geben Handschuhe; derweilen erwische ich den Semmelkorb, uns zum Troste.“

Der Hase tat nach des Fuchsen Rat, fiel hin und stellte sich tot, und der Fuchs duckte sich hinter eine Windwehe von Schnee. Das Mädchen kam, sah den frischen Hasen, der alle Viere von sich streckte, stellte richtig den Korb hin und bückte sich nach dem Hasen. jetzt wischte der Fuchs hervor, schnappte den Korb und strich damit querfeldein, gleich war der Hase lebendig und folgte eilend seinem Begleiter. Dieser aber stand gar nicht still und machte keine Miene, die Semmeln zu teilen, sondern ließ merken, dass er sie allein fressen wollte. Das vermerkte der Hase sehr übel. Als sie nun in die Nähe eines kleinen Weihers kamen, sprach der Hase zum Fuchs: „Wie wäre es, wenn wir uns eine Mahlzeit Fische verschafften? Wir haben dann Fische und Weißbrot, wie die großen Herren! Hänge deinen Schwanz ein wenig ins Wasser, so werden die Fische, die jetzt auch nicht viel zu beißen haben, sich daran hängen. Eile aber, ehe der Weiher zufriert.“

Das leuchtete dem Fuchs ein, er ging an den Weiher, der eben zufrieren wollte, und hing seinen Schwanz hinein, und eine kleine Weile, so war der Schwanz des Fuchses fest angefroren. Da nahm der Hase den Semmelkorb, fraß die Semmeln vor des Fuchses Augen ganz gemächlich, eine nach der andern, und sagte zum Fuchs: „Warte nur, bis es auftaut, warte nur bis ins Frühjahr, warte nur, bis es auftaut!“ Und lief davon, und der Fuchs bellte ihm nach, wie ein böser Hund an der Kette.
Ludwig Bechstein



Elefant, Rhinozeros und Hase

Auf einer kleinen Insel lebten ein Elefant, ein Rhinozeros und ein Hase. Der Elefant und das Rhinozeros ließen dem Hasen keine Ruhe. Er musste tun, was die beiden wollten. Das wurde ihm zu viel und der Hase überlegte, wie er die beiden loswerden könnte.
Und eines Tages hatte er eine Idee. Er flocht aus Lianen ein starkes Seil. Damit lief er an das eine Ende der Insel, wo der Elefant wohnte, und sagte u ihm: „Guten Tag, Elefant! Lass und doch mal ausprobieren, wer von uns der Stärkere ist! Wie wär‘s mit Seilziehen?“
„Du machst mir Spaß“, sagte der Elefant. „Aber wir können es ja probieren!“
Der Hase machte das Seil an einem Elefantenbein fest und sagte: „Ich laufe zur Mitte der Insel. Wenn ich dreimal am Seil reiße, fangen wir an zu ziehen!“
„Abgemacht“, sagte der Elefant. Der Hase lief ans andere Inselende, wo das Rhinozeros wohnte, und sagte: „Guten Tag, Rhinozeros! Lass uns doch mal ausprobieren, wer von uns beiden der Stärkere ist! Wie wär‘s mit Seilziehen?“
Erst lachte das Rhinozeros, aber dann band es sich das Seil um das Bein. Der Hase lief am Seil entlang zur Inselmitte. Dort riss er dreimal am Seil.
Und nun begann ein Zeihen auf Biegen und Brechen. Der Elefant zog und stöhnte, das Rhinozeros zog und keuchte. Beide wunderten sich über die Stärke des Hasen.
Der Hase aber nagte und nagte und nagte, bis das Seil mit einem Schlag zerriss und beide, der Elefant und das Rhinozeros, mit einem Platsch ins Meer fielen.
Seither hatte der Hase seine Ruhe.
Hans Baumann




When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #155981
12/12/2014 06:45
12/12/2014 06:45
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607


Der Regulator
von whn61

In eben jenem Königreich trug es sich zu, dass der König sich um seine Untertanen sorgte. Sie arbeiteten hart, wohnten weit voneinander entfernt, ständig kamen neue Untertanen aus anderen Königreichen in sein Land und die Sozialkontakte wurden immer schwieriger. Der König holte seine besten Berater und sie überlegten sieben Tage und sieben Nächte wie sie es erreichen konnten, die Untertanen einander näher zu bringen. Sie begannen mit einem Brainstorming und sammelten viele Ideen. Von einer sehr bizarren Idee handelt dieses Märchen. Ja, es ist ein Märchen. In der Realität gibt es so etwas natürlich nicht. Reale Menschen würden sich nie so verhalten. Trotzdem möchte ich heute von dem sich um seine Untertanen sorgenden König berichten, als wäre ich ihm persönlich begegnet.

Einer seiner Berater war ein Technikingenieur. Er war sehr klug, wusste von den neuesten Erfindungen und hatte dem König schon überaus oft bei der Verbesserung der Bedingungen in seinem Land geholfen. Dieses Mal berichtete der Ingenieur von einer Erfindung jenseits der Grenzen, die ähnlich wie ein Telefaxgerät funktionierte nur ohne Papier. Der König war sehr interessiert. Ein Telefaxgerät hatte er seit einiger Zeit in seinem Büro zustehen. Es war ein lustiges Ding. Er tippte seine Nachrichten und Befehle ein und fast zeitgleich konnten seine Stadthalter in allen Teilen des Landes lesen, was zu tun sei.
"Dieses Gerät ist weitaus komplexer", erklärte der Ingenieur. "Jeder Eurer Untertanen bekommt ein kleines Gerät nicht größer als ein Band der Lexikothek Eurer Gnaden und kann mit allen anderen Untertanen kommunizieren. Man kann sich unterhalten, Bilder und Filme schicken, Geschichten und Nachrichten in eine künstliche Welt voller Wunder übertragen. Jeder, der so ein Buch besitzt, bekommt eine Adresse, wie die eures Schlosses und einen Nicknamen und kann sich in der Kunstwelt bewegen. Es ist ein Spiel mit realen Menschen." "Was soll mir das bringen?", interessierte sich der König. "Nun, wir können ein Haus einrichten, in dem sich Eure Untertanen treffen und unterhalten, ihre Sorgen, Interessen oder Anliegen vortragen können. Sie können diskutieren, Spaß haben und mit der Zeit werden sie ihre Scheu verlieren und einander näher kommen."

An dieser Stelle muss man sagen, dass der König ein sehr freundlicher Mann war. Er sah die Einsamkeit und die Entfernung, die einige seiner Untertanen zu ihren Familien hatten. Er hatte längst erkannt, dass durch die vielen neuen Untertanen aus anderen Königreichen Probleme entstanden und dachte sich: "Das ist ein hervorragenden Gedanke. Wenn sie sich erst einmal kennen, werden sie sich leichter akzeptieren und das Leben wird attraktiver und vielseitiger. Sie werden den Wunsch hegen, einander in der Realität zu begegnen und das Sozialleben wird abwechslungsreicher.
Die Sache wurde schnell beschlossen. Für die Finanzierung fand man einen reichen, technisch interessierten, stillen Sponsor. (Unter vorgehaltener Hand kann ich euch verraten, dass es ein guter Freund des Königs war.) Eine Gruppe von Ingenieuren, Technikern und Werbestrategen begann mit der Entwicklung des Hauses. Die Arbeit ging schnell voran, weil sie selbst alle neugierig waren und wissen wollten, wie die Idee funktionierte. Eines Tages war es soweit. Das Haus wurde eröffnet. Die Untertanen des Königs begannen es zu nutzen und auch die Fremden kamen in das Haus. Die Gemeinschaft wuchs fast täglich, bis der König, der anfangs oft unter einem anderen Namen anwesend war, bemerkte, dass sich das Leben in seinem künstlichen Haus nicht anders verhielt, als in der realen Welt. Es war sogar viel schlimmer, als er dachte. Einige der Fremden, die sich als Gäste in seinem Haus aufhielten, würden gemein, bösartig und beschmutzten die Ehre seines Landes. Das wollte er so nicht hinnehmen und wieder mussten seine Berater zusammenkommen. Dieses Mal war es nur eine kurze Zusammenkunft. Sein Innenminister riet ihm, Regulatoren einzusetzen, die über die Gesetze des Hauses wachen sollten. Der König dachte sich, dass sein Minister die meisten Erfahrungen in der Entscharfung von Spannungen hat und vertraute auf ihn.

Man begann im Haus nach Untertanen und Fremden zu suchen, die diese Aufgabe übernehmen konnten. Der König und seine Minister überlegten lange und intensiv, wer dazu in der Lage war. Man entschied sich für ein gemischtes Team aus eigenen Untertanen und solchen, die aus anderen Königreichen kamen. Es sollten Mitglieder der Gemeinschaft sein, auf die man sich verlassen konnte. Schließlich war es eine hohe Verantwortung. Sie durften nicht intolerant sein, mussten andere Meinungen akzeptieren können. Der König wollte, dass die Kultur des Landes geachtet wurde. Aber er wollte auch nicht, dass die Gemeinschaft sich überwacht oder in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlte.
Die Arbeit der Regulatoren begann. Scheinbar wurde es ruhiger. Was der König nicht beachtet hatte, war, dass einige Regularoren mit der neuen Macht nicht umgehen konnten. Was der König ferner nicht beachtet hatte, war, dass er eigentlich keine Zeit für dieses Haus hatte. Er musst regieren, Entscheidungen treffen, mit anderen Königreichen verhandeln, die Wirtschaft ankurbeln, richterliche Entscheidungen treffen. Letzteres war das Schwierigste für ihn. Es gab Kriminelle die seine Untertanen schädigten: Bankräuber, Mörder, Pädophile, Diebe, Banditen, Erpresser, Fälscher... die ganze Bandbreite von Gesetzesbrechen, wie in jedem anderen Land auch. Dabei gab es nur ihn und seinen Justizminister, die in der Rechtssprechung unterrichtet waren. Diese Arbeit nahm die meiste Zeit in Anspruch.

Dann geschah das nicht Erwartete. Einer der Regulatoren übertrat seine Kompetenzen. In geheimen Botschaften verleumdete er Mitglieder des künstlichen Hauses und schrieb Briefe in fremden Namen. Die Botschaften waren verschlüsselt, die Adressen falsch und geklaut, so dass niemand ahnte, dass es ein intriganter Regulator war. Man beschuldigte sich gegenseitig. Das Haus drohte auseinanderzubrechen. Niemand ahnte, wer der Täter war, niemand verstand warum solche Dinge passierten. Aber die Wahrheit kam trotzdem ans Licht. Einige zerstrittene Untertanen wandten sich an den König und baten ihn, das Problem für sie zu lösen. Der König zog sich mit dem Justizminister zurück. Sie hatten eigentlich keine Zeit für ein langwieriges Verfahren und beschlossen deshalb, das Verfahren nicht durchzuführen. Sie fanden einen Paragraphen, der für leichte Vergehen eine Beendigung des Streites mit dem Hinweis an den Beklagten, sich zu bessern und die königliche Aufbewahrung der eingereichten Papiere für einen sehr langen Zeitraum erlaubte. Das war kein Freispruch, aber auch kein Schuldspruch. Der König wusste das. Er war aber ein optimistischer Mensch und glaubte an das Gute in seinen Untertanen. So schrieb er dem Regulator einen Brief:

Geehrter Regulator,

wir sind enttäuscht von deiner egoistischen Arbeitsweise. Ab sofort wirst du nie mehr als Regulator eingesetzt. Da wir aber wissen, dass du kein abgrundböser Krimineller bist und wir mit unserer Zeit wirklich schwerwiegende Fälle lösen müssen und weil du bisher noch nicht einschlägig negativ in Erscheinung getreten bist, stellen wir das Verfahren gegen dich ein. Dein Verschulden ist gering. Deshalb besteht kein königliches Interesse an der Strafverfolgung. Wir erwarten, dass du durch das bisherige Verfahren hinreichend gewarnt und beeindruckt bist.

König aller Untertanen dieses wunderbaren Landes


Von diesem Tag an trat der König nicht mehr im Haus in Erscheinung. Er beobachtete nur noch, wählte seine Regulatoren gewissenhaft aus. Leider zogen sich seine Untertanen nach und nach aus dem Haus zurück. Täglich hatten sie mit den Fremden zu tun, die sie beleidigten und überheblich über ihre Kultur sprachen. Manchmal verirrten sich einige Untertanen zufällig in das Haus. Aber auch diese blieben nie lange. Einige wenige Untertanen hielten dem Haus die Stange. Ihre Gründe blieben für immer ungewiss. Vielleicht waren sie wie ihr König unverbesserliche Optimisten. Und manchmal äußerst selten hatten sie Erfolg und fanden jemanden, der sie akzeptierte, wie sie waren. Dann entstanden tiefe, loyale, herzliche Freundschaften, wie es der König bei der Errichtung dieses Hauses erträumt hatte.
So bestand das Haus jahrein und jahraus fort. Und wenn es nicht durch seine Bewohner zerstört wurde, existiert es noch immer irgendwo dort draußen im Reiche eines Königs der großmütig, verständnisvoll, zuversichtlich, gerecht, optimistisch, großherzig und tolerant ist. Der, obwohl er weiß, dass viele der Fremden sein Volk verachten und sich in seinem Land nicht wohl fühlen, diese Fremden toleriert.

Prolog - ein kurzer
Wer bis hierher gelesen hat, dem danke ich herzlich. Ihr habt längst verstanden, dass diese Geschichte reine Fantasie und weit entfernt vom realen Leben ist. Möglicherweise findet ihr die eine oder andere Idee, wie man das Leben besser als die Untertanen, die Fremden und die Regulatoren im Reiche des hoffnungsvollen Königs gemeinsam mit Respekt und Achtung voreinander gestalten kann.

Ähnlichkeiten der handelnden Personen mit Usern aus dem Forum sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.


When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Re: "Es war einmal..." - Märchen aus Marokko -teil2- [Re: whatshername61] #163749
11/08/2017 09:34
11/08/2017 09:34
Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607
W
whatshername61 Offline
Mitglied*
whatshername61  Offline
Mitglied*
W

Joined: Aug 2011
Beiträge: 2,607




Märchen gehören zu jeder Kultur, die orientalischen Märchen gehören wahrscheinlich in jeder Familie zu Repertoire im Bücherregal:



When the rich wage war
is the poor who die.
LP
Seite 2 von 2 1 2

Powered by UBB.threads™ PHP Forum Software 7.7.1