whatshername61
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liebe koschla, liebe choppy,
auf unserem treffen habe ich euch einen abschied angekündigt. er kommt jetzt schneller als erwartet. ich werde mich für eine unbestimmte zeit aus dem forum zurückziehen. ich brauche das für mich selbst. auch ein starkes herz braucht manchmal eine ruhepause, um weiter schlagen zu können. mir hat vorkurzem jemand geraten immer den haupteingang zu nehmen. ihr wisst, dass ich hier nur zufällig gelandet bin. mein haupteingang ist ein anderer. ich kann sagen, dass ich hier viel gelernt und erfahren habe. ich danke allen, die daran beteiligt waren. dies ist mein letztes posing für eine weile. ich hoffe, ich werde eines tages zurückkehren können ohne tränen, traurigkeit und mit der euch bekannten power. 007 last and least: was ist eine entscheidung wert, wenn sie zu schnell und aus einem bauchgefühle heraus getroffen wird? wird sie nicht aus einem ähnlichen bauchgefühl heraus, genauso schnell wieder reviediert? manchmal brauchen dinge zeit und erklärungen.
ich habe euch eine geschichte verprochen, die ich jetzt erzählen werde.
liebe teilnehmer dieses forums
legt euch taschentücher bereit, denn jemand der bei dieser geschichte nicht weint oder eine unheimliche wut bekommt, hat kein herz. es sind nicht meine worte, es sind die worte einer jungen frau namens gergishu yohannes aus eritrea. ich habe für diejenigen, die den links nicht folgen wollen, eine geschichte herauskopiert. sie ist nicht fiktiv, sie ist wahrhaftig passiert. ich bekomme gänsehaut, wenn ich nur daran denke, was ich euch gleich erzählen werde:
Ein Engel auf Erden
Angelo oder Mohamed wurde mit sechs Jahren in die katholische private Schule geschickt. Ein Priester gab ihm den Namen „an Angel“, weil er für diese Schule eine besondere Bereicherung war – so sein Schuldirektor, den ich auch besucht habe. Später besuchte Mohamed eine evangelische Schule, ähnlich einem deutschen Internat. Seine Eltern sind gläubige Muslime. Sie sind nicht besonders reich. Aber sie schickten ihr Kind zu den besten Schulen Eritreas. Das erfüllte sie mit Stolz, weil sie alles dafür gaben, ihr Kind loyal, tolerant und global denkend zu erziehen. Was Mohameds Geschichte für mich besonders macht, ist ihre Symbolik: Bereits als Kind bewies er eine menschliche Größe und politische Weitsicht, die ihm selbst nicht zuteil werden sollte. Als Mohamed zehn Jahre alt war, sagten ihm die Eltern, dass er nun anfangen solle, mit ihnen an Ramadan zu fasten. Er antwortete ihnen, er wolle nicht unhöflich sein, aber wenn er das Gefühl dazu bekomme, werde er selbst anfangen zu fasten. Mit 13 Jahren kam er eines Morgens um vier Uhr früh zu seiner Mutter und sagte: „Mama ich will mit Euch frühstücken, weil ich angefangen habe zu fasten.“ Er fastete ohne Unterbrechung mit seiner Familie. Es kam dann der Tag des Fastenbrechens, ein großes islamisches Fest, an dem den ganzen Tag über gegessen wird und die Familien und Freunde sich gegenseitig besuchen und sich gratulieren. Mohamed lud seine christlichen Klassenkameraden sowie Priester und Nonnen zu sich nach Hause ein, ohne seine Familie vorher zu fragen. Das machte seine Familienangehörigen sprachlos. Später erklärte er seiner Mutter, wenn er gefragt hätte, hätten sie vermutlich nein gesagt, weil sie nicht bereit gewesen wären, die andere Religion kennen zu lernen. Mohamed war damals erst 13 Jahre alt. Aber er sprach wie ein alter Mann, sagte seine Mutter. Er freute sich sehr, dass die Christen seine Einladung annahmen. Er fühlte sich ernst genommen. Sein Vater blieb skeptisch, aber der Großvater hieß die Gäste willkommen und lud sie zum Essen und zum Trinken ein. Mohamed ging es aber gar nicht um Essen oder Trinken. Er wollte, dass es keine Trennung zwischen den Religionen gibt. Er war der Überzeugung, dass das Leben mit Toleranz, Offenheit, gegenseitigem Respekt und Hilfsbereitschaft viel einfacher zu meistern ist. So hat er es seinen Eltern erklärt. Ab dieser Zeit war es für die Familie selbstverständlich, zweimal im Jahr für Christen und für Muslime zu kochen, sagte mir seine Mutter. Sein Vater sagte mir:„ Mohamed hat uns die Augen dafür geöffnet, was Religion wirklich bedeutet. Das hieß für ihn, jeden zu achten und zu respektieren, jedem zu helfen und sich nicht nur an seiner eigenen Religion zu orientieren. Er erinnerte uns daran, dass es nur einen Gott gibt – nur dass jeder ihn anders nennt. Mohamed ging es in Eritrea nicht gut. Er durfte die Universität nicht weiter besuchen, was seinen Traum zerstört hat. Er eröffnete seiner Mutter, dass er nicht wusste, was er machen solle und er für einige Zeit einen guten Freund besuchen werde, um einen klaren Kopf zu bekommen. Es vergingen vier Monate bis seine Eltern das nächste Mal von ihm hörten. Sie erhielten die schlimmste Nachricht, die Eltern bekommen können. Ich finde, es ist in Mohameds – Angelos – Sinn und im Sinne von vielen anderen, den Toten und Verschollenen im Mittelmeer einen Namen zu geben. Es sind Menschen wie du und ich, Menschen, die Familien und Freunde haben, an die man jede Sekunde denkt und die man schrecklich vermisst. Diese Grausamkeit kann jeden von uns treffen – Grausamkeit kennt keine Nationalität und keine Hautfarbe. Wir sollten uns immer vor Augen halten, wie sehr diese Menschen gelitten haben, während so viele Schiffe an ihnen vorbei gefahren sind, ohne Hilfe zu leisten. Denn diese jungen Menschen mit ihren Idealen einer toleranten, weltoffenen Gesellschaft und ihrer positiven Lebenseinstellung nehmen nicht ohne Grund so eine große Gefahr auf sich. Es ist die Macht der Politik, die sie aus ihren Heimatländern vertreibt und es ist die Macht der Politik, die sie in europäischen Gewässern umbringt. Wie die meisten Angehörigen empfinde ich keine Rachegefühle oder Ähnliches. Ich bin nur unendlich traurig und manchmal auch wütend auf die gesamte Politik und auf die Menschen, die solch eine menschenverachtende Politik betreiben. Die Politiker, egal aus welchem Kontinent, schüren Angst und Fremdenfeindlichkeit, nur um an die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben. Angelo hatte alles im Leben: eine liebende Familie, finanzielle Sicherheit und vor allem sehr viele Freunde, die ihn geachtet und respektiert haben. Er musste sein Land verlassen, weil er um sein Leben fürchtete. Es ist unmenschlich, jemanden jämmerlich sterben zu lassen, der nur in Frieden überleben wollte und niemandem Leid zugefügt hat, an einem Ort wo, offenbar nur zum Schein, die Menschenrechte gepredigt werden. Angelos Eltern haben mir einen Satz mit auf den Weg gegeben: „Wir wünschten nur, wir hätten eine kleine Chance bekommen, um unseren Sohn zu sagen, wie glücklich und wie stolz er uns gemacht hat und wie dankbar wir ihm immer bleiben werden. Allen Eltern wünschen wir, dass sie so viel Glück und Stolz durch ihre eigenen Kinder erfahren, wie wir das mit unserem Sohn Mohamed erfahren haben und niemals so eine schlimme Tragödie und Schmerz erleben und überleben müssen, die uns den Rest unseres Lebens begleiten werden.“
whatshername61
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sorry, ich muss noch mal kurz rein. für die die den weitläufigen links nicht folgen:
gergishu hat ihren menschenrechtspreis natürlich nicht für das erzählen dieser geschichte bekommen. sie hat auf dem selben boot ihren 20-jährigen bruder verloren. daraufhin hat sie ca. 1500 hinterbliebene dieses unglückes ausfindig gemacht und sich die geschichten aller auf diesem boot gestorbenen personen erfahren. dann hat sie klage gegen den italienischen staat wegen unterlassener hilfeleistung eingeicht. jeden tag fuhren schiffe vorbei, die nicht halfen. ebenso war der italienische staat informiert, weil sie zu diesem zeitpunkt ihren bruder suchte. sollte sie diesen rechtsstreit gewinen, wird der wegweisend für die weitere asylpolitik europas sein. bereits im moment ist abzusehen, dass der italienische staat das verfahren verschleppt. der antrag ist bis jetzt nicht bearbeitet worden. zum oktober wird pro asyl eine offenen protestbrief entwerfen, den jeder unterschreiben kann, um das verfahren voran zu treiben.
danke youssef, ich habe es bereits an pro asyl weitergeleitet, die werden ganz sicher gergishu informieren.
ich hoffe, dass diese tragödien irgenwann ein ende nehmen.
#138535 - 11/09/201223:09Re: lebende engel
[Re: 21merlina]
Jasmin Hauser
Moderatorin
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Liebe Katrin,
ganz erhlich? Ich musste nicht weinen, aber nicht weil ich gefühllos bin oder mir die Geschichte nicht nahe gegangen wäre, sondern weil ich schon etliche Tränen in meinem Leben über solche "Schicksale" vergossen habe. Irgendwann hört man auf zu weinen, aber die Wut über diese Ungerechtigkeit und auch die Verletztheit und Traurigkeit darüber bleibt, die wird wohl auch nie verschwinden. Dennoch schockiert und trifft es mich immer wieder aufs Neue, wenn ich solche Geschichten lese und danke dir, dass du diese Rede hier in diesem Forum veröffentlicht hast, weil man es nicht genug ins Bewusstsein der Menschen rufen kann.
Die Frage ist was der/die einzelne beitragen kann, um derartigen Missständen entgegenwirken zu können - der Titel deines anderen Beitrages würde hierzu wohl sehr gut passen: REVOLUTION RIGHT NOW!!!
Katrin, ich denke, dass du einige wertvolle Beiträge hier im Forum geliefert hast und sie werden mir auch abgehen. Manchmal muss man aber etwas loslassen um weiterzukommen und neue Wege zu gehen. Dennoch ist das Leben keine Einbahnstraße und vielleicht kehrst du irgendwann mal wieder zurück.
Gedenkveranstaltung für die Toten an Europas Außengrenzen 6.Oktober 2012 Die Familien der Toten fordern Gerechtigkeit.
Liebe Forumsmitglieder,
wie erwartet, verschleppt die italienische Rechtssprechung den Prozess um die Toten im Mittelmeer. Gestern flog mir der Brief von Pro Asyl ins Haus mit der Bitte, die ital. Regierung zum Handeln aufzufordern.
Es geht um Menschen, die in ihrer Aussichtlosigkeit einen Weg nach Europa suchen und von uns statt der erwarteten Hilfe --> Hass, weitere Verfolgung, Abschiebung, Ausgrenzung und Tod erwartet.
ihr habt euch mit diesem Problem mit Sicherheit schon oft beschäftigt. Es geht in diesem speziellen Fall um Brüder und Schwestern eures Glaubens. Wir brauchen eure Hilfe.
@ die andere Fraktion: alle Luxuscars, et`s und T`n`Ts dieses Forums
vergesst in diesem Falle einmal die Unterschiede und denkt an Menschlichkeit, Ehre, gegenseitige Achtung und Respekt.
Ihr könnt uns helfen, in dem ihr mit einem Brief die ital. Regierung auffordert, dem Massensterben Einhalt zu gebieten.
Pro Asyl hat sich von einer nicht beachteten Organisation zu einer starken Kraft in Europa entwickelt, die gesetzliche Grundlagen für eine bessere Asylpolitik schafft, bei der Gerichte Europas Gutachten anfordert, um Prozesse zu führen, die dramatische Einzelfälle unterstützt, die für ein gerechteres Europa eintritt, in dem es keine Ausgrenzungen, Rassismus und einen Platz für Hilfesuchende gibt.
Der Kampf von Gergishu Yohannes soll Gerechtigkeit finden.
Gergishu Yohannes mit Jürgen Micksch, dem Vorsitzenden des Stiftungsrates PRO ASYL (im Bild rechts) und ihrem Laudator Wolfgang Grenz, Generalsekretär von Amnesty International Deutschland
Es kostet nicht viel, nur einwenig Zeit und eine Briefmarke. Ich werde in Kürze den Brief und die Adresse, an die er geschickt werden sollte, veröffentlichen.
Danke für´s lesen Katrin Neubrandenburg
ps.Hommage! an meine Schwestern: ich bin glücklich, einen Teil der Tour von „Die Toten Hosen“ mit Pro Asyl begleiten zu dürfen. Das zweite „Wunder“ meiner letzten Reise, auf dem ich euch, mein größtes Wunder“ auf diesem Wege, fand. http://dietotenhosen.de/proasyl.php
#139476 - 12/10/201222:55Re: lebende engel - hilfst du ihnen?
[Re: whatshername61]
Jasmin Hauser
Moderatorin
Registriert: 13/02/2010
Beiträge: 1356
Ort: Austria
Hallo und Salam an alle,
der Thread scheint mir ein wenig untergegangen zu sein. Ich habe überlegt, wie ich diesen wichtigen Thread noch mal ein wenig in Erinnerung rufen könnte. Mir ist nichts großartiges eingefallen, deshalb kurz und bündig an alle, die solche traurigen Schicksale nicht kalt lassen: Bitte nehmt euch die paar Minuten Zeit um das Schreiben auszudrucken und zur Post zu gehen, um es zu versenden! Wir verschwenden so viel Zeit mit banalen und unnützen Dingen. Es sollte so viel Zeit über sein, um ein paar Minuten für eine wichtige Sache zu investieren, denn mehr als ein paar Minuten und 2 oder 3 Euro kostet es nicht!
#139571 - 14/10/201220:27Re: lebende engel
[Re: Andreas1]
whatshername61
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Beiträge: 1554
Ort: no-man's-land
Hallo Andreas,
Ganz kurz das Résumé aus dem Thread. Auf dem hier relevanten Boot sind 72 von 77 Menschen verhungert und verdurstet. Sie wurden nicht gerettet,
obwohl nachweislich mehrere Boote pro Tag vorbei fuhren (Ergebnis europ. Politk, da die Rettung dieser Menschen einen Prozess wegen Hilfe zur illegalen Grenzüberschreitung nach sich ziehen könnte), obwohl die Küstenwache Bescheid wusste und obwohl die italienisch Regierung informiert war. Gergishu klagt gegen dei ital. Staat wegen unterlassener Hilfeleistung (der erste Prozess dieser Art). Dieser Prozess wird verschleppt. Jetzt wenden wir uns an die Öffentlichkeit, damit der ital. Staat gezwungen wird, diese Klage durchführen zu lassen.
Ein Sieg Gergishus könnte Regelungen in Folge ergeben, damit das Massensterben im Mittelmeer aufhört und Hife für diese Menschen nicht als Verbrechen geahndet wird.
Unabhängig, welches ihre Beweggründe sind (in diesem Fall waren es Schutzsuchende aus Eritrea), es sind Menschen auf diesen Booten, die in der Hoffnung auf Hilfe kommen. Viele von ihnen haben Krieg, Hunger, Tod, Gewalt, Vergewaltigung, Folter... erlebt. Und wir lassen sie sterben...
Es geht um Mobilmachung der Öffentlichkeit, damit der Prozess nicht verschleppt wird und der Tod der 72 Menschen nicht umsonst war.
Katrin
Ps. Pie 5 Überlebenden leben nach einem kurzen Krankenhaushaufenthalt auf der Straße. Von einem von ihnen haben wir Nachricht. Er wurde letzten Winter von einem Unbekannten gerettet als er halb erfroren auf einer Parkbank schlief. Der Unbekannte brachte ihn zu einem Ort auf dem er aufgewärmt wurde, gab ihm 10€ und verschwand. Nachdem er aufgewärmt und verpflegt war, wurde er wieder auf die Straße entlassen...
Bearbeitet von whatshername61 (14/10/201220:33) Bearbeitungsgrund: to be continue
whatshername61
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Liebe Mitglieder dieses Forums,
"Mit dieser E-Mail-Aktion wird der italienische Ministerpräsident Mario Monti aufgefordert, sich für eine Aufklärung der Geschehnisse im August 2009 im Mittelmeer einzusetzen. Damals starben 77 Flüchtlinge einen qualvollen Tod. Sie trieben über 20 Tage mit einem Schlauchboot auf Hoher See zwischen Libyen, Malta und Italien. Am Ende verhungerten und verdursteten sie. ........"
zu weitereren Informationen und zur Internetaktion an den italienischen Ministerpräsidenten
whatshername61
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Die Toten Hosen am 23.12.1993 in Düsseldorf
Dies ist das Land, in dem man nicht versteht Dass fremd kein Wort für feindlich ist In dem Besucher nur geduldet sind Wenn sie versprechen, dass sie bald wieder gehen
und am 23. & 24.11. wieder dort. Pro Asyl und ich mitten drin.
yeahhhhhhhhhhhh
ich weiß, info sinnfrei, aber der thread musste mal wieder auf seite 1
WandaVogel
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Ort: Mainz
Als Pendant zur Deklaration der Menschenrechte kann man vielleicht die Erklärung der Menschenpflichten sehen: http://www.humanistische-aktion.de/mpflicht.html Ist auf jedenfall lesens- und nachdenkenswert!
es ist ganz einfach - man muss nur seinen namen und seine adresse angeben und dann in einer mail noch bestätigen. das schreiben ist schon vorgefertig. ist also eine angelegenheit von ein paar sekunden und man hat eine wichtige sache unterstützt!