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Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos #102057
12/02/2010 17:24
12/02/2010 17:24
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LOE101010 Offline OP
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LOE101010  Offline OP
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Wollte mal ein Thema anregen, was mich schon lange beschäftigt:

Immer mehr kann man beobachten, dass die Menschen in Marokko, insbesondere die jungen Menschen, sich dem Westen zuneigen. Dies zeigt sich in vielerlei Hinsicht. Ob im Fernsehen, im Internet oder einfach auf der Strasse, insbesondere in den Großstädten, immer häufiger sieht man einen Wandel in Richtung westlicher Lebensart und -einstellung.
Moderne Medien drängen immer weiter vor, Sat-Fernsehen und Internet allen voran.
Jetzt stellt sich die Frage, ob das gut für unser Land und, noch viel wichtiger, für unsere Kultur, Tradition, Religion und unsere Identität gut ist.
Ich bin da immer hin und her gerissen. Klar, freut sich so manch ein Marokkaner, wenn man sieht wie das Heimatland sich wirtschaftlich und gesellschaftlich immer weiter entwickelt, freut sich über neu geschaffene Infrastukturen, über politische Liberalisierungen, über neu geschaffenen Glanz in einigen Gebieten, über neue in Angriff genommene Projekte, die Arbeit schaffen, über immer mehr neu wahrnehmbaren Wohlstand in der marokkanischen Gesellschaft, manchmal auch einfach über neue touristische Angebote, die auch international mit halten können, und und und.....

Aber was ist der Preis dafür???

Tolles Touristengebiet nach westlicher Art = Alkohol an den Bars und zuviel nackte Haut in einem islamischen Land?

Tolle Shows und anderer Sendungen im marokkanischen TV nach westlicher Art (Kopie) = Verlust eigener Werte der marokkanischen Kultur?

Immer mehr westlich und knapp bekleidete Menschen auf den Strassen = Verlust von Moral und Nichtausübung religiöser Pflichten?

Immer mehr Wohlstand einer begrenzten Gesellschaftsschicht durch Erschliessung neuer Geschäftsfelder aufgrund der Verwestlichung = Immer mehr Reiche und noch mehr Arme?

Mehr Strassen, mehr Autos, mehr Großindustrie, mehr Konsum, mehr Chemie in der Landwirtschaft... = Absehbare ökologische
Probleme und Vernichtung von wichtigen und einzigarten Ressourcen Marokkos?

Und wann gehören bei uns Altersheime zur Normalität, weil die Jugend die ältere Generation (wie in vielen westlichen Staten)nur noch als Last ansieht und nicht mehr hinter dem klassischen "Generationenvertrag" steht?

Die Fragen könnten so weiter gehen.

Wie seht ihr die Entwicklung?

Und vor allem: Was überwiegt?

Das Pro oder das Contra der momentanen gesellschaftlichen Entwicklung in Marokko???

Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: LOE101010] #102062
12/02/2010 18:32
12/02/2010 18:32
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a1isha Offline
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a1isha  Offline
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Hallo Said,
das ist wirklich ein tolles, spannendes Thema. Aber jeder, der hier ein Beitrag dazu leistet, muss wohl erst einmal sehr lange und sehr gut nachdenken. Vielleicht poste ich erst nach meinem Aufenthalt in Fes, nachdem ich darüber auch mit meinem Verlobten gesprochen habe. Mal sehen!

Wunderbare Anregung! Ich werde mir Mühe geben - aber das braucht seine Zeit wink

Bin schon gespannt, was aus diesem Thread wird.

LG
a´isha


Ein kleines Lächeln, ein freundliches Wort zwischen den unterschiedlichsten Menschen, sind die beste Anerkennung der Menschenrechte
Aletha Jane Lindstrom
Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: a1isha] #102075
12/02/2010 21:49
12/02/2010 21:49
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drake Offline
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drake  Offline
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Moin Said,

ja, wie a'isha schon richtig bemerkt hat, ist das ein gutes Thema und bedarf überlegter Antworten. Wenn ich Dir trotzdem so schnell antworte, geschieht das, weil ich mich damit schon länger beschäftige und die gleichen Veränderungen in der marokkanischen Gesellschaft festgestellt habe. Deshalb zunächst einmal meine zusammengefasste Meinung:

Jeder individuelle Mensch und jedes Volk muss sich entwickeln und Reife- bzw. Änderungsprozesse mitmachen, wenn er oder es nicht degenerieren will. Das ist ein Lebensgesetz, denn was rastet oder auf einem Status beharrt, das rostet, wie es das Sprichwort sagt. Natürlich erscheinen einige Veränderungen oft überzogen und sind vorschnell erfolgt, ohne die nötige Reifezeit, aber das sind normale Fehlentwicklungen, welche sich mit der Zeit an den generellen Wechsel anfügen.

Deine Frage richtet sich aber speziell auf die Veränderung des Islams, und da sehe ich persönlich eine sich anbahnende Spaltung. Einerseits in eine "modernere" Lesart des Korans und vielleicht eine Privatisierung der Religion auf das Individuum (ohne dabei den Glauben aufgeben zu müssen), und anderseits in eine gesellschaftliche orthodoxe Verhärtung des Islams à la Iran, usw. Und diese Spaltung wird ganz sicher nicht frielich von statten gehen.

Gruß von drake

Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: drake] #102080
12/02/2010 23:03
12/02/2010 23:03
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a1isha Offline
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a1isha  Offline
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Original geschrieben von: drake


Jeder individuelle Mensch und jedes Volk muss sich entwickeln und Reife- bzw. Änderungsprozesse mitmachen, wenn er oder es nicht degenerieren will. Das ist ein Lebensgesetz, denn was rastet oder auf einem Status beharrt, das rostet, wie es das Sprichwort sagt. Natürlich erscheinen einige Veränderungen oft überzogen und sind vorschnell erfolgt, ohne die nötige Reifezeit, aber das sind normale Fehlentwicklungen, welche sich mit der Zeit an den generellen Wechsel anfügen.

Gruß von drake


Guter Beitrag drake!

Mir fällt dazu spontan der "Fall der Berliner Mauer" ein (ich weiß, dies ist ein Marokko Forum ^^) Was in den Grundzügen und von der Idee her, durchaus nachvollziehbar und sicher auch von der menschlichen, persönlichen Warte her, absolut wünschenswert ist, wurde derart überstürzt durchgezogen, dass offensichtlich niemand (und hier meine ich die Overheads, die Verantwortlichen, diejenigen, die Einfluss haben)zeitgerecht und vorausblickend für eine gründlich durchdachte Organisation gesorgt hat. Auf jedes JETZT folgt ein DANACH und das muss geplant sein.
So begannen schon vor der momentanen Finanzkrise die wirtschaftlichen Probleme. Persönliche Spannungen zwischen der ehemaligen Ost- u. Westbevölkerung waren die Folge. Was vorher wie ein Traum erschien, wurde plötzlich nüchterne Realität. Überraschte Ostdeutsche, Enteignungsverfahren, verärgerte Westdeutsche....
Und das ist keinesfalls eine Schuldzuweisung an die Bevölkerung, das sind die Leidtragenden - keine Mauer, trotzdem gespalten! Schade!

Ich will damit sagen: Große Veränderungen brauchen Zeit und gute Planung.

Mohammed VI ist auf einem sehr guten Weg aber er wird viel Geduld, Kraft und Unterstützung brauchen. Ich verfolge die Entwicklung mit großem Interesse.

So, mehr - wenn ich ausreichend nachgedacht habe wink

LG a´isha


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Aletha Jane Lindstrom
Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: LOE101010] #102085
13/02/2010 07:10
13/02/2010 07:10
Joined: May 2009
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tahira Offline
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tahira  Offline
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Joined: May 2009
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Wa alaikum salam

Das sind interessante Fragen.

Die Verbesserung der Infrastruktur ist ja generell nicht schlecht. Aber das Problem ist eben, wie du es beschrieben hast. Das Geld das dadurch verdient wird, verteilt sich auf die, die schon Geld haben und nicht auf die die bisher keins hatten.

Mehr Chemie in Landwirtschaft und Nahrungsmittel machen mich auch sehr traurig. Als ich das erste Mal in Marokko war fand ich es wunderbar, dass man dort noch ohne Maggi & Co. und somit ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffen kocht. Aber das betrifft wohl eher die ältere Generation. Vor kurzem kam eine Bekannte aus Marokko zurück und hatte alle nur erdenklichen Fix-Produkte, die die marokkanische Frau "braucht" im Gepäck. Was mich sehr traurig gemacht hat. Wie lange es wohl in Marokko dauert, bis Kinder nicht mehr wissen, wie Obst oder Gemüse aussehen!? Oder das Tiere für Fleisch sterben müssen. Was hier vielen gar nicht mehr bewusst ist, weil sie nur ein rotes Stück in der Fleischauslage sehen. Und dann geschockt sind, wenn sie mal im türkischen Geschäft einen Schafskopf in der Fleischtheke sehen.

Die Altersheime werden wahrscheinlich in 40-50 Jahren normal sein. Warum!? Zurzeit verteilen sich die Kosten und die persönliche Betreuung der Eltern oder Großeltern auf mehrere Kinder, Enkel. Aber das wird sich bald ändern. Denn auch in Marokko tendieren schon jetzt Familien zu weniger Kindern nach europäischem Vorbild, da reichen dann zwei. Außerdem gehen die Frauen auch mehr arbeiten und haben damit weniger Zeit für Kinder oder die Älteren.

Der Verlust der Religion ist ein schwieriges Thema. Dies macht mich auch sehr traurig. Aber eine Aya in al-Baqara sagt: "Es gibt keinen Zwang im Glauben". Man kann die Leute auf islamische Regeln hinweisen. Aber zwingen kann und sollte man sie nicht.
Andererseits weiss ich auch, dass der Islam in Marokko eine Art Renaissance bei vielen Leuten erlebt. Frauen bedeken sich wieder, aber aus religiösem Bewusstsein und nicht aus Tradition. Die Leute versuchen nach der Sunna zu leben und werden sich darüber bewusst, dass manche Sachen traditionell, aber nicht islamisch sind und versuchen diese auch abzulegen.

Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: LOE101010] #102202
15/02/2010 09:28
15/02/2010 09:28
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Keela Offline
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Hallo
Stagnation ist, wie drake schon sagt, nicht möglich und auch nicht wünschenswert. Aber wer gibt die Richtung vor? An was orientiert man sich? Wo findet man Unterstützer für seine Entscheidungen? Und wie bekommt man das Volk ins Boot?

Mir kommt Marokko momentan vor wie ein eiliger Suchender. Ich kenne das Land/Essaouira jetzt seit gut 12 Jahren. Seit dem hat es eine unglaubliche Veränderung erfahren. Es scheint als gelte es sich auf den Stand von Europa heute zu beamen, ohne sich die Zeit zu nehmen zu überlegen was in welcher Reihenfolge und vor allem mit welchem Tempo sinnvoll und zu verkraften ist.

Es gibt, wie du, Said, sagst, „einen Wandel in Richtung westlicher Lebensart und -einstellung“. Ich sage dazu: Leider! Aber das passiert vielleicht aus Mangel an anderen, guten Vorbildern? Oder gibt es ein islamisches Land, an dem sich Marokko sinnvoller Weise orientieren könnte? Saudi-Arabien ist das sicher aus vielen Gründen nicht. Ist eine Orientierung an Europa und USA sinnvoll? Ich glaube nicht. Diese Staaten haben eine völlig andere Geschichte und ein völlig anderes Netzwerk an Unterstützern und für die Zusammenarbeit. Außerdem gibt es andere Werte und eine überwiegende Entflechtung von Religion und Staat.

Ich war beim Amtsantritt des jetzigen Königs in freudiger Aufregung. Ich glaubte damals an eine langsame Ent-Wicklung der alten rigiden Verhältnisse und Entwicklung einer neuen, frei denkenden, ihre Potentiale nutzende, ihrer Geschichte und Werte bewussten Gesellschaft.

Ok, ok, das ist naiv und idealistisch.

Womit ich wieder bei meinem Anfang bin. Marokko scheint mir auf der Suche nach einer in diese Zeit passenden Identität zu sein. Wenn nicht (wie in Bhutan) diese Veränderung konsequent straff geleitet wird, sind das Erstarken der entsprechenden Pole m.E. nach unvermeidbar. Bleibt ein Auskämpfen der Gegenpole oder eine starke und sichere Führung.
Oder ein anderer Weg? Ich weiss es nicht.

Gruß Keela


Ich bin nicht dumm, ich hab' nur voll so Pech beim Denken...
Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: Keela] #102339
17/02/2010 12:15
17/02/2010 12:15
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Uschen Offline
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Hallo zusammen,

mein erster Beitrag wird sich darum bemühen, zunächst auf den Begriff " Modernisierung" einzugehen, denn damit man nicht aneinander vorbei redet, müsste man die Frage aufwerfen, lässt sich so einfach eine wirtschaftliche Modernisierung ohne kulturelle Modernisierung realisieren?
Ferner ist die Modernesierung eine bestimmte AKTION auf ein Feld, aber die Moderne ist ein geistiges Konzept, das vieles beinhaltet und sich nicht nur auf wirtschaftliche Projekte redutzieren lässt.
Der erste Beitrag macht deutlich, dass der Schreiber die Moderne intuitiv ablehnt, denn er versteht die Moderne als eine Verwestlichung.
Typisch für viele Gläubige ( Muslime, Christen und Juden ) ist die immer wiederkehrende Frage, was wird aus dem Islam,Christentum und Judentum, als ob die Menschen in den islamischen Ländern oder anderswo NUR von der Religion leben würde.
Natürlich kann man die Produkte der Moderne konsumieren ohne an der Moderne teilhaben zu können, das ist der Fall der islamischen Gesellschaften, sie sind reine Konsumgesellschaften der modernen Produkte geworden.
Wer die Moderne als ein "westliches" Produkt versteht, der wird immer eine Grenze ziehen wollen und auf seine Religion hinweisen, wer die Moderne aber als ein Ergebnis eines Prozesses der menschlichen Zivilisation betrachtet, an der auch Muslime mit ihren frühreren Leistungen beteiligt waren, der wird immer versuchen, eine positive Haltung aufzubauen und vielleicht, diese Moderne auch bereichern, es müssen nicht immer große Leistungen sein.



Gruss


Tidt n umya!
Re: Pro & Contra: Derzeitige Modernisierung Marokkos [Re: Uschen] #102356
17/02/2010 14:48
17/02/2010 14:48
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Sauerland
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Summach Offline
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Sauerland
Meine Erfahrungen lassen sich so zusammenfassen:

1. Es existiert eine sehr selbstbewusste Führungselite in Marokko, die sehr gut informiert und sich ihrer Verantwortung bewußt ist = die Oben wissen was sie tun und haben das Handwerkszeug von der Pike auf gelernt.

2. Marokko gehört zu den Staaten in Afrika, die sich nichts für einen Appel und ein Ei abkaufen lassen: die Regierenden wissen sehr genau, was ihr wichtigster Besitz ist und wie sie ihn schützen müssen (ihre Kultur und ihre Tradition) = es wird zu vielem Ja und Amen gesagt und anschliessend ganz bewußt nichts unternommen. Das gilt sogar bei grossen Summen und grossen Verlockungen: ihr Überlebens-Instinkt ist überraschend intakt.

3. Die Beziehungen zu Europa sind (noch) nicht von Selbstbewußtsein geprägt - eher von einer abwartenden Haltung: das wird sich in nächster Zukunft jedoch drastisch ändern - es wird sich eine Haltung Raum schaffen, die versteht, daß Marokko kein Bittsteller ist, sondern Anbieter von Ressourcen (kulturellen, handwerklichen, klima- und energietechnischen) und daß es den Preis dann selbst festsetzen kann.

Was gar nicht hoch genug angesetzt werden kann, ist der tiefreichende und sehr gesunde Wurzelstock, der "die Marokkaner" (Elite wie Bettler) mit seiner Tradition und seiner Kultur verbindet: das Land ist nicht verkommen und nicht verelendet. Das macht den Unterschied zur Ex-DDR aus und auch zu Rußland und den osteuropäischen Staaten: nicht 60 Jahre negative Auslese, sondern Bewahren und Erhalten von Sprache, Kultur und Gesellschaft auf einem hohen Niveau: es ist in Marokko ohne weiteres möglich ein komplexes philosophisches Gespräch mit einem alten Mann auf einem Busbahnhof zu führen - ohne Ansehen seines Herkommens und seiner Bildung. In Osteuropa kapituliert man dagegen gleich nach der Ankunft vor den gigantischen Ausmassen an Verheerungen in jeder nur denkbaren Dimension: Marokko wird eine gute Zukunft haben und jedes Engagement dort ist ein lohnendes Engagement.

Zu verwahrlosen beginnen junge Männer:

und da liegt ein grosses Problem, das in dem münden kann und münden wird, was Drake hier beschreibt. Junge Männer sind in jeder Gesellschaft ein Problem, die keine Initiationsriten und keine kämpferischen Herausforderungen ihrem männlichen Nachwuchs anbieten können - ganz besonders aber in Marokko, wo es eine große Demütigung darstellt, seine besten Mannesjahre im Hotel Mama verbringen zu müssen - anstatt eine eigene Familie zu gründen und in die Welt zu ziehen.

Und die holt auch das beste Modernisierungsprojekt nicht mehr ein: dafür sind es zu viele und es ist für eine komplette Generation fast schon zu spät.

Josi


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